Władysław Anders

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Władysław Anders

Władysław Albert Anders (* 11. August 1892 in Krośniewice-Błonie; † 12. Mai 1970 in London) war ein polnischer General und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zarenreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Władysław Anders war der Sohn von Elisabeth (Elżbieta) Tauchert und Albert Anders, der ein Staatsgut in Livland verwaltete.[1] Beide Eltern waren Deutsch-Balten.[2]

Anders studierte an der Technischen Hochschule in Riga und diente seit 1913 in der kaiserlichen Armee Russlands. 1917 belegte er einen Schnellkurs an der Akademie des Generalstabs in Petrograd. Anschließend kämpfte er in den Reihen des 1. Polnischen Korps (Kaiserlich Russische Armee), das nach dem Vordringen der Deutschen nach Osten von diesen aufgelöst wurde.[3]

Republik Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiederentstehung Polens wurde Anders 1919 zum Stabschef der polnischen Verbände während des Großpolnischen Aufstandes in Posen ernannt. Im Polnisch-Sowjetischen Krieg 1920 war er Befehlshaber des 15. Posener Ulanen-Regiments. Nach dem Krieg besuchte er im Rahmen eines Abkommens zwischen Warschau und Paris die französische Militärakademie. 1925 wurde er zum Stadtkommandanten von Warschau ernannt. Während des Maiputsches Piłsudskis 1926 kommandierte er die Regierungstruppen, stellte sich also gegen die Putschisten. Doch erkannte er wenig später die neuen Machtverhältnisse an und wurde mit weiteren Truppenkommandos betraut.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Polenfeldzug 1939 war Anders Befehlshaber einer Kavalleriebrigade in Ostpolen. Bei Kämpfen mit sowjetischen Einheiten wurde er schwer verwundet und ging in Kriegsgefangenschaft.[4] Von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD wurde er erst in Lemberg, dann in Moskau inhaftiert. In der sowjetischen Haft gelobte er, vom evangelischen Glauben zum Katholizismus überzutreten, wenn er überleben würde.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde er zu den NKWD-Führern Lawrenti Beria und Wsewolod Merkulow gebracht. Diese machten ihm das Angebot, an die Spitze mehrerer polnischer Divisionen zu treten, die aus polnischen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion für den Kampf gegen die Wehrmacht aufgestellt werden sollten. Anders nahm das Angebot an, der Stab des II. Polnischen Korps wurde in dem Städtchen Busuluk in der zentralrussischen Steppe eingerichtet.[5] Anders ließ ein Suchbüro organisieren, das nach dem Verbleib von rund 8500 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geratenen polnischen Offizieren fahnden sollte, mit seiner Leitung betraute er Józef Czapski.[6] Er beauftragte den aus einem Arbeitslager freigekommenen Ökonomieprofessor Stanisław Swianiewicz mit der Erstellung einer Analyse auf der Grundlage der Spekulationen über den Verbleib der verschollenen Offiziere.[7] Institut Littéraire, Paris 1976, Anders fragte auch persönlich bei der NKWD-Führung nach seinen verschwundenen Offizieren, erhielt aber nur ausweichende Antworten.[8] Er protokollierte am 4. Dezember 1941 im Moskauer Kreml das Gespräch zwischen Josef Stalin und Władysław Sikorski, dem Ministerpräsidenten der polnischen Exilregierung in London, in dessen Verlauf der Gastgeber den Polen mitteilte, die Offiziere seien womöglich „in die Mandschurei“ geflohen.[9]

Da die sowjetischen Behörden nicht in der Lage und laut Anders auch nicht willens waren, die neu aufgestellten polnischen Verbände auf ihrem Gebiet ausreichend zu versorgen, wurden diese über den Iran in die britischen Mandatsgebiete im Nahen Osten verlegt. Während dieses Exodus erfuhr Anders von der Entdeckung der Massengräber im Wald von Katyn. Er schrieb in seinen Erinnerungen: „Es war klar, dass das Verbrechen von Katyn die Bolschewiken begangen haben.“[10]

