Nganasanische Sprache

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Nganasanisch

Gesprochen in

Autonomer Kreis Taimyr/Russland
Sprecher ca. 850
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1

ISO 639-2

mis

ISO 639-3

nio

Die nganasanische Sprache ist eine der samojedischen Sprachen. Diese bilden gemeinsam mit den finno-ugrischen Sprachen die uralische Sprachfamilie.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nganasanisch wird vom Volk der Nganasanen in der Mitte und im Südwesten der Taimyrhalbinsel in Russland gesprochen. Es gehört wie Nenzisch und Enzisch zur Gruppe der nordsamojedischen Sprachen.

Nach einer (umstrittenen) Zählung von 1989 sprachen 1.063 Menschen Nganasanisch als Muttersprache. Die Zahl der Nganasanen tendiert laut der letzten Bevölkerungszählung von 2002 zu weniger als 900. Davon nennen 83 % der Befragten Nganasanisch als ihre Muttersprache. Es steht zu befürchten, dass die Sprache in nicht ferner Zukunft aussterben wird.

Es existiert für das Nganasanische keine Schriftsprache. Nganasanisch gehört zu den wenigen lokalen Sprachen der Sowjetunion, die in den 1930er Jahren kein Alphabet erhalten haben. Anfang der 1990er Jahre gab es Versuche einer Transkription mit kyrillischen Buchstaben, die jedoch in der Praxis nicht verwendet wird. Das phonetische System umfasst acht Vokale, zwei sog. Diphthongoide (mit der Wertigkeit von Diphthongen: /ia/ und /ua/), wahrscheinlich keine Diphthonge (sondern Vokalsequenzen) und ca. zwanzig Konsonanten. Zentrale Elemente sind die Palatalisierung und der Stufenwechsel. Die Sprache weist sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Selkupischen und Jukagirischen auf.

Dialekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nganasanisch wird in zwei Dialekte unterteilt:

  • Awamisch (russisch авамский говор)
  • Wadeisch (russisch вадеевский говор)

Phonologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vokalsystem der nganasischen Sprache (im Folgenden Ng.) besteht aus acht Monophthongen. (a, e, ǝ, i, ͐į, o, ü, u). Außerdem gibt es zwei Diphthongoiden (Bivokale) ia, ua (stehen Vokalen näher als Diphthonge), sowie zahlreichen Vokalsequenzen.

Die Vokale und Diphthongoiden variieren in Hinsicht ihrer Aussprache massiv.

z. B. ǝ bei nichtersten Silben zwischen [e], [o] und [a]: heŋkǝ [h´ŋke ~ h´eŋko ~ h´eŋka], schwarz

Auditiv erscheinen betonte Vokale gewöhnlich länger als nichtbetonte, in geschlossenen Silben länger als in offenen. Langvokale sowie Diphthonge werden als Vokalsequenzen betrachtet. Somit sind sie im Ng. Nur aufgrund der Natur ihrer Vokale zu unterscheiden. Langvokale beruhen im Ng. Auf gleichen (homogenen), Diphthonge auf unterschiedlichen (heterogenen) Vokalen.

Konsonanten sind labiale, dentale, palatale, velare oder glottale Explosive (stimmhaft/stimmlos), Affrikate (stimmlos), Frikative (Sibilanten-stimmlos/Spiranten-stimmhaft), Nasale, Laterale oder Vibranten.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derivationelle Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vokalharmonie des Ng. verteilt sich morphologisch auf zwei Stammklassen. Die U-Klasse und die I-Klasse. Jeder Stamm besitzt drei Varianten, die zur Beschreibung der Kombination mit Ableitungen und Suffixen genutzt werden können.

S1 = NomSg bzw. Infinitivstamm

S1‘ = Variante von S1 bei geschlossener Silbe

S2 = Gen/AkkSg bzw. Connegativ bzw. Imperfekt2Sg der subjektiven Konjugation im Indikativ

S2‘= Variante von S2

S3= GenPl bzw. perfektiver Aorist

Nomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nganasanische ist eine agglutinierende Sprache, sodass Eigenschaften durch Suffixe markiert werden.

Auf den Nomen des Nganasanischen werden Kasus, Numerus und Besitz markiert. Jedes Nomen kann auch adjektivisch verwendet werden.

Nomen im Nganasanischen besitzen drei Numeri: Singular (Sg), Dual (Du) und Plural (Pl). Sie besitzen drei grammatische Kasus: Nominativ (Nom), Genitiv (Gen), und Akkusativ (Akk), sowie drei Lokalkasus: den Dativ-Lativ (Dat-Lat), Lokativ-Instrumental (Lok-Ins) und den Ablativ (Abl). Des Weiteren gibt es sekundäre Lokalkasus wie den Prolativ (Prol), Komitativ und den Allativ. Diese waren ursprünglich selbstständig, sind jetzt im Genitiv aber fest an die Nomen gebunden. Die zweisilbigen Lokalkasus der Nomina sind zusammengesetzte Suffixe. Sie werden aus einem Koaffix und einer Postposition gebildet.

