Montenegriner
Montenegriner (serbokroatisch Црногорци Crnogorci) sind eine südslawische Ethnie, deren Angehörige zumeist den ijekavischen Dialekt des Serbokroatischen sprechen, der teilweise als montenegrinische Sprache bezeichnet wird. Montenegriner leben vor allem in Montenegro, aber auch in Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Geschichte der Montenegriner (Crnogorci) beginnt im frühen Mittelalter. Die Wurzeln des heutigen Montenegro liegen in den slawischen Stämmen, die sich im 6. und 7. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Montenegro niederließen.
Das Fürstentum Duklja (9.–12. Jahrhundert)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zeit: 9. bis Anfang 12. Jahrhundert
Hauptstadt: zunächst Doclea (Duklja) in der Nähe des heutigen Podgorica.
Beschreibung:
Duklja war eines der ersten südslawischen Fürstentümer auf dem Gebiet des heutigen Montenegro. Es stand zunächst unter byzantinischem Einfluss.
Der bedeutendste Herrscher war Fürst Mihailo Vojislavljević (regierte ca. 1046–1081), der 1077 vom Papst die Königskrone erhielt – damit wurde Duklja zu einem Königreich.
Sein Sohn König Konstantin Bodin (1081–1101) erweiterte das Reich, doch nach seinem Tod begann der Niedergang.
Das Fürstentum Zeta (12.–15. Jahrhundert)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zeit: Ab dem 12. Jahrhundert
Nach dem Fall von Duklja übernahmen die serbischen Nemanjiden die Kontrolle über das Gebiet.
Der Name Zeta wurde allmählich für das Land verwendet.
Im 14. und 15. Jahrhundert war Zeta ein halb unabhängiges Fürstentum, regiert von Familien wie den Balšić und später den Crnojević.
Die Crnojević-Dynastie hatte ihre Residenz in Cetinje, das zum kulturellen und geistigen Zentrum Montenegros wurde.
Das Fürstentum Montenegro (ab dem 16. Jahrhundert)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Fall des serbischen Despotats und der osmanischen Eroberung des Balkans blieb das Gebiet des heutigen Montenegro nie vollständig vom Osmanischen Reich erobert.
Im 16. Jahrhundert entstand ein theokratischer Staat, geführt von Fürstbischöfen (Vladike).
Der berühmteste war Petar II. Petrović-Njegoš (1813–1851), Dichter und Reformer.
Das Königreich Montenegro (19.–20. Jahrhundert)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1852 wurde das theokratische Fürstentum in ein weltliches Fürstentum umgewandelt, regiert von Danilo I. Petrović-Njegoš.
1878 erkannte der Berliner Kongress Montenegro als unabhängigen Staat an.
1910 wurde Montenegro unter Nikola I. Petrović-Njegoš zum Königreich.
Vereinigung und moderne Zeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]1918: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Montenegro in das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien) eingegliedert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Montenegro eine der sechs Republiken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.
2006: Montenegro erklärte seine Unabhängigkeit und wurde ein souveräner Staat.
Nation innerhalb Jugoslawiens erklärt („montenegrinische Nation, serbisches Volk“ so die offizielle Erklärung[1]). Zuvor galten sie als Serben und bezeichneten sich selbst zum Teil als Alt-Serben.[2] Eine Ausnahme bildeten autochthone serbisch-orthodoxe Slawen um die Bucht von Kotor, diese betrachteten sich weiterhin mehrheitlich als Serben. Daneben betonten viele Montenegriner stets die montenegrinische Eigenart, welche sie ihrer Auffassung nach von den restlichen Serben unterscheiden würde, was letztlich als Grundlage für eine eigene montenegrinische Nation dient.
Religion und Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die meisten Montenegriner gehören der serbisch-orthodoxen Kirche an; andere, eine Minderheit, der nicht kanonischen montenegrinisch-orthodoxen Kirche. Insbesondere viele Serben betrachten die Montenegriner wegen der gemeinsamen kulturellen Verbundenheit als Serben, weil viele serbische historische Persönlichkeiten aus dieser Gegend kommen. So stammen die Vorfahren beispielsweise des serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović und Karađorđes sowie der politischen Personen des 20. Jahrhunderts wie Petar II. Petrović-Njegoš, Nikola von Montenegro, Slobodan Milošević, Radovan Karadžić und Željko Ražnatović aus Montenegro.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Daniel Gabrić: Montenegrizität: Sprache und Kirche im Spiegel des Identitätsdiskurses in der Republik Montenegro 1990–2007. Peter Lang, Frankfurt am Main 2010 (google.com).
- Hösch, Nehring, Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. S. 460, ISBN 3-8252-8270-8
- Vuk Stefanović-Karadžić: Montenegro und die Montenegriner: Ein Beitrag zur Kenntniss der europäischen Türkei und des serbischen Volkes. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1837 (google.com).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ O crnogorskom nacionalnom pitanju – Milovan Đilas. Abgerufen am 1. Januar 2020.
- ↑ Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau 1993, ISBN 978-3-430-14445-2, S. 315.