Sennheiser

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Sennheiser electronic GmbH & Co. KG

Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1. Juni 1945
Sitz Wedemark-Wennebostel
Leitung Andreas Sennheiser und
Daniel Sennheiser (Geschäftsführende Gesellschafter)
Frank Heinricht
(Aufsichtsratsvorsitzender);
Mitarbeiterzahl 2400 (2020)[1]
Umsatz 774 Mio. Euro (2020)[1]
Branche Audiotechnik
Website sennheiser.com

Sennheiser ist ein deutscher Hersteller von professioneller Studio- und Übertragungstechnik.

Der Hauptsitz befindet sich in der Wedemark bei Hannover. Zur Sennheiser-Gruppe gehört neben der Marke Sennheiser der Studiomikrofonhersteller Georg Neumann GmbH.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Labor W Logo
Jane Fonda mit Sennheiser MD 21, Sennheiser MD 408 und zwei Sennheiser MD421 (1975)
Kopfhörer Sennheiser HD424

Im Juni 1945 gründete Fritz Sennheiser das Laboratorium Wennebostel (Labor W).[3] In Wennebostel befand sich zuvor das Institut für Hochfrequenztechnik und Elektroakustik der Technischen Hochschule Hannover, das aufgrund von Kriegsschäden aus Hannover nach Wennebostel in die „Villa Hausmann“ verlegt worden war. Nach Kriegsende kehrten die meisten Mitarbeiter des Instituts nach Hause zurück; nur sieben Mitarbeiter aus der Region sowie der aus Berlin stammende Fritz Sennheiser blieben in Wennebostel. Fritz Sennheiser beschloss daraufhin, mit seinen Ersparnissen einen Handwerksbetrieb zu gründen. Das junge Unternehmen produzierte zunächst Messgeräte für Siemens.[4]

1945 beauftragte Siemens das Laboratorium damit, das Mikrofon eines österreichischen Zulieferers zu bauen, der selbst nicht mehr produzieren konnte. Daraus entwickelte sich später das MD 1, das 1946 auf den Markt kam. Im selben Jahr wurde mit der Entwicklung eines eigenen Mikrofons begonnen: Das MD 2 kam 1947 auf den Markt.[5]

1956 wurde das erste Richtrohrmikrofon produziert, das MD 82.[6] 1957 stellte Labor W ein zusammen mit dem NDR entwickeltes drahtloses Mikrofonsystem für den professionellen TV-Einsatz vor, das ab 1958 gemeinsam mit Telefunken unter dem Namen „Mikroport“ vermarktet wurde.[7] Ab 1958 hieß das Unternehmen „Sennheiser electronic“.[8]

1953 stellte Sennheiser das dynamische Mikrofon Sennheiser MD 21 vor, 1960 das MD 421, 1971 das MD 441. Alle drei Modelle wurden zu Standardmikrofonen für Funk und Fernsehen und werden bis heute produziert.[9] 1968 wurde mit dem HD 414 der erste offene Kopfhörer der Welt auf den Markt gebracht.[10]

Vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR wurden Sennheiser-Miniaturmikrofone als Abhörgeräte zur Überwachung unter anderem in Gefängnissen eingesetzt.[11][12] Die Geräte wurden nicht eigens für den Einsatz produziert, sondern vom Ministerium im freien Handel gekauft.[13]

1978 wurde der Vocoder VSM 201 eingeführt.

1982 übergab Fritz Sennheiser die Unternehmensleitung an seinen Sohn Jörg Sennheiser.[14]

1988 begann unter der Leitung von Jörg Sennheiser die Internationalisierung des Familienunternehmens: Die erste Vertriebstochter Sennheiser France wurde gegründet.[15] 1988 kam zudem der Kopfhörer HD 25 auf den Markt. Ursprünglich als reiner Monitoring-Kopfhörer konzipiert, fand er auch als hochklassiger Inflight-Kopfhörer in der Concorde Anwendung, von wo aus er schließlich die DJ-Pulte der Welt eroberte.[16]

1996 änderte Sennheiser seine Rechtsform und wurde als GmbH & Co. KG weitergeführt.[17] Jörg Sennheiser wechselte in den neu geschaffenen Aufsichtsrat.[18] Die Unternehmensleitung wurde zunächst einem Geschäftsführer und später an ein gleichberechtigtes Geschäftsführungsteam übergeben.

