Mobile Jugendarbeit

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Mobile Jugendarbeit ist ein anwaltschaftliches (parteiisches), lebenswelt- und adressatenorientiertes Arbeitsfeld der Jugendhilfe, das unterschiedliche Handlungsansätze und -prinzipien der Sozialarbeit in einem sozialpädagogischen Handlungskonzept vereint; nämlich: aufsuchende Jugendarbeit (Streetwork), Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit.

Geschichte und Wurzeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung von Streetwork und Mobiler Jugendarbeit geht zurück auf das Jahr 1967, als dieses professionelle Konzept deutscher Sozialarbeit und Sozialpädagogik erstmals in Stuttgart-Freiberg von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart praktisch umgesetzt wurde. Walther Specht war in Deutschland der erste ausgebildete Sozialarbeiter, der mit dieser Aufgabe betraut wurde.

In Ostdeutschland wurde das Konzept „Mobile Jugendarbeit“ nach der Wende mit dem AGAG-Programm (Das Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt), nach massiven Ausschreitungen von rechtsorientierten Jugendlichen, eingeführt, und auch dort konnte es sich durchsetzen.

Zentrale theoretische Bausteine des Grundkonzeptes Mobiler Jugendarbeit sind die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit (Lebensweltorientierung) nach Hans Thiersch sowie die Gemeinwesenarbeit.[1] Diese werden ergänzt mit theoretischen Ausarbeitungen von Franz Josef Krafeld zur akzeptierenden bzw. gerechtigkeitsorientierten Jugendarbeit. Weitere theoretische Bausteine sind ebenso die Sozialraumorientierung sowie die verschiedenen Anneignungs- und Raumkonzepte.[2]

Anmerkungen zu Begrifflichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe Streetwork, Straßensozialarbeit, Aufsuchende Arbeit, Mobile Jugendarbeit werden in der Fachliteratur – selbst in Standardwerken – bislang sehr verschieden bzw. scheinbar beliebig verwandt (vgl. Krafeld 2004, S. 18). Die Bundesarbeitsgemeinschaft dieses Arbeitsfeldes führt diese Doppelbezeichnung Streetwork/Mobile Jugendarbeit „wohl auch deshalb, um ganz pragmatisch unterschiedlichen Verständnissen gerecht zu werden und nicht dem Feld eine begriffliche Eindeutigkeit überzustülpen“ (ebd.). Dies würde dem Facettenreichtum des Arbeitsansatzes auch kaum gerecht werden. Es finden sich in den Standardwerken der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork / Mobile Jugendarbeit e.V. daher auch keine deutlichen Definitionen oder Unterscheidungen zu den Begrifflichkeiten, da in der Praxis beides gefunden wird. Aus diesem Grund wird hier auch die Doppelbezeichnung Mobile Jugendarbeit / Streetwork verwandt.

Der Dachverband Mobile Jugendarbeit Stuttgart, „das bis heute unstrittige Zentrum Mobiler Jugendarbeit“, spricht ausdrücklich von Streetwork als eines von vier Handlungsfeldern. Walther Specht unterscheidet in seinen Publikationen zwischen einer gemeinwesenorientierten Mobilen Jugendarbeit und einer szene- oder zielgruppenorientierten Streetwork-Arbeit. Im Punkt Adressaten werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede weiter verdeutlicht.

Bei dem in Deutschland benutzten Begriff Streetwork handelt es sich im Übrigen um eine nicht korrekte englische Schreibweise des echten amerikanischen Begriffs Street Work. Die zusammengesetzte Schreibweise Streetwork hat sich allerdings und fälschlicherweise in Deutschland durchgesetzt.

Gesetzliche Grundlagen & Fachstandards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Globalziele von Mobiler Jugendarbeit/ Streetwork leiten sich aus § 1 Abs. 3 in Verbindung mit § 9 Abs. 2 und 3 SGB VIII ab und finden ihre Konkretisierung in den §§ 11 und 13 SGB VIII.

Mobile Jugendarbeit/ Streetwork umfasst sowohl Leistungen der Jugendarbeit als auch der Jugendsozialarbeit. Sie ist damit die Schnittstelle zwischen § 11 und § 13 SGB VIII.

