Person (Grammatik)

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Die grammatische Kategorie der Person (grammatische Person) informiert darüber, "auf wen oder was Bezug genommen wird."[1] Sie ist in allen Sprachen der Welt vertreten. Durch diese Kategorie wird festgelegt, ob eine sprachliche Äußerung

  • auf diejenige(n) Person(en), welche sich äußert,
  • auf diejenige(n) Person(en), an welche die Äußerung gerichtet ist, oder
  • auf Person(en), welche nicht unmittelbar an der Äußerung beteiligt sind,

Bezug nimmt.

Die Fachbegriffe für diese grammatischen Personen sind 1. Person, 2. Person und 3. Person.

Geschichte der Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „Person“ kommt vom lateinischen „persona“ (Maske), hier ist es ein Lehnwort (über das etruskische „phersu“ (Maske)) aus dem altgriechischen „prosôpon“, was wörtlich „nach-vorn-sehen“, dann „Gesicht“, in der Theatersprache „Rolle“, „die diese Rolle darstellende Person“ heißt. Die uns geläufige Nummerierung stammt von Dionysios Thrax (170/160 bis ca. 90 vor Chr.), der im europäischen Raum die älteste bis heute überlieferte Grammatik schrieb. Er formulierte „Die erste Person ist die, von der die Rede ausgeht, die zweite an die die Rede gerichtet ist, und die dritte, über die die Rede geht“.

Alternative zur Nummerierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten indogermanischen Sprachen ist die Nummerierung der drei Personen so, wie Dionysios Thrax sie erklärt hat. Das gilt auch für nicht-indogermanische Sprachen. Im Arabischen heißt die erste Person al-mutakallimu, das heißt, derjenige, der spricht, die zweite al-muhâtabu, das heißt, derjenige, an den man sich wendet, und die dritte al-yâ`ibu, das heißt, derjenige, der abwesend ist

Aber es gibt auch den umgekehrten Fall. In der indischen Grammatik wird folgende Nummerierung verwendet:

prathamapurusa heißt „erste Person“, d. h. die, über die die Rede geht (sie entspricht unserer dritten Person)

madhyamapurusa heißt „mittlere Person“, d. h. die, an die die Rede gerichtet ist (sie entspricht unserer zweiten Person)

uttamapurusa heißt „letzte Person“, d. h. die, von der die Rede ausgeht (sie entspricht unserer ersten Person)

Grammatischer Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die 1. Person wird auch gelegentlich Sprecher genannt, die 2. Person Adressat – aber das ist ein Missverständnis: Die 1. Person in einer Äußerung ist nicht identisch mit dem Selbstbezug einer Person auf sich. Dieser Unterschied wird zum Beispiel in der Sprache Thai deutlich, wo der Sprecher tatsächlich in Äußerungen zum Ausdruck gebracht wird:

Khao mā khrap. "Er/sie kommt."
Khao mā kha. "Er/sie kommt."

Beide Sätze haben die gleiche Aussage – der Unterschied besteht lediglich darin, dass der obere Satz von einem Mann geäußert wird, und der untere Satz von einer Frau. Dieser Unterschied wird durch das jeweils letzte Wort zum Ausdruck gebracht, das den Sprecher als Mann (in der Form khrap) oder als Frau (in der Form kha) ausweist. Die Aussage des Satzes jedoch bezieht sich auf eine dritte Person – deren Geschlecht übrigens aus dem Satz nicht klar wird, da das Pronomen khao sowohl "er" als auch "sie" bedeuten kann.

Semiotischer Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon der französische Linguist Émile Benveniste erkannte:

„Les pronoms ne constituent pas une classe unitaire.“
– zu deutsch:
„Die Pronomina bilden keine einheitliche Klasse.“ [2]

Er bezog sich damit auf den semiotischen Unterschied zwischen:

  • den Pronomina der 1. und 2. Person einerseits, welche mittels Deixis auf Personen außerhalb eines Sprechaktes verweisen, welche zwar an diesem Sprechakt beteiligt sind;
  • den Pronomina der 3. Person, welche im Gegensatz dazu lediglich (entweder anaphorisch oder kataphorisch) auf einen Referenten innerhalb einer sprachlichen Äußerung verweisen, auf den der Sprechakt Bezug nimmt.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In fast allen Sprachen der Welt werden die grammatischen Personen in Form von Personalpronomen ausgedrückt. In vielen Sprachen sind sie überdies auch eine formale (morphologische) Kategorie des Verbs, d. h. die Verben werden in diesen drei Personen konjugiert. Die Markierung der grammatischen Person kann also entweder am Verb oder an einem Pronomen erfolgen, oder auch an beiden. Man vergleiche hierzu die Konjugation des Verbs mit der Bedeutung ‘tun, machen‘ in den Sprachen Dänisch, Deutsch, Russisch und Türkisch:

Dänisch Deutsch Russisch Türkisch
1 jeg gør ich mach-e (ja) dela-ju yapar-ım
2 du gør du mach-st (ty) dela-eš’ yapar-sın
3 han/hun/det gør er/sie/es mach-t (on/ona/ono) dela-et yapar

Während im Dänischen die grammatische Person nicht am Verb, sondern nur am Pronomen markiert wird, ist es im Russischen und Türkischen umgekehrt: Am Verb wird die grammatische Person markiert, wobei die 3. Person im Türkischen sogar unmarkiert bleibt. Die Verwendung von Personalpronomina hingegen ist im Russischen optional (daher in Klammern); im Türkischen erfolgt die Verwendung von Personalpronomina nur bei besonders starker Betonung. In der deutschen Sprache wird die grammatische Person doppelt markiert: am Verb und am Personalpronomen.

Während die Personenmarkierung des Verbs in den meisten indoeuropäischen Sprachen nach dem Verbstamm erfolgt (also mittels Suffixen), kann sie in anderen Sprachen auch davor (also mittels Präfixen) erfolgen, zum Beispiel in Swahili. Hier die Konjugation des Verbs -soma ‘lesen‘:

Swahili: Personale Präfixe des Verbs
Singular Plural
1 na-soma twa-soma
2 wa-soma mwa-soma
3 a-soma wa-soma

Die Konjugation des Verbs erfolgt im Swahili also vor dem Verbstamm, nicht danach. Ein grammatisches Geschlecht (wie Deutsch in der 3. Person er/sie/es) unterscheidet Swahili übrigens nicht.

Besonderheiten der grammatischen Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höflichkeitsform „Sie“ zählt von ihrer Bedeutung her zur 2. Person (entweder Singular oder Plural), fällt aber formal – abgesehen von der Großschreibung – mit der 3. Person Plural zusammen.[3]

Die Unterscheidung des grammatischen Geschlechts (Genus: er – maskulin, sie – feminin, es – neutrum) bei der 3. Person Singular kommt nur in einem Teil der Sprachen der Welt vor. Sie kann je nach Sprache auch bei der 1. und 2. Person auftreten, auch im Plural.

Mehrdeutige Personenbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Reihe von Sprachen kann am Verb nicht nur die Person des Subjekts (wie das Deutsche), sondern auch die des Objekts kennzeichnen (Polypersonalität). Als Beispiel dient wiederum Swahili:

Singular

  • mimi ninakupenda (Subjekt 1. Person, Objekt 2. Person, also „ich liebe dich“)
  • mimi ninampenda (Subjekt 1. Person, Objekt 3. Person, also „ich liebe ihn/sie“)
  • wewe unanipenda (Subjekt 2. Person, Objekt 1. Person, also „du liebst mich“)
  • wewe unampenda (Subjekt 2. Person, Objekt 3. Person, also „du liebst ihn/sie“)
  • yeye ananipenda (Subjekt 3. Person, Objekt 1. Person, also „er/sie liebt mich“)
  • yeye anakupenda (Subjekt 3. Person, Objekt 2. Person, also „er/sie liebt dich“)
  • yeye anampenda (Subjekt 3. Person, Objekt 3. Person, also „er/sie liebt ihn/sie“)

Plural

  • sisi tunawapenda (Subjekt 1. Person, Objekt 2./3. Person, also „wir lieben euch/sie“)
  • ninyi mnatupenda (Subjekt 2. Person, Objekt 1. Person, also „ihr liebt uns“)
  • ninyi mnawapenda (Subjekt 2. Person, Objekt 3. Person, also „ihr liebt sie“)
  • wao wanatupenda (Subjekt 3. Person, Objekt 1. Person, also „sie lieben uns“)
  • wao wanawapenda (Subjekt 3. Person, Objekt 2./3. Person, also „sie lieben euch“)

Die 2. und 3. Person Plural werden zwar als Subjekt am Verb unterschieden, aber nicht als Objekt.

Sonderformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Person Plural ist ja kein „eigentlicher“ Plural (ich und ich), sondern eine Kombination der ersten Person Singular mit einer oder mehreren Personen der anderen, zweiten und/oder dritten Personen. (Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass die zweite Person Plural auch kein „eigentlicher“ Plural ist.) Aus diesem Grunde gibt es in vielen Sprachen auch verschiedene Wir-Formen, bei denen die Angesprochenen mit einbezogen werden oder nicht (inklusives und exklusives Wir), zum Beispiel im Indonesischen:

  • kita „wir zusammen mit dir/euch“ (1. Person Plural inklusiv)
  • kami „wir ohne dich/euch“ (1. Person Plural exklusiv)

Manche Sprachen unterscheiden in ihren Verb-Affixen sogar drei verschiedene Formen der ersten Person Plural. So hat das Sierra Popoluca das exklusive Wir, das „limited“ inklusive Wir (ich und der oder die Adressat/en exclusive weiterer dritter Person/en) und das „generalized“ inklusive Wir (ich, der/die Adressat/entspricht sowie ein oder mehrere dritte Personen) (Foster und Foster 1948:19, aus Arnold M. Zwicky, Hierarchie of Persons.pdf, Seite 729).

Eine Unterscheidung zwischen inklusiv und exklusiv gibt es auch für die zweite Person Plural. Im Abchasischen gibt es das exklusive IHR (ohne sie) und das inklusive IHR (ihr und sie) [nach Cysouw 2003/75, zitiert nach Anna Kibort, Person].

Neben der inklusiven oder exklusiven Wirform gibt es in einigen Sprachen noch die unpersönliche Form „man“, eine Dual-, seltener eine Trial- oder Quadral-Form, die ebenfalls zwischen einen „mit“ oder „ohne“ den Betrachter oder den Sprecher unterscheiden. Solche Personenbeziehungen werden häufig durch spezielle Pronomen wie beispielsweise Dualpronomen ausgedrückt.

Für die dritte Person (die auch eine Sache sein kann) ergeben die Personalpronomen erst dann Sinn, wenn diese Person oder Sache schon vorher explizit genannt wurde, für die Personalpronomen der ersten und zweiten Person ist dies nicht der Fall.

Die vierte Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Wissenschaftler haben für Sonderfälle eine „vierte“ Person postuliert. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten unterschieden:

1. Die vierte Person in Sprachen mit einer zusätzlichen Referenzdistinktion innerhalb der neutralen Sphäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a) reflexiv:

Im Grönländischen unterscheidet die Grammatik bei Besitzverhältnissen, aber auch bei Verbformen zwischen der dritten und der vierten Person, je nachdem, ob es sich um den eigenen Besitz oder den Besitz eines anderen handelt.

Er sieht sein (eigenes) Haus = illua (4. Person).

Er sieht sein/ihr Haus (das Haus eines/einer anderen) = illuni (3. Person).

b) obviativ

Der Unterschied zwischen dritter Person und vierter Person betrifft den Unterschied zwischen Nahsubstitution und Fernsubstitution. Hier ist bei der „dritten“ Person diese unmittelbar vorerwähnt worden, während die „vierte“ Person nicht unmittelbar vorerwähnt worden ist. Man spricht auch von Logophorizität bzw. Anti-Logophorizität.

So wird in der Sprache Lango, einer nilotischen Sprache, unterschieden, ob das Verb des untergeordneten Satzes mit dem Subjekt des übergeordneten Satzes identisch ist: Der König erinnert sich, dass er/sie (jemand anderes) die Tür aufgemacht hatte (ecégò). bzw. Der König erinnert sich, dass er selbst die Tür aufgemacht hatte (océgò) (3. bzw. 4. Person). Auch für die Sprache „Mabaan“, eine weitere nilotische Sprache, gilt dieses.

c) Navajo

Bei den Navajo wird die Form des vierten Personalpronomen benutzt, vor allem bei Verben wie kennen, denken, sagen, glauben und so weiter, um zwischen den vorher genannten Personen zu differenzieren. (The use of the fourth person pronominal form as a device to disambiguate complex sentence constructions.)

