Nomifensin

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Strukturformel
Nomifensin
(R)-Isomer (links) und (S)-Isomer (rechts)
Allgemeines
Freiname Nomifensin
Andere Namen
  • (RS)-8-Amino-2-methyl-4-phenyl-1,2,3,4-tetrahydroisochinolin
  • (±)-8-Amino-2-methyl-4-phenyl-1,2,3,4-tetrahydroisochinolin
Summenformel C16H18N2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
Wikidata Q409948
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N06AX04

Wirkstoffklasse

Antidepressivum

Eigenschaften
Molare Masse 238,33 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Maleatsalz

07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [1]
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Nomifensin ist ein Antidepressivum aus der Gruppe der Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (DRI, DARI), das zur Behandlung von Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen verwendet wurde.

Isomerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nomifensin enthält ein Stereozentrum, ist also chiral. Somit gibt es zwei Enantiomere, die (R)-Form und die dazu spiegelbildliche (S)-Form. Nomifensin wurde als Racemat [1:1-Gemisch aus (R)-8-Amino-2-methyl-4-phenyl-1,2,3,4-tetrahydroisochinolin und (S)-8-Amino-2-methyl-4-phenyl-1,2,3,4-tetrahydroisochinolin] eingesetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nomifensin wurde 1976 von der Firma Hoechst (heute Sanofi) als Alival mit dem Werbeslogan „Alival führt aus psychischem Tief zu aktivem Leben“ auf den Markt gebracht. Es war ein sehr beliebtes Antidepressivum in den 80er Jahren, wurde aber wegen massiver Nebenwirkungen und Todesfällen,[3] wie immunologisch bedingter Überreaktionen, hohem Fieber, Leberfunktionsstörungen, Lungeninfiltraten etc. 1986 vom Markt genommen. Das Verhalten des Herstellers[4] führte zu heftigen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Hierbei informierte der Hersteller bereits sechs Monate vor der weltweiten Rücknahme Ärzte und Apotheker über Todesfälle, betonte jedoch, dass der Nutzen des Medikaments die Risiken überwiege.[5]

2018 berichtete der BR darüber, dass Alival unter dem Namen Nomifensin an Heimkindern getestet wurde[6]

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der besondere Wirkungsmechanismus von Nomifensin ist wahrscheinlich die Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin im synaptischen Spalt im ZNS (ähnlich wie bei Methylphenidat). Dies könnte der Grund für seine besonders gute Wirksamkeit bei gehemmten, antriebsarmen Depressionen sein. Nomifensin besitzt eine Phenylethylamin-Partialstruktur.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Datenblatt Nomifensine maleate salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 16. April 2011 (PDF).
  2. a b c d Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher und Dieter Reichert: Pharmaceutical Substances, 4. Auflage (2000), Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9.
  3. MEDIKAMENTE Höchst gefährlich. In: Der Spiegel. Band 6, 3. Februar 1986 (spiegel.de [abgerufen am 26. März 2016]).
  4. Cornelia Stolze: Schrecken der Pillendreher. Der Bremer Pharmakologe Peter Schönhöfer kämpft für eine bessere Arzneimittelversorgung. In: DZ vom 12. Juni 2003.
  5. Die Story: Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden, https://www.youtube.com/watch?v=Q_htn25ZfnE, abgerufen am 11. Mai 2018.
  6. Die Story: Wie Heimkinder zu Versuchsobjekten wurden, https://www.youtube.com/watch?v=Q_htn25ZfnE, abgerufen am 11. Mai 2018.
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