Muzak

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Muzak (Begriffsklärung) aufgeführt.
Logo der Muzak Holding LLC. Ihre Musik stand für leichte Unterhaltung.

Muzak™ war seit 1954 ein Markenname der Muzak Holdings LLC, eines 1934 gegründeten US-amerikanischen Unternehmens, das hauptsächlich für seine Gebrauchsmusik (z. B. Musikbeschallung von Ladengeschäften) bekannt war. Die Firma Mood Media übernahm Muzak im Jahr 2011 und verwendet den Markennamen Muzak seit 2013 nicht mehr.

Da die Firma Muzak über Jahrzehnte marktbeherrschend war, wurde muzak im Englischen in den 1970er Jahren zu einer Bezeichnung für Hintergrundmusik zum Beispiel in Kaufhäusern, Hotels, Fahrstühlen und manchen Arbeitsumgebungen. Diese „Kaufhausmusik“ oder „Fahrstuhlmusik“ soll den Hörer heiter stimmen und eine entspannte Atmosphäre schaffen. John Lennon nannte nach der Auflösung der Beatles die Musik Paul McCartneys muzak.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische General George Owen Squier war im Ersten Weltkrieg Chef des amerikanischen Nachrichtenkorps. Er interessierte sich stark für die Einsatzmöglichkeiten der damals neu aufkommenden Kommunikationsmittel Telefon und Radio und erhielt einige Patente auf Erfindungen im Bereich der kabelgebundenen Signalübertragung. 1922 erwarb die North American Company einige seiner Patente und gründete die Firma Wired Radio, die Musik per Kabel in private Haushalte übermittelte – als vorteilhafte Alternative zu den damals noch problembehafteten Radiogeräten. Die Qualität der Radiotechnik verbesserte sich jedoch rasch und bedrohte das Geschäftsmodell.

1934 benannte Squire die Firma Wired Radio in Muzak Inc. um und konzentrierte deren Angebot nun auf Geschäftskunden. Der Name Muzak ist eine von Squier erfundene Kombination aus music und Kodak[2] – Squier bewunderte das damals aufstrebende Unternehmen Kodak. 1935 wurde der erfolgreiche Orchesterleiter Ben Selvin als Musikproduzent angeheuert.

Die Neugründung als Muzak Inc. fand in einer Zeit großer technischer Neuerungen statt. Zu der damaligen Technikeuphorie gehörte auch die mit dem Schlagwort social engineering verbundene Vorstellung, es sei möglich, das Verhalten von Menschen in der Gesellschaft oder in Organisationen zu optimieren, beispielsweise das Verhalten von Belegschaften und Kunden. In den 1950er und 1960er Jahren versuchte Muzak die positive Wirkung von Hintergrundmusik wissenschaftlich zu untermauern. Unabhängig davon war das Firmenkonzept über Jahrzehnte erfolgreich.

Logo von Alcas Muzak

1995 entstand Muzak Europe B.V. als europäischer Zusammenschluss von Muzak mit der niederländischen Firma Alcas. Alcas (gegründet 1980) hatte sich auf die Produktion und Vermietung von Kassetten und CDs in den Beneluxländern, Deutschland und Spanien spezialisiert. Alcas Muzak wurde Marktführer für Kaufhausmusik in Europa (Stand 2008).[3] Am 31. Oktober 2008 wurde Alcas Muzak von der Mood Media Group SA mit Hauptsitz in Luxemburg durch Fusion übernommen.[4]

Nach einem Konkurs 2009 wurde die Firma Muzak Holdings 2011 durch Mood Media Corp. übernommen. Zu diesem Zeitpunkt beschallte Muzak Inc. rund 300.000 Räumlichkeiten in den USA, während Mood Media 117.000 Räumlichkeiten in Europa mit Musik versorgte. 2013 teilte der neue Eigentümer mit, den Markennamen Muzak einzustellen.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der etwa in den 1970er Jahren einsetzende grundlegende Wandel der Musikrezeption insbesondere bei Jugendlichen brachte das Konzept der Hintergrundmusik als konsumunterstützendes Marketing-Instrument an seine Grenzen. Die Beliebigkeit einer Musik, die jede Aufmerksamkeit vermeiden soll, traf auf eine aktive Musikrezeption, bei der Musikrichtungen auch für eine bestimmte Lebenseinstellungen standen. Eine als Hintergrundmusik ihrer Substanz entleerte Musik konnte vor dieser Rezeptionshaltung nicht bestehen. Die Werbung des ausgehenden 20. Jahrhunderts verwendete deshalb eher gängige Hitparaden-Melodien. Lifestyle-Unternehmen wie z. B. Modeketten, Schuhhäuser, Design-Hotels und Szenebars spielen oft die aktuell erfolgreiche Musik ab und keine Hintergrundmusik.