Daneben hat die vierte Person im Navajo noch weitere Funktionen.

Auch andere Sprachen der indigenen Völker Amerikas haben eine vierte Person: Blackfoot, Algonquin, Tainana usw.

2. Inklusiver Dual bzw. Plural[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

d) eine vierte, von den vorher genannten Fällen völlig getrennt zu sehende Besonderheit, bei der von Linguisten der Terminus „vierte“ Person verwendet worden ist, betrifft den inklusiven Dual bzw. inklusiven Plural der ersten Person (Ilocani-Typ).

Zwei Beispiele sollen dieses veranschaulichen:

Die Personalpronomina in der Sprache Hanunó'o der Mangyan auf den Philippinen wurden traditionell so angeordnet:

kuh 1. Person Singular, muh 2. Person Singular, yah 3. Person Singular, tah 1. Person Dual inklusiv, mih 1. Person Plural exklusiv, tam 1. Person Plural inklusiv, yuh 2. Person Plural, dah 3. Person Plural.

Um den „isolierten“ Fall des Dual 1. Person inklusiv mit in das System hineinzubekommen, ordnete es Harold C. Conklin folgendermaßen symmetrisch neu an, so dass zwei Spalten zu je vier Formen entstanden:

kuh ich, muh du, tah ich und du, yah er, sie (Singular); mih wir exklusiv, yuh ihr, tam wir inklusiv, dah sie (Plural)

Entsprechendes gilt für die Personalpronomen der Tiwi in Australien.

Die Dual-Form des inklusiven Wir nennt man die „4. Person Singular“, die Plural-Form des inklusiven Wir die „4. Person Plural“ (Osborne 1974). Die Verbform, die in der Sprache der Bardi (Australien) dem „inklusiven Wir“-Dual folgt, entspricht einer Singular-Verbform (Metcalfe) [nach Joseph Greenberg].

Hier wird also nicht die „neutrale Sphäre“ der dritten Person unterteilt, sondern die Kombination aus 1. und 2. Person zu einer neuen Klasse, genannt „4. Person“, zusammengefasst.

3. Man oder auch erste Person Plural ersetzende Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

e) als fünfte Möglichkeit findet sich eine Notiz in der finnischen Grammatik

Im Plural ist hinter die 3 Personen eine vierte Person angehängt. Als Beispiel findet man:

Syödäänko täälä vai tuleeko tää mukaan? Zum Hieressen oder zum Mitnehmen? ([Will the food be] eaten here or [will it be] taken away?) Hamburger-Braterin zum Kunden

Miten tääl on jaksettu? -Ja, mitä? -Miten on jaksettu nyt? Wie geht's? -Hä? -Wie es jetzt geht? (How's [it] been going here? -Eh, what? -How's [it] been going now?) Dialog im Altersheim

Die Verbindung zur ersten Person Plural bringt folgendes Beispiel:

Bei 1. Person Plural inklusiv steht nach Ammensprache usw. folgende Anmerkung:

Gebräuchlicher ist der Gebrauch der vierten Person, oft wird das Pronomen der ersten Person Plural der Verbform der vierten Person hinzugefügt.

Nyt (me) syödään puuroa. Jetzt essen (wir) Porridge. (Now [we] eat porridge.)

Alle Beispiele aus: Multilingual Matters - Politness in Europe Edited by Leo Nickey ans Miranda Steward Kapitel 13 Politness in Finland: Evasion at All Costs

Übersicht bei David W. Fleck: Coreferential Fourth Person Pronoun in Matses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Arbeit über die amazonische indigene Sprache Matses unterscheidet David W. Fleck:

(A) Contrasting type of non-speech-act participand reference

(i) coreference, as opposed to disjoint reference

(ii) obviative, as opposed to proximate

(iii) disjoint reference (with subject/topic) as opposed to coreference

(iv) direct voice, as opposed to inverse voice

(v) unspecified human (impersonal)

(B) Inklusive first person plural, when distinct from the first-person singular/exclusive plural

Andere Linguisten sehen die Notwendigkeit einer „vierten Person“ kritischer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clemens-Peter Herbermann: Anders als im Fall der Subdifferenzen wie etwa zwischen nah und fern innerhalb der neutralen Sphäre können die Unterschiede innerhalb der Grundtrichomie nicht aufgegeben werden.

