moderne21

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Diskutanten Martin Reiter (Tacheles e.V.), Nadia Panknin und Hartmut Lühr im Kunsthaus Tacheles, 2010

moderne21 ist eine Gruppe politischer Aktivisten, die 2007 aus einer Initiative des Berliner Kunsthauses Tacheles hervorging. Nach der Zwangsräumung des Kunsthauses im September 2012 besteht die Gruppe im Internet fort, wo sie gesellschaftliche Probleme, wie Vereinsamung und Politikverdrossenheit, satirisch aufgreift.

Initiativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die satirisch geprägten Initiativen von moderne21 basieren jeweils auf Aktionsvideos mit Schauspielern und Aktivisten, die über Soziale Netzwerke verbreitet werden. Bis zur Räumung des Kunsthauses Tacheles fanden dort jeweils Podiumsdiskussionen zu den jeweiligen Initiativen statt.[1]

„Dudelstopp“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Gebhardt, Aktion vor der GEMA-Zentrale in Berlin-Schöneberg, 2007

2007 startete die Initiative „Dudelstopp - Musik ohne Zwang“, mit welchem das Phänomen unfreiwilligen Musikkonsums im öffentlichen Raum verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollte.[2][3] Die unter anderem auch von DJ Paul van Dyk und Bela B. unterstützten Aktivisten um Katharina Gebhardt kritisierten wegen der Monetarisierung des Musikwesens hierbei auch die GEMA scharf.[4][5]

„Gewalt geht immer“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative „Gewalt geht immer - Violare humanum est“ folgte 2008 und hatte die vermeintlich bei Politik und Medien zu beobachtende Täter-Opfer-Umkehr, auch als „victim blaming“ bekannt, zum Gegenstand. An der eröffnenden Podiumsdiskussion in Berlin nahm Hans-Günter Mahr vom Weißen Ring teil, der die politische Instrumentalisierung der durch Massenmedien übersteigerten Angst vor Gewaltkriminalität kritisierte.[6]

„Wahlabsage“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 2008 gestartete satirisch geprägte Initiative „Wahlabsage - weniger Politik, mehr Demokratie“, die sich mit dem Nichtwähler-Phänomen beschäftigt, ließ die Aktivistin Malah Helman in einem Video polemisieren, dass eine neuzugründende „Partei gegen Arschlöcher“ von Mercedesfahrern und Kampfhundehaltern wohl nicht eine einzige Stimme bekäme.[7] Daneben versuchte die Initiative jedoch auch konstruktive Beiträge zur Nichtwähler-Debatte beizusteuern, indem sie öffentlich mit dem Publizisten Florian Felix Weyh und dem Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar über Möglichkeiten zur Modernisierung des Wahlrechts diskutierte.[8]

„Wir sind wichtig“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ebenfalls 2008 gestartete Initiative „Wir sind wichtig - der Wirtschaft zuliebe“ beschäftigte sich mit den Verlierern der Individualisierung und der Single-Gesellschaft, die wegen einer „Schweigespirale“ in den Massenmedien kaum Platz im öffentlichen Bewusstsein finden. Anlässlich des „Internationalen Tags des Glücks“ riet die Initiative im Jahr 2014, Einsamkeitsgefühle durch „erweiterte Konsumchancen“ zu kompensieren.[9]

Kontroverse mit dem Spiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Bundestagswahlen im September 2013 berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel im Rahmen eines Titelthemas zum Nichtwähler-Phänomen kritisch über die Aktivitäten von moderne21 und „Wahlabsage“. Den Aktivisten um den Soziologen Hartmut Lühr wurde vorgehalten, arrogant ein Feindbild sogenannter „Gewohnheitswähler“ zu zeichnen.[10]
Der Artikel erwähnte nicht, dass es sich bei der „Wahlabsage“-Initiative um eine deutlich gekennzeichnete Satire handelte, deren Unterstützer erklärtermaßen eine Modernisierung des Wahlrechts forcieren wollten.[11] Der ausgebliebene Hinweis der Spiegel-Redakteure auf den Satire-Charakter der moderne21-Initiative führte darauf zu einer Diskussion im Internet über Sorgfalt und Intention der Berichterstattung.[12][13] In der folgenden Spiegel-Ausgabe wurde eine Korrektur veröffentlicht, die der von der Schauspielerin Nadia Panknin verkörperten Figur einer „Wahlabsage“-Aktivistin satirischen Charakter attestierte.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moderne21 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eigendarstellung. Das Selbstverständnis auf der moderne21-website
  2. Oskar Piegsa: Seid doch mal still! In: zeit.de. 10. Mai 2007, abgerufen am 19. Januar 2019.
  3. Reinhard Jellen: Aktion gegen Zwangsbeschallung. In: heise.de/tp/ (telepolis). 29. April 2007, abgerufen am 19. Januar 2019.
  4. Sandra Lukosek: Initiative wendet sich gegen akustische Umweltverschmutzung. In: tagesspiegel.de. 7. September 2010, abgerufen am 19. Januar 2019.
  5. Michael Pilz: Dudeln und Dulden. In: welt.de. 9. Mai 2007, abgerufen am 20. Januar 2019.
  6. Pressemitteilung des Kunsthauses Tacheles auf openpr
  7. Initiative Wahlabsage - Mehr Politik, weniger Demokratie auf YouTube
  8. Reinhard Jellen: "Wir geben den siechenden Patienten noch nicht auf". In: heise.de/tp/ (telepolis). 24. Januar 2008, abgerufen am 19. Januar 2019.
  9. Baran Korkmaz: Beruflicher Erfolg ist ein Fetisch. In: taz.de. 20. März 2014, abgerufen am 19. Januar 2019.
  10. Nicola Abé, Melanie Amann, Markus Feldenkirchen: Die Schamlosen. In: spiegel.de. 16. September 2013, abgerufen am 20. Januar 2019.
  11. Lena Kaiser: „Nichtwähler-Bashing ist platt“. In: taz.de. 14. April 2015, abgerufen am 19. Januar 2019.
  12. Markus Kompa: "Verschimmelte Kekse". In: heise.de/tp/ (telepolis). 16. September 2013, abgerufen am 20. Januar 2019.
  13. Torsten Engelbrecht: Telepolis: Der SPIEGEL hält in seiner Titelstory „Wie Nichtwähler die Demokratie verspielen“ eine fiktive Hörspielfigur für real. In: spiegelblog.net. 18. September 2013, abgerufen am 20. Januar 2019.
  14. Korrektur zu Heft 38/2013. In: spiegel.de. 21. September 2013, abgerufen am 20. Januar 2019.