Milan Balabán

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Milan Balabán (2010)

Milan Balabán (* 3. September 1929 in Boratyn, Polen) ist ein tschechischer Professor für Religion und Altes Testament.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des evangelischen Geistlichen Antonín Balabán absolvierte das Realgymnasium in Zábřeh na Moravě und studierte anschließend von 1948 bis 1952 Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Prag. Nach Beendigung seines Studiums nahm er die Stelle eines Vikars und später Pfarrers der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Havířov, Strmilov, Semtěš bei Čáslav und in Prag-Radotín an. 1969 studierte er postgradual in Chateau de Bossey (Schweiz). Von 1974 bis 1990, in der Zeit, in der ihm die seelsorgerliche Arbeit vom Staat verboten wurde, war er als einfacher Arbeiter und technischer Angestellter tätig. Er unterschrieb das Manifest Charta 77, nahm als Dissident an der oppositionellen Bewegung teil und publizierte im Samisdat. Von 1987 bis 1993 arbeitete Balabán mit dem Local Examinations Syndicate for Religious Studies zusammen, das ein Fernstudium der Theologie für tschechische Studenten anbot. 1990 erhielt er den Doktortitel und die Stelle eines Fachassistenten für Religion an der Prager Universität und gleichzeitig eine Anstellung am Lehrstuhl für Altes Testament und Religion an der Evangelisch-Theologischen Fakultät. 1993 habilitierte sich Balabán; seit 1995 ist er ordentlicher Professor für das Fach Religion an der Karls-Universität in Prag.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner theologischen Dissertation konzentrierte sich Balabán vor allem auf das Alte Testament und die Judaistik. An der Komenský-Fakultät legte er seine Dissertation im Fach Altes Testament vor: "Ch-R–Sch im Alten Testament. Psychologische und kultische Aspekte der Wurzel Chrsch". Promovieren durfte er aber erst nach der Samtenen Revolution 1990. Sein Wirken ist stark von den Erfahrungen, die er in seiner aktiven Tätigkeit für die Charta 77 gewonnen hat, geprägt, sowie seiner Tutorialtätigkeit im Rahmen eines Fernstudiums an der Universität Cambridge. Neben seiner Lehrtätigkeit nimmt er an vielen Vortragsveranstaltungen und internationalen Konferenzen teil. Seine wissenschaftliche Tätigkeit ist bestimmt von dem Bestreben, das Alte Testament vielfältig zu interpretieren – nicht nur historisch-kritisch, sondern auch philosophisch und psychologisch. Er beschäftigt sich dabei vor allem mit Fragen der Erscheinungen und der Geschichte Israels. Große Aufmerksamkeit widmet er der Interpretation von Mythen und deren Beziehung zur Geschichte. In seinen Arbeiten über die Magie versucht er die positiven Aspekte der frühen Magie in Israel hervorzuheben. Er geht dabei davon aus, dass die Magie eine Methode des Zwiegesprächs zwischen Menschen und Gott ist.

Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milan Balabán gehört auch zu den zwar weniger bekannten, aber doch wichtigen tschechischen Dichtern seiner Generation. Seine Dichtung ist lyrisch orientiert und verbindet sich organisch mit seiner biblischen und religiösen Arbeit, von der sie auch maßgeblich beeinflusst ist. So übernahm er beispielsweise die Übertragung des Hohelieds Salomos in der neuen tschechischen Bibelübersetzung.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balabán war Mitglied des alttestamentlichen Übersetzungszirkels, ist stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für das Glaubensstudium in Brno, Mitglied der Redaktionsräte von Religio, Reflexe, Komunikace und anderer Periodika.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balabán war Mitautor der Tschechischen Bibelübersetzung und deren Kommentierung (1968–1985) sowie an der Abfassung und Bearbeitung diverser Lehrbücher beteiligt. Neben Fachbüchern veröffentlichte er auch religiöse Gedichte.

In deutscher Sprache geschriebene Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kralitzer Kurzkommentar zum Hohenlied, Bonn 1994
  • Die Bibel und die Religionswissenschaft. Magie und Verkündigung, The Bible in *Cultural Context, 1994
  • Das europäische Christentum: Eine Landschaft von Kirchen und Konfessionen, 6. *Leuther-heider Forum, Paul-Kleinewefers-Stiftung, Krefeld 1994
  • Heimat und Heimatlosigkeit im Alten Testament, Landgabe. Festschrift für Jan Heller, 1995
  • Glaube und allgemeine Religiosität in der postkommunistischen Gesellschaft der Tschechischen Republik, Rostocker Forum I, Rostock 1997
  • Proto-Nahum und die Geschichtsphilosophie, Communio viatorum (CV) 1962
  • Kosmische Dimension des Wunders in Gibeon, CV 1969
  • Tsjechische Vragen. Über die sog. Pragerschule, Debharim (Kampen) 1986

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]