Seine Verbände zogen weiter nach Italien, wo sie für die Westalliierten unter großen Verlusten die Schlacht um Monte Cassino gewannen. Deren Truppen waren zuvor an der Erstürmung der Klosterfestung gescheitert, sie führten den Misserfolg auf die ungünstige Witterung zurück. Anders erklärte daraufhin: „Einem Polen schadet der Regen nichts.“ Diese Redewendung ging in den polnischen Sprachgebrauch ein.[11] Nach der Erklärung von Jalta, die er auf das schärfste kritisierte, verlangte er den Abzug seiner Soldaten aus dem Kampfgebiet, was jedoch von den Briten abgelehnt wurde. Scharf protestierte Anders bei dem britischen Premier Winston Churchill gegen die in Jalta von den Westalliierten akzeptierte Annektierung Ostpolens durch die Sowjetunion. Churchill entgegenete darauf laut der Memoiren Anders': „Ihr seid selbst daran schuld! Schon lange haben wir euch zugeredet, eure Grenzangelegenheiten mit Sowjetrussland zu regeln. (...) Wir haben nie die Ostgrenze Polens garantiert. Wir haben heute genug Streitkräfte und brauchen eure Hilfe nicht mehr. Sie können Ihre Divisionen für sich behalten. Wir kommen ohne sie aus.“[12]

Britisches Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde er zu einem der wichtigsten Politiker der polnischen Emigration in London. Die Volksrepublik Polen entzog ihm am 26. September 1946 die polnische Staatsbürgerschaft und den Generalstitel (beides wurde ihm am 15. März 1989 posthum wieder zuerkannt).

Während des ersten der Nürnberger Prozesse versuchte der Rechtsanwalt Otto Stahmer, der Verteidiger des Reichsmarschalls Hermann Göring, Anders als Zeugen für den Anklagepunkt Katyn zu gewinnen. Anders antwortete nicht auf das Schreiben, da er den sowjetischen Anklägern nicht Gelegenheit geben wollte, ihn als Verteidiger eines NS-Verbrechers darzustellen. Doch ließ er Stahmer eine Dokumentensammlung dazu zukommen. Stahmer leitete diese Dokumente auch an die US-Delegation in Nürnberg weiter.[13] 1948 gab Anders in London, wo er sich niedergelassen hatte, das polnische "Weißbuch" zu Katyn heraus, das zur Grundlage für die Erforschung dieses Kriegsverbrechens wurde. 1952 sagte er in London vor der Madden-Kommission aus, einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses über die angebliche Unterdrückung von Informationen über das Massaker von Katyn durch die Regierung Roosevelts.[14]

Gemäß seinem Willen wurde er bei seinen Soldaten auf dem Soldatenfriedhof von Monte Cassino begraben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Władysław Anders – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Władysław Anders Biografie auf der Homepage der Technischen Hochschule Rzeszów (polnisch)
  2. Władysław Anders (polnisch)
  3. Stationen der militärischen Karriere laut: Aleksander Szczygło: Przedmowa. In: Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 13–14.
  4. Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 45–48.
  5. Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 96–98.
  6. Józef Czapski: Na nieludzkiej ziemi. Czytelnik, Warschau 1990, ISBN 83-07-02092-1, S. 10.
  7. Stanisław Swianiewicz: W cieniu Katynia. Warschau 2010, S. 305.
  8. Zbrodnia katyńska w świetle dokumentów. Z przedmową Władysława Andersa. Gryf, London 1948, S. 90, 97.
  9. Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 116.
  10. Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 191
  11. Vom Regen in Italien
  12. Wy sami jesteście temu winni. Od dawna namawiałem was do załatwienia sprawy granic z Rosją sowiecką … Myśmy wschodnich granic Polski nigdy nie gwarantowali. Mamy dzisiaj dosyć wojska i waszej pomocy nie potrzebujemy. Może Pan swoje dywizji zabrać. Obejdziemy się bez nich.“ - Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 338.
  13. Władysław Anders: Bez ostatniego rozdziału. Wspomnienia z lat 1939–1946. Wydawnictwo Bellona, Warschau 2007, ISBN 978-83-11-10685-7, S. 402–403.
  14. Claudia Weber: Krieg der Täter. Die Massenerschießungen von Katyń. Hamburger Edition. Hamburg 2015, S. 379.