Natur- und Tierpark Goldau

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Natur- und Tierpark Goldau
Motto Jeder Zoo ist halb so wild
(Vorher: (Der) Zoo der Zentralschweiz)
Ort Parkstrasse 40
6410 Goldau
Fläche 42 Hektar
Eröffnung 1925
Tierarten ca. 100 Arten
Individuen ca. 1000 Tiere
Besucherzahlen 387'492[1] (2016)
Organisation
Leitung Anna Baumann
Trägerschaft Verein Natur- und Tierpark Goldau
Förderorganisationen Tierpark-Stiftung
Mitglied bei WAZA, EAZA, VdZ, Zooschweiz
www.tierpark.ch
Natur- und Tierpark Goldau (Kanton Schwyz)
Natur- und Tierpark Goldau

Koordinaten: 47° 3′ 1″ N, 8° 33′ 11″ O; CH1903: 684677 / 211628

Der Natur- und Tierpark Goldau ist einer der neun wissenschaftlich geführten Zoos in der Schweiz. Er liegt landschaftlich reizvoll in dem Gebiet, das Anfang des 19. Jahrhunderts vom Goldauer Bergsturz erfasst wurde. Im Jahr 2016 zählte er 387'492 Besucher.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1806 stürzten beim Goldauer Bergsturz gewaltige Gesteinsmassen vom Rossberg hinunter und begruben die Dörfer Goldau und Röthen. Dabei starben 457 Personen. Diese gewaltige Naturkatastrophe ging als Goldauer Bergsturz in die Geschichte ein und formte eine reizvolle, wilde Landschaft.

Hirsche im Parkgelände

Anfang der 1920er-Jahre beschlossen einige Tierfreunde, aus einem Teil dieser wilden Landschaft einen Natur- und Tierpark zu gründen. 1925 wurde der Natur- und Tierparkverein Goldau gegründet und ein Gebiet für eine Tierpark- und Vogelschutzanlage abgesteckt. Da die Geldmittel knapp waren, entstanden viele Einrichtungen im Park durch Fronarbeit der Vereinsmitglieder. Von Beginn an sollte Goldau ein Tierpark für einheimische Säugetiere und Vögel werden. Bald nach der Eröffnung im Mai 1926 bekam der Park einen Steinbock und eine Steingeiss vom St. Galler Wildpark Peter und Paul geschenkt – hinzu kamen Rot-, Dam- und Sikahirsche.

Im Jahr 1999 war der Tierpark erneut von einer Naturkatastrophe betroffen. Der Orkan Lothar zerstörte 80 Prozent des Waldes und richtete grosse Schäden an den Tieranlagen an. Dank der grossen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung konnten die Schäden beseitigt werden. Ein Zuschuss der Kanton Schwyz und Zug sowie grosszügige Spenden hielten die finanziellen Auswirkungen für den Zoo in Grenzen.

Besucher füttern die Braunbären (2006)
Besucher auf der Aussichtsplattform der Bär- und Wolfanlage

Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Goldau sind hauptsächlich einheimische und europäische Tiere zu sehen. Im grossen Freilaufbereich können Besucher mit Sikahirschen und Mufflons direkte Bekanntschaft machen und die Tiere selber füttern. Im Tierpark werden seltene Säugetiere und Vögel in Erhaltungszuchtprogrammen gezüchtet, so etwa das Wisent oder der Waldrapp. Besonders erwähnenswert ist das internationale Erhaltungszuchtprogramm für Bartgeier.

Verschiedene Tieranlagen bieten den Besuchenden die Möglichkeit, in die Welt der Tiere einzutauchen, und dies möglichst ohne Gitter und ohne das Tier auszustellen. Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere sind genauso wichtig wie Besuchereinblicke, damit die Tiere beobachtet werden können. Diverse Ausstellungen geben Zusatzinformationen zu Bartgeier, Honigbienen etc.

Ein weiteres Highlight ist der Tierpark-Turm, welcher 2016 eröffnet wurde. Der 29,6 Meter hohe Turm wurde vom Bündner Architekten Gion A. Caminada gestaltet und bietet einen Rundumblick auf die umliegenden Landschaften und Orte.

Der Natur- und Tierpark Goldau betreibt eine eigene Schule im Park. Zoopädagogen und Tierpark-Ranger bieten Workshops für Schulklassen und Führungen für Schulklassen und Gruppen zu den Tieren und zum Tierpark. Die Tierpark-Ranger führen unter anderem bei Bären, Kormoranen und Wildschweinen kommentierte Fütterungen durch. Sie stehen den Besuchern auch als Auskunftspersonen auf dem Rundgang zur Verfügung.

Parkerweiterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tierpark erweiterte seine Fläche von 17 auf 40 Hektaren. Auf dem unmittelbar neben dem bestehenden Areal liegenden Gebiet Grosswiyer entsteht ein Fenster zur Natur. Den Hauptbestandteil der ersten Etappe, die 13 Millionen Franken kostete und 2004 abgeschlossen wurde, bildet eine 70 Meter breite Grünbrücke, die sich wie eine natürliche Geländestufe harmonisch in die bestehende Landschaft einfügt und das bestehende Parkgelände mit dem Erweiterungsgebiet verbindet. Auf dem Weg vom alten in den neuen Tierparkbereich überqueren die Besucher eine Strasse, die dem Auge weitestgehend verborgen bleibt. Im Gebiet Grosswiyer selbst entstand als Kernstück der Tierparkerweiterung eine grosszügige Gemeinschaftsanlage für Wölfe und Bären, die am 27. Juni 2009 eröffnet wurde.

2014 wurde das Restaurant Grüne Gans wurde eröffnet. Das Restaurant bietet täglich ändernde Tagesmenus in Selbstbedienung, Seminar- und Tagungsräume sowie Angebote für Bankette. Zudem bietet das begrünte Dach Lebensraum für Orchideen.

2016 konnten zwei grosse Projekte umgesetzt werden: Im Juli wurde das Multifunktionale Gebäude (MUFU) eröffnet, welches neben Futter- und tiermedizinischen Behandlungsräumen auch eine Pflege- und Quarantänestation beinhaltet. Im November desselben Jahres wurde der Tierpark-Turm eröffnet.

Arten- und Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Mitglied der World Association of Zoos and Aquariums WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) verpflichtet sich der Natur- und Tierpark Goldau, sich lokal und überregional zu vernetzen und als Naturschutzzentrum und Umweltbildungsinstitution zu wirken.

Natur zum Anfassen: Schüler betrachten eine Erdkröte im Tierpark Goldau

Ziel ist es, das Verständnis für die Natur zu wecken und zu fördern. Der Park setzt sich für einen würdevollen Umgang mit den Tieren, den natürlichen Ressourcen und den Menschen ein. Als Naturschutzzentrum zeigt, pflegt, erhält und schützt er das lebendige Netzwerk, das Pflanzen, Tiere und Menschen in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander bilden.

Schutz und Erhaltung bedrohter Arten und gesunder Ökosysteme sind das Hauptziel der Zoos und Aquarien. Der Natur- und Tierpark Goldau beteiligt sich an diversen Erhaltungszucht- und Wiederansiedlungsprogrammen und leistet hier einen wichtigen Beitrag zum Fortbestehen der genetischen Vielfalt. Einige dieser Tierarten sind der Bartgeier, Wisent, Europäische Wildkatze, Europäischer Laubfrosch und die Europäische Sumpfschildkröte.

Organisationsform und Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tierpark Goldau beschäftigt 60 Vollzeit-Mitarbeitende und während der Saison bis zu 147 Personen.

Der Natur- und Tierpark ist als Verein organisiert, die Stiftung Natur- und Tierpark Goldau sichert die langfristige Existenz des Tierparks und ist Eigentümerin der Liegenschaften. Sie ist verantwortlich für die zweckgebundene Verwendung von Legaten sowie von grösseren Spenden und steht unter strenger Kontrolle des Bundes. Gemeinsam mit dem Verein Natur- und Tierpark Goldau bildet sie die Dachorganisation des Parks als Naturschutzzentrum.

Der Natur- und Tierpark Goldau erhält keine regelmässigen Zuwendungen von Staat und ist seit 2005 als gemeinnütziges Unternehmen ZEWO-zertifiziert. Das Gütesiegel zeichnet vertrauenswürdige Institutionen aus. Es steht für einen zweckbestimmten und effizienten Einsatz der finanziellen Mittel.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tierpark Goldau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Datenblatt zum Natur- und Tierpark Goldau auf der Homepage des Verbands der Zoologischen Gärten, abgerufen am 29. Dezember 2017.
  2. Reto E. Wild: Reiseland Schweiz. Migros Magazin, Zürich 13. Juli 2015, Seite 8
  3. Goldau / Schweiz - Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. (zoodirektoren.de [abgerufen am 29. Dezember 2017]).