Michif

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Michif (Mitchif, Métchif, Metchif; eingedeutscht: Mitschif, Metschif; Métis = Métchif/Métsif) ist eine Sprache, die heute noch von etwa 1000 von 390 000 Métis – einem Volk, das in Kanada durch zahlreiche Verbindungen von französischen und schottischen Händlern mit Frauen der lokalen First Nations entstand – gesprochen wird. Ursprünglich bezeichnete Mitif einen Menschen gemischter Herkunft, die besondere Aussprache des Akadischen machte daraus Mitchif. Analog zum Michif entwickelte sich das Bungee aus Cree und Schottisch-Gälisch.

Von den 389.785 Métis in Kanada gaben im Jahr 2006 knapp 1.000 an, die Sprache der Algonkin zu sprechen, 1.345 sprachen Ojibway, 1.620 Dene und 9.360 Cree. Laut Ethnologue wurde Michif um 2010 von rund 725 Menschen gesprochen,[1] während es 1990 noch rund 990 und im Jahr 2001 noch 830 waren.[2] Beim US-Census von 2010 gaben 25 Menschen in den USA Michif als Muttersprache an. Die übrigen Sprecher leben in Kanada.[1]

Von den meist älteren Michif-Sprechern leben rund 200 in Saskatchewan, 150 in Manitoba, 200 in Nord-Dakota, weniger als 20 in Montana und einige wenige in Minnesota.[3]

Im Michif ist das Nominalsystem (Substantive, Adjektive) fast rein Französisch, das Verbalsystem (Verben), die Demonstrativpronomen und Fragewörter entstammen fast ausschließlich dem Cree - einer Algonkin-Sprache. Von keiner anderen Sprache ist eine so grundsätzliche Trennung von Grammatik, die über die Mütter weitergegeben wurde, und Vokabular, das partiell von den Vätern kam, bekannt. Laut Bakker geht dies darauf zurück, dass Heranwachsende, die beide Sprachen als Muttersprache beherrschten, diese gemischt haben. Daher verfügt das Michif über zwei Klangsysteme und zwei Morphologien gleichzeitig.

Michif ist ein seltenes Phänomen und wird von Linguisten als das „Nonplusultra“ von Misch- oder Kontaktsprachen bezeichnet.

Sprachbeispiel[Bearbeiten]

ki:ucıpıtam sa tεt la tɔrty – „Die Schildkröte zog ihren Kopf ein.“
Michif: ki:-ucıpıt-am sa tεt la tɔrty
Wörtlich: PRÄT-ziehen-TRANS.INANIM.3.>4.Sg. sein Kopf ART:Sg. Schildkröte
æ be:bi la præses ki:aja:we:w – „Die Prinzessin hatte ein Kind.“
Michif: æ be:bi la præses ki:-aja:w-e:w
Wörtlich: ART:Sg. Baby ART:Sg. Prinzessin PRÄT-haben-TRANS.ANIM.3.>3.Sg.

(aus Bakker&Papen (Lit.: 1997): 336)

Die dem Französischen entstammenden Wörter sind im ersten Satz sa tête und la tortue sowie un bébé und la princesse im zweiten. Zu den Markierungen am Verb vergl. den Artikel über Algonkin-Sprachen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bakker: A Language of Our Own. The Genesis of Michif, the Mixed Cree-French Language of the Canadian Métis. New York/Oxford: Oxford University Press, 1997 (= Oxford Studies in Anthropological Linguistics, 10), ISBN 0-19-509711-4
  • Peter Bakker / Robert Papen: Michif: a Mixed Language based on Cree and French. In: Sarah G. Thomason (Hrsg.), Contact Languages: A Wider Perspective, Amsterdam: John Benjamins, 1996 (= Creole Language Library, 17) [ISBN 90 272 5239 4], S. 295-363
  • Julie Flett: Owls see clearly at night: A Michif alphabet. Vancouver: Simply Read Books, 2010, ISBN 978-1-8974-7628-4
  • Patline Laverdure / Ida Rose Allard: The Michif Dictionary: Turtle Mountain Chippewa Cree. Winnipeg: Pemmican Publications, 1983, ISBN 0-919143-35-0
  • Robert A. Papen: On developing a writing system for Michif. In: Linguistica Atlantica 26 (2005), S. 75-97
  • Nicole Rosen: French-Algonquian interaction in Canada: a Michif case study. In: Clinical Linguistics & Phonetics 22,8 (2008), S. 610-624
  • Hans-Christoph Wolfart: Choice and balance in Michif negation. In: Canadian Journal of Linguistics 55,1 (2010), S. 115-129

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Ethnologue: Michif [crg].
  2. Susan Huebert: The Michif Language of North America. Métis Identity and History in a Unique Blend of Cree and French, 2009.
  3. Vortrag Peter Bakker: Michif: A Language of Our Own, gehalten im Überseemuseum in Bremen, 3. Oktober 2009.