Sie ist ein lebenswelt- und adressatenorientiertes Angebot der Jugendarbeit nach § 11 mit dem Schwerpunkt präventiver, alltagsorientierter Beratung (§ 11 Abs. 3 Nr. 6 SGB VIII) in Verbindung mit Angeboten, die sich auf Entwicklungsaufgaben und -probleme beziehen, die junge Menschen in Familie, Schule und Arbeitswelt zu bewältigen haben.

Ferner ist Mobile Jugendarbeit/ Streetwork eine Form der Jugendsozialarbeit gemäß § 13 SGB VIII zur sozialen Integration junger Menschen, die zum Ausgleich sozialer Ungleichheit oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind.

Fachstandards und Orientierungshilfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Spezifizierung finden diese o. g. gesetzlichen Grundlagen in Fachstandards zur Mobilen Jugendarbeit/ Streetwork, welche von der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork/ Mobile Jugendarbeit e.V. sowie seitens diverser Landesarbeitsgemeinschaften/ Landesarbeitskreise erarbeitet wurden (siehe unter Quellen & Literatur).

Adressaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adressaten von Mobiler Jugendarbeit/Streetwork leiten sich aus den genannten gesetzlichen Grundlagen ab.

Die Adressaten nach § 13 SGB VIII/KJHG werden von Struck[3] beschrieben als:

  • junge Menschen, die auch bei günstiger Lage auf dem Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt wegen individueller und/oder sozialer Schwierigkeiten, häufig einhergehend mit unzureichender schulischer Ausbildung, nach wie vor keine Ausbildungs- und Arbeitsstellen finden
  • junge Menschen aus Familien ausländischer Arbeitnehmer sowie junge Aus- und Übersiedler aus Osteuropa und Asylbewerber
  • junge Menschen, deren Familien in sozialen Brennpunkten räumlich konzentriert leben und deren Sozialisationschancen reduziert sind
  • junge Menschen, die in finanziellen, persönlichen und sozialen Schwierigkeiten leben und Probleme bei der Wohnraumbeschaffung und -erhaltung haben und
  • Mädchen und junge Frauen, die erheblich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind und spezieller Förderung bedürfen.

In Deutschland können gegenwärtig zwei Typen von Mobiler Jugendarbeit unterschieden werden:

  1. Ansätze, die sich an Grundsätzen von Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit orientieren (können) und lokalspezifisch stark mitgetragen und verwurzelt sind.
  2. Ansätze, die stadtteilübergreifende, regionale oder city-zentrierte Dimensionen und Bedeutungen besitzen.

Beim ersten Ansatz liegt der Schwerpunkt auf der Verhinderung oder Rückgängigmachung von Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsprozessen aus einem noch einigermaßen intakten und mobilisierbaren Familien-, Peergroup-, Nachbarschafts- und Wohnviertelmilieu.

Der zweite Ansatz ist wesentlich facettenreicher, spezialisierter und soll durch die Benennung bestimmter Zielgruppen und problematischer Lebenslagen etwas näher gekennzeichnet werden:

  • Straßenkinder, Ausreisserkinder aus Familien, Heimen, fremden Städten und Ländern;
  • obdach- und arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene;
  • drogenkonsumierende Jugendliche;
  • city-zentrierte Street Gangs, Cliquen, Punks, Skinheads und andere sogenannte Hardliner, sowie
  • Fußballfans/Hooligans (ISMo/ Internationale Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit e.V.)

Franz Josef Krafeld unterscheidet in seinen Publikationen zwischen verschiedene Formen aufsuchender Jugendarbeit, welche dann jeweils unterschiedliche Adressaten ansprechen.[4]

