Regiment

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Wachregiment Friedrich Engels, Berlin, Hauptstadt der DDR (1985)
Taktisches Zeichen eines Infanterieregiments (IR)

Das Regiment (lateinisch regimen = Lenkung, Herrschaft, Regierung) ist eine mittelgroße militärische Formation. Gliederung und Stärke variieren abhängig von Waffengattung, Epoche und Land stark.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Truppenteil und Stehendes Heer

Die Zahl der Bataillone pro Regiment variierte abhängig von Epoche und Heer stark. Ein Regiment besteht aus in der Regel zwei bis vier Bataillonen oder aus mehreren Kompanien, in der Kavallerie üblicherweise fünf Eskadrons (oder Schwadronen), die zur selben Waffengattung gehören. Entsprechend groß ist die Bandbreite der Sollstärken, die vom britischen Kavallerie-Regiment des 19. Jahrhunderts mit zehn Troops (Halbschwadronen) zu 40 Mann bis hin zum Vier-Bataillone-Infanterie-Regiment der späten Zarenzeit mit 4000 Mann reichte. Im Schnitt lag die Sollstärke meist bei 800 (Kavallerie) bzw. 2500 Mann (Infanterie). Hinzu kommen der Stab und ggf. Ausbildungsformationen oder bis zum ersten Weltkrieg auch oft eine eigene Militärkapelle. Manchmal hatten Infanterieregimenter auch eine eigene Artillerieabteilung wie z. B. bei Friedrich dem Großen oder einigen Korps der Armee Napoleons.

Kommandeur ist meist ein Oberst. Das taktische Zeichen auf der NATO-Signatur sind drei senkrechte Striche. Der übergeordnete Großverband eines Regiments kann die Brigade sein, in der Bundeswehr ist es meist die Division.

Früher war ein Regiment ein selbstständiger, aus Bataillonen (Fußtruppen), Eskadrons (Kavallerie) bzw. Batterien (Artillerie) bestehender Verband.

Die Infanterieregimenter hatten meist drei Bataillone, die Kavallerieregimenter vier bis sechs (im 18. und 19. Jahrhundert bis zu zehn) Eskadrons, die Fuß- und Festungsartillerieregimenter zwei Bataillone, die Feldartillerieregimenter zwei bis vier Abteilungen zu je zwei bis vier Batterien. Die einzelnen Bataillone des Regiments wurden von einem Major und seinem Stab geführt. Ein Infanterieregiment der preußischen Armee um ca. 1888 hatte eine Gesamtstärke, bei drei Bataillonen, von 2364 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. In dieser Art von Regimentsstruktur war der kommandierende Offizier zumeist ein Oberst mit einem Oberstleutnant als Stellvertreter. Der Stab des Regiments setzte sich des Weiteren aus dem Regimentsadjutanten, einem Oberstleutnant oder Major und mehreren Majoren, sog. „Majore beim Stabe“, zusammen. Die medizinische/veterinärmedizinische Versorgung der Regimentsangehörigen wurde vom Regimentsarzt, einem Oberstabsarzt, und den beigeordneten Stabs-, Ober- und Assistenzärzten durchgeführt. Im Auftrage und in Vertretung des Regimentskommandeurs war der Zahlmeister, in Preußen ein Militärbeamter, und die Unterzahlmeister, Soldaten, für die Versorgung des Regiments und die Besoldung der Soldaten zuständig. Die Musik bei Märschen und zu gesellschaftlichen Anlässen wurde von 37 Hoboisten und Hilfshoboisten unter der Leitung eines Stabshoboisten (ab 1908 Musikmeister) gespielt, diese bildeten im Kriegsfalle das Sanitäts- und Krankenträgerpersonal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der frühen Neuzeit bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Niedergang der klassischen Feudalheere und der zunehmenden Kommerzialisierung der Kriegsführung entwickelte sich zum Ende des 16. Jahrhunderts das Regiment als eine neue Verbandsorganisation. Das Regiment war ursprünglich, wie die Kompanie, eine Verwaltungseinheit und kein taktischer Truppenkörper. Eine Kompanie wurde damals als Gewalthaufen oder Gevierthaufen, ab der Mitte des 17. Jahrhunderts auch als Bataillon bezeichnet.[1][2]

Die Inhaber eines Regiments waren Kriegsunternehmer, die im Auftrag der kriegführenden Fürsten auf eigene Rechnung Söldner warben, bewaffneten, ausrüsteten und bezahlten, um sie unter ihrem Kommando dann dem Auftraggeber gegen Geld zur Verfügung zu stellen. Der Regimentschef stellte in der Regel auch die Versorgung seines Regiments auf eigene Rechnung sicher, der Preis für Verpflegung und die (ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts übliche) Uniformierung wurde dann den Soldaten vom Sold abgezogen. Durch Großeinkauf oder eigene Herstellung dieser Güter konnte der Regimentschef erhebliche Preisvorteile erreichen und somit beträchtliche Gewinne erzielen. Prototyp eines solchen Unternehmers war Wallenstein, der böhmische Feldherr und kaiserliche Generalissimus im Dreißigjährigen Krieg, der für den Kaiser sogar ein Heer von 20.000 Mann nach diesem Muster organisierte.

