Myron (Salböl)

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Chrismarium: Alabastron mit Myron im Patriarchat des Moskauer Kremls
Myronkessel des armenischen Katholikats Etschmiadsin; 1895

Myron (von altgriechisch μύρον „duftendes Öl“) ist, wie auch sein Analogon in der Westkirche, der Chrisam, ein mit duftenden Spezereien angereichertes Olivenöl und wird in den orthodoxen, den orientalisch-orthodoxen (mit Ausnahme der assyrischen) und den katholischen Ostkirchen als höchstrangiges liturgisches Salböl benutzt. Myron wird bei verschiedenen sakramentalen Handlungen verwendet, vor allem bei der Firmung und der Altarweihe, in spätbyzantinischer Zeit auch bei der Kaiserkrönung und davon abgeleitet bei der Salbung eines russischen Zaren.

Die Anzahl der dem Olivenöl beigemischten Duftstoffe steigt in der Geschichte an: Noch Moses Bar-Kepha (9. Jh.) erwähnt nur Oliven- und Balsam-Öl, Gregorius Bar-Hebraeus (13. Jh.) erhöht die Zahl gemäß Ex 30, 23-31. Die Ordnung des Ökumenischen Patriarchats kennt an die 60 beizugebende Spezereien.

Myronweihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armenische Myronweihe in Antelias

Ursprünglich bereitete man es alljährlich am Gründonnerstag, in der Neuzeit, wegen der aufwendigen Herstellung mit zum Teil seltenen Spezereien, in vieljährigem Abstand. Das Myron wird anfangs vom Ortsbischof, in späterer Zeit vom Oberhaupt der einzelnen autokephalen Kirchen (in der Regel ein Patriarch, Metropolit oder Erzbischof), assistiert von weiteren Bischöfen, im Laufe feierlicher Handlungen zubereitet und, gewöhnlich am Gründonnerstag, im Gottesdienst unter Anrufung des Heiligen Geistes geweiht. Das heilige Myron wird dann den verschiedenen Pfarreien und Klöstern zugeteilt.

Die Weihe des Myrons ist seit langem den Patriarchen (bei den Armeniern den Katholikoi) vorbehalten und daher das Vorrecht autokephaler Kirchen. Die „Kirche von Griechenland“ bezieht das heilige Myron weiterhin vom Ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel, um ihre historische Verbindung mit diesem altehrwürdigen Patriarchat zu bezeugen. Ähnlich hält es in neuerer Zeit die autokephale Kirche von Zypern. Die Orthodox Church in America (OCA) verdeutlicht ihre beanspruchte Autokephalie durch eigene Weihen des Myrons.[1]

In den orthodoxen Kirchen wird das aus Glas oder Metall bestehende Gefäß, welches das Myron enthält, als Alabastron bezeichnet. Der Name leitet sich von einem in der Antike wie auch noch in frühchristlicher Zeit gebrauchten schlanken Fläschchen ohne Fuß und Henkel ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Heyer: Die Myronweihe in der orthodoxen Kirche. In: Heinrich Riehm (Hrsg.): Freude am Gottesdienst. Festschrift für Frieder Schulz. Heidelberg 1988, 405-411;
  • Miguel Arranz: La consécration du saint myron (Les sacrements de l'ancien Euchologe constantinopolitain 10). In: Orientalia Christiana Periodica. Bd. 55, 1989, ISSN 0030-5375, S.  167-178. 317–338;
  • Paulos Menebisoglou: Tὸ ἅγιον μύρον ἐν τῇ ̓Oρϑοδόξῳ ̓Aνατολικῇ ̓Eκκλησίᾳ. Thessalonike 1972 (mit Texten der modernen Fassung des Ökumenischen Patriarchats;
  • ders.: Μελετήματα περὶ ἁγίου Mύρου. Athen 1999, 301 S. ISBN 960-91204-0-7.
  • Alexandra Nikiforova: The Liturgy of Chrism in the Near East: A New Evidence from Sinai (Sin. Gr. NF/E 55), Vortrag 2016.
  • Viktoria Panteri: Ο Καθαγιασμός του 'Αγιου Μύρου στα Πρεσβυγενή Πατριαρχεία της Ανατολής. Εκδότης: ΓΡΗΓΟΡΗ, Athen 2017. ISBN 978-960-612-036-7.
  • Przemysław Nowakowski: Rito della Preparazione e Consacrazione del Santo Myron nella tradizione slava Orientale. Excerpta ex Dissertatione ad Doctoratum, Romae: Pontificium Institutum Orientale. 1997 (Teildruck);
  • ders.: La formation du rite du saint myron dans la tradition liturgique slave de Kiev, in: Braga, Carlo [Publ.], Chrismation et confirmation: questions autour d'un rite post-baptismal. Conférences Saint-Serge, LIVe Semaine d'Études Liturgiques, Paris, 25-28 juin 2007. C.L.V. Roma 2009, 219–238.
  • Alexios von Maltzew: Begräbnis-Ritus und einige specielle und alterthümliche Gottesdienste der Orthodox-Katholischen Kirche des Morgenlandes. Teil 2. Siegismund, Berlin 1898, S. 89–114 (Moskauer Text der Myronweihe mit deutscher Übersetzung).
  • Erich Renhart: Das Heilige Myron. Die Ingredienzien nach alter griechischer und armenischer Tradition. In: Arbeits- und Forschungsbericht aus dem Institut für Liturgiewissenschaft, Christliche Kunst und Hymnologie an der Karl-Franzens-Universität Graz. Hrsg. von Erich Renhart. Graz 1999, 69-80.
  • Baby Varghese: Studies in the West Syrian Liturgy of the Consecration of Holy Myron. In: The Harp 6 (1993) 65-80.
  • The Consecration of Holy Myron, according to the Rite of the Syriac Orthodox Church of Antioch. Damascus 2015[2]
  • Youhanna N. Youssef / Ugo Zanetti: La consécration du Myron par Gabriel IV 86e Patriarche d'Alexandrie en 1374 A.D. [Die Myronweihe durch den koptischen Patriarchen Gabriel IV. (1374)] (Jerusalemer Theologisches Forum 20). Aschendorff, Münster 2014, ISBN 978-3-402-11027-0;
  • Otto F. A. Meinardus: About the Coction and Consecration of the Holy Myron in The Coptic Church. In: Coptic Church Review 12, 3 (1991) 78-86.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Video: The consecration of Holy Chrism at St. Tikhon’s Monastery.
  2. online