Morbus Cushing

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Klassifikation nach ICD-10
E24.0 Hypophysäres Cushing-Syndrom
Morbus Cushing
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Morbus Cushing [ˈkʊʃɪŋ] oder Cushingsche Krankheit (selten: Morbus Itsenko-Cushing, um vom Oberbegriff des Cushing-Syndroms zu unterscheiden), benannt nach Harvey Williams Cushing (und nach Nikolaj Michajlowitsch Itsenko), wird eine Erkrankung bezeichnet, bei der ein Tumor in den ACTH-produzierenden (kortikotropen) Zellen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu viel ACTH produziert, wodurch es zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde mit Nebennierenhyperplasie und infolgedessen zu einer übermäßigen Cortisolproduktion kommt. Die Gesamtheit der Krankheitserscheinungen werden als Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus, „zu viel Cortisol“) bezeichnet. Das Cushing-Syndrom kann auch von anderen Ursachen herrühren, die dann aber nicht als Morbus Cushing aufgefasst werden.

Synonyme sind: hypophysäres Cushing-Syndrom, kortikotropes Hypophysenadenom, hypophysäres kortikotropes Mikroadenom, Basophilismus und basophiles Adenom.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morbus Cushing resultiert, im Gegensatz zum Cushing-Syndrom, aus einer Überproduktion von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) im Hypophysenvorderlappen oder auch aus einer Überproduktion von CRH im Hypothalamus, welches die Produktion des glandotropen Hormons ACTH stimuliert. Er beruht also nicht auf dem Vorhandensein von zu viel Cortisol an sich (Cushing-Syndrom – beispielsweise durch einen Nebennierentumor), sondern auf der zentralen Überproduktion von Liberinen oder glandotropen Hormonen, welche sekundär eine Überproduktion des Hormons Cortisol verursachen. Eine Überproduktion von ACTH geht dabei mit einer verstärkten Pigmentierung der Haut einher. Dies liegt begründet in der Produktion von ACTH, welches ebenso wie α-MSH aus seinem Vorläufer POMC gewonnen wird. Eine notwendige Voraussetzung für Morbus Cushing sind in allen Fällen autonome Zellverbände, die nicht mehr auf den natürlichen, negativen Feedback-Mechanismus reagieren.

Krankheitsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1937 fasste Harvey Cushing die Symptome zu einem Krankheitsbild zusammen. Das klinische Krankheitsbild entspricht im Allgemeinen dem Cushing-Syndrom:

Symptome der Erkrankung können ein rundes Mondgesicht, Stammfettsucht (dünne Arme und Beine, dicker Rumpf mit „Stiernacken“), Gewichtszunahme, verringerte Muskelmasse und erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie), Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels (erhöhter Durst und häufiges Wasserlassen), Impotenz und bei Kindern eine Kombination aus Wachstumsstörung und Fettleibigkeit sein. Die erhöhte Glukoneogenese bewirkt eine diabetische Stoffwechsellage, die einen Steroid-Diabetes nach sich ziehen kann.

Diagnose und Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem charakteristischen Erscheinungsbild des Cushing-Syndroms gibt es zahlreiche endokrinologische Tests zum Nachweis, zum Ausschluss oder zur Differenzierung des Cushing-Syndroms (siehe dort).

Ferner ist bei Verdacht auf Tumoren eine Bildgebung mittels MRT möglich, wobei der Tumor nicht immer sichtbar ist.

In therapeutischer Hinsicht bestehen folgende Optionen: transnasale oder transsphenoidale operative Adenomentfernung, Bestrahlung des Adenoms (Radiotherapie), medikamentöse Blockade der ACTH-Sekretion durch das Somatostatinanalogon Pasireotid, bei Erfolglosigkeit bilaterale Adrenalektomie mit anschließender lebenslanger Glukokortikoid- und Mineralokortikoid-Substitution.[1]

Zwecks der Entwicklung einer neuen, nicht-invasiven Behandlungsstrategie gegen Morbus Cushing wird seit einigen Jahren auch Silibinin aus der Mariendistel erforscht.[2][3][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mathias Riebold et al.: A C-terminal HSP90 inhibitor restores glucocorticoid sensitivity and relieves a mouse allograft model of Cushing disease. In: Nature Medicine, 2015, volume 21, S. 276–280; doi:10.1038/nm.3776
  • Siegfried Schwarz et al.: Pathophysiologie – molekulare zelluläre systemische Grundlagen von Krankheiten W. Maudrich Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-85175-860-3.
  • Ludwig Weissbecker: Die Cushingsche Krankheit (Basophilismus oder basophiles Adenom, Cushings disease). In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1007 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin 2020. Selbstverlag, Köln 2020, ISBN 978-3-9814660-9-6, S. 790.
  2. Silibinin – pflanzlicher Wirkstoff gegen Hirntumore. Max-Planck-Gesellschaft, 9. Februar 2015.
  3. IBI lizenziert Silibinin zur Behandlung von Morbus Cushing. Max-Planck-Gesellschaft, 10. Juli 2018
  4. Silibinin: Neuer Ansatz bei Morbus Cushing? In: Pharmazeutische Zeitung, 12. Juli 2018.