Neumann U47

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Röhren-Kondensatormikrofon Neumann U47

Das Neumann U47 war ein Großmembran-Kondensatormikrofon der Georg Neumann GmbH. Es ist eines der bekanntesten Studiomikrofone und war das erste nach dem Zweiten Weltkrieg von Neumann produzierte Mikrofon.

Entwicklung und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das U47 nutzte Georg Neumann die M7-Kapsel seines ersten Kondensatormikrofones CMV 3 („Neumann-Flasche“). Die Elektronik des U47 basierte auf der Telefunken Elektronenröhre VF14 M mit Stahlgitter. Die Entscheidung zur Entwicklung des U47 fiel auch, weil Telefunken 1947 die rauschärmere Röhre VF14 auf den Markt brachte. Die Röhre war zunächst zur Verwendung für Kurzwellenempfänger und Antennenverstärkern vorgesehen, da sie eine rauscharme, steile Universalpentode mit gesondert herausgeführtem Bremsgitter für Allstrombetrieb hatte.[1]

Als erstes Mikrofon konnte an dem U47 auch die Richtcharakteristik zwischen Niere (Cardioid) und Kugel (Omnidirectional) umgeschaltet werden. Technisch wurde die Polarisations-Spannung der Mikrofonkapsel gedreht, was zur Änderung der Vorspannung an der Membran führte.[2] Der BV-08-Ausgangsübertrager mit statischem Schirm, die M7 Kapsel (später abgelöst durch K47) und das speziell zum Mikrofon gefertigte Netzteil waren weitere Charakteristika des U47.

In den 1950er-Jahren wurden Kondensatoren mit kleineren Bauformen entwickelt. So war es möglich, dass das U47 ab 1956 um ca. drei Zentimeter kürzer wurde (englisch short body). Laut Andreas Grosser, einem deutschen Fachmann für Kondensatormikrofone, gab es acht verschiedene Varianten des U47, die sich minimal durch Bauteiländerungen und die einmalige Verkürzung des Gehäuserohrs ergaben. 1957 wurde von Neumann das U48 vorgestellt, das sich durch die wählbaren Charakteristiken Kardioide und Doppelniere vom U47 unterschied. Der Kapselkopf des U47 kann auf einem U48 Verstärker betrieben werden, der U48 Kopf jedoch nicht auf einem U47 Verstärker.

Das Neumann U47 gibt es auch als Telefunken, seltener auch Siemens gelabeltes Mikrofon.

Die Firma Neumann wurde durch die Teilung Deutschlands in den Ostzweig Neumann Gefell und den Westzweig Georg Neumann GmbH West-Berlin aufgeteilt. Neumann Gefell produzierte mit dem UM-57 mit M7-Kapsel ein Mikrofon, das in der Ausstattung vergleichbar mit dem U47 war.

Zahlreiche Firmen versuchten mehr oder minder erfolgreich, in Klang und Optik das U47 nachzuahmen. Allerdings wird die ursprüngliche Röhre VF14 seit den 1960er-Jahren nicht mehr hergestellt und auch andere Teile sind inzwischen technisch überholt und wurden von Neuentwicklungen abgelöst. Die Berliner Firma Vox-O-Rama stellt ihr Mikrofon „Typ 47“ mit einer M7-Kapsel, dem BV-08-Übertrager und mit einer FET–basierten Nachbildung der VF14-Röhre her. Die slowakische Firma FLEA baut ein Großmembran-Röhrenmikrofon, das FLEA 47. Besonders engagiert sind US-Firmen im Kopieren von historischen deutschen Mikrofonen, da es in den USA keine nennenswerte Entwicklung von Kondensatormikrofonen gab. Die US-Firma Wunder Audio baut mit dem CM7 eine Reproduktion des U-47 mit M7 Kapsel, Übertrager und den beiden Richtcharkteristiken.[3] Der Markenname „Telefunken Elektroakustik“ wurde von der gleichlautenden US-Firma Telefunken-Elektroakustik in Connecticut übernommen, die alte Mikrofone nachbaut. Sie stellt das R-F-T AK-47 MkII als Mischung zwischen dem Neumann M49 und U47/U48 her.

Der Neumann-Klassiker der 80er-Jahre – das U87 und das moderne U47-FET

Heute produziert die von Sennheiser übernommenen Georg Neumann GmbH wieder ein U47 in FET-Technologie unter der Bezeichnung U47-FET. Dieses ist eine Neuauflage des bereits 1970 eingeführten U47 FET, mit dem Neumann seinerzeit an den Erfolg des U47 anknüpfen wollte.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das U47 wurde Anfang der 1950er-Jahre bei vielen Künstlern beliebt. Trotz des recht hohen Preises um die 400 Dollar setzten es viele Toningenieure ein, da sie damit Aufnahmen mit sehr hoher Detailtreue machen konnten.[4] Der Toningenieur John Quimby nennt den Sound des U47 „aggressiv“ und deshalb eine sehr gute Wahl neben Sprache und Gesang für Schlagzeug, Blasinstrumente und die Abnahme von Gitarren-Amps.

Neumann wirbt noch heute damit, dass bekannte Künstler wie die Beatles in den Abbey Road Studios U47 und U48 für ihre Aufnahmen nutzten. Frank Sinatra besaß ein eigenes U47. Das U47 war besonders in US-Studios sehr beliebt. Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Bing Crosby und Tony Bennett nutzen ebenfalls das U47. Nach Einschätzungen des Mikrofonherstellers John Peluso ist es schwer, ein in den 1950er- oder 1960er-Jahren aufgenommenes Album zu finden, bei dessen Aufnahme nicht ein U47 eingesetzt wurde.[5] George Martin schrieb, dass das U47 sein Lieblingsmikrofon gewesen sei.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Radiomuseum, Bernd Nagel: Stahlröhre VF14 – Eigenschaften, Daten und Anwendung. Gesichtet 20. Januar 2016 [1]
  2. recording hacks: Neumann U 47 Multi-Pattern Tube Condenser Microphone. Gesichtet am 20. Januar 2016 [2]
  3. http://recordinghacks.com/microphones/Wunder-Audio/CM7#ixzz40GBftm4E
  4. John Quimby: The Neumann Model U 47 multi-directional condenser microphone. Gesichtet 20. Januar 2016[3]
  5. NPR: Couple's Custom Microphones Carry Colorful Past. Gesichtet 21. Januar 2016 [4]