Mohave

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Reservate der Mohave und benachbarter Stämme im Südwesten der Vereinigten Staaten

Die Mohave, auch Mojave geschrieben, sind Yuma sprechende Indianer aus der Hoka-Sprachfamilie und lebten in der Mojave-Wüste am Unterlauf des Colorado Rivers in Arizona im Südwesten der USA. Der Name ist eine Verfremdung des indianischen Namens Pipa Aha Makav und bedeutet etwa Volk am Wasser.

Wohngebiet[Bearbeiten]

Die Mohave bewohnen heute nahezu dasselbe Gebiet, in dem sie auch in früheren Zeiten lebten. Das grüne Tal des unteren Colorado ist von einer trockenen Wüste umgeben und wurde früher, vor dem Bau der großen Staudämme, jährlich von Hochwasser überflutet und eine große Menge Schlamm abgelagert – fruchtbares Ackerland. Ihre Siedlungen verteilten sich entlang der Flussniederung auf beiden Seiten des Colorado und erstreckten sich von Cottonwood Island im Norden bis zu den The Needles genannten Erhebungen im Süden. Ihre Handelsrouten führten bis zum Pazifischen Ozean. Das heutige Fort-Mohave-Reservat, obwohl relativ klein, erstreckt sich über die drei Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Arizona und wurde 1865 eingerichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Mohave waren ein kriegerisches Volk, kämpften häufig gegen benachbarte Stämme und legten manchmal große Entfernungen zurück, um gegen andere Stämme Krieg zu führen. Sie unterhielten freundliche Beziehungen zu den Yuma, Chemehuevi, westlichen Apachen und Yavapai, dagegen betrachteten sie die Pima, Papago, Maricopa und Cocopa als traditionelle Feinde.

Die Expedition von Juan de Oñate führte 1604 durch das Land der Mohave, aber erst 1775 bekamen sie den ersten weißen Mann zu sehen, Bruder Francisco Garces, dessen Aufzeichnungen den Stamm als freundlich bezeichnen. Die Männer würden nackt umher laufen, während die Frauen Umhänge aus Kaninchen- und Biberfellen trügen. Er nannte die Indianer Jamabab.

1826 kam Jedediah Smith, ein amerikanischer Mountain Man, mit seinen Leuten zu den Mohave. Obwohl die Indianer die Trapper freundlich behandelten, sollte es in der Zukunft zwischen den beiden Gruppen zu Hass und Feindschaft kommen. Die Mojave glaubten daran, dass alle Tiere ihre Daseinsberechtigung haben und es war für sie unbegreiflich, dass die Trapper die Kadaver der Biber am Ufer liegen ließen, nachdem sie ihnen das Fell abgezogen hatten. Im Jahr 1827 kam es zu einem Kampf zwischen Mohave und Trappern, die Biber aus dem Fluss gefangen hatten. Die Indianer verlangten im Austausch dafür vergeblich ein Pferd von den Weißen. Vier Tage später fand man zwei tote Trapper und 16 tote Mojave. In demselben Jahr griffen die Indianer erneut Jedediah Smith an und töteten neun Trapper. In den nächsten 20 Jahren häuften sich die Gewalttaten zwischen Weißen und Mohave und fanden ihren Höhepunkt, als Trapper der Hudson’s Bay Company 26 Mojave töteten.

In den 1840er Jahren führte ein Fahrweg (engl. California Trail) zu den kalifornischen Goldfeldern durch das Mohave-Gebiet. 1858 gab es Streit mit den durchfahrenden Goldsuchern, der in einem Angriff auf eine Wagenkolonne eskalierte. Die Folge war der Bau des Fort Mohave 1859 am Ostufer des Colorado, um den Frieden zu sichern (die Ruinen des Forts kann man noch heute besichtigen). Die US-Armee nahm fünf Häuptlinge als Geiseln gefangen, um weitere Angriffe der Mohave zu verhindern. Sie wurden später bei einem Ausbruchsversuch getötet, wie aus Armeeberichten hervorgeht. Um den Mohave die Sinnlosigkeit weiteren Widerstands vor Augen zu führen, sandte man einen Oberhäuptling nach Los Angeles und Washington D.C., damit er die Macht der Amerikaner erkannte. Wunschgemäß beeindruckt, nutzte er seinen Einfluss bei den Mohave, die in der Folge Frieden mit den Weißen schlossen.

Vermutlich von Mohave-Indianern wurde 1851 Olive Oatman entführt und vier Jahre später freigelassen.

Lebensweise und Kultur[Bearbeiten]

Judith, eine junge Mohave-Frau von etwa 18 Jahren

Die Pflanzzeit begann sofort, nachdem das Hochwasser abgeflossen war. Anders als einige der Wüstenfarmer weiter östlich, deren landwirtschaftliche Anstrengungen von ausgiebigen, um Erfolg bittenden Ritualen begleitet wurden, kannten die Mojave fast gar keine Rituale, die mit der Ernte verbunden waren. Zusätzlich zur Farmarbeit wurde in beträchtlichen Umfang gefischt, gejagt und Wildgemüse gesammelt.

