Mitläufer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Rollentyp. Siehe auch: Mitläufer (Begleitperson), Ehrenamt, bzw. Mitläufereffekt in der Handlungstheorie.

Als Mitläufer werden Personen bezeichnet, die an einer Gruppierung, Bewegung oder Strömung anschließen, ohne sich wirklich zu engagieren. Mit der Wortverwendung ist meist eine negative moralische Bewertung so charakterisierten Person verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung ist seit dem 17. Jahrhundert im allgemeinen Sprachgebrauch üblich. Einen entschieden politischen Gebrauch erhielt die Personenbezeichnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Verwendung nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verfahren der Entnazifizierung in Westdeutschland nach 1945 war „Mitläufer“ die vierte von fünf Kategorien, nach denen die Angeklagten in Spruchkammerverfahren eingeteilt wurden. Entnazifiziert wurden Personen, die unter dem Gesichtspunkt ihrer politischen Aktivitäten im Nationalsozialismus als „Mitläufer“ oder „Entlastete“ eingestuft wurden (vgl. 131er). In Österreich wurden die Mitläufer im Zuge der Entnazifizierung offiziell als „Minderbelastete“ bezeichnet.

Die negative Konnotation des Ausdrucks „Mitläufer“ blieb über die Zeit der Entnazifiziertung hinaus erhalten. In literarischen oder künstlerischen Werken oder zeitgeschichtlichen Abhandlungen und Essays, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, wird der Ausdruck zur kritischen Charakterisierung eines offenbar nicht zeitgebundenen Menschentyps gebraucht.

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Verwendung betont vor allem den Gesichtspunkt, dass ein Mitläufer alles passiv geschehen lässt oder einfach mitmacht, ohne dabei für sein Verhalten Rechenschaft abzulegen oder Verantwortung zu übernehmen. Mitläufer werden je nach Situation als harmlos, gedankenlos oder beschränkt eingeschätzt oder negativ als egoistisch, opportunistisch, gesinnungs- oder gewissenlos, verantwortungslos oder unkritisch charakterisiert.

Statt Mitläufer werden auch die Ausdrücke Anhänger, Parteigänger, Sympathisant, Konformist, Opportunist verwendet. Die Bezeichnung „Sympathisant“ betont die ideelle Übereinstimmung einer Person mit anderen Personen oder Gruppen und die Bereitschaft, sich für sie einzusetzen. Sie wurde in jüngster Zeit auch verwendet, um stark negativ wertend Personen zu kennzeichnen, denen einen wohlwollende Haltung oder Unterstützung von militanten oder terroristischen Gruppen unterstellt wird. Mit „Konformist“ wird auf eine Haltung von Personen abgehoben, die aus rationalen Erwägungen sich an bestehende Verhältnisse und herrschende Meinungen und Normen anpassen. Mit „Opportunist“ wird immer negativ wertend der Gesichtspunkt einer schnellen, bedenken- oder skrupellosen Anpassung an die jeweilige Lage aufgrund persönlicher Vorteile oder aus Egoismus betont.

Mitläufereffekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Mitläufereffekt

Der Mitläufereffekt (auch Musikwagen-Effekt oder Bandwagon-Effekt, der Mensch möchte dort sein, „wo die Musik spielt“) ist ein Kommunikationseffekt, der beschreibt, dass Menschen ihr Verhalten am von ihnen wahrgenommenen Umfeld ausrichten. Der Effekt wurde von Paul Felix Lazarsfeld in die Wissenschaft eingeführt. Er unterscheidet sich stark vom Netzwerkeffekt, da ein gemeinsamer Nutzen nicht das Ziel ist. Ein Beispiel für den Mitläufereffekt ist der bei Konsumenten zu beobachtende Preiseffekt. Besonders Menschen, die Teil eines Kollektivs sein möchten, richten ihr Verhalten – ggf. unbewusst – nach dem Mitläufereffekt aus. Der Effekt ist daher in Nationen mit kollektivistischer Gesellschaft meist deutlich stärker verbreitet, als in individualistischen Gesellschaften.

Das ergänzende Gegenstück zum Musikwagen-Effekt ist die Schweigespirale, die die Nicht-Mitläufer betrachtet. Die Schweigespirale entsteht auf Grund des Mitläufer-Effektes, denn diejenigen, die eine gegensätzliche Meinung vertreten, beschließen laut Theorie zu schweigen, statt ihre Meinung öffentlich kundzutun.

Eine mögliche Ursache ist der Looking glass effect (Spiegelbildeffekt). Dieser besagt, dass Personen sich durch eine (vermutete) Bewertung anderer entwickeln.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Mitläufer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen