Middewinterhorn

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Middewinterhornbläser in der Grafschaft Bentheim
Bau eines Middewinterhorns

Das Middewinterhorn, Mittewinterhorn, Mirrewinterhorn, Midwinterhorn, Mittwinterhorn, Dewertshorn oder Adventshorn ist ein Blasinstrument. Es gehört zur Klasse der Hörner.

Auf dem Middewinterhorn lassen sich ca. acht verschiedene Töne blasen.

Das Middewinterhorn besteht aus Holz und ist ca. 1,30 Meter lang. Es wird beim Blasen, im Gegensatz zum Alphorn, das auf dem Boden steht, freihändig gehalten. Middewinterhörner werden nicht zusammen geblasen, da jedes Horn andere Töne erzeugt und diese zusammen mit anderen Middewinterhörnern keine Harmonie bilden.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Middewinter ist sowohl dem plattdeutschen Dialekt als auch dem Niederländischen entlehnt und bedeutet "In der Mitte des Winters". Im Westmünsterland ist Middewinter die mundartliche Bezeichnung für Weihnachten. So bedeutet der Name Middewinterhorn zum einen, dass es in der Mitte des Winters geblasen wird, zum anderen aber auch Weihnachtshorn.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Middewinterhornblasen hat eine jahrhundertealte Tradition.[1] Besonders im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden in den Räumen Grafschaft Bentheim und Twente[1][2] bläst man das Horn vom ersten Advent bis zum Tag der Heiligen Drei Könige.

Es diente früher der Vertreibung böser Geister und zur Begrüßung der Wintersonnenwende. Heute wird es zur Ankündigung der Geburt Christi geblasen.[3] In den Niederlanden wird das Horn auch innerhalb von Kirchen bzw. auf Kirchtürmen verwendet.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Erstellung eines Middewinterhornes wird ein leicht gebogener Baumstamm mit einem Durchmesser von ca. 15 cm der Länge nach durchgesägt. Daraufhin werden beide Hälften ausgehöhlt und dann wieder zusammen geleimt. Mit Bast werden dann die beiden Teile fest zusammengebunden. Danach wird ein ca. daumendickes Mundstück aus Holunder eingesetzt.

Bläsergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es Bläsergruppen im Bereich Neuenhaus-Veldhausen, Hoogstede, Wilsum und in Hestrup, einem Ortsteil von Nordhorn. In den Niederlanden gibt es Bläsergruppen in fast jedem Ort entlang der Grenze zur Grafschaft Bentheim. Die Gruppenmitglieder blasen Ihre Hörner nacheinander.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatdichter wie zum Beispiel Ludwig Sager haben den Klang des Middewinterhorns in Gedichten beschrieben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bernhard Remmers: Wieder schallen die Middewinterhörner. Dank Zwier Lübbermann erlebt ein Tausende Jahre alter Brauch eine Renaissance, in: HAZ vom 31. Dezember 2009, S. 5.
  2. Grafschafter Nachrichten vom 18. Dezember 2010: Wehmütige Töne mit Echo.
  3. Grafschafter Nachrichten vom 15. Dezember 2010: Über 30 Bläser am Mühlenteich in Wilsum.