Mit dem Übergang zu den stehenden Heeren verfestigte sich diese Regimentswirtschaft, auch wenn der Regimentschef nunmehr primär ein Offizier seines Fürsten war. Auf Kompanieebene wirtschafteten die Hauptleute als Subunternehmer des Regimentschefs, den man bezeichnenderweise auch Regimentsinhaber nannte. Stieg ein Oberst in den Generalsrang auf, so behielt er in der Regel die Inhaberschaft seines Regiments, da die daraus erzielten Einkünfte nicht selten den Generalssold überstiegen. Das Regiment wurde dann von einem Oberstleutnant kommandiert. Die Inhaberstellen wurden zunehmend auch zivilen Angehörigen der Fürstenhäuser oder ausländischen Monarchen ehrenhalber übertragen, zumal manchmal mit dieser Stellung als Ehrenoberst auch Einkünfte aus dem Regiment verbunden waren.

Bis 1945 war das Regiment der wichtigste Truppenverband des deutschen Heeres. Den Bataillonen kam nur eine untergeordnete Bedeutung als rein taktischer Truppenkörper zu. Jedoch wurde die Operationsführung erst ab der Ebene Division durchgeführt.

Kalter Krieg und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trooping the Colour: Die britischen Garde-Regimenter bei der Geburtstagsparade der Königin 2013

In vielen Armeen, in denen die Regimenter eigentlich abgeschafft sind, existieren sie weiter, um im Frieden Bataillone gleicher Gattung, die ansonsten gemischten Brigaden unterstellt sind, zusammenzufassen oder in Bataillonsstärke die Bezeichnung aus Traditionsgründen weiter zu führen. Dies betrifft insbesondere die British Army, die US-Armee sowie die französische Armee. In der britischen Armee sind Mitglieder des Königshauses oft Regimentsinhaber, haben aber rein repräsentative Natur und eher die Aufgabe der Traditionspflege.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bundeswehr wurden die Bataillone die taktische Führungsebene und waren direkt in der Operationsführung einer Brigade unterstellt. Regimenter existierten in der Bundeswehr als ein homogener militärischer Verband, welcher sich aus Bataillonen bzw. Kompanien nur einer Waffengattung zusammensetzt. Dies ist zum Beispiel beim Pionierregiment, dem Instandsetzungsregiment und dem Transportregiment der Logistiktruppe, dem Artillerieregiment und dem Lazarettregiment der Fall. Zeitweilig waren auch Panzerregimenter als Schwerpunktwaffe aufgestellt worden, die den Korps unterstellt waren. Jedoch verfügten diese Regimenter über keine hinreichenden eigenen logistischen Kapazitäten, und wurden daher wieder aufgelöst. In der Heeresstruktur 6 „Neues Heer für neue Aufgaben“ waren den Divisionen Regimenter der Führungs- und Kampfunterstützungstruppe unterstellt. Seit dem 1. Juli 2006 bestand das Jägerregiment 1 in der Luftbeweglichen Brigade 1. In der Heeresstruktur 7 „Heer der Zukunft“ gibt es nach der Auflösung der Truppengattungsbrigaden wieder einzelne Regimenter. Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurden die beiden Fallschirmjägerbrigaden in das Fallschirmjägerregiment 31 in Seedorf (bei Zeven) und Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken unter einer Brigade umgegliedert.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Armee schaffte mit der Reform Armee XXI per Beginn 2004 die Stufe Regiment ab. Neu sind die, wie bei der Bundeswehr, direkt den Brigaden unterstellten Bataillone.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Österreichische Bundesheer stellte bereits mit der Strukturanpassung 1998 von Regimentern auf den Brigaden unterstellte Bataillone um, derzeit führt nur das Versorgungsregiment 1 in Graz und Gratkorn die Bezeichnung Regiment im Verbandsnamen.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regimenter der US-Armee stellen demgegenüber vielmehr eine alternative, gattungsreine Organisation der Bataillone dar, die aber hierarchisch nicht unbedingt einer Division unterstehen. In der Führungsstruktur unterstehen die Bataillone auch hier direkt den Brigaden. Außerhalb der Divisions- bzw. Brigadestruktur bestehen drei aktive Regimenter:

Äquivalente Truppenbezeichnung bei schwimmenden und fliegenden Truppenteilen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Luftstreitkräften werden fliegende Verbände auf Regimentsebene als Geschwader bezeichnet. Weitere Regimentsäquivalente in der deutschen Luftwaffe sind die Flugabwehrraketengeschwader und die Einsatzführungsbereiche.

In der Marine bezeichnete hingegen ein Geschwader meist einen (Groß-) Kampfverband, vergleichbar der Regimentsebene. Bei nichtschwimmenden Verbänden wie dem inzwischen aufgelösten Marinesicherungsregiment der Bundesmarine kommt der Begriff „Regiment“ zur Verwendung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Fuchs: Geschichte des europäischen Kriegswesens. Band 1: Vom Altertum bis zur Aufstellung der stehenden Heere (= Truppendienst-Taschenbuch. Bd. 19, ZDB-ID 525144-8). Ueberreuter, Wien 1972.
  • Gerhard Papke: Von der Miliz zum Stehenden Heer. Wehrwesen im Absolutismus. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden. 1648–1939. Band 1. Pawlak, München 1983, ISBN 3-88199-112-3, getrennte Zählung.
  • Georg Ortenburg: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Landsknechte (= Heerwesen der Neuzeit. Abt. 1: Das Zeitalter der Landsknechte. Bd. 1). Bernard & Graefe, Koblenz 1984, ISBN 3-7637-5461-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Regiment – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zitiert nach Fuchs, S. 196
  2. zitiert nach Ortenburg, S. 183