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Neuenkirchen (Melle)

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Neuenkirchen
Stadt Melle
Wappen von Neuenkirchen
Koordinaten: 52° 8′ N,  23′ OKoordinaten: 52° 8′ 14″ N,  23′ 20″ O
Höhe: 120 m ü. NHN
Fläche: 33,96 km²
Einwohner: 4876 (31. Dez. 2023)[1]
Bevölkerungsdichte: 144 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 49326
Vorwahl: 05428
Karte
Lage von Neuenkirchen in Melle

Neuenkirchen ist ein Stadtteil von Melle im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen. Der Stadtteil ist in acht Ortsteile gegliedert, darunter auch das Kirchdorf Neuenkirchen.

Die Christophoruskirche überragt den auf einer Anhöhe liegenden Ort.
Vor dem Kirchturm werden zwei ausgediente Glocken ausgestellt.
Das Pfarrhaus 1946
Aquarell von Sigmund Strecker

Das Kirchdorf Neuenkirchen liegt neun Kilometer südöstlich vom Stadtkern von Melle, an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen mit der Warmenau als Grenzfluss.

Insingdorf Ostenfelde Schiplage
Redecke Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Wallenbrück
Holterdorf Suttorf Bardüttingdorf

Gebietsgliederung

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Der Stadtteil Neuenkirchen gliedert sich in acht Ortsteile, die den bis 1972 bestehenden Mitgliedsgemeinden der ehemaligen Samtgemeinde Neuenkirchen entsprechen:

Die Landesstraßen 95 und 701 durchschneiden den Ort. Neuenkirchen ist durch den Stadtbus Melle mit dem Stadtzentrum von Melle verbunden. Eine regionale Busverbindung besteht nach Bielefeld (Linie 59) und Werther (Westf.) (Linie 60).[2][3]

Der Ortsrat des Stadtteils Neuenkirchen hat 15 Sitze. Diese sind seit der Kommunalwahl 2021 wie folgt verteilt: SPD 3, Bündnis 90/Die Grünen 5 CDU 5, FDP 1, Einzelwahlvorschlag 1. Ortsbürgermeister ist Alfred Reehuis (Bündnis 90/DIE GRÜNEN).[4]

Der Ortsname (niederdeutsch: Nyenkerken) wurde erstmals im Jahr 1160 urkundlich erwähnt. Von der Ortschaft Suttorf (niederdeutsch: Suithorpe) wird schon um das Jahr 1000 urkundlich bezeugt, dass Abgaben an das Kloster Corvey zu leisten waren. Eine Tochterkirche des im Jahr 803 gegründeten Bistums Osnabrück soll in Ostenfelde gestanden haben. Anfang des 12. Jahrhunderts errichtete man etwa drei Kilometer östlich eine Kirche. Im 16. Jahrhundert wurde eine Kapelle in Schiplage (seit 1972 Schiplage-St. Annen) errichtet.

Das Osnabrücker Land stand lange im Wechsel der Konfessionen. Während der sogenannten „Revisionsverhandlungen“ am 9. Juli 1657 wurde als Folge der Reformation die St. Annener Kirche der römisch-katholischen und die Neuenkirchener Kirche der evangelisch-lutherischen Konfession zugeordnet.

Neuenkirchen war bis zu den Napoleonischen Kriegen Sitz einer Vogtei im Amt Grönenberg des Hochstifts Osnabrück. Von 1807 bis 1810 war Neuenkirchen Sitz des Kantons Neuenkirchen im napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen. Von 1811 bis 1813 gehörte der Ort unmittelbar zu Frankreich und war Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Neuenkirchen im Arrondissement Osnabrück des Departements der Oberen Ems. 1814 kam Neuenkirchen zum Königreich Hannover und gehörte dort wieder zum Amt Grönenberg. 1867 fiel Neuenkirchen mit dem gesamten Königreich Hannover an Preußen und seit 1885 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Melle. Im Landkreis Melle war Neuenkirchen Sitz der Samtgemeinde Neuenkirchen, die den gleichen Umfang wie der heutige Stadtteil hatte.

Ein einschneidendes Ereignis war ein verheerender Brand im Kirchort, der am 18. Mai 1883 über 80 Gebäude des Dorfes, darunter die Kirche und die Schule, vernichtete.

Im Rahmen der Gebietsreform in Niedersachsen wurde die Samtgemeinde Neuenkirchen am 1. Juli 1972 aufgelöst. Ihre acht Mitgliedsgemeinden wurden in die Stadt Melle eingemeindet und bilden seitdem den Meller Stadtteil Neuenkirchen.[5]

Wappen und Banner

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Banner der ehemaligen Gemeinde Neuenkirchen bei Melle
Wappen der ehemaligen Gemeinde Neuenkirchen bei Melle, Landkreis Melle
Wappen der ehemaligen Gemeinde Neuenkirchen bei Melle, Landkreis Melle
Blasonierung: „In Rot über grünem Dreiberg eine silberne (weiße) Kirche mit blauen Dächern, goldenem (gelbem) Knauf auf dem Turm und goldenem (gelbem) Tatzenkreuz auf der linken Dachseite; darüber ein kleiner silberner (weißer) Schild belegt mit einem roten vierspeichigen Rad.“[6]
Wappenbegründung: Das 1963 von Ulf-Dietrich Korn entworfene Wappen wurde 1965 vom Regierungspräsidenten in Osnabrück genehmigt. Die Kirche steht redend für den Ortsnamen. Der Dreiberg symbolisiert die Lage der Gemeinde auf einer Anhöhe im Grönegau. Der kleine Schild steht für die frühere Zugehörigkeit zum Hochstift Osnabrück, welches allerdings ein sechsspeichiges Rad im Wappen führte.

