Nadja (Roman)

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Nadja ist ein Roman des französischen Surrealisten André Breton. Der Text wurde 1928 geschrieben und kam nochmals 1962 in einer überarbeiteten Fassung heraus. Der Roman beginnt mit dem unerwarteten Aufeinandertreffen des Autors mit einer jungen Frau, die sich Nadja nennt und auf ihn eine gewisse Faszination ausübt. Tatsächlich war Breton im Oktober 1927 in für ihn zehn „surrealistischen“ Tagen mit Léona Delcourt zusammen und erhielt von ihr in den folgenden vier Monaten eine Reihe von Briefen und Zeichnungen.

Zeichnung von Léona Delcourt: Qui est elle? , 1926 (deutsch: Wer ist sie?), Abbildung im Buch (1928)

Inhalt[Bearbeiten]

Nadja ist eine Persönlichkeit, die außerhalb der Realität zu leben scheint. Sie irrt ohne Ziel durch die Straßen von Paris, ihr Name ist nicht einmal ihr richtiger Name. Sie erklärt, dass sie sich für den Namen selber entschieden habe und dass auf Russisch Nadja der Anfang des Wortes für Hoffnung sei. Dem Autor wird rasch bewusst, dass Nadja eine befremdliche Macht der Faszination umgibt, die ihr ihre Schönheit verleiht. So wird Nadja in den Augen Bretons eine Art Symbol für das, was er sich als Surrealismus vorstellt, sie ist Sinnbild der Liebe, die zur verrückten Liebe (l’amour fou) zu werden droht. Sie ist Symbol der Verherrlichung des Lebens und gleichermaßen im Besitz seherischer Fähigkeiten, wie eine Reihe „objektiver Zufälle“ verdeutlicht. Dieses Wesen, das übernatürlich zu sein scheint, gerät in eine paradoxe Situation. So wie sie ein Zeichen der Liebe ist, ist Nadja auch einsam. Zudem deutet sie auch an, dass sie sich zur Zeit ihrer Ankunft in Paris einige Male prostituiert habe. Die „magische Kreatur“ wird von der Realität zu einer psychisch Kranken gemacht, ihre Visionen als auditive und visuelle Halluzinationen abgetan. Zuletzt gerät die von den Surrealisten zum Symbol der Herrlichkeit des Lebens Gekürte in eine psychiatrische Anstalt, ein Ende, das in vollkommenem Gegensatz zu dem Namen steht, den sie sich selbst gegeben hatte. André Breton verharrt das ganze Buch hindurch in seiner Rolle als Beobachter, der Nadja gegenübersteht und seine Objektivität bewahren möchte, zudem darum kämpft, nicht selbst dem Wahnsinn zu verfallen, in den Nadja ihn hineinziehen möchte. Offen kritisiert er die Psychiatrie, nachdem die junge Frau dort eingeliefert wird.

Nadja bittet André Breton, ihr ein Buch zu widmen, damit von ihr eine Spur bleibe, so als wenn sie eine Ahnung vom tragischen Ausgang ihres Lebens gehabt hätte. Das von Breton dann geschriebene Buch ist sehr vielschichtig: Der Autor spart willentlich mit beschreibender Prosa und fügt stattdessen Abbildungen hinzu, die besuchte Orte zeigen, getroffene oder erwähnte Leute, Gemälde oder Zeichnungen befreundeter Surrealisten, seiner selbst oder die von Nadja. Sie werden zu einer Art Parallelgeschichte, die mit dem Text des Buches kommuniziert, und manchmal heben die Bilder gewisse Sätze des Textes hervor (die Fotografien sind häufig von einem wörtlichen Textzitat untertitelt).

Der Roman schließt mit einer Definition der Schönheit, die berühmt wurde: „Die Schönheit wird KONVULSIV sein oder sie wird nicht sein.“

Abbildungen[Bearbeiten]

Das Buch enthält 48 Abbildungen: Fotos von Plätzen des Geschehens, für die Breton den Fotografen Jacques-André Boiffard beauftragte, einige Porträts von Man Ray, das Handschuhfoto von Lise Deharme, sowie Reproduktionen von Zeichnungen, die Breton von Nadja erhalten hatte.[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Nadja wird zu den Standardwerken des Surrealismus gezählt. Laut Karl Heinz Bohrer ist der Roman eine „Basisschrift der klassischen Moderne“.

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Asholt: Ein anti-romanesker Roman? "Nadja" von André Breton 1928. in dsb., Hg.: Interpretationen. Französische Literatur, 20. Jahrhundert: Roman. Stauffenburg, Tübingen 2007 ISBN 9783860579091
  • Lemma Nadja, in: Henri Béhar (Hrsg.): Dictionnaire André Breton. Paris : Classiques Garnier, 2012
  • Mark Polizzotti: Revolution des Geistes : das Leben André Bretons. Aus dem Amerikan. von Jörg Trobitius. München : Hanser 1996 (zuerst Englisch 1995)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mark Polizzotti: Revolution des Geistes, 1996, S. 415 f