Im Singular sind Nominativ und Genitiv unbezeichnet. Die Anwendung des Akkusativs ist im Singular fakultativ.

Der Dativ-Lativ und der Allativ werden häufig gleichwertig verwendet. Allerdings drückt der Dativ eher eine Zeitspanne aus, während der Allativ eine zeitliche Begrenzung ausdrückt.

Der Lokativ-Instrumental bezeichnet einen (Handlungs-)Ort, die Werkzeuge bzw. Instrumente, Transportmittel, eine kürzere Gleichzeitigkeit, ein Zusammensein oder eine Begleitung.

Der Prolativ drückt die Bewegung „an etwas vorbei, entlang“ aus sowie die Bewegung „durch etwas hindurch“ oder einen temporalen Handlungsverlauf.

Die grammatischen Kasus besitzen Numerus- und Kasuskongruenz, während die Lokalkasus nur Numeruskongruenz zeigen. Im Dual steht das gesamte Nomensyntagma mit Ausnahme des Nominativs Singular im Genitiv. (Katzschmann 2008)

Sg Pl Du
Nominativ Ø -" -KƏJ
Genitiv Ø ~ (-Ŋ) -" -KI
Akkusativ Ø ~ (-M) -J -KI
Dativ -NTƏ -NTI-" -
Lokativ -NTƏ-NU -NTI-NU -
Ablativ -KƏ-TƏ -KI-TƏ, ~KI-TI-" -
Prolativ -MƏ-NU -"-MƏ-NU -

Ein Deklinationsbeispiel für die Deklination der U-Klasse ist das Wort kuhu (Fell).

SG PL DU
NOM kuhu kubu‘‘ kuhugəj
GEN kubu kuba‘‘ kuhugi
AKK kubu(m) kubuj kuhugi
DAT kubutə kubuti‘‘ kuhugi na
LOC kubutənu kubutinü‘‘ kuhugi nanu
ABL kuhugətə kuhugitə/ kuhugəti‘‘/ kuhugiti‘‘ kuhugi natə
PROL kuhumənu kuba‘‘mənu kuhugi namənu

Ein Deklinationsbeispiel für die Deklination der I-Klasse ist das Wort tohi (Stamm).

SG PL
NOM tohi tobi‘‘
GEN tobi tobi‘‘
AKK tobi(m) tobij
DAT tobitə tobiti‘‘
LOC tobitəni tobitini
ABL tohigətə tohigitə
PROL tohiməni tobi‘‘məni

Wagner-Nagy nennt ein paar besondere Eigenschaften der Substantive im Nganasanischen, die in anderen Sprachen nicht vorkommen.  Die Vergangenheit im Ng. kann nicht nur an Verben, sondern auch an Nomina markiert werden. Die sogenannten präterialen Nomina werden durch das Suffix –D‘əə ausgedrückt, z. B. basa à basad’e (das gewesene Eisen). Allerdings wird dieses Suffix nur selten benutzt.

Um ein Nomen als Attribut oder Prädikat zu benutzen, wird das Karitivsuffix –KAJ, -KAL’I benutzt. Es wird oft mit der Partizip Imperfekt des Verbs iśa verwendet (ičüe).  Es bindet sich an den Nominativstamm des Substantives, z. B.  nig’aj ičüe (ledig).

Damit Nomina, die abstrakte Inhalte bezeichnen, wiedergegeben werden können, benötigt das Ng. das Suffix –TU‘‘. Es bindet sich an die Stämme der abstrakten Substantive und ist ein formatives Suffix. Das bedeutet, dass die Stämme an die es sich bindet, nicht alleine stehen können. Ein Beispiel dafür ist d’üraδi (Tiefe).

Um den zukünftigen Besitz auszudrücken, gibt es im Ng. das Suffix -Tə + Px. Das Possessivsuffix markiert die Person, für die der zukünftige Besitz bestimmt ist, z. B. taaδəmə (Rentier für mich). (Wagner-Nagy 2002)

Possessivsuffixe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Possessivität zu bezeichnen besitzt das Nganasanische Suffixe, die denen der drei Personen (Sg, Pl, Du) in den drei Numeri (Sg, Pl, Du) entsprechen. Die Verwendung von Personalpronomen ist fakultativ und dient nur der Verstärkung. Die Possessivsuffixe stehen nach den Numerus- und Kasuszeichen, also wortfinal. Nur der Allativ, der auf eine Postposition zurück geht, bildet eine Ausnahme. (Katzschmann 2008)

