Krönung

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Dieser Artikel behandelt die Zeremonie der Krönung. Für andere Bedeutungen siehe Krönung (Begriffsklärung).
Die Krönung Josephs II. zum römisch-deutschen Kaiser im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt 1764
Die Krönung von König Ferdinand V. von Böhmen im Veitsdom 1836

Die Krönung ist ein feierliches Zeremoniell, durch das ein Herrscher in sein Amt (meist König oder Kaiser) erhoben wird.

Allgemeines[Bearbeiten]

Durch eine Krönung werden oder wurden in der Regel Könige und Kaiser bzw. Königinnen und Kaiserinnen in ihr Amt eingeführt. Mit der Krönung war auch der Vasalleneid der Untertanen verbunden. Im Gegenzug bestätigte der neugekrönte Herrscher alle Rechte und Privilegien, die in seinem Reich galten. Bei Herrschern, die keine Könige sind, also Großherzöge, Herzöge und Fürsten, spricht man von der Erbhuldigung.

Lange war es in der europäischen Geschichte ein Streitfall, ob weltliche Machthaber sich selbst krönen oder ob eine Krönung nur von einem kirchlichen Würdenträger durchgeführt werden darf.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Schon seit Menschengedenken kannten die verschiedenen Völker besondere Zeremonien bzw. Handlungen um ihre Anführer in ihr Herrscheramt einzuführen. Jede Kultur hatte ihre eigenen Machtsymbole (vgl. Krone) und Zeremonien, wenn auch später einige Völker von anderen, Teile oder gar die gesamte Handlung für ihre eigenen Krönungsfeiern übernommen hatten. Teile des bekannten mittelalterlichen Ablaufs sind bereits in dieser Periode der Menschheitsgeschichte zu erkennen (wie feierliche Krönung durch eine Krone bzw. Diadem), andere unterscheiden sich jedoch beträchtlich davon.

Ägypten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Krönung (Pharao)

Während der fast 3000 Jahre währenden Dauer der ägyptischen Kultur unterlag die Krönungszeremonie der Pharaonen nur wenigen Veränderungen, alle Herrscher von Pharao Djoser (1. Pharao des Alten Reichs) bis Kleopatra (letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches) hatten sie absolviert.

Das Zeremoniell war an bestimmte Feiertage der Ägypter geknüpft und stand auch mit der siebzigtägigen Mumifizierung des verstorbenen Altkönigs in Verbindung. Der Höhepunkt war nach mehreren Etappen die Krönung, zuerst mit der weißen Krone des Südens, dann mit der roten Krone des Nordens und zuletzt mit der Doppelkrone, die die Vereinigung der beiden Länder Ober- und Unterägypten symbolisierte. Anschließend zog der neue Pharao ins Barkenheiligtum des Gottesschattens, um seinen persönlichen Thronnamen sowie Horusname, Nebtiname und Goldname von der Priesterschaft verkündet zu bekommen.

Kelten & Germanen[Bearbeiten]

Bei den barbarischen Völkern West- und Mitteleuropas war die Schilderhebung eine zentrale Zeremonie zur Erhebung ihrer Könige. Dabei wurde der Anwärter - wie der Name bereits sagt - von seinem Gefolge unter Jubelrufen auf dessen Schilde gehoben und war damit der neue König bzw. Häuptling seines Stammes. Die Sitte der Schilderhebung wurde später von den Römern und von den Byzantinern für die Krönung ihrer eigenen Herrscher übernommen. Daneben gab es weitere Herrschersymbole wie z.B. der Torques, ein offener Halsreif, den keltische Häuptlinge bei ihrer Erhebung umgelegt bekamen.

Die Krone war bei den Germanen zur Zeit der Völkerwanderung noch nicht jenes Herrschaftssymbol, das sie im Mittelalter werden sollte, diese Funktion erfüllte vielmehr der Speer. Mit dem Speer wurde den langobardischen Königen die Herrschaftsgewalt übergeben, einen Speer gab Gunthram seinem Neffen Childebert I. in die Hand, um die Einführung in das väterliche Reich auszudrücken.