Forchheimer: All the subdivions of the third person follow from its place on the deictic scale. There is no room, in our definition, for a fourth person (1953)

Thomas Gehling: Angesichts der Tatsache, dass terminologische Alternativen bestehen, darf zusätzlich die Notwendigkeit des Ausdrucks „vierte Person“ in Abrede gestellt werden.

Auch in den Grammatiken werden die Alternativen deutlich. In der älteren grönländischen Grammatik wird die Form als besonderer Fall der dritten Person bezeichnet.

Im Buch „Leonard M. Faltz, The Navajo Verb, A Grammar for Students and Scholars“, steht im Chapter 5 auf Seite 32: If you speak Navajo, you may noticed, that there is an alternative form of the verb that can be used when speaking about the action performed by somebody other than the speaker or hearer. This is a form that has a j sound in it. In YM, these forms are called 3 a („alternative third“ person forms) but we will call them 4 (fourth person forms) here.

Man kann alle verschiedenen Möglichkeiten der „vierten Person“ auch anders benennen. Die Bedeutung des sprachlichen Fachbegriffs ist nicht einheitlich.

Die fünfte Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendung der Begriffe „vierte“, „fünfte“ und „sechste“ Person anstelle von 1., 2. und 3. Person Plural[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palma Benincà und Cecilia Poletto benutzten in ihrem Aufsatz über romanische Sprachen auch die Begriffe „vierte Person“, „fünfte Person“ und „sechste Person“ anstelle von „erste Person Plural“, „zweite Person Plural“ und „dritte Person Plural“.

Auf Seite 380 differenzieren sie in Tabelle 16 für die „vierte Person“ die verschiedenen Möglichkeiten für inklusives und exklusives „wir“:

a) the speaker and only one hearer

b) the speaker and more than one hearer

c) the speaker, one hearer and somebody else who is not present

d) the speaker, one hearer and several persons who are not present

e) the speaker, more than one hearer and somebody who is not present

f) the speaker, more than one hearer and several persons who are not present

Sie schreiben: The fact that the Number node [plural] is located under the [+ there] specification encodes the fact that fourth person is not the plural of first person and that fifth person is not always the plural of second person.

Fourth person is not in fact, a plurality it speakers, but includes the speaker and either hearer and/or somebody else.

Fifth person, in the other hand, is sometimes a plurality of hearers, but it can also include somebody who is not present.

[Andererseits benutzen die Autorinnen (auf Seite 287) den Ausdruck „fourth person“ auch für das unpersönliche „man“ (Französisch, Florentinisch).]

Die Termini vierte Person (= erste Person Plural), fünfte Person (=zweite Person Plural) und sechste Person (=dritte Person Plural) werden auch in der englischsprachigen Terminologie benutzt. A Componential Morphemic Analysis of English Personal Pronouns, George L. Trager, Language, Vol. 43, No. 1, März 1967, pp. 372-378, Published by Linguistic Society of America.

Fünfte Person (Blackfoot und Potawatomi)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blackfoot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Donald G. Frantz benutzt für das Blackfoot den Terminus „fünfte Person“. Hier soll allerdings eine syntaktische Beziehung gezeigt werden. (The primary purpose of this paper is to illustrate the function of third, fourth and fifth person categories on an indexing system showing syntactic relationships in Blackfoot.)