Morphoneme der Possessivsuffixe

Px1 = Possessivsuffixe beim NomSg

Px2 = Possessivsuffixe beim GenSg, allen Lokalkasus und Adverbien

Px3 = Possessivsuffixe beim AkkSg

Px4 = Possessivsuffixe beim GenPl

Px4‘ = Possessivsuffixe beim AkkDu/Pl

Possessivsuffixe (Px) NomSg


Px1

AkkSg


Px3

Nom/Akk

Du/Pl

Px4‘

Gen

Du/Pl

Px4

Übrige/Adverbien


Px2

1Sg ϺӘ J-NӘ ‘‘-NӘ
2Sg M-TӘ J-TӘ ‘‘-TӘ NTӘ
3Sg TU M-TU J-TU ‘‘-TU NTU
1Du MIN MIN J-NIN ‘‘-NIN NIN
2Du RIN M-TIN J-TIN ‘‘-TIN NTIN
3Du TIN M-TIN J-TIN ‘‘-TIN NTIN
1Pl MU‘‘ MU‘‘ J-NU‘‘ ‘‘-NU‘‘ NU‘‘
2Pl RU‘‘ M-TU‘‘ J-TU‘‘ ‘‘-TU‘‘ NTU‘‘
3Pl TUŋ J- TUŋ J-TUŋ ‘‘-TUŋ NTUŋ

Possessivsuffixe der Kasus im Singular

Px Nom Akk Gen u.a
1Sg
2Sg rə, lə, l‘ə mtə (n)tə
3Sg tu, δu, ti, δi

tü, δü,, ti, di

t’ü, t‘i

mtu, mti

mtü, mti

(n)tu, (n)ti

(n)tü, (n)ti

t’ü, t‘i

1Du mi mi ni
2Du ri, l‘i mti (n)ti, ndi, t’i
3Du ti, δi mti (n)ti, ndi, t’i
1Pl mu‘‘, mi‘‘

mü‘‘, mi‘‘

mu‘‘, mi‘‘

mü‘‘, mi‘‘

nu‘‘, ni‘‘

nü‘‘, ni‘‘

2Pl ru‘‘, lu‘‘, ri‘‘, li‘‘

rü‘‘, l’ü, ri‘‘, l’i‘‘

mtu‘‘, mti‘‘

mtü‘‘, mti‘‘

(n)tu‘‘, ndu‘‘, (n)ti‘‘, ndi‘‘

(n)tü‘‘, ndü‘‘, (n)ti‘‘, ndi‘‘

t’ü‘‘, t’i‘‘

3Pl tuŋ, δuŋ, tiŋ, δiŋ

tüŋ, δüŋ, tiŋ, δiŋ,

t’üŋ, t‘iŋ

mtuŋ, mtiŋ

mtüŋ, mtiŋ

(n)tuŋ, nduŋ, (n)tiŋ, ndiŋ

(n)tüŋ, ndüŋ, (n)tiŋ, ndiŋ

t’üŋ, t’iŋ

Possessivsuffixe der Kasus im Dual

Px Nom=Akk (Px4‘)

S1+ kailgai+ j+ Px

Gen(Px4)

S1+ kai/gai +‘‘ +Px

andere Cx
1Sg kəjnə gəjnə kəinə gəinə Gen + Postposition


LAT na

LOC nanu

ABL natə

PROL namənu

2Sg kəjt‘ə gəjt‘ə kəitə gəitə
3Sg kəjt’ü, kəjt‘i gəjt’ü, gəjt‘i kəitü, kəiti gəitü, gəiti
1Du kəjni gəjni kəini gəini
2Du kəjt‘i gəjt’i kəiti gəiti
3Du kəjt‘i gəjt’i kəiti gəiti
1Pl kəjnü‘‘, kəjni‘‘ gəjnü‘‘, gəjni‘‘ kəinü‘‘, kəini‘‘ gəinü‘‘, gəini‘‘
2Pl kəjt’ü, kəjt‘‘i gəjt’ü‘‘, gəjt’i‘‘ kəitü‘‘, kəiti‘‘ gəitü‘‘, gəiti‘‘
3Pl kəjt’üŋ, kəjt‘iŋ gəjt’üŋ, gəjt‘iŋ kəitüŋ, kəitiŋ gəitüŋ, gəitiŋ

Possessivsuffixe der Kasus im Plural

Px Nom=Akk (Px4‘)

S3+ j+ Px

Gen(Px4)

S3+ ‘‘ +Px

andere Cx (Px2)

S2

1Sg
2Sg t‘ə, t‘ə (n)tə
3Sg t’ü, t‘i tu, ti

tü, ti

(n)tu, (n)ti

(n)tü, (n)ti

1Du ni ni ni
2Du t‘i ti (n)ti, ndi
3Du t‘i ti (n)ti, ndi
1Pl nü‘‘, ni‘‘ nu‘‘, ni‘‘

nü‘‘, ni‘‘

nu‘‘, ni‘‘

nü‘‘, ni‘‘

2Pl t’ü‘‘, t’i‘‘ tu‘‘, ni‘‘

nü‘‘, ni‘‘

(n)tu‘‘, ndu‘‘, (n)ti‘‘, ndi‘‘

(n)tü‘‘, ndü‘‘, (n)ti‘‘, ndi‘‘


3Pl t’üŋ, t‘iŋ tuŋ, tiŋ

tüŋ, tiŋ

(n)tuŋ, nduŋ, (n)tiŋ, ndiŋ

(n)tüŋ, ndüŋ, (n)tiŋ, ndiŋ


Pronomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pronomen des Nganasanischen können ihre ursprünglichen Pronominalklassen wechseln und sogar als Adverbien gebraucht werden. Die Reflexiv- und Indefinitpronomen haben eine Sonderstellung, da ihnen eigene Stämme zugrunde liegen.

Personalpronomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Personalpronomen werden im Nganasanischen auch als fakultative, verstärkende Possessivpronomen benutzt.

Die Personalpronomformen der grammatischen Kasus werden nicht flektiert und sind somit identisch. Die Personalpronomen der Lokalkasus werden mit der Postposition na gebildet.

Außer den Personalpronomen gibt es im Nganasanischen noch Demonstrativpronomen und Interrogativpronomen sowie Reflexiv- und Indefinitpronomen. (Katzschmann 2008)

Personalpronomen des Nganasanischen
Nom, Gen, Akk Lativ Lokativ Elativ Prolativ Personalpronomen und Klitika Reflexivpronomen
1Sg mənə nanə nanunə nagətənə namənunə mɨlʲianə ŋonənə
2Sg2 tənə nantə nanuntə nagətətə namənuntə tɨlʲiatə ŋonəntə
3Sg sɨtɨ nantu nanuntu nagətətu namənuntu sɨlʲiatɨ ŋonəntu
1Du mi nani nanuni nagətəni namənuni mɨlʲiani ŋonəni
2Du ti nandi nanunti nagətəndi namənundi tɨlʲiati ŋonənti
3Du sɨti nandi nanunti nagətəndi namənundi sɨlʲiati ŋonənti
1Pl mɨŋ nanuʔ nanunuʔ nagətənuʔ namənunuʔ mɨlʲianɨʔ ŋonənuʔ
2Pl tɨŋ nanduʔ nanuntuʔ nagətənduʔ namənunduʔ tɨlʲiatiʔ ŋonəntuʔ
3Pl sɨtɨŋ nanduŋ nanuntuŋ nagətənduŋ namənunduŋ sɨlʲiatɨŋ ŋonəntuŋ

Diminuitivsuffixe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ng. gibt es geteilte Meinungen darüber, wie viele Diminutivsuffixe es gibt. Tereschenko nimmt an, dass es nur das Suffix –ku-gibt, das verschiedene Varianten aufweisen kann. Helimski hingegen nennt drei Diminutivsuffixe: -A ‘‘KU0, -KÜ0 und –AŋKU. Wagner-Nagy zufolge gibt es 4 verschiedene Suffixe.

Das Suffix –KU0

Dieses Suffix kommt selten vor und hat die Allomorphe: -ku, -kü, -gu, -gü. Ein Beispiel dafür ist  ərəkərə à ərəkərəku (ein bisschen schön). Wie in dem Beispiel erkennbar, bindet das Suffix an den Nominativstamm.

Das Suffix –A-‘‘KU0

Das Suffix –A-‘‘KU0 ist ein häufig vorkommendes Suffix. Es bindet sich an den Genitivstamm und verdrängt laut Helimski den letzten Vokal des Stammes. Somit ist zu erklären, weshalb fast ausschließlich der Vokal a vor dem Stimmbandverschlusslaut steht. Ein Beispiel für dieses Suffix ist d‘ikarə à d’ikaraku (kleiner Berg).

Das Suffix – AŋKU

Dieses Suffix bindet sich wie auch das –A-‘‘KU0-Suffix an den Genitivstamm. Der Vokal u in diesem Suffix hat die Allomorphe u, ü, i und i. Allerdings muss der Endvokal dieses Suffixes nicht zwingend ein u sein. Ein Beispiel dafür ist bariśi à baruśaŋku (Teufelchen).

Das Suffix –MACKU0

Dieses zusammengesetzte Suffix bindet sich oft an Eigennamen. Mithilfe dieses Suffixes kann man von Substantiven diminutive Eigennamen bilden. Ein Beispiel dafür ist d’iŋi (Bündel) à D’iŋimia‘‘ku. (Wagner-Nagy 2002)

Komposita[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Eigenschaft des Ng. als agglutinierende Sprache, ist fast jedes Satzglied ein Kompositum. Bei den Nomen werden Numerus und Kasus, sowie Deklination von den Suffixen ausgedrückt. Bei den Verben werden Tempus, Aspekt, Modus etc. (s. Verben) von den Suffixen ausgedrückt. Adjektive, Numerale und Pronomen werden genauso wie die Nomen flektiert.