Ab dem 6. Jahrhundert wurde die Schilderhebung nach und nach von der Besteigung eines erhöhten Königssitzes abgelöst, wie z.B. bei den Westgoten ab Leovigild oder bei den Angelsachsen. Ebenfalls bei den Franken ab dem 7. Jahrhundert, als die Pippiniden einen maßgebenden Einfluss auf den fränkischen Thronwechsel erlangten.[1]

Römisches Reich[Bearbeiten]

Augustus als Princeps, mit der Corona Triumphalis auf dem Haupt

Die Ära der römischen Imperatoren begann mit Augustus am 16. Januar 27 v. Chr., als er vom römischen Senat auf Vorschlag des Lucius Munatius Plancus den Ehrennamen Augustus verliehen bekommen hatte. Augustus hatte keine wirkliche Krönung erhalten, da er offiziell ein Princeps, also ein „Erster unter Gleichen“ war. Dieser Schritt war nötig gewesen, da er aus den Fehlern seines Adoptivvaters Julius Caesar gelernt hatte. Augustus hatte erkannt, dass eine offene monarchische Ordnung vom Senat und vom römischen Volk nicht akzeptiert werden würde und verzichtete deshalb auf den Titel Dictator oder gar Rex (König). Die frühen Tage des Prinzipats sahen demgemäß so aus, dass Rom eine Monarchie mit republikanischer Fassade war, die jedoch schnell unter den weiteren Nachfolgern des ersten Kaisers bröckelte.

Somit wurden die ersten römischen Kaiser stets vom Senat ernannt. Augustus´ Nachfolger, Kaiser Tiberius wurde ebenfalls noch in erster Instanz vom Senat ernannt, jedoch dessen Erben Caligula, Claudius und Nero wurden allesamt zuerst durch die Prätorianergarde zum Imperator ausgerufen und erst hinterher vom Senat formal akzeptiert.

Die "Tradition", dass eine Legion ihren Feldherrn zum Kaiser ausrief, worauf dieser dann nach Rom marschierte, um sich auch offiziell vom Senat anerkennen zu lassen, wurde später gängige Praxis, vor allem während der Wirren des Vierkaiserjahres oder der Reichskrise des 3. Jahrhunderts.

Die Machtinsignien der römischen Kaiser der frühen und hohen Kaiserzeit waren die Purpurtoga, die Corona Civica und die Corona Triumphalis.

In der Spätantike hatte sich die Ernennung der Kaiser verändert. Die Imperatoren hatten von den Germanen die Schilderhebung übernommen, ebenfalls trugen sie seit Diokletian ein Diadem als allerhabenes Herrschersymbol, was die vorigen Herrscher vermieden hatten, um das Volk nicht zu reizen.

Seit Julian Apostata (herrschte von 360-363 n. Chr.) wurden die Kaiser Roms mit einer Schilderhebung und einem Torques, anstatt eines Diadems in ihr Amt erhoben.

Der germanische Feldherr Odoaker, der 476 n. Chr. den letzten weströmischen Kaiser abgesetzt und damit die Geschichte des Imperium Romanum beendet hatte, wurde durch eine Schilderhebung zum Rex Italiae (König von Italien).

Byzantinisches Reich[Bearbeiten]

Plattenkrone des byzantinischen Kaisers Konstantin IX. Monomachos.
Beispiel eines Kamelaukion byzantinischen Stils, heute verwahrt im Domschatz von Palermo.

Die byzantinischen Kaiser trugen seit Kaiser Herakleios (dem traditionell letztem oströmischen und ersten byzantinischen Kaiser) den griechischen Herrschertitel Basileus.

