Nordpudu

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Nordpudu

Nordpudu (Pudu mephistophiles)

Systematik
ohne Rang: Stirnwaffenträger (Pecora)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
Tribus: Eigentliche Trughirsche (Odocoileini)
Gattung: Pudus (Pudu)
Art: Nordpudu
Wissenschaftlicher Name
Pudu mephistophiles
(de Winton, 1896)

Der Nordpudu (Pudu mephistophiles) ist die kleinste, in Amerika vorkommende Hirschart.

Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordpudu besitzt eine Kopf-Rumpf-Länge von 60 bis 74 Zentimetern und eine Schulterhöhe zwischen 25,0 und 40,5 Zentimetern. Unterschiede in der Körpergröße zwischen Männchen und Weibchen bestehen nicht. Damit ist der Nordpudu noch etwas kleiner als der Südpudu. Sein Kopf ist 12,7 bis 14,2 Zentimeter lang. Mit 3 bis 4 Zentimetern ist der Schwanz sehr kurz. Das Gewicht beträgt nur 3 bis 6 Kilogramm. Er hat kurze, schlanke Beine, einen abgerundeten Rücken und ein an zwei kleine Hörner erinnerndes Geweih von 6 bis maximal 9 Zentimetern Länge. Das Fell ist rötlichbraun, zum Rücken hin zunehmend dunkelbraun oder schwärzlich. Der Kopf ist schwarz. Die Innenflächen der gerundeten Ohren sind grauweiß bis grau. Der Bauch und die Innenseiten der Beine sind rotbraun. Das Fell ist kurz und dicht. Die Hufe erscheinen schmal und spitz.[1][2]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet in den nördlichen Anden

Die Art kommt in den feuchten Wäldern, Sumpfgebieten und in den offenen Páramo-Graslandschaften oberhalb der Baumgrenze der nördlichen Anden in einer Höhe von 1700 bis 4500 Metern von der Cordillera Central im südlichen Kolumbien über die Cordillera Oriental in Ecuador bis zu den Nebelwäldern der östlichen Anden und südlich bis zur zentralperuanischen Region Junín vor. Die bewohnten Landschaften sind dadurch vielfältig, aber generell durch feuchtes Klima mit teils frostkalten Nächten und Niederschlägen in Form von Regen, Schnee und Nebel charakterisiert. Das ursprüngliche natürliche Verbreitungsgebiet wurde durch eine mit Trockenwald bewachsene Senke in der nordperuanischen Provinz Huancabamba in ein nördliches Gebiet mit etwa 60.000 bis 95.000 km² und ein südliches mit 30.000 bis 35.000 km² geteilt. Durch menschliche Einwirkungen ist der Lebensraum heute weiter zerteilt worden. Eine stabile Population existiert u. a. im nordperuanischen Nationalpark Río-Abiseo.[1][2]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordpudu ist dämmerungs- und nachtaktiv. Es gibt jedoch nur wenige Beobachtungen der scheuen Tiere, sodass auch Aktivitäten bei Tage denkbar sind. Die Art lebt meist einzelgängerisch, gelegentlich wurden aber auch Paarbildungen beobachtet. Unbekannt ist, ob der Nordpudu ein strikt territorial lebendes Tier ist. Sein Körperbau ermöglicht weite Sprünge, sodass er ähnlich den Duckern in schnellen Zick-Zack-Sprüngen möglichen Feinden entkommen kann. Er ernährt sich von Blättern, jungen Trieben und Früchten verschiedener Bäume. Angaben örtlicher Bewohner zufolge, erklettert er auch Bäume, um an Früchte zu gelangen. Zudem hält er sich teils auch zur Nahrungsaufnahme in Ackerbaugebieten auf.[2]

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Fortpflanzung ist nur wenig bekannt, das weniger saisonale Klima der zentralen Anden macht diese aber nicht von den Jahreszeiten abhängig. So bestehen möglicherweise zwei Paarungszeiten pro Jahr, einmal von August bis September und dann von März bis April. Nach einer Tragzeit von sieben Monaten kommt jeweils ein Junges von etwa 400 g Körpergewicht zur Welt, dessen Fell keine Flecken aufweist. Dieses ist frühreif und erreicht nach rund sechs Monaten die Größe der ausgewachsenen Tiere.[2]

Gefährdung und Schutzmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordpudu wurde vor allem von den 1950ern bis 1980ern stark bejagt. Heutzutage stellen verwilderte Haushunde sowie die Zerstörung seines Lebensraumes die größten Bedrohungen dar. Die IUCN listet ihn als gefährdet (vulnerable). Zum Schutz der Art wurden Schutzgebiete ausgewiesen, sowie Jagdbeschränkungen eingeführt. Außerdem laufen mehrere Forschungsprojekte, um weitere Schutzmaßnahmen für diese Art abzuklären.[3][2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b L. Escamilo, J. Barrio, J. Benavides und D. Tirira: Northern pudu Pudu mephistophiles (De Winton 1896). In: J. M. B. Duarte und S. Gonzalez: (Hrsg.): Neotropical Cervidology: Biology and Medicine of Neotropical Deer. FUNEP, Jaboticabal, Brazil und IUCN, Gland, Switzerland, 2010, S. 133–139 PDF
  2. a b c d e S. Mattioli: Family Cervidae (Deer). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 438
  3. J. Barrio Und D. Tirira: Pudu mephistophiles. In: IUCN 2013. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2013.1. ([1]), zuletzt abgerufen am 8. Oktober 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]