problemorientierter Typus jugendkulturell orientierter Typus Gemeinwesen-orientierter Typus hinausreichender oder mobiler Typus
Adressaten sind Menschen mit gleichen Problemlagen: Drogenabhängige, Prostituierte, Obdachlose … Adressaten sind auffällige, meist anstoßerregende Cliquen und Szene Adressaten sind soziale Brennpunkte oder Problemgebiete mit besonderer Konzentration auf dort lebende Kinder und Jugendliche Adressaten sind Jugendliche, die ergänzend zu jugendhaus-bezogener Arbeit oder in deren Vorfeld erreicht werden sollen
geschichtlich der älteste Ansatz; 1927 Chicago (Banden-kriege) steht in Deutschland seit Ende der 1980er Jahre im Mittelpunkt; Ursprung in der Rockerarbeit in den 1960er und 1970er Jahren bzw. Chicago (s. l.) Entstand in der Blütezeit der Gemeinwesenorien-tierung in den frühen 1970er Jahren, erlebte dann ein „Schatten-dasein“ und wurde Mitte der 1990er Jahre „wiederbelebt“ Entstand Ende der 1980er/ Anfang der 1990er Jahre in den USA (Outreach)
Adressaten haben in der Regel (i. d. R.) gleiche Problemlagen; Einzelfallarbeit hat besondere Bedeutung Adressaten haben i. d. R. unterschiedliche Problemlagen!; Einzelfallarbeit nach Vertrauensaufbau; aktivitätsbezogene Angebote Lebenswelten und -bedingungen verbessern; Kinder & Jugendliche beteiligen Angebotserweiterung von bestehenden Jugendeinrichtungen

Welcher Ansatz vor Ort praktiziert wird, regelt die Bedarfsbestimmung und Zielsetzung innerhalb der Sozialraum- & Lebensweltanalyse in Abstimmung mit der örtlichen Jugendhilfeplanung.

Aufträge und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufträge und Ziele lassen sich auch aus den genannten gesetzlichen Grundlagen ableiten.

Mobile Jugendarbeit/ Streetwork als dauerhaftes, belastbares und verlässliches Kontaktangebot in der Lebenswelt junger Menschen hat zum Ziel, die Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern sowie ggf. soziale Benachteiligungen abzubauen.

Mobile Jugendarbeit verfolgt somit das Ziel, die Lebenssituation der jungen Menschen nachhaltig zu verbessern und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Ansatzpunkte sind dabei die:

  • Lebenssituation jeder/jedes Einzelnen – mit dem Ziel, individuelle Ressourcen zu erschließen, Handlungsspielräume zu erweitern, die Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbewusstsein zu fördern und bei der Alltagsbewältigung zu unterstützen
  • spezifischen Situation von Cliquen und Gleichaltrigengruppen – mit dem Ziel, gruppenbezogene Lernprozesse solidarischen Handelns und gegenseitiger Unterstützung auszulösen und zu begleiten
  • strukturellen Lebensbedingungen – mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen, die die jungen Menschen vorfinden, zu verbessern.[5]

Grundsätzlich geht es dabei um das Erschließen, Erhalten und Zurückgewinnen von Räumen. Mobile Jugendarbeit/ Streetwork setzt dabei auf einen erweiterten Raumbegriff. Räume sind z. B.:

  • Handlungsspielräume und Entfaltungsspielräume jeder/jedes Einzelnen
  • öffentliche/ materielle Räume (Plätze, Institutionen, Einrichtungen, Spielplätze etc.)
  • metaphorische Räume (Soziale Netzwerke, Beziehungsräume, virtuelle Räume)

Handlungsfelder und Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie schon oben im Selbstverständnis beschrieben vereint Mobile Jugendarbeit/ Streetwork unterschiedliche Handlungsfelder und -prinzipien von sozialer Arbeit, nämlich

innerhalb eines sozialpädagogischen Gesamtkonzeptes.

Ebenso sind Aktivitäten bezüglich der Qualitätssicherung erforderlich.

Die hier genannten Tätigkeitsfelder und Methoden müssen auf Basis einer Sozialraum- und Lebensweltanalyse konzipiert werden.

Unterschiede in der Arbeit sind zum Beispiel zwischen städtischem und ländlichem Raum zu finden. Ebenso sind Spezialisierungen in der Arbeit mit verschiedenen Szenen und Zielgruppen notwendig.

Die Arbeitsfelder und -prinzipien Gemeinwesenarbeit/Sozialraumorientierung und Aufsuchende Arbeit sind grundlegend für den Handlungsansatz von Mobiler Jugendarbeit.