Es werden nur Suffix benutzt, Präfixe finden keine Verwendung. Im Allgemeinen haben die Suffixe eine klare Struktur und es ist deutlich, welches Morphem welche grammatische Kategorie ausdrückt. Wenn jedoch ein Wort stark von phonetischen Prozessen beeinflusst wird und somit die innere Struktur verändert wird, kann es auch zu fusionierenden Eigenschaften des Wortes kommen. Das bedeutet, dass nicht mehr ein Morphem für genau eine Eigenschaft steht, sondern für mehrere Eigenschaften stehen kann. (Helimski 2010)

Transpositionelle Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ng. gibt es einige Suffixe, die die Kategorie eines Wortes verändern, wenn sie sich an dieses binden. Im Folgenden wird nach Stammkategorie unterteilt.

Nominalstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verb, das beschreibt wie jemand an irgendeinen Ort geht, den das Basiswort beschreibt, wird immer in der Form des Genitiv Plural de Basiswortes gebildet, z. B. muŋku (Wald) à muŋku‘‘sa (in den Wald gehen).

Das Suffix nach etwas stinken/riechen, ausgedrückt durch –j, bindet sich häufig an Tier- oder Pflanzennamen. Das Basiswort ist immer ein Wort, das etwas beschreibt, das einen Geruch hat, z. B. kintə (Rauch) à kintəjsa (nach Rauch riechen).

Die Suffixform –δu-/-δi- tritt im Ng. mehrmals auf.  Die Bedeutung und Funktion dieser Form ist schwer definierbar. Eine Bedeutung ist der Kaptativ, etwas jagen/sammeln. Dieser kann sich nur an wenige substantivische Wurzel binden. Ein Beispiel dafür ist ŋuta (Beere) à ŋutaδusa (Beeren pflücken).

Die Bedeutung etwas benutzen und somit eine Handlung durchzuführen, wird durch das Suffix –BTU des Instrumentativs ausgedrückt. Der Gegenstand, der durch das Nomen bezeichnet wird, wird von dem Agens während der Handlung als Instrument genutzt. Ein Beispiel ist: sakir (Zucker) à sakiruptud’a (zuckern).

Mithilfe des Suffixes –IR werden Verben gebildet, die etwas verspeisen/trinken, ausdrücken. Es kann sich ausschließlich mit Substantiven, die Speisen oder Getränke bezeichnen verbinden. Es bindet sich immer an den GenSg-Stamm, z. B. obed (Mittagessen) à obedəirsa (zu Mittag essen).

Das Suffix –IR beschreibt auch die Bedeutung mit dem spielen, das das Grundwort besagt. Es kann sich nur an Substantive binden, die Spielgeräte bezeichnen, z. B. kartə (Karte) à kartəirsa (Karte spielen). (Wagner-Nagy 2002)

Nominal- oder Adjektivstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Verben im Ng. enthalten keine Suffixmorphe. Die Verbform entsteht dadurch, dass sich Personal-oder Infinitivsuffixe an die Stämme binden. Der Verbalstamm entspricht meist dem Genitivstamm des Nomens, seltener dem Nominativstamm. Diese Art Verben werden aus einem Adjektiv oder Substantiv gebildet. Diese Art Suffixe werden Zerosuffixe genannt.

Verben mit der Bedeutung etwas sein werden am häufigsten mit einem Adjektiv gebildet, können aber auch aus Substantiven gebildet werden. Dabei verbindet sich der Infinitivsuffix mit dem Genitivstamm des Nomens, z. B. ŋəδu (Ansicht) à ŋəδusi (sichtbar sein). Die so gebildeten Verben beschreiben meist eine statische Situation und verhalten sich somit wie imperfektive Verben. (Wagner-Nagy 2002)

Nominal- oder Adverbstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Verben, die die Durchführung oder das Eintreten der Handlung beschreiben, die mit dem Begriff, den das Basiswort nennt, in Verbindung steht, bindet sich nach dem Zerosuffix ein iteratives oder frequentatives Suffix. Als Basiswort kann sowohl ein Substantiv- als auch ein Adverbstamm dienen. Denn diese Verben beschreiben meist eine durative Situation. Ein Beispiel dafür ist: d’ari (Krankheit) à d’arid’a (kränkeln).

Die zweite Bedeutung dieses Suffixes ist dort zu sein, wo die Derivationsbasis ist oder sich die Zeit dort vertreiben, wo die Derivationsbasis es besagt. In dieser Bedeutung bindet es sich nur an Adverbien des Orte oder an Substantive, die eine Zeitbeziehung ausdrücken. Wenn ein Adverb das Basiswort ist, bezieht sich das Verb auf den Platz, den das Adverb nennt, z. B. ŋil‘ə (unten) à ŋil‘əδusa (unterer sein) oder təŋə (Sommer) à təŋəδusa (den Sommer verbringen). (Wagner-Nagy 2002)

Nominal- oder Verbstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um auszudrücken, dass jemand etwas hat oder einen Gegenstand hat, der das Grundwort benennt und so etwas tut, benutzt man das Suffix –‘‘Tə. Es tritt an den GenPl-Stamm. –‘‘Tə kann nicht nur mit Substantiven verwendet werden, sondern auch an, von Numeralia abgeleitete, Verben, z. B. siti (zwei) à siδi‘‘təsi (zwei Rentiere haben/fahren). (Wagner-Nagy 2002)