Occasionally, morphosynthactic person is explicitly identified with referential person, as in Frantz 1966:51, in Blackfoot

(30)

first person = speaker

second person = addressee

third person = primary topic

fourth person = secondary topic, subordinate to third person

fifth person = topic subordinate to fourth person

(Arnold M. Zwicky, Ohio State University, Hierarchies of Person.PDF, Seite 722 (Seiten 714-733), scholar.google.de)

Potawatomi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Barbara E. Erickson kennt für das Potawatomi die fünfte Person, die sie „second obviative“ nennt. Während bei den intransitiven „animate“ Verben für das Subjekt und bei den transitiven „animate“ Verben sowohl für das Subjekt wie auch für das Objekt durch kennzeichnende charakteristische Silbeneinschübe bzw. -anhänge schon eine vierte Person gekennzeichnet wird, führt Barbara E. Ericsson bei Nomen (possessed animate nouns) in Chart 5 auf Seite 230 für den „Possessor“ die Personen 1 bis 3, für „Possessed“ dagegen die Personen 3 bis 5 auf. Entsprechend führt sie auf Seite 231 auch für die „unpossessed animate nouns“ eine vierte und eine fünfte Person auf, die gekennzeichnet wird.

Als Beispiel für die „second obviative“-Form gibt Laura Ann Buszard „nos okmesen dennimnen“ (my father's grandmother's husband) an, wo ein das abschließende „nen“ die charakteristische Endung für die zweite obviativ-Form ist. Andererseits schreibt sie, dass diese „zweite obviative Form“ seit den 1940'er Jahren außer Gebrauch gekommen ist. (Second obviative forms and possessee obviatives appear to be no longer in use today, at least there are no instances in the present corpus. Since they are falling out of the use in the 1940's when the speech community was still quite robust, and since younger speakers of other close dialects like Ottawa (Rhodes, 1993) modern Potawatomi speakers' use of first obviatives only seams to be the completion of this natural change, although attrition as a factor cannot be ruled out.)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Gehling: 'Ich', 'du' und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«. LIT Verlag, Münster 2004.
  • https://www.jstor.org/stable/1264474?seq=7#page_scan-tab_contents
  • Thorben Andersen, Studies in Language, Anti-Logophoricity and Indirect Mode in Mabaan. Ingenta Connect, Volume 23, Number 3, 1999, pp 499-530 (32), Publisher: John Benjamin s Publishing Company
  • David W. Fleck: Coreferential Fourth-Person Pronouns in Matse, International Journal of America Linguistics, Vol. 74, No. 3, July 2008, pp. 279-311, The University of Chicago Press
  • Leonie Cornips, Karen P. Corrogan, Syntax and Variation, Reconciling the Biological and the Social, Chapter 11, Paola Benincà and Cecilia Poletto, University di Padova/Istituto e Tecnologie della Cognizione CNR, Seiten 265 ff., aus: Current Issues in Linguistic Theory 265, John Benjamins Publishing Company
  • Donald G. Frantz, Person Indexing in Blackfoot, International Journal of American Linguistic, Vol. 32, No. 1, Jan. 1966, Seite 50
  • Joseph H. Greenberg, The Second Person is rightly so called, Principles and Prediction: The Analysis of natural languages, edited by Mushira Eid and Gregory K. Iverson, John Benjamin's Publishing Company (Seite 16)
  • Barbara E. Erickson, Patterns of Person Number Reference in Potawatomi, International Journal of American Linguistic, Vol 31, No. 3, Jul 1965, pp. 226 - 236
  • Foster, Mary L. and George M. Foster, 1948, Sierra Popoluca Speech, Institute of Social Anthropology Smithsonia Institute, Publication 8, U.S. Government Printing Office, Washington D.C.
  • Michael Cysouw, The Paradigmatic Structure of Person Marking, Oxford, PHP
  • Anna Kibort, „Person“, Grammatical Features, 7, Januar 2098, http://www.grammaticalfeatures.net/features/person
  • Laura Ann Buszard, www.archive.org/stream/ConstructionalPolysemAndMentalSpacesInPotawatomiDiscourse/rosettaprojekt_pot_grammar-1_d

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elke Donalies: Morphologie: Morpheme, Wörter, Wortbildung. In: Jakob Ossner, Heike Zinsmeister (Hrsg.): Sprachwissenschaft für das Lehramt. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2014 (utb), ISBN 978-3-825-24083-7, S. 157 (163)
  2. Émile Benveniste: La nature des pronoms. In: Morris Halle et al. (eds): For Roman Jakobson: Essays on the Occasion of his Sixtieth Birthday. Mouton, Den Haag 1956. S. 34–37.
  3. Person auf hypermedia.ids-mannheim.de