Morbus Cushing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
E24.0 Hypophysäres Cushing-Syndrom
Morbus Cushing
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Morbus Cushing [ˈkʊʃɪŋ] (selten: Morbus Itsenko-Cushing, um die Verwechslung mit dem Cushing-Syndrom auszuschließen), benannt nach Harvey Williams Cushing (und nach Nikolaj Michajlowitsch Itsenko), wird eine Erkrankung bezeichnet, bei der ein Tumor in den ACTH-produzierenden Zellen (Corticotrophs) der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu viel ACTH produziert, wodurch es zu einer vermehrten Stimulation der Nebennierenrinde und als Folge davon zu einer übermäßigen Cortisolproduktion kommt. Die Krankheitserscheinungen werden als Cushing-Syndrom (Hypercortisolismus, „zu viel Cortisol“) bezeichnet. Das Cushing-Syndrom kann allerdings auch von anderen Ursachen herrühren, die man aber nicht als Morbus Cushing bezeichnet.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morbus Cushing liegt, in der Abgrenzung zum Cushing-Syndrom, eine Überproduktion von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) im Hypophysenvorderlappen oder auch eine Überproduktion von CRH im Hypothalamus, welches die Produktion von glandotrophe Hormon ACTH stimuliert, zugrunde. Es bezeichnet also nicht das Vorhandensein von zu viel Cortisol ansich (Cushing-Syndrom – beispielsweise durch einen Nebennierentumor), sondern die zentrale Überproduktion von Liberinen oder glandotrophen Hormonen, welche sekundär für eine Überproduktion des Hormons Cortisol sorgen. Eine Überproduktion von ACTH geht dabei mit einer verstärkten Pigmentierung der Haut einher. Dies liegt begründet in der Produktion von ACTH, welches aus seinem Vorläufer POMC gewonnen wird, aus welchem auch α-MSH gebildet wird. Voraussetzung für ein Morbus Cushing sind in allen Fällen autonome Zellverbände, welche nicht mehr auf den natürlichen, negative-Feedback Mechanismus reagieren.

Krankheitsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Symptomatik und somit auch das klinische Krankheitsbild entspricht im Allgemeinen dem Cushing-Syndrom:

Symptome der Erkrankung können ein rundes Mondgesicht, Stammfettsucht (dünne Arme und Beine, dicker Rumpf mit „Stiernacken“), Gewichtszunahme, verringerte Muskelmasse und erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), erhöhter Blutdruck (arterielle Hypertonie), Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels (erhöhter Durst und häufiges Wasserlassen), Impotenz und bei Kindern eine Kombination aus Wachstumsstörung und Fettleibigkeit sein. Die erhöhte Glukoneogenese sorgt für eine diabetische Stoffwechsellage und damit für einen möglichen Steroid-Diabetes.

Diagnose und Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem charakteristischen Erscheinungsbild des Cushing-Syndroms werden Hormondrüsenüberfunktionen durch den Dexamethason-Suppressionstest nachgewiesen.

Weiterhin ist bei Verdacht auf Tumoren eine Bildgebung mittels MRT möglich, wobei der Tumor nicht immer sichtbar ist. Die Therapie besteht in der operativen Entfernung des Tumors. Therapeutische Anwendung finden verstärkt synthetische Glucocorticoide wie Prednisolon und Dexamethason, die durch chemische Modifikationen eine höhere Stabilität, eine erhöhte Affinität für den Glucocorticoid-Rezeptor und eine erniedrigte Affinität für das Transcortin besitzen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schwarz et al.: Pathophysiologie – molekulare zelluläre systemische Grundlagen von Krankheiten W. Maudrich Verlag Wien, 2007 ISBN 978-3-85175-860-3
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!