Nominal-, Adjektiv- oder Numeralstamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung etwas  machen, was die Derivationsbasis besagt, wird durch das Suffix –MTU ausgedrückt. Als Derivationsbasis können dabei Substantive, Adjektive und Numeralien dienen. Als Beispiele seien hier bi (Wasser) à bitumtisi (nass machen) und homəgəə (scharf) à homagimtid’i (etwas schärfen) genannt. (Wagner-Nagy 2002)

Syntax[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wortstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wortstellung im Ng. ist nach Katzschmann SOV bzw. SVO. Jedoch ist die Wortstellung im Ng. sehr variabel. Ein Merkmal des Ng. ist es, dass neue Informationen typischerweise am Satzende hinzugefügt werden. Somit ist laut Wagner-Nagy jede Wortstellung möglich. Wenn nur die statistischen Daten genommen werden, lässt sich sagen, dass in ca. der Hälfte der Sätze in den Korpora das Verb an satzfinaler Stelle stand. Statistisch gesehen, ist Ng. somit eine OV-Sprache. Wagner-Nagy vergleicht die Wortstellung im Ng. mit dem Ungarischen. Dort wird die Reihenfolge der Komponenten eines Satzes nicht aufgrund einer festgelegten Wortreihenfolge bestimmt, sondern wird durch pragmatische Faktoren klassifiziert. Das betonte Satzglied steht normalerweise vor dem Verb.

Auf Phrasenebene stehen die Attribute des Nomens meist vor diesem. Wenn die Attribute hinter dem Nomen stehen, bedeutet dies das ein besonderer Fokus auf die Attribute gelegt wird. Numerale und Adjektive stimmen in Kasus mit dem Bezugswort überein, Adjektive stimmen auch in Numerus mit dem Bezugswort überein. Die Kasusübereinstimmung ist jedoch nur in den drei grammatischen Kasus vollständig, bei den lokalen Kasus stehen die Attribute im Genitiv. Bei Possessivkonstruktionen muss der Besitzer im Genitiv vor dem Besitz stehen. Auch die postpositionalen Konstruktionen erfordern das Bezugswort im Genitiv. Es gibt keine Präpositionen. (Katzschmann 2008)

Auxiliare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verb iśa kann als Auxiliar aber auch in seiner eigentlichen Bedeutung als Verb sein, existieren verwendet werden. In diesem Abschnitt wird sich nur auf die Bedeutung von iśa als Auxiliar bezogen. Aufgrund der beiden verschiedenen Bedeutungen von iśa erfordert dieses Verb zwei verschiedene Negationsformen, die die unterschiedlichen Bedeutungen klar trennen: ńisi (nicht sein) bzw. ńintu(u) (es ist kein) als Auxiliar und janku/jaŋgujsa als Existenzverb.

Weitere Auxiliare sind taneitjü (sein,existieren (impersonal)), taaeitjüm/taeitjüm (es gibt), janku (fehlen), mu‘‘am (werden) und muendum (ich bin in der Eigenschaft als.)

Iśa wird vor allem in Adverbial- und Nominalsätzen gebraucht. Ein wesentliches Merkmal dieser Satzarten ist die Personalkongruenz zwischen fakultativem Personalpronomen bzw. Attribut.

Prädikativsätze werden mit der Negationsform ńintu(u) gebildet, Adverbialsätze mit der Form ńisi und dem Connegativ ŋuo. Bei allen übrigen Tempus- und Modusformen steht neben dem konjugierten Prädikatsnomen die entsprechende finite Form des Hilfsverbs iśa/ ńisi.'

Appositionen und Adverbien werden durch die Form ńintu(u) negiert. (Katzschmann 2008)

Komplemente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Satz, dessen Kopf eine Verbalphrase ist, gibt es Argumente, die optional sind und solche, die zwingend erforderlich sind. Die optionalen Argumente werden Adjunkte genannt, die zwingend notwendigen Komplemente. Der Kopf bestimmt den Typ und die Menge an Komplementen, die er braucht. In diesem Absatz werden die Komplemente des Ng. näher dargestellt.

Die meisten Köpfe im Ng. brauchen ein bis drei Komplemente. Es gibt keinen Kopf im Ng., der vier Komplemente oder mehr benötigt. Das Ng. ist eine pro-drop Sprache, was bedeutet, dass das pronominale Subjekt, Objekt oder der Rezipient in einem Satz unter Umständen wegfallen kann. Aufgrund der Kongruenz des Verbes in Person und Numerus mit dem Subjekt ist dies möglich. Verben, die Wetterumstände beschreiben, werden immer in 3Sg flektiert, sodass dort kein Subjekt nötig ist. Es ist im Ng. also vom Verb abhängig, ob ein Subjekt benötigt wird oder nicht. Das Verb bestimmt auch den Kasus seiner Komplemente. Stative Verben wie stehen brauchen meist ein Komplement, das im Lokativ steht. Verben, die das Ende einer dynamischen Aktion beschreiben wie hinsetzen, benötigen ein Komplement, das im Lativ steht. (Beáta Wagner-Nagy 2019)

