Nowa Huta

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nowa Huta (Begriffsklärung) aufgeführt.
Allee in Nowa Huta
Langgezogene Magistrale, direkt auf das Stahlwerk (im Hintergrund) ausgerichtet
Die moderne Kirche in Nowa Huta (erbaut 1977)
Das halbe Achteck und die "fünf Finger"

Nowa Huta ['nɔva 'xuta] (deutsch Neue Hütte) ist ein Stadtteil von Krakau (Polen).

Der Arbeiterstadtteil im Osten von Krakau hat etwa 220.000 Einwohner. Die Stadt wurde 1949 als Standort eines Eisenhütten-Kombinats gegründet.

Die Pläne für den Bau Nowa Hutas bestanden dabei bereits vor der sowjetischen Einflussnahme, aufgrund der günstigen Straßen- und Schienenverbindungen in die Ukraine und den Rest der Sowjetunion wurde der Standort östlich von Krakau gegenüber den polnischen Vorstellungen einer Platzierung näher an Schlesien letztlich aber favorisiert und der Bau vom Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe mit umgerechnet 450 Mio. US$ unterstützt. [1]

Neben wirtschaftlichen Zwecken erfüllte diese Neugründung auch politische: Das kommunistische Regime Polens wollte in der Nähe des katholisch-konservativen und das neue System ablehnenden Krakaus ein neues Arbeiterzentrum schaffen. Nowa Huta sollte als Planstadt der sozialistischen Ideologie folgen. Der Grundriss der Stadt, der nach dem absolutistischen Gänsefußmuster (frz.: patte d'oie) fünf von einem zentralen Platz ausstrahlende Hauptalleen aufweist, bezeugt allerdings die Ähnlichkeit des stalinistischen Baugestus mit der fürstlichen Repräsentation des Absolutismus. Die Bauqualität der ersten Bauphase ist, im Vergleich zu späteren Plattenbausiedlungen, als gut zu bezeichnen, es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Wiener Gemeindebauten des Roten Wien der Zwischenkriegszeit und zum Neoklassizismus der 1930er Jahre.

Es bestehen nach wie vor soziale Konflikte zwischen dem intellektuellen Krakau und dem Arbeitervolk in Nowa Huta. Trotz der guten und schnellen Verbindung in das Zentrum Krakaus besucht ein Bewohner Nowa Hutas nur durchschnittlich zweimal im Jahr die Stadt Krakau; Grund hierfür ist, dass Nowa Huta als eigene Stadt geplant war und daher alle Versorgungseinrichtungen besitzt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Nowa Huta entstand in Form eines halben Achtecks mit einem zentralen Platz, von dem vier Hauptstraßen und eine Allee für Fußgänger (Aleja Róż) abzweigen.

Bekannt wurde die Stadt durch den Streit um den Bau einer Kirche. Aus den oben genannten politischen Gründen wollte das kommunistische Regime eine religionsfreie Stadt; der damalige Erzbischof von Krakau und spätere Papst Karol Wojtyła erreichte jedoch in langwierigem, passivem Widerstand 1977 die Fertigstellung der Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen.

Die architektonische Form dieser Kirche symbolisiert die gestrandete Arche Noahs auf dem Berg Ararat und ist der Kirche Notre Dame du Haut von Le Corbusier in Ronchamp nachempfunden. Architekt der Kirche ist Wojciech Pietrzyk. Den Orgelbau leitete Prof. Jan Jargon[2].

Politik und Gesellschaft[Bearbeiten]

Nowa Huta war schon im ersten Jahrzehnt nach seiner Gründung auch ein Schauplatz sozialismuskritischer Kämpfe. Diese entzündeten sich insbesondere an den Auseinandersetzungen über den Bau der Kirche, griffen aber auch andere soziale Fragen auf. Die 1970er Jahre waren die ökonomisch erfolgreichsten Jahre in Nowa Huta, in denen der Anstieg der Stahlproduktion sich positiv auf die Beschäftigung und den Lebensstandard der Arbeiter auswirkte. Durch die politischen Geschehnisse nach Entstehung der Solidarność in Polen seit den beginnenden 1980er Jahren und insbesondere die ökonomische Umstrukturierung und Entwertung der industriellen Arbeit nach 1989 ist gerade in Nowa Huta eine Auflösung der gewachsenen sozialen Strukturen zu beobachten.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Schediwy: Städtebilder - Reflexionen zum Wandel in Architektur und Urbanistik, Wien 2005. (speziell S 157ff)

Kunst[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Sozialistischer Städtebau

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nowa Huta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. THE MAKING AND REMAKING OF NOWA HUTA, (englisch) (PDF; 1,1 MB)
  2. R. Tomczyk. Jan Jargon. Diplomarbeit 1998; Musikakademie Krakau (polnisch)
  3. THE CASE OF NOWA HUTA (englisch) (PDF; 124 kB)

50.07222222222220.0375Koordinaten: 50° 4′ 20″ N, 20° 2′ 15″ O