Die im Folgenden beschriebenen Inhalte der Leistungen und Tätigkeitsfelder[6] sind nicht als abschließende Aufzählung zu betrachten.

Streetwork/ Aufsuchende Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtteil- und gruppenbezogene aufsuchende Jugendsozialarbeit.
  • Szenepräsenz.
  • Arbeit im natürlichen Lebensraum der Jugendlichen/Lebensraum mit allen damit in Verbindung stehenden Problemen, wie fehlender sozialer Strukturen, Jugend- und Freizeiteinrichtungen.
  • Miterleben und Kennenlernen der Lebenswelten.
  • Erfassung und Einbeziehung des sozialen Umfeldes der Jugendlichen.

Aus Streetwork entwickeln sich Anknüpfungspunkte für Gemeinwesenarbeit, Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit.

Sozialraum- bzw. lebensweltbezogene Tätigkeiten (Gemeinwesenarbeit)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Netzwerk- und Gremienarbeit (Ausschüsse, Jugendstammtische, Trägerkonferenzen).
  • Zusammenarbeit (Kooperation, Vernetzung, Ressourcenerschließung) mit den kommunalen Ämtern, Institutionen, Einrichtungen und freien Trägern vor Ort und gemeinsame Planung von Aktionen und Veranstaltungen im Gemeinwesen/Erfahrungsaustausch.
  • Einbeziehung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die aktive Gestaltung ihres Umfeldes.
  • Lobbyarbeit für die Adressaten (MJA/Streetwork versteht sich als Sprachrohr der jungen Menschen).
  • Öffentlichkeitsarbeit; Zusammenarbeit mit den regionalen und überregionalen Medien (Presse, TV, Radio).
  • Darstellung und Vertretung des Arbeitsfeldes und der Einrichtung/ des Projektes in der Öffentlichkeit (z. B. Flyer, Internet, Broschüren).
  • siehe auch handlungsleitende Arbeitsprinzipien.

Individuelle, einzelfallbezogene Tätigkeiten (Einzelfallhilfe)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Individuelle Jugendberatung unter dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe,
  • Hilfe zur Lebensbewältigung bieten,
  • Alltagsbewältigung bzw. Unterstützung bei Problemen in den verschiedensten Bereichen (z. B. Schule, Arbeit, Finanzen, Familie, Sucht, Ämter, Polizei und Justiz),
  • Biographie-Begleitung,
  • Ressourcenaktivierung und -erschließung,
  • möglich sind hierbei Formen von der Kriseninterventionen bis hin zu längerfristigen Begleitungs- oder Beratungsphasen auch in Form eines Case Managements.

Gruppen-, cliquen- und szenebezogene Tätigkeiten (Gruppenarbeit)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ziel ist es, die strukturellen, sozialen und emotionalen Ressourcen von Gleichaltrigengruppen oder Cliquen, ihre Synergieeffekte und Konflikte für ihre selbstbestimmten und selbstgesteuerten Entwicklungsprozesse zu begleiten und zu unterstützen.
  • Befähigung der jungen Menschen zur Gestaltung von eigenen Lebensräumen.
  • Organisieren von Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen mit den Jugendlichen unter sozialpädagogischen Gesichtspunkten.
  • Bedarfsgerechte Durchführung von Diskussionen und Foren zu politischen und jugendrelevanten Themen.
  • Vorbereitung und Durchführung von sport- und erlebnisorientierten Angeboten und diverse Projekten.
  • Gruppenberatung / positives Eingreifen in Gruppenbewegungen/ Gewaltprävention und -intervention.
  • Projekt- & Bildungsarbeit.
  • Entwicklung sozialer Kompetenzen.

Qualitätssicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regelmäßige Teamberatungen und Teamklausuren.
  • Inhaltliche und finanzielle Konzeptionen für Freizeitprojekte und Veranstaltungen (Planungs- und Auswertungstätigkeiten).
  • Analysetätigkeiten, Dokumentation, Evaluation, Statistiken, Berichte und Zuarbeiten.
  • Regelmäßige Evaluation und Fortschreibung der Konzeption in Abstimmung mit dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe.
  • Teilnahme an externen und internen Seminaren und Lehrgängen, Selbststudium.
  • Teilnahme an der Praxisberatung und Supervision, Kollegiale Beratung, Fallbesprechung.
  • Interdisziplinäre Vernetzung und Fachaustausch mit anderen Fachkräften.
  • Vernetzung mit Landesverbänden.