Finite vs. nicht-finite Verbformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht-finite Verbformen sind Infinitive, Partizipien, Converbiale (s. Converbialkonstruktionen) und Supine. Sie kommen vor allem abhängig vom Kontext vor, d.h. zumeist in Nebensätzen. Nur Partizipien können teilweise konjugiert werden, deswegen sind die anderen nicht-finiten Verbformen nicht mit Modus- und Zeitformen verwendbar. Finite Verbformen kommen vor allem im Hauptsatz vor und können für jede Person und Numerus konjugiert werden. Auch sind sie potenziell mit allen Suffixen kombinierbar. (Wagner-Nagy 2019)

Im Naganasanischen gibt es zwei Infinitivformen.

Vor allem das unbestimmte Gerundium SA1  mit den Allomorphen –sa, -si, -śi, -śa –d’a, -d’i  wird als Infinitiv verwendet. Der Endlaut A1 erscheint abhängig von dem Auslaut des Stammes. Die Infinitivendung ist der letztmögliche Suffixe, d. h., dass danach keine weiteren Suffixe mehr stehen können. Da im Ng. in einem Satz nicht zwei finite Prädikate stehen können, wird das Verb des Nebensatzes durch den Infinitiv ersetzt. (Katzschmann 2008, Wagner-Nagy 2002)

Der Infinitiv kann als Adverbialergänzung erscheinen um das Ziel oder den Umstand einer Handlung auszudrücken. Ein Infinitiv kann aber auch einen Nebensatz ersetzen und steht in dieser Funktion vor dem Nomen, z. B.  Hoursa binimə najbəgə. (Das Seil, mit dem ich Holz abholen gehe, ist lang.)

In einem Satz kann der Infinitiv auch als Objekt stehen. Vor allem in Verbindung mit Modal-, Emotional- und Phasenverben steht der Infinitiv in der Funktion des Objektes. Ein Beispiel dafür ist Siti d’erutu hiritasi, ńiptəd’a, d’embia so

Die zweite Infinitivendung ist –KAJ-SA1. Infinitive mit dieser Endung drücken den momentanen Zustand nach Ende einer Handlung aus, z.B.  Tuugajśa d‘atənə ləŋürü. (Ankommend ruft er mich.)( Wagner-Nagy 2002)

Modalkonstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ng. gibt es keine Modalverben, die Funktion der Modalverben werden durch Modalsuffixe ausgedrückt. Verben, die Modalsuffixe tragen, drücken die subjektive Beziehung des Subjekts zur Handlung aus, z. B. die Äußerung eines Willens oder einer Absicht.

Das Intentionalsuffix -‘‘HAN drückt die Absicht oder Bereitschaft zur Handlung aus. Das Suffix bindet sich sowohl an den Negationsstamm als auch an den Aoriststamm. Der Vokal des Suffixes tritt abhängig von der Vokalharmonie netweder als ia oder als ‘‘a auf. Es ist ein produktives Suffix. (Wagner-Nagy 2001)

Konditionalsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konditionalsätze im Gerundium Aorist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konditionalsätze werden im Ng. mithilfe des irrealen Interrogativs Futur gebildet. Tereschenko beschreibt die Struktur als finites Verb, an das ihü‘‘ angehangen wird und das mit den Personal- und Possessivsuffixen kongruiert. Ein Beispiel dafür ist sili ihü‘‘tü (Wer (könnte das) gewesen sein?). (Tereschenko 1979) Katzschmann zufolge dient jedoch häufiger das konditionale Gerundium Aorist als Prädikat eines (meist konditionalen) Nebensatzes. Dadurch wird anstelle der Actio der Agens stärker betont, weshalb die Markierung der Identität nicht notwendig ist. Aus diesem Grund entfällt auch die Personalkongruenz. Um diese Sätze zu negieren, wird das Negationsverb ńisi an das Gerundiumsuffix angehängt. (Katzschmann 2008)

Konditionalsätze im Gerundium Präteritum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Suffix HÜ‘‘ə dient zum Ausdruck der Gleichzeitigkeit und ist das Gerundium des Präteritums. Allomorphe des Suffixes sind hü‘‘ə, hi‘‘ə, bü‘‘ə, bi‘‘ə. (Helimski 2010) Durch die Possessivsuffixe des Nominativs wird das Subjekt des Gerundiums Präteritums dargestellt, z. B. ŋəmursa śatibi ‘‘əmə, bəndi ŋonsid‘iəm (Als ich zu essen aufgehört hatte, ging ich nach draußen.) Wenn eine Postposition in einem Satz gebraucht wird, wird das Nomen dieser untergeordnet. Vorzeitigkeit wird durch das Suffix HÜ‘‘ə-KəC (mit Ablativ) ausgedrückt. (Katzschmann 2008)