Der Basileus wurde in alter römischer Tradition durch das Volk, die Armee und den Senat von Konstantinopel ernannt. Die Krönung bestanden aus den Schritten Akklamation, Schilderhebung, Krönung mit dem Diadem und dem Umlegen des Purpurmantels. Später wurde er zusätzlich noch durch den Patriarchen in der Hagia Sophia gekrönt, jedoch war diese zweite Krönung ausschließlich symbolischer Natur und hatte keine staatsrechtlichen Belangen.[2]

Das ursprüngliche Diadem entwickelte sich schon bald zu einer Plattenkrone weiter. Diese wiederum wurde in spätere Zeit durch ein Kamelaukion, eine Haube mit Edelsteinen, Perlen und Pendilien ersetzt.

Mittelalter (Europa)[Bearbeiten]

Richard Löwenherz, Salbung zum König, 1189

In der europäischen Geschichte tritt die Krönung als die wesentlichste Zeremonie im Zuge der Königserhebung an die Stelle der Salbung, die in der Tradition der Salbung der Könige Israels steht. Doch diese wird während des Mittelalters weiterhin beibehalten.

Während der fränkische König Pippin III. sein Königtum durch Salbung (751) und drei Jahre darauf durch päpstliche Salbung bestätigen ließ, verbindet sein Sohn Karl der Große den Erwerb des Kaisertitels mit einer Krönung durch den Papst (800).

Heinrich I. verzichtete als erster römisch-deutscher König auf eine Salbung. Die Gründe hierfür sind aber nicht ganz klar. Sein Sohn Otto I. entschied sich dann aber für eine feierliche Königserhebung in Aachen im Jahre 936, die Salbung und Krönung einschloss. Dabei war wie bei seiner Kaiserkrönung im Jahre 962 die Krönung die hervorgehobene Zeremonie. Die kirchliche Feier im Zuge der Königserhebung wird daher auch durch einen Krönungsordo, nicht eine Salbungszeremonie, geregelt.

Gegenwart (Europa)[Bearbeiten]

Krönungen im eigentlichen Sinne, wo also der König gesalbt und ihm die Krone aufgesetzt wird sowie weitere Reichsinsignien in die Hand gegeben werden, gibt es in Europa heute allein noch in Großbritannien.

In den andern europäischen Ländern, die einst Krönungstradition hatten, wurde sie im 19. oder frühen 20. Jahrhundert aufgegeben und durch eine Vereidigungsfeier (so in Schweden) oder durch eine Segnungsfeier (wie in Norwegen) abgelöst. In Dänemark findet sogar lediglich eine Proklamation durch den amtierenden Ministerpräsidenten statt, da die Vereidigung des Kronprinzen auf die Verfassung schon beim Erreichen von dessen Volljährigkeit durchgeführt wird. Letzte europäische Krönungen außerhalb des Vereinigten Königreichs waren diejenigen von Håkon VII. 1905 im norwegischen Trondheim, von Karl I. 1916 im ungarischen Budapest (als König Karl IV. von Ungarn), von Ferdinand I. 1922 im rumänischen Alba Iulia sowie von Papst Paul VI. 1963 im Vatikan.

Spanien kennt seit dem 14. Jahrhundert keine Krönungen mehr, und den im 19. Jahrhundert begründeten Monarchien wie Belgien und die Niederlande waren sie von Anfang an unbekannt. An die Stelle einer Krönung trat hier, wie im heutigen Schweden, eine vor dem Parlament stattfindende Vereidigungsfeier, die in den Niederlanden mit einer Huldigung durch das Parlament verbunden ist.

Bei Vereidigungs- und Segnungsfeiern bleiben die Reichsinsignien auf ein Kissen gebettet neben dem neu eingeführten Monarchen liegen und werden diesem nicht persönlich überreicht; in diesen Fällen ist es denn auch inkorrekt, von „Krönung“ zu sprechen.

Artikel zu verschiedenen Krönungszeremonien[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. vgl. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Von Johannes Hoops, 1918—1919. Bd. III, S. 87 f.
  2. http://www.archaeolinks.com/news.php?user=12&spw=&lan=fr&repno=95&fromto=320