Rahmenbedingungen für Mobile Jugendarbeit/ Streetwork[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um effektiv und effizient arbeiten zu können, braucht Mobile Jugendarbeit/Streetwork passende Rahmenbedingungen, die durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe und den Projektträger bereitzustellen sind, insbesondere:

  • Personelle Rahmenbedingungen (bezüglich: Anzahl, Kompetenzen).
  • Strukturelle Rahmenbedingungen (bezüglich: Arbeitsverhältnis, Konzeptionelle Arbeit, Gesamtstruktur, Sozialraum- und Lebensweltanalyse).
  • Materiell-technische Rahmenbedingungen (bezüglich: Ausstattung).

Diese werden in zahlreichen fachlichen Standards (z. B. Fachstandards der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork/ Mobile Jugendarbeit (BAG), Fachstandards der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Baden-Württemberg, Fachstandards der Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork/ Mobile Jugendarbeit Bayern e.V.) beschrieben.

Wirkung von Mobiler Jugendarbeit/Streetwork[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittels dieser genannten Handlungsfelder und Tätigkeiten leistet Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Beiträge zur/ zum:

  • Persönlichkeitsbildung und Lebensbewältigung,
  • Einzelfall- und gruppenbezogenen Netzwerkarbeit,
  • Unterstützung beim Übergang zwischen Schule und Beruf,
  • besser gelingenden und demokratischen Zusammenleben in Städten und Gemeinden,
  • lokalen Verbesserung der Infrastruktur,
  • demokratischen, informellen und nonformalen Bildung,
  • Integration und Partizipation (vgl. Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Baden-Württemberg 2005, Tossmann u. a. 2007).

Mobile Jugendarbeit/ Streetwork trägt dazu bei, das System Jugendhilfe rechtzeitig und bedarfsgerecht für die Adressaten zu öffnen. Sie kann damit einen Anteil an flexiblen und passgenauen Hilfen tragen, die den Lebensweltbezug der jungen Menschen erhalten und somit intensive, ressourcenorientierte und effektive Unterstützung ermöglichen, um gegebenenfalls langjährige so genannte Jugendhilfekarrieren zu vermeiden.

Über konkrete Zielsetzungen, welche auf eine Sozialraumanalyse aufbauen, und eine Qualitätssicherung und -entwicklung innerhalb der regionalen Konzeptionen wird die Wirkung des Arbeitsansatzes spezifischer herausgearbeitet.

Stumpp u. a. (2009) untersuchten die Wirkungseffekte Mobiler Jugendarbeit in Stuttgart. Folgende Ergebnisse konnten in dieser Studie aufgezeigt werden:

  • Mobile Jugendarbeit/Streetwork hat messbare, nachhaltige und positive Auswirkungen auf die Biographien der jungen Menschen (z. B. Selbstvertrauen und Persönlichkeit).
  • Mobile Jugendarbeit/Streetwork hat messbare Effekte in der aktuellen Biographie (z. B. Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt).
  • Mobile Jugendarbeit/Streetwork ist für die jungen Menschen sinnvoll, nützlich und gut! Die Ehemaligen geben der MJA eine Traumnote. Der Notendurchschnitt liegt bei 1,4.

Als Wirkungsfaktoren wurden folgende Aspekte festgestellt:

  • Eindeutiges Differenzierungsmerkmal im Vergleich zu anderen Formen der Jugendhilfe ist die Gewährleistung einer lebensweltorientierten und sozialräumlich verfügbaren integrativen Allround-Unterstützung der Jugendlichen (und vermittelt z. T. auch für deren Eltern).
  • Die persönliche Vertrauensbeziehung zu den Mitarbeitern als relevante „andere“ Erwachsene ist ein zentraler Faktor für die Inanspruchnahme der Hilfe.
  • Mobile Jugendarbeit ist niedrigschwellig, direkt vor Ort, jederzeit für Jugendliche wie auch Eltern und andere Akteure im Sozialraum ansprechbar.
  • Zudem stellt die MJA ein ausdifferenziertes, professionelles Spektrum von Angeboten und Hilfen zur Verfügung: Von der Unterstützung bei individuellen Problemen über Arbeit mit Cliquen bis hin zur Netzwerkarbeit mit verschiedenen Institutionen, von der persönlichen Beratung bis hin zu freizeit- und abenteuerpädagogischen Aktivitäten, die im Leben der Jugendlichen sehr oft etwas ganz Besonderes bedeuten.