In Warenhäusern wird auf Gesang üblicherweise verzichtet, um dem Hörer nicht zu viel Aufmerksamkeit abzuverlangen. Die Lautstärke liegt nur geringfügig über dem Geräuschpegel der Umgebung. Auf ungewöhnliche Klänge wird gänzlich verzichtet. Die Beschallung erfolgt oft indirekt über mehrere hoch angebrachte Lautsprecher und kann so in jedem Bereich des bespielten Raumes fast gleich laut wahrgenommen werden. Dabei ist auch eine engere Bindung der Kunden an das jeweilige Unternehmen das Ziel. Der Kunde kommt gerne hierher, wenn ihm die Musik angenehm ist. Manche Unternehmen wählen eigene Hintergrundmusik, und sich für den Kunden wiedererkennbar zu machen („Audio branding“), oder sie verpflichten sogar prominente Musiker, um sich Zugang zu bestimmten Zielgruppen zu verschaffen (siehe auch Branded Entertainment).

Eine weitere Anwendung von Hintergrundmusik dient als Beschallung und Unterhaltung für Kranke im Rahmen von krankenhauseigenen Programmen im krankenhausinternen Kabelfernsehen („C.A.R.E.Channel“).

Der Avantgarde-Pop-Musiker Brian Eno wertete mit seiner LP Ambient 1: Music for Airports von 1978 Hintergrundmusik wieder zu Musik auf und prägte gleichzeitig den Begriff Ambient.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der funktionale Aspekt von Hintergrundmusik besteht in der gezielten Veränderung der akustischen Verhältnisse am jeweiligen Einsatzort in eine bestimmte, vom Auftraggeber gewünschte Richtung. Hintergrundmusik dient z. B. sowohl der Überlagerung störender Umgebungsgeräusche als auch der Vermeidung einer unerwünschten, weil als bedrückend empfundenen Stille. Motiviert ist diese Veränderung stets durch das Bestreben, die Stimmung und Gefühlslage der Menschen, die sich (oft zufällig) in einer bestimmten Umgebung aufhalten, in eine positive Richtung zu lenken und sie so zum Verweilen anzuhalten und für andere Botschaften empfänglich zu machen. Sehr häufig handelt es sich bei diesen Botschaften um Werbebotschaften, die die Menschen zum Konsum anreizen sollen. Hintergrundmusik wird aber auch – insbesondere in den USA oder in Kanada – im öffentlichen Raum eingesetzt, um Passanten psychoakustisch (etwa aggressionshemmend) zu beeinflussen.

In Hamburg dient die Beschallung des Hauptbahnhofs mit klassischer Musik zu der politisch gewollten Vertreibung der sich dort früher konzentrierenden Junkie-Szene. Den Junkies wird durch den ihrer Szene fremden Klangteppich signalisiert, sich am „falschen“ Ort aufzuhalten, was – zusammen mit ordnungspolizeilichen Maßnahmen – tatsächlich eine Vertreibung der Szene aus dem unmittelbaren Bahnhofsumfeld bewirkt hat.[6] Dieses Modell haben auch andere Städte wie München und Bielefeld übernommen.

Hintergrundmusik wird entweder gezielt für einen bestimmten Einsatzzweck produziert, oder es handelt sich um Musik, die mit einer anderen Motivation komponiert wurde, aber nach entsprechender Arrangierung als Hintergrundmusik eingesetzt wird. Exemplarisch seien Für Elise von Ludwig van Beethoven und Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi genannt. Oft werden dabei Interpretationen solcher Werke im Stil der populären Klassik verwendet. Die Forderung nach einer Musik, die heard but not listened to (etwa: „zu hören, aber nicht zum Zuhören“) sein soll, führt dazu, dass Hintergrundmusik-Arrangements praktisch ausnahmslos reine Instrumentalmusik ist – gesungene Texte würden eine zu starke Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit ihre intendierte Wirkung verfehlen. Vordergrundmusik, im Gegensatz dazu, soll genau das Gegenteil erreichen.

Zwar gibt es diverse Studien zu Hintergrundmusik und ihrer Wirkung, dennoch sind diese sehr umstritten, genauso wie die Ergebnisse der Studien, die mal keinerlei Wirkung bei bis zu 30 % der Kunden, mal eindeutige Wirkung attestiert haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lanza, Joseph (2004): Elevator Music: A surreal History of Muzak, Easy Listening, and Other Moodsong. ISBN 0-472-08942-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Lennon 1971 (Album Imagine): How do you sleep. Textzitat: „The sound you make is muzak to my ears, You must have learnt something all those years“
  2. Online Etymology Dictionary: Muzak
  3. Eckart Granitza: Verführung zum Konsum welt.de, 12. April 2008
  4. Bundesanzeiger vom 31. Oktober 2008
  5. Muzak, Background Music to Life, to Lose Its Name in: New York Times, 4. Februar 2013
  6. Jörg Klußmann: Musik im öffentlichen Raum. Eine Untersuchung zur Musikbeschallung des Hamburger Hauptbahnhofs. epOs Music, Osnabrück 2005, ISBN 978-3-923486-67-0 (Abstract).