Niedrigschwelligkeit

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Niedrigschwelligkeit oder Niederschwelligkeit bezeichnet die Eigenschaft eines Dienstes oder Angebots, das von den Nutzenden nur geringen Aufwand zu seiner Inanspruchnahme erfordert. Niedrigschwelligkeit kann sich dabei auf verschiedenen Ebenen äußern, z. B. darin, dass von den Nutzenden nur geringes Vorwissen verlangt wird oder diese keine weiten Wege auf sich nehmen müssen. Die Bezeichnung eines Angebots als niedrigschwellig wird insbesondere im Bereich der Sozialen Arbeit als auch bei der Entwicklung von demokratischen Partizipationsprozessen häufiger verwendet. Die Begriffe werden seit Mitte der 1980er-Jahre gebraucht.[1]

Soziale Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Sozialen Arbeit wird mit Niedrigschwelligkeit eine Vielzahl von räumlichen und sozialen Aspekten abgedeckt. Ob und wann ein Angebot als niedrigschwellig gelten kann, hängt immer auch von der Situation, vom Blickwinkel des Betroffenen und dem des Professionellen (z. B. Sozialarbeiters, Sozialpädagogen etc.) ab. Niedrigschwellige Einrichtungen sollen die Menschen erreichen, die reguläre hochschwellige Angebote aus Angst oder Scham nicht nutzen. Sie vermitteln häufig (auf Wunsch des Klienten) an konventionelle Angebote und geben andersherum aus diesen heraus auch Rückzugsmöglichkeiten.

Beispiele für die Niedrigschwelligkeit eines Sozialen Dienstes können sein:

  • Eine Einrichtung sollte räumlich gut erreichbar sein, also zentral liegen und z. B. behindertengerecht.
  • Die Öffnungszeiten einer Einrichtung sollten an den zeitlichen Möglichkeiten der Nutzenden ausgerichtet sein.
  • Ein Angebot sollte sich an den tatsächlichen Nutzungsbedürfnissen der Zielgruppe orientieren.
  • Ein Dienst sollte in einer Form angeboten werden, der es Menschen ermöglicht, diesen ohne soziale Ausgrenzung und Schamgefühle wahrnehmen zu können.

Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele für niedrigschwellige Soziale Dienste sind beispielsweise:

Partizipation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Partizipation spielt Niedrigschwelligkeit eine wichtige Rolle zur Sicherstellung eines möglichst breiten Teilnehmerkreises an einem Beteiligungsangebot. Niedrigschwellige Verfahren können regelmäßig deutlich mehr Menschen zur demokratischen Teilhabe bewegen, wodurch der Niedrigschwelligkeit eine wichtige Bedeutung für die Sicherstellung der demokratischen Legitimation eines Verfahrens zukommt.

Beispiele für die Niedrigschwelligkeit eines Partizipationsangebots können sein:

  • Eine Vor-Ort-Veranstaltung (bspw. Bürgerversammlung) ist zentral erreichbar und behindertengerecht.
  • Eine Vor-Ort-Veranstaltung findet zu Zeiten statt, an denen möglichst breite Teile der Zielgruppe tatsächlich teilnehmen können.
  • Ein Online-Partizipationsangebot ist übersichtlich gestaltet und ermöglicht bspw. eine Teilhabe ohne vorherige Registrierung oder Prüfung der Person.
  • Das Informationsangebot zu einem Partizipationsverfahren ist in allgemeinverständlicher Sprache gehalten und zugänglich aufbereitet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Google books Ngram Viewer Niedrigschwelligkeit und Niederschwelligkeit inklusive der Adjektivformen