Musmehl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Musmehl

Musmehl (zu „Mus“ und von mittelhochdeutsch muosmel „Weizenmehl, Feinmehl“[1]) ist ein grießig gemahlenes braunes Vollkornmehl aus im Ofen gerösteten Körnern von Dinkel oder Weizen, gelegentlich auch Hafer oder einer Mischung dieser Getreidesorten.[2][3] Es ist ein früher in Süddeutschland und Tirol weitverbreitetes Getreideprodukt, das im 20. Jahrhundert in Vergessenheit geriet und zu Beginn des 21. Jahrhunderts von der Slow-Food-Bewegung als regionaltypisches und traditionelles Gericht wiederbelebt und in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde.[4] Musmehl wird noch immer von handwerklich arbeitenden kleineren Mühlenbetrieben in Baden-Württemberg hergestellt.[3]

Das Getreide wird acht Stunden bei langsam von 150 zu 100 °C abfallender Temperatur gedarrt und anschließend geschrotet. Durch das Darren wird das Getreide gebräunt und entwickelt charakteristische Röstaromen. Musmehl dient als Grundlage für verschiedene Zubereitungen als Gebäck oder als Brei. Im Allgäu und im Odenwald wurde aus Musmehl das süße Habermus oder Häbresmus gekocht, während auf der Schwäbischen Alb traditionell der herzhafte Schwarze Brei hergestellt wurde, der dort jahrhundertelang als Grundspeise der Landbevölkerung galt.[5]

Musmehl findet daher auch in verschiedenen historischen Beschreibungen der Armenspeisung Erwähnung.[6] So beurkundete Maria Schenk von Stauffenberg im Jahr 1616 eine Stiftung, wonach „den armen bedürftigen“ jährlich unter anderem „2 Mittelen Musmehl“ gegeben werden sollten.[7]

Wegen der langen Haltbarkeit wurde Musmehl von Tiroler Hirten zum sommerlichen Aufenthalt auf die Alm mitgenommen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 153 (muosmel).
  2. Unbekannte Mühlenschätze: Musmehl. In: Verband Deutscher Mühlen e. V., Berlin, mein-mehl.de. 20. Juli 2018, abgerufen am 29. März 2020.
  3. a b Unser Musmehl. In: Getreidemühle Luz GmbH & Co. KG, Münsingen-Buttenhausen, luzmuehle.de. 25. Mai 2018, abgerufen am 29. März 2020.
  4. Musmehl auf der Seite von slowfood.de abgerufen 28. Mai 2015 (Memento vom 1. Mai 2016 im Internet Archive)
  5. Ulrike Oelkuch: Raub der Französinnen, Reutlinger General-Anzeiger, 10. Dezember 2005
  6. K. Walchner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Pfullendorf von 916 bis 1811. Konstanz 1825, S. 142; Johann K. Krais: Tagebuch über diejenigen Begebenheiten, welche die Reichsstadt Biberach ... vom Jahr 1802 an ibs zum Jahr 1815.. Buchau 1822, S. 266 f; Jakob Friedrich Unold: Geschichte der Stadt Memmingen. Memmingen 1826, S. 210.
  7. Staatsarchiv Sigmaringen, Gf. und Frh. Schenk von Stauffenbergische Archive, Dep. 38 T 1 Nr. 1408
  8. Bei Schneesturm übers Pfunderer Joch, Der Terner, Nr. 2, 2004, S. 45.