Banner: „Das Banner zeigt auf einer weißen von zwei roten Seitenstreifen im Verhältnis 1:3:1 begleiteten Bahn über die Mitte nach oben verschoben das Wappen der Gemeinde.“

Einwohnerentwicklung

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Wohnbevölkerung der früheren Gemeinde bzw. des heutigen Ortsteils Neuenkirchen:

Jahr Einwohner Quelle
18711221[7]
19101270[8]
17. Mai 19391166[9]
13. September 19502031[10]
6. Juni 19611887[10]
27. Mai 19702234[10]
25. September 20142666[11]

Wohnbevölkerung der früheren Samtgemeinde bzw. des heutigen Stadtteils Neuenkirchen:

Jahr Einwohner Quelle
18714117[7]
19103900[8]
17. Mai 19393473[9]
13. September 19505507[10]
6. Juni 19614453[10]
27. Mai 19704648[10]
25. September 20144779[11]
31. Dezember 20234876[1]

Einwohnerentwicklung der Ortsteile

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Wohnbevölkerung und Fläche der einzelnen Ortsteile des Stadtteiles Neuenkirchen nach telefonischer Auskunft vom Bürgerbüro in Neuenkirchen (Außenstelle der Stadtverwaltung in Melle-Mitte) vom 29. September 2014.

Ortsteil Fläche (in km²)
Stand: 25. September 2014
Einwohner
Stand: 25. September 2014
Holterdorf7,03245
Insingdorf2,39169
Küingdorf5,87310
Neuenkirchen7,032666
Ostenfelde2,71154
Redecke2,5789
Schiplage-St. Annen3,23849
Suttorf4,74297
Gesamt33,944.779

Sehenswürdigkeiten

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Schloss Königsbrück von Westen

Persönlichkeiten

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Öffentliche Einrichtungen

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  • 4 Kindergärten
  • Kantor-Wiebold-Schule (Grundschule)
  • Wilhelm Fredemann-Realschule mit integrierter Oberschule
  • Dorfgemeinschaftshaus mit Bürgerbüro und Ortsbibliothek
  • Altenzentrum Neuenkirchen
  • Veranstaltungsraum „Alte Schule“ in Schiplage-St. Annen
  • Freibad Neuenkirchen
  • Kath. öffentliche Bücherei St. Annen in Schiplage-St. Annen
  • Freiwillige Feuerwehr St. Annen in Schiplage-St. Annen
  • Freiwillige Feuerwehr Neuenkirchen in Neuenkirchen

Insgesamt bestehen in Neuenkirchen rund 25 Vereine.

  • Turnverein Neuenkirchen (TVN), 1909 gegründet (über 1300 Mitglieder)
  • Posaunenchor Neuenkirchen, mit über 100 Aktiven einer der mitgliederstärksten Posaunenchöre in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover
  • Heimatverein Neuenkirchen (150 Mitglieder)
  • Jugend Fußball Club Neuenkirchen (JFCN)
  • Verband Wohneigentum (ehemals DSB)
  • Neuenkirchen. Aus Vergangenheit und Gegenwart. Neuenkirchen-Melle 1982.
  • Fritz-Gerd Mittelstädt, Ernst-Heinrich Knoth: Der Grönegau. In: Amt Grönenberg, Kreis Melle, Stadt Melle (Hrsg.): Meller Jahrbuch. Band 1. Verlag für Regionalgeschichte, Melle 1983, ISBN 3-88368-061-3, S. 8–25.
Commons: Neuenkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Daten und Fakten der Stadt Melle. In: melle.info. melle.info, 31. Dezember 2021, abgerufen am 4. April 2025.
  2. https://teutoowl.de/owlv/dl/linienplaene/guetersloh/59.pdf
  3. https://teutoowl.de/owlv/dl/linienplaene/guetersloh/60.pdf
  4. session.melle.info, abgerufen am 31. Mai 2022.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 256.
  6. Ortsfeuerwehr Neuenkirchen bei Facebook
  7. 1 2 Volkszählung 1871
  8. 1 2 Landkreis Melle. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2024.
  9. 1 2 Michael Rademacher: Melle. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  10. 1 2 3 4 5 6 Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen)
  11. 1 2 Auskunft des Bürgerbüros in Neuenkirchen
  12. Abschrift einer Tonaufzeichnung zur Kirchenführung. (PDF) Abgerufen am 23. November 2020.
  13. Wilhelm Fredemann in der Datenbank Die niederdeutsche Literatur