1998 kam die Mikrofonserie evolution auf den Markt. Ein Jahr später folgte die drahtlose Mikrofonserie evolution wireless.[19]

2003 ging Sennheiser ein Joint Venture mit der dänischen William-Demant-Holding ein, einem Spezialisten für Hörgeräte, Diagnosetechnik und persönlicher Kommunikation. Die Sennheiser Communications A/S wurde gegründet.[20]

2013 wurden Andreas und Daniel Sennheiser Geschäftsführer.[21][22]

Mit Wirkung zum 1. März 2022 verkaufte Sennheiser seine Sparte Consumer Electronics mit Kopfhörern für Endverbraucher sowie Soundbars für 200 Millionen Euro an den schweizerischen Hörgerätehersteller Sonova und zog sich damit aus dem Endverbrauchergeschäft zurück. Sennheiser konzentriert sich nun auf das Geschäft mit professionellen Mikrofonen und Studiotechnik, darunter professionelle Kopfhörer. Sonova erhielt eine unbefristete Lizenz zur Nutzung der Marke Sennheiser. Rund 600 Mitarbeiter wechselten im Rahmen des Verkaufs zu Sonova.[23][24][25]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmensitz in Wennebostel mit dem Sennheiser Innovation Campus

Sennheiser betreibt vier[26] eigene Produktionsstätten.

Bereits Anfang der 1990er Jahre versuchte das Unternehmen, Teile der Produktion von Funkmikrofonen nach Shanghai zu verlagern. Aufgrund von Qualitätsmängeln, Transportschäden und illegaler Nachbauten der Produkte durch die Partnerunternehmen brachte Sennheiser die Produktion wieder zurück nach Deutschland.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Sennheiser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sennheiser schließt das herausfordernde Pandemie-Jahr 2020 besser als erwartet ab. Abgerufen am 5. Februar 2020.
  2. Meet The Maker - Neumann | KMR Audio News. Abgerufen am 16. September 2021.
  3. von Redaktion: Im Juni vor 75 Jahren wurde Sennheiser gegründet. 16. Juni 2020, abgerufen am 6. Oktober 2021 (deutsch).
  4. Klingt gut! - brand eins online. Abgerufen am 6. Oktober 2021.
  5. Sennheiser - Kopfhörer & Headsets - Mikrofone - Business Communications. Abgerufen am 6. Oktober 2021.
  6. In Memoriam. 2. Juni 2010, abgerufen am 6. Oktober 2021 (amerikanisches Englisch).
  7. Diana Künstler: 70 Jahre Sennheiser - Teil I: 1945 bis 1982: Die Geschichte des perfekten Klangs. Abgerufen am 6. Oktober 2021.
  8. 60 Jahre Sennheiser - Die Chronik.
  9. 1960: Sennheiser MD 421. 1. Januar 2011, abgerufen am 6. Oktober 2021 (amerikanisches Englisch).
  10. Anke Henrich: Sennheiser: Was das Familienunternehmen besser macht. Abgerufen am 6. Oktober 2021.
  11. Museum: Detailanzeige. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  12. US-Wanzen im Stasi-Knast. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  13. FOCUS Online: Die Gedanken der anderen. Abgerufen am 13. Januar 2022.
  14. Jörg Sennheiser: Sennheiser Electronic GmbH & Co. KG. In: Deutsche Standards Beispielhafte Geschäftsberichte. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, S. 300–303 (wiwo.de [abgerufen am 13. Oktober 2021]).
  15. Jörg Sennheisers Suche nach dem perfekten Klang. Abgerufen am 13. Oktober 2021.
  16. Sennheiser feiert den 25. Geburtstag des HD 25 mit einer Aluminium-Version - News - Backstage PRO. Abgerufen am 13. Oktober 2021.
  17. 404 - unternehmermedien. Abgerufen am 13. Oktober 2021 (deutsch).
  18. Prof. Dr. Jörg Sennheiser erhält den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk. In: BZ-Nachrichten. 2. Juli 2015, abgerufen am 13. Oktober 2021 (deutsch).
  19. Drei Tipps für das e 604 von Sennheiser, die den Sound an Tom und Snare verbessern - News - Backstage PRO. Abgerufen am 13. Oktober 2021.
  20. 70 Jahre Sennheiser: 1982 bis heute: Teil II: Die Geschichte des perfekten Klangs – Office & Kommunikation. Abgerufen am 13. Oktober 2021.
  21. Sennheiser - Kopfhörer & Headsets - Mikrofone - Business Communications. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  22. Sennheiser Unsere Geschichte. Abgerufen am 3. Februar 2020.
  23. Katharina Kutsche: Familienunternehmen: Warum Sennheiser seine Kopfhörer-Sparte verkauft. Abgerufen am 21. Mai 2022.
  24. Sonova übernimmt Sennheiser Consumer Geschäft. In: Pressemitteilung. Sennheiser, 7. Mai 2021, abgerufen am 21. Mai 2022.
  25. Sonova schliesst Übernahme der Sennheiser Consumer Division ab und schafft neues Geschäftsfeld | Sonova International. Abgerufen am 21. Mai 2022.
  26. Sennheiser eröffnet offiziell neues Werk in Brașov, Rumänien. Musikbranche, abgerufen am 8. Januar 2020.
  27. Sennheiser entdeckt die Vorzüge des Standortes D. In: Die Welt, 29. April 1997

Koordinaten: 52° 31′ 49″ N, 9° 45′ 9″ O