Taimyrhalbinsel

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Taimyrhalbinsel
Nordpolarmeer mit zwischen Kara- und Laptewsee im Nordteil Sibiriens gelegener Taimyrhalbinsel (rot) und u. a. darauf liegendem Taimyrsee (weiß)
Nordpolarmeer mit zwischen Kara- und Laptewsee im Nordteil Sibiriens gelegener Taimyrhalbinsel (rot) und u. a. darauf liegendem Taimyrsee (weiß)
Gewässer 1 Karasee
Gewässer 2 Laptewsee

Geographische Lage

75° 0′ 0″ N, 103° 0′ 0″ O75103Koordinaten: 75° 0′ 0″ N, 103° 0′ 0″ O
Taimyrhalbinsel (Region Krasnojarsk)
Taimyrhalbinsel
Länge 1050 km
Breite 520 km
Fläche 400.000 km²
Nordteil Sibiriens mit Taimyrhalbinsel in linker Hälfte; vorgelagert sind Kara- und Laptewsee
Nordteil Sibiriens mit Taimyrhalbinsel in linker Hälfte; vorgelagert sind Kara- und Laptewsee

Die Taimyrhalbinsel ist eine etwa 400.000 km² große Halbinsel zwischen Kara- und Laptewsee (Nordpolarmeer) im Norden der Region Krasnojarsk (früher Autonomer Kreis Taimyr) sowie von Sibirien und Russland (Asien) und ist der nördlichste kontinentale Festlandteil der Erde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Taimyrhalbinsel liegt nördlich der Taimyrsenke, dem Mittelteil des Nordsibirischen Tieflands. Im Norden trennt sie die westliche Karasee von der östlichen Laptewsee, die zum arktischen Nordpolarmeer gehören. Ihre westliche Abgrenzung ist der kleine Ästuar (Trichtermündung) der Pjassina, maximal aber der Jenisseigolf als langgestreckter Ästuar des Jenissei, ihre südöstliche bildet der Chatangagolf als großer Ästuar der Chatanga.

Die Halbinsel trennt die Einzugsgebiete der westlichen Ströme Jenissei und Ob, die jeweils etwa 400 bzw. 800 km lange Mündungstrichter an der Karasee aufweisen, besonders von jenem der östlichen Lena, die weit jenseits des Chatangagolfs das große Lenadelta als Mündungsdelta in die Laptewsee ausbildet. Die konträren Mündungsformen dieser Ströme verraten manches über die wechselnden Strömungsverhältnisse, welche diese sibirischen Flüsse in der Kara- und Laptewsee verursachen, wodurch das hiesige Klima nachhaltig beeinflusst wird.

Die Halbinsel ist in West-Ost-Richtung maximal etwa 1.050 km lang und in Nord-Süd-Richtung bis zu rund 520 km breit. Das in ihrem äußersten Norden befindliche Kap Tscheljuskin, das rund 1.300 km jenseits des nördlichen Polarkreises liegt, stellt mit hügeligem Hinterland die nördlichste Festlandmasse der Erde dar, denn weiter nördlich liegen weltweit sonst nur noch Inseln im Nordpolarmeer. Im Rahmen des Kaps schiebt sich die Halbinsel bis auf die geographische Breite von 77,43° Nord in das Nordpolarmeer vor. Nördlich des Kaps, jenseits der Kara- und Laptewsee verbindenden Wilkizkistraße, befindet sich die Inselgruppe Sewernaja Semlja, die mit drei Hauptinseln die nördlichste Gegend Sibiriens darstellt.

Quer über die Halbinsel verläuft in Südwest-Nordost-Richtung das Byrrangagebirge, das nordöstlich des von der Taimyra in Süd-Nord-Richtung durchflossen Taimyrsees etwa 1125 m Höhe erreicht. Die Halbinsel ist durch zahlreiche Fließgewässer gegliedert: Neben der Taimyra als längstem Fluss der Halbinsel fließen dort unter anderem auch die westliche Nowaja als Nebenfluss der Chatanga und die östliche Nowaja als Zufluss des Chatangagolfs. In der Landschaft mit vielen Sümpfen gibt es zudem Tausende Stillgewässer: Neben dem Taimyrsee als größtem See der Halbinsel liegen darin unter anderem auch Arylachsee, Kungasalachsee, Loewinson-Lessing-See und Portnjaginosee.