Konditionalsätze im Gerundium Futur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Suffix HÜ‘‘NÜ (Px2) mit den Allomorphen hü‘‘nü, hi‘‘ni, bü‘‘nü, bi‘‘ni verhält sich syntaktisch wie das Gerundium Präteritum. Häufig werden impersonale Konstruktionen genutzt. Ein Beispiel dafür ist təbtəria d’aŋuru ńiid’a suohü‘‘nü ńaagə ((Es wäre) gut, wenn wir gleich zur Tundra weiterziehen). (Katzschmann 2008)

Converbialkonstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Converbiale Formen sind nicht-finite Verbformen, die vor allem in Nebensätzen auftreten. Nur Partizipien können als Converbiale fungieren, da andere nicht-finite Formen nicht konjugiert werden können und somit mit Modus- und Tempussuffixen nicht verwendet werden können.

Im Ng. existieren zwei Formen der temporalen-konditionalen Converben. Eine Form beschreibt die Konditionalität im Präsens, die andere in der Zukunft. Beide Formen werden mithilfe des S1-Stammes des Verbs gebildet. Des Weiteren gibt es noch eine periphrastische Form, die aus dem Präsens im Konditional des Verbs sein (ihü) und der Futur-oder Vergangenheitsform des lexikalischen Verbs gebildet wird, z. B. təi-s‘üə i-hüʔ (wenn es war/existierte). (Beáta Wagner-Nagy 2019)

Die Bildung dieser Formen wird in der folgenden Tabelle dargestellt.

Nominalisierer
Präsens -HÜʔ: -hüʔ, -hiʔ, -büʔ, -biʔ
periphrastische Vergangenheit verb-past + be-HÜ verb-past ihüʔ
Zukunft -HÜʔnÜ: -hüʔnü, -hiʔni, -büʔnü, -biʔni
periphrastische Zukunft verb-futur + ihüʔ verb-futur ihüʔ

Diese Formen werden oft in konditionalen Nebensätzen verwendet. Sowohl in der zusammengesetzten Form als auch in der S1-Form der Converbiale wird das Suffix, das die Übereinstimmung mit dem Subjekt ausdrückt, an die Converbialform angehängt. Ein Beispiel dafür ist satərə maa i-ŋəə ŋəm-hü-tü. (Wenn wenigstens ein Fuchs gegessen werden könnte). (Beáta Wagner-Nagy 2019)

Relativsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ng. nutzt zur Bildung eines Relativsatzes keine Relativpronomen, da diese nicht existieren. Im Ng. gibt es kein Element im Relativsatz, das mit dem Kopf koreferent ist. Stattdessen sind Partizipsätze die einzige Möglichkeit um Relativsätze auszudrücken. (Terescenko 1979) Die Verbindung des Subjekts oder Objekts mit dem Relativsatz wird durch die Zeitformen dargestellt. Denn Sätze mit dem Partizip Präsens drücken Gleichzeitigkeit aus, während Sätze mit dem Partizip Perfekt Vorvergangenheit ausdrücken. Somit  beschreibt die Handlung, die im Nebensatz im Partizip Perfekt steht, eine Handlung, die vor der Handlung im Hauptsatz stattgefunden hat. Die Subjekte der beiden Sätze müssen nicht dasselbe sein. (Beáta Wagner-Nagy 2019)

Tuj-sjüəd‘əə ni ŋəm-ə-bta-ʔa-m. (Ich gab der Frau, die gerade eben erst ankam, etwas zu essen. wortwörtlich: Ich fütterte die angekommene Frau.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ivan R. Kortt, Ju. B. Simchenko: Wörterverzeichnis der nganasanischen Sprache. Teil 1: nganasanisch-deutsch-russisches Glossar (= Materialien / Systemata mundi Inst. zur Erforschung fremder Denksysteme und Organisationsformen 1). Berlin, 1985
  • Beáta Wagner-Nagy: Chrestomathia Nganasanica (= Studia Uralo-Altaica: Supplementum 10). Szeged, 2002, ISBN 963-482-588-5
  • Michael Katzschmann: Chrestomathia Nganasanica: Texte – Übersetzung – Glossar – Grammatik. Bearbeitung der Нганасанская фольклорная хрестоматия zusammengestellt von Kazis I. Labanauskas unter Berücksichtigung des Словарь нганасанско-русский и русско-нганасанский (= Nganasanica 1) Norderstedt, 2008, ISBN 978-3-8370-1121-0
  • Eugene Helimski: Самодийская лингвистическая реконструкция и праистория самодийцев. Tomsk Polytechnische Universität, 2010, ISBN 978-5-98298-754-9
  • Beáta Wagner-Nagy. Die Wortbildung im Nganasanischen. Szeged 2001, ISBN 963-482-553-2
  • Natalja M. Terescenko. Nganasanskji jazyk. Leningrad: Nauka, 1979
  • Beáta Wagner-Nagy. A grammar of Nganasan. Leiden, 2019. ISBN 978-90-04-38275-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]