Die wichtigste soziale Einheit der Mohave war die Familie und die Vererbung in der väterlichen Linie. Es gab keine Siedlungen, aber dort, wo geeignetes Land für den Anbau zur Verfügung stand, fand man verstreute Häuser. Die Felder gehörten derjenigen Familie, die sie urbar machte. Die formale Führung bei den Mohave hatte normalerweise ein Stammeshäuptling, der sein erbliches Amt als Führer und Ratgeber ausübte. Die Mohave besaßen eine starke nationale Identität, die sich besonders in Kriegszeiten zeigte. Ansehen erwarb man durch Erfolg und Tapferkeit im Kampf, an dem alle körperlich fähigen Männer unter Führung eines einzigen Kriegshäuptlings teilnahmen. Die Krieger waren in Bogenschützen, Keulen- und Speerkämpfer unterteilt und der Kampf war hochgradig stilisiert.

Die Mohave glaubten an einen obersten Schöpfer Mutavilya und seinen Sohn, den Kulturheros Mastamho, dem sie die Existenz des Flusses und die Kenntnisse des Pflanzenbaus verdankten. Eine zentrale Rolle in ihrer ethnischen Religion spielten Träume, die die Mohave für die einzige Quelle sicheren Wissens hielten. Praktisch alles in der Mohave-Kultur hatte Bezüge zu Träumen. Selbst die Mythen mussten immer wieder neu geträumt werden, weil die mündliche Überlieferung die „tatsächliche Teilnahme“ am mythischen Traumgeschehen nicht ersetzen konnte. Da die verschiedenen Stammesmitglieder aber naturgemäß unterschiedliche Träume hatten, wurde darüber intensiv diskutiert, und es kam darüber nicht selten zum Streit.[1] Dem Medizinmann wurden besonders mächtige Träume zugetraut, die Krankheiten heilen, aber auch verursachen konnten. Diese Annahme verschaffte ihm eine unsichere Stellung.

Die Mohave kannten rund 30 Zeremonien und Rituale, bei denen vor allem gesungen, gerasselt und auf Körbe geschlagen wurde, um zu heilen. Jede Zeremonie dauerte eine Nacht oder länger und bestand aus 100 bis 200 Liedern.[2] Öffentliche Zeremonien bestanden aus gesungenen Zyklen gereimter Gesänge, die eine Sage zum Inhalt hatten, gewöhnlich eine Reiseerzählung. Einige Zyklen bestanden aus Hunderten von Liedern. Typisch für die Mohave waren ihre Tätowierungen, bestehend aus Linien und Punkten im Gesicht.

Die Toten wurden verbrannt und mit ihnen ihr gesamter Besitz, damit er sie zu den Geistern begleiten konnte. Um ihre Liebe zu dem Toten zu beweisen, gaben oft auch die Trauernden ihre Habe auf den Scheiterhaufen. Der Name des Toten wurde niemals wieder erwähnt. Viele der alten Zeremonien werden nach wie vor abgehalten. Heute sind – nach den laufenden Erhebungen des evangelikal-fundamentalistisch ausgerichteten Bekehrungsnetzwerkes Joshua Project – 65 Prozent der Mohave Christen (davon zwei Drittel protestantisch), 20 Prozent bekennen sich zur traditionellen Religion, 15 Prozent sind Atheisten.[3]

Viele Mohave leben heute von der Landwirtschaft oder finden Lohnarbeit in nahegelegenen Ortschaften, wie zum Beispiel in Needles, Kalifornien. Einige Mohave-Frauen stellen mit Perlen verzierte Umhänge her, doch das Kunsthandwerk ist unbedeutend. Obwohl noch mehr als die Hälfte der Mohave ihre Muttersprache beherrschen,[2] wird sie nach Einschätzung von SIL International als bedrohte Sprache mit dem Status 8a (moribund/aussterbend) geführt.[4]

Im Fort-Mohave-Reservat (96 km²) und im Colorado-River-Reservat (1.077 km²), das allerdings mit anderen Stämmen geteilt wird, leben heute etwa 1.120 Stammesangehörige.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Mohave – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. 113–114.
  2. a b Barry M. Pritzker: A Native American Encyclopedia. History, Culture and Peoples. Oxford University Press, New York 2000, ISBN 978-0-19-513877-1. S. 47.
  3. Joshua Project: United States (Mohave, Mojave), abgerufen am 2. Januar 2016.
  4. Ethnologische Informationen nach ISO-Sprachcode 639-3: mov auf ethnologue.com. SIL International, abgerufen am 2. Januar 2016.