Besiedlung und Klima[Bearbeiten]

Ortschaften liegen nur südlich der Taimyrhalbinsel, entlang der Flüsse und deren Mündungen in andere Flüsse bzw. Meeresteile. Ursache dafür sind die schwierigen Verkehrsverbindungen zu Lande während des Sommers, wenn die Gebiete mit Permafrostboden oberflächlich antauen. Die Winter sind lang und extrem kalt, die Sommer kurz, kalt und oft nebelreich mit Julimitteln um 5 °C.

Während die Halbinsel von Jägern der Urbevölkerung schon früh durchstreift wurde, entdeckte man die vorgelagerten Inseln Sewernaja Semljas erst 1913 auf der Suche nach einer sommerlich eisfreien Nordostpassage.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Taimyrhalbinsel und die vorgelagerten Meeresgewässer der Kara- und Laptewsee stellen eine vom Menschen noch wenig berührte, große Wildnis dar. Das Areal umfasst Tundra mit Moosen und Flechten und arktische Kälte- und Frostschuttwüsten, welche die Heimat von Eisbär, Rentier, Walross und Beluga sind. Im Sommer nisten hier Millionen von Seevögeln. 1974 wurde auf der Halbinsel eine Herde Moschusochsen aus Kanada und Alaska erfolgreich angesiedelt, der Bestand wird heute auf 3.000 bis 4.000 Tiere geschätzt.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Großes Arktisches Schutzgebiet[Bearbeiten]

Auf der Taimyrhalbinsel liegen Teile des Großen Arktischen Schutzgebiets (Bolschoi Arktitscheski Sapowednik), ein 1993 gegründetes Naturreservat, das 41.692 km² Land- und Meeresgebiete aufweist. Derzeit ist es Russlands größtes Schutzgebiet (Sapowednik), und es hat eine artenreiche Fauna. Darin leben etwa 4000 indigene Dolganen und Nganasanen, die dort traditionell jagen, fischen und Rentiere züchten.

Taimyr-Schutzgebiet[Bearbeiten]

Zudem gibt es auf der Taimyrhalbinsel seit dem 23. Februar 1979 das Taimyr-Schutzgebiet (Taimyrski Sapowednik), das 1995 von der UNESCO den Status eines Biosphärenreservats erhielt. Seine Verwaltung befindet sich im Dorf Chatanga, das am gleichnamigen Fluss liegt. Der Komplex besteht aus fünf Einzelgebieten. Das Haupt-Tundragebiet (13.240,42 km²) des Reservats liegt direkt westlich des Taimyrsees unter Einschluss einiger westlicher Seeausläufer. Am östlichen Seeufer erstreckt sich das Bikada-Schutzgebiet (9.377,6 km²). An der Ostküste der Halbinsel befindet sich das Arktik-Gebiet (4.332,2 km²). In der Nähe des Flusses Chatanga liegen die Gebiete Ari-Mas (156,11 km²) und, jenseits des Flusses und damit nicht mehr auf der Halbinsel, Lukunski (90,55 km²). Im Dorf Chatanga kann man sich im 1993 gegründeten Museum über die Natur und Ethnografie des Staatlichen Biosphärenreservates „Taimyrer“ über die Siedlung, das traditionelle Nomadenleben und den Naturraum informieren[1][2].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Staatlichen Biosphärenreservats Taimyrski (abgerufen am 13. Dezember 2009; für Basisdaten siehe Register General Information)
  2. Offizielle Seite des Autonomen Kreis Taimyr (abgerufen am 13. Dezember 2009)