Morbus Cushing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klassifikation nach ICD-10
E24.0 Hypophysäres Cushing-Syndrom
Morbus Cushing
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Morbus Cushing [ˈkʊʃɪŋ] oder Cushingsche Krankheit (selten: Morbus Itsenko-Cushing, um vom Überbegriff des Cushing-Syndroms zu unterscheiden), benannt nach Harvey Williams Cushing (und nach Nikolaj Michajlowitsch Itsenko), wird eine Erkrankung bezeichnet, bei der ein Tumor in den ACTH-produzierenden (kortikotropen) Zellen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu viel ACTH produziert, wodurch es zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde mit Nebennierenhyperplasie und als Folge davon zu einer übermäßigen Cortisolproduktion kommt. Die Krankheitserscheinungen werden als Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus, „zu viel Cortisol“) bezeichnet. Das Cushing-Syndrom kann allerdings auch von anderen Ursachen herrühren, die man aber nicht als Morbus Cushing bezeichnet.

Synonyme sind: hypophysäres Cushing-Syndrom, kortikotropes Hypophysenadenom, hypophysäres kortikotropes Mikroadenom, Basophilismus und basophiles Adenom.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Morbus Cushing liegt, in der Abgrenzung zum Cushing-Syndrom, eine Überproduktion von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) im Hypophysenvorderlappen oder auch eine Überproduktion von CRH im Hypothalamus, welches die Produktion des glandotropen Hormons ACTH stimuliert, zugrunde. Es bezeichnet also nicht das Vorhandensein von zu viel Cortisol an sich (Cushing-Syndrom – beispielsweise durch einen Nebennierentumor), sondern die zentrale Überproduktion von Liberinen oder glandotropen Hormonen, welche sekundär für eine Überproduktion des Hormons Cortisol sorgen. Eine Überproduktion von ACTH geht dabei mit einer verstärkten Pigmentierung der Haut einher. Dies liegt begründet in der Produktion von ACTH, welches aus seinem Vorläufer POMC gewonnen wird, aus welchem auch α-MSH gebildet wird. Voraussetzung für einen Morbus Cushing sind in allen Fällen autonome Zellverbände, welche nicht mehr auf den natürlichen, negativen Feedback-Mechanismus reagieren.

Krankheitsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1937 fasste Harvey Cushing die Symptome zu einem Krankheitsbild zusammen. Das klinische Krankheitsbild entspricht im Allgemeinen dem Cushing-Syndrom:

Symptome der Erkrankung können ein rundes Mondgesicht, Stammfettsucht (dünne Arme und Beine, dicker Rumpf mit „Stiernacken“), Gewichtszunahme, verringerte Muskelmasse und erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie), Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels (erhöhter Durst und häufiges Wasserlassen), Impotenz und bei Kindern eine Kombination aus Wachstumsstörung und Fettleibigkeit sein. Die erhöhte Glukoneogenese sorgt für eine diabetische Stoffwechsellage und damit für einen möglichen Steroid-Diabetes.

Diagnose und Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem charakteristischen Erscheinungsbild des Cushing-Syndroms gibt es zahlreiche endokrinologische Tests zum Nachweis, Ausschluss oder Differenzierung des Cushing-Syndroms (siehe dort).

Weiterhin ist bei Verdacht auf Tumoren eine Bildgebung mittels MRT möglich, wobei der Tumor nicht immer sichtbar ist.

Therapeutisch bestehen folgende Optionen: transnasale/transsphenoidale operative Adenomentfernung, Bestrahlung (Radiotherapie) des Adenoms, medikamentöse Blockade der ACTH-Sekretion mit dem Somatostatinanalogon Pasireotid, bei Erfolglosigkeit bilaterale Adrenalektomie mit anschließender lebenslanger Glukokortikoid- und Mineralokortikoid-Substitution.[1]

Als neue, nicht-invasive Behandlungsstrategie gegen Morbus Cushing wird seit einigen Jahren auch Silibinin aus der Mariendistel erforscht.[2][3][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mathias Riebold et al.: A C-terminal HSP90 inhibitor restores glucocorticoid sensitivity and relieves a mouse allograft model of Cushing disease. In: Nature Medicine, volume 21, S. 276–280 (2015) doi:10.1038/nm.3776
  • Siegfried Schwarz et al.: Pathophysiologie – molekulare zelluläre systemische Grundlagen von Krankheiten W. Maudrich Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-85175-860-3.
  • Ludwig Weissbecker: Die Cushingsche Krankheit (Basophilismus oder basophiles Adenom, Cushings disease). In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1007 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin 2020. Selbstverlag, Köln 2020, ISBN 978-3-9814660-9-6, S. 790.
  2. Max-Planck-Gesellschaft: Silibinin - pflanzlicher Wirkstoff gegen Hirntumore. 9. Februar 2015.
  3. Max-Planck-Gesellschaft: IBI lizenziert Silibinin zur Behandlung von Morbus Cushing. 10. Juli 2018
  4. Silibinin: Neuer Ansatz bei Morbus Cushing? In: Pharmazeutische Zeitung, 12. Juli 2018.