Wittmann und Kampermann (2008) führten eine empirische Evaluationsstudie der Angebote von Mobiler Jugendarbeit an 19 Standorten in der Innenstadt und in Teilorten von Stuttgart durch, welche folgende Ergebnisse zeigte:

Die Mobile Jugendarbeit wird aufgrund des Alters, der sozialen Schichtung, Bildung und der illegalen Aktivität ihrer Zielgruppenbeschreibung gerecht und erreicht mit ihren Angeboten sozial benachteiligte und gefährdete Jugendliche.

  • Die Mobile Jugendarbeit baut also tragfähige Beziehungen sowohl unter den Jugendlichen als auch zwischen den Adressaten und den Mitarbeitern auf und aus:
  • Es besteht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Mitarbeitern und den Adressaten.
  • Die befragten Jugendlichen sehen in ihrer Gruppe eine Unterstützungsfunktion.
  • Mobile Jugendarbeit ist der zweitwichtigste Präventionsfaktor aus Sicht der jungen Menschen.
  • Die Mobile Jugendarbeit setzt im Rahmen von Clubarbeit an bestehenden Gruppenstrukturen an und baut diese aus.
  • Der Vorher-während Vergleich zeigte, dass nach Meinung der befragten Jugendlichen ihre illegale Aktivität tendenziell eher abgenommen oder abgelöst wurde, als dass sie gleich blieb oder zunahm. Unter Vorbehalt kann also festgehalten werden, dass sich das delinquente Verhalten der befragten Adressaten tendenziell reduzierte oder gar abgelöst wurde. Dies wurde von den befragten Jugendlichen unter anderem auf die Mobile Jugendarbeit zurückgeführt. Auch in präventiver Hinsicht scheint die MJA für das Verhalten der befragten Jugendlichen, nach deren Einschätzung, von Bedeutung zu sein.

Diese genannten Wirkungen von Mobiler Jugendarbeit/Streetwork können jedoch nur erreicht werden, wenn seitens aller Beteiligten die Fachstandards eingehalten werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Becker, Titus Simon (Hrsg.): Handbuch aufsuchende Jugend- und Sozialarbeit: theoretische Grundlagen, Arbeitsfelder, Praxishilfen. Juventa, Weinheim/ München 1995.
  • Ulrich Deinet (Hrsg.): Sozialräumliche Jugendarbeit. Grundlagen, Methoden und Praxiskonzepte. VS Verlag, 2005.
  • Frank Dölker: Streetwork im Wandel. In: Sozial Extra. 4/2005, S. 40–44.
  • Frank Dölker, Irmhild Poulsen: Streetwork und Internationale Jugendarbeit. Erfahrungen mit der Partizipation von Migrantenjugendlichen. In: Deutsche Jugend. 10/2003, S. 423–431.
  • Stefan Gillich: Sozialraumorientierung – Ein Thema für die Wohnungslosenhilfe. In: Gillich (2004)
  • Stefan Gillich (Hrsg.): Ausgegrenzt & Abgeschoben. Streetwork als Chance. Triga Verlag, 2005.
  • Stefan Gillich (Hrsg.): Professionelles Handeln auf der Straße. Praxisbuch Streetwork und Mobile Jugendarbeit. Triga Verlag, Gelnhausen 2006.
  • Stefan Gillich (Hrsg.): Streetwork konkret. Standards und Qualitätsentwicklung. Triga Verlag, 2007.
  • Wolfgang Hinte, Maria Lüttringhaus, Dieter Oelschlägel: Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit. Ein Reader für Studium, Lehre und Praxis. Votum, Münster 2001.
  • Jugendwohlfahrt Oberösterreich: Qualitätshandbuch Streetwork Oberösterreich. www.jugendwohlfahrt-ooe.at/
  • Andreas Klose: Und sie werden immer jünger – Zielgruppen Mobiler Jugendarbeit – oder warum es wichtig ist zu wissen, was man tut. Referat zur sächsischen Fachtagung „mja zielt…“ – Zielgruppen Mobiler Jugendarbeit, 2006. Dokumentation unter: http://www.mja-sachsen.de/mja-sachsen/treffen2006/dokumentation_mja_zielt.pdf
  • A. Klose, W. Steffan (Hrsg.): Mobile Jugendarbeit und Streetwork in Europa. Münster 1997.
  • Siegfried Keppeler: Grundsätzliche Überlegungen zu Streetwork in der Jugendarbeit und Jugendhilfe. In: W. Steffan (Hrsg.): Straßensozialarbeit. Eine Methode für heiße Praxisfelder. Weinheim/ Basel 1989, S. 16–30.
  • Siegfried Keppeler: Jugendliche Suchtkranke und ihre Versorgung – Eine Herausforderung für die Drogen- und Jugendhilfe? Dokumentation. 1997 (www.fachportalpaedagogik.de)
  • Siegfried Keppeler, Walther Specht: Mobile Jugendarbeit. In: Hans-Uwe Otto, Hans Thiersch (Hrsg.): Handbuch der Sozialarbeit/Sozialpädagogik. 3. Auflage. Neuwied/ Kriftel 2005.
  • Tom Küchler, Dieter Wolfer: Im Fokus: Mobile Jugendarbeit. Streetworker warnen vor weiteren Einschnitten. Ein Bericht aus dem Bundesland Sachsen. In: Sozialmagazin. Zeitschrift für Soziale Arbeit. 32. Jahrgang, Heft 3, März 2007.
  • Franz Josef Krafeld: Grundlagen und Methoden aufsuchender Jugendarbeit. Eine Einführung. Vs Verlag. Juni 2004.
  • Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit Baden-Württemberg (Hrsg.): Praxishandbuch Mobile Jugendarbeit. Neuwied 1997.
  • W. Miltner: Street Work im Arbeiterviertel. Eine Praxisstudie zur Jugendberatung. Luchterhand, Darmstadt 1982.
  • Werner Steffan: Straßensozialarbeit. Weinheim 1989.
  • Gabriele Stumpp, Dörthe Üstünsöz-Beurer, Sibylle Walter, Florian Beulich, Eberhard Bolay: Wirkungseffekte Mobiler Jugendarbeit in Stuttgart (WIMO). Eine empirische Studie. Universität Tübingen, 2009. (Kurzfassung)
  • Hans Tiersch: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. 6. Auflage. Weinheim 2005.
  • Peter Tossmann, Marc-Dennan Tensil, Benjamin Jonas: Evaluation der Streetwork und der mobilen Jugendarbeit in Berlin –Ergebnisbericht. delphi, Berlin 2007. Download: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-jugend/jugendsozialarbeit_jugendberufshilfe/ergebnisbericht_streetwork.pdf (01/2010)
  • Miriam Wittmann, Katrin Kampermann: Mobile Jugendarbeit: Konzept und Verwirklichung. Eine Analyse am Beispiel der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart, mit besonderem Blick auf die Sicht der Adressatinnen und Adressaten. TOBIAS-lib, Universitätsbibliothek Tübingen, Institut für Kriminologie der Universität Tübingen, 2008. (online auf: uni-tuebingen.de)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. z. B. Hinte, Oelschlägel, Lüttringhaus 2001.
  2. Einen guten Überblick über diese Themen findet man u. a. bei Ulrich Deinet
  3. in Wiesner u. a., SGB VIII/KJHG, 2. Auflage. München 2000, § 13 RdNr. 4
  4. Krafeld 2004, S. 24 ff; siehe Tabelle
  5. Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/ Streetwork Baden-Württemberg 2005.
  6. Quelle: diverse Fachstandards sowie Qualitätshandbuch Streetwork Oberösterreich

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]