Planstadt
Eine Planstadt ist eine Stadt oder ein Stadtteil, deren Grundriss ein deutlich erkennbarer Plan zugrunde liegt. Dies erfordert, dass die bebaute Fläche zur Planung völlig frei („auf der grünen Wiese“) war oder zumindest durch gezielten Abbruch (siehe auch Flächensanierung), Zerstörung im Krieg oder nach einer Brandkatastrophe freigeräumt wurde. Umgangssprachlich abwertend ist der Begriff Retortenstadt für eine „als Ganzes geplante und angelegte, nicht natürlich gewachsene Stadt“.[1]
Besondere Umstände führen zur Gründung von Planhauptstädten. Sie unterscheiden sich oft durch Größe von gewöhnlichen Planstädten. Bekannte Beispiele sind Brasília, Canberra, Islamabad, Neu-Delhi, Sankt Petersburg und Washington, D.C.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Planstädte gab es in vielen Epochen der Geschichte, bereits in der Antike wurden Städte nach strengen Mustern angelegt. Ein typisches Muster ist das orthogonale Straßenraster; es findet sich (wie Spiro Kostof darlegt) in der griechischen Antike ebenso wie im alten China, in den spanischen Kolonialstädten des 16. Jahrhunderts ebenso wie in den Zentren vieler Großstädte der heutigen USA. Fast jede Gründungsstadt ist im weiteren Sinne eine Planstadt, da zumindest die Hauptwege mit der Position der Stadttore, öffentliche Plätze, gegebenenfalls Verlauf der Stadtmauer sowie die Lage von öffentlichen Gebäuden festgelegt wurden.
Jede Epoche hatte eigene Vorstellungen, die von einem gerade vorherrschenden Ideal oder Prinzipien abgeleitet waren (Idealstadt, Verbesserung der Städte). Manche dieser Prinzipien sind heute nicht mehr verständlich, wie etwa die Pläne mittelalterlicher Städte, die heute als unkontrolliert gewachsen erscheinen oder vielfach überformt sind.
Typische Planstädte in Europa sind
- die Stadtgründungen des Römischen Reiches,
- Stadtgründungen des Mittelalters wie z. B. die Zähringerstädte Bern, Freiburg im Breisgau, Freiburg im Üechtland, Offenburg, Villingen,
- fürstliche Residenzstädte der Barockzeit, etwa Arolsen (Waldeck), Karlsruhe (Baden-Durlach), Ludwigsburg (Württemberg), Ludwigslust (Mecklenburg-Schwerin), Mannheim (Kurpfalz), Neustrelitz (Mecklenburg-Strelitz), Putbus (Rügen) und Rastatt (Baden-Baden)
- Stadtgründungen aus kriegstaktischen Gründen, beispielsweise die Festungsstädte Neuf-Brisach/Neu-Breisach und Saarlouis.
- Städte, die nach einem Brand neu wieder aufgebaut wurden, beispielsweise Glarus, La Chaux-de-Fonds und Le Locle.
New Town[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der aus Großbritannien stammende stadtgeografische Begriff New Town („Neue Stadt“) steht für eine Planstadt; diese kann sich auch an eine schon bestehende Siedlung anlehnen. Ihre Aufgabe ist hauptsächlich die Entlastung der großen Ballungszentren. Die New Town besitzt zentralörtliche Einrichtungen, Wohn- und Gewerbeviertel. Typisch ist die Einrichtung von „Nachbarschaften“, die sich um ein Zentrum mit den öffentlichen Einrichtungen und Geschäften gruppieren. In Großbritannien existieren 31 New Towns.
Von Ebenezer Howard stammte die Idee einer Gartenstadt (Garden City), einer Planstadt, die die Vorteile des städtischen mit denen des ländlichen Lebens vereinte. Er inspirierte die Gründung von Welwyn 1903 und 1920 von Letchworth. 1946 wurde von der Labour-Regierung der New Towns Act beschlossen. Ziel war es, der Konzentration von Industrie und Volk in den Großstädten entgegenzuwirken. Ausdrücklich sollten keine Trabantenstädte geschaffen werden, sondern selbständige Einheiten mit eigener Wirtschaft und heterogener Bevölkerungsstruktur.[2] Je nach Stadt wurde zunächst eine Höchstgröße zwischen 20.000 und 60.000 Einwohnern angestrebt. Die New Towns sind Basildon, Bracknell, Corby, Crawley, Cwmbran, East Kilbride, Glenrothes, Harlow, Hatfield, Hemel Hempstead, Newton Aycliffe, Peterlee, Stevenage und Welwyn Garden City.[2]
Probleme waren die Skepsis der Bevölkerung und der Kommunalregierungen, fehlende Verkehrsanbindungen, Finanzierungslücken und Überschreitungen der geplanten Kosten.[3] Vor allem wurde kritisiert, dass der Umfang des Projektes viel zu klein war, um dem Bevölkerungswachstum etwas entgegenzusetzen. Die Antwort war 1952 der Town Development Act. Nun war das Ziel auch die Vergrößerung von bestehenden Städten, besonders in der Nähe von Metropolen wie London. Diese Städte sind Central Lancashire, Milton Keynes, Northampton, Peterborough, Redditch, Skelmersdale, Telford (Dawley New Town), Warrington und Washington.
1962 wurde mit Dalgety Bay bei Edinburgh erstmals in Schottland eine Planstadt in reiner Privatinitiative errichtet.[4] Etwa zu gleicher Zeit entstand auch Livingston. Eine von Prinz Charles initiierte Modellstadt ist Poundbury, die seit 1993 errichtet wurde.
Planstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Mittelalter
- Annaberg – mittelalterliche Stadt des Silberbergbaus nach Plänen von Ulrich Rülein von Calw
- Bayreuth – Beispiel einer mittelalterlichen Planstadt
- Lippstadt – erste Planstadt Westfalens, gegründet 1185
- Lemgo – 1190 an einem Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege als Planstadt durch die Herren zu Lippe gegründet.
- Marienberg, Sachsen – mittelalterliche Stadt des Silberbergbaus nach Plänen von Ulrich Rülein von Calw
- Neubrandenburg – Planstadt des 13. Jahrhunderts auf annähernd kreisrundem Grund; nach weitgehender Zerstörung der Altstadt bei Kriegsende 1945 Neuaufbau unter Rücksichtnahme auf das traditionelle Straßenraster
- Renaissance
- Freudenstadt – Straßen folgen dem Linienmuster des Mühle-Bretts
- Jülich – Idealstadt aus dem 16. Jahrhundert
- Barock
- Arolsen – 1655 bis 1929 Hauptstadt der Grafschaft, des Fürstentums und des Freistaates Waldeck, ausgebaut insbesondere unter Graf Friedrich Anton Ulrich
- Bad Karlshafen – Planstadt an der Weser aus der Zeit des Barocks / Merkantilismus
- Bartenstein (Schrozberg) – 1720 bis 1770 errichtete Residenzstadt der Hohenloher
- Berlin – Friedrichstadt
- Dresden – (Innere) Neustadt („Neue Königliche Stadt“)
- Erlangen – barocke Innenstadt
- Glückstadt
- Neustadt Hanau
- Karlsruhe – unter Markgraf Karl III. Wilhelm (Baden-Durlach) erstellt; Fächer mit dem Schloss als Mittelpunkt
- Ludwigsburg – unter Herzog Eberhard Ludwig ausgebaute Residenzstadt, in Parallellage zum Schloss angeordnet
- Ludwigslust – Ausbau zur mecklenburgischen Residenzstadt unter Herzog Friedrich
- Mannheim – Quadrate mit Bezeichnung der Baublöcke nach Schachbrett-Manier (siehe Bild oben)
- Neustrelitz – 1733 Stadtgründung durch Herzog Adolf Friedrich III., neben dessen Jagdschloss in Glienecke, ausgehend von einem oktogonalen Marktplatz; die neue Residenzstadt wuchs nördlich der Vorgängerresidenz (Alt-)Strelitz
- Neuwied – 1653 als neue Residenzstadt der Grafschaft Wied rasterförmig angelegt, nach der Gewährung weitgehender Religionsfreiheit 1662 starkes Wachstum durch den Zuzug von Exulanten
- Oranienbaum – ab 1683 Errichtung von Schloss und gegenüberliegender Bürgerstadt nach Plänen von Cornelis Ryckwaert
- Rastatt – ab 1697 Wiederaufbau des im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörten Ortes unter Markgraf Ludwig Wilhelm
- Saarlouis – 1680 durch den französischen König Ludwig XIV. von Vauban als sternförmige Festungsstadt entworfen
- Klassizismus
- Neu-Büderich – klassizistische Planstadt des frühen 19. Jahrhunderts
- Neuruppin – frühklassizistische Planstadt, nach einem Stadtbrand 1787 neu aufgebaut.
- München-Maxvorstadt – die erste planmäßige Stadterweiterung von München wurde zwischen 1805 und 1810 unter dem ersten bayerischen König Maximilian I. Joseph, nach dem sie benannt ist, auf einem quadratischen Raster konzipiert; gebaut wurde sie größtenteils erst nach 1825 unter Ludwig I. im klassizistischen Stil
- Putbus – Anlage um ein kreisförmiges Zentrum, den Circus mit radial wegführenden Straßen
- Tuttlingen – ab 1804 nach Stadtbrand als klassizistische Stadt von Carl Leonard von Uber neu aufgebaut
- Zweite Hälfte 19. Jahrhundert
- Wilhelmshaven – gegründet als „erster deutscher Kriegshafen an der Jade“ am 17. Juni 1869
- Erste Hälfte 20. Jahrhundert
- Lebenstedt – ab 1937 zur Unterbringung der Arbeitskräfte der Reichswerke Hermann Göring gebaute Siedlung; seit Gründung der Stadt Watenstedt-Salzgitter am 1. April 1942 Teil dieser (seit 1951: Salzgitter)
- Wolfsburg – gegründet am 1. Juli 1938
- nach 1945
- Bielefeld-Sennestadt – „autogerechte Stadt der Zukunft“
- Eisenhüttenstadt (ehemals Stalinstadt) – die „erste sozialistische Stadt“ Deutschlands bei Errichtung des Eisenhüttenkombinats
- Halle-Neustadt – größte Planstadt Deutschlands;[5] war von 1967 bis 1990 eine eigenständige Stadt
- Hochdahl
- Hoyerswerda-Neustadt – die nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 7.000 Einwohner zählende Stadt vergrößerte sich durch den Bau von Wohnkomplexen auf das Zehnfache Mitte der 1980er Jahre
- Laatzen-Mitte
- Leinefelde – die im Eichsfeldplan festgesetzte Ansiedlung einer Baumwollspinnerei 1961 wurde mit dem Bau eines sozialistischen Wohnkomplexes verbunden, wodurch Leinefelde 1969 das Stadtrecht erhielt
- Frankfurt-Nordweststadt
- Freiburg im Breisgau – Rieselfeld und -Vauban
- Neue Stadt Wulfen
- Würzburg-Heuchelhof
- 21. Jahrhundert
Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Hartberg – von 1125 bis 1128 unter Leopold I. (Steiermark)
- Wiener Neustadt – der Bau begann 1195 unter Herzog Leopold VI.
- Seestadt Aspern – Stadtteil von Wien, Anlage kreisförmig um einen künstlichen See
Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Glarus – Im Jahr 1861 wütete ein Brand, der große Teile des Ortes zerstörte. Nur wenige Gebäude aus der Zeit vor dem Brand blieben im Stadtbild erhalten. Der rasche Wiederaufbau erfolgte in einem Schachbrettmuster. Diese vor allem aus den USA bekannte Städteplanung wurde gewählt, um weitere Feuersbrünste zu verhindern.
- Glattpark – neuer Stadtteil auf dem Gemeindegebiet von Opfikon bei Zürich; im Endausbau Wohn- und Arbeitsort für über 10'000 Menschen
- Gundeldingen – Quartier der Stadt Basel
- Heiden AR – nach dem Brand von 1838 in regelmäßiger klassizistisch-biedermeierlicher Anlage wieder aufgebautes Dorf
- La Chaux-de-Fonds – nach dem Brand von 1795 in rechtwinkliger Bauweise neu errichtete Stadt (siehe Abbildung)
- Le Locle – nach dem Brand von 1833 im Schachbrettgrundriss wieder aufgebaut
- Seewis im Prättigau – nach dem Brand von 1863 im Schachbrettmuster neu errichtetes Dorf
Sonstiges Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Belgien
- Louvain-la-Neuve, die neue Universitätsstadt, die Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre nach der sprachenbedingten Spaltung der Katholischen Universität Löwen für die französischsprachige Universität gegründet wurde
- Bulgarien
- Dimitrowgrad – ab 1947 errichtete sozialistische Industriestadt
- Stara Sagora – während des Russisch-Türkischen Krieges 1877–1878 wurde die Stadt von den Türken fast völlig zerstört, danach mit breiten rechtwinklig angeordneten Straßen wiederaufgebaut und erweitert
- Dänemark
- Fredericia – 1650 gegründete Barockstadt
- Christiansfeld – 1773 gegründete Stadt der Herrnhuter Brüdergemeine
- Ørestad – seit 1992 entstehender neuer Stadtteil der Hauptstadt Kopenhagen
- Finnland
- Helsinki – 1812 wurde der zuvor wenig bedeutende Ort Hauptstadt des Großherzogtums Finnland und nach Plänen von Carl Ludwig Engel neu aufgebaut.
- Vaasa – 1862 als Nikolaistad (Nikolainkaupunki) im Empirestil errichtet, nachdem die 7 km entfernte Vorgängerstadt einem Brand zum Opfer gefallen war
- Frankreich
- Königliche Saline in Arc-et-Senans (Frankreich) – Anlage einer Idealstadt mit Fabrik- und Wohngebäuden
- Le Havre – zweifache Planstadt: 1517/18 als militärische Hafenstadt; nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1945–54 im modernen Stil planmäßig neu aufgebaut (maßgeblicher Architekt war Auguste Perret)
- Neuf-Brisach – die Stadt im Elsass gilt als größte barocke Festungsstadt
- Phalsbourg – 1570 von Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz als Zufluchtsort für Protestanten aus dem Herzogtum Lothringen gegründet
- Richelieu – ab 1631 errichtet als barocke Idealstadt auf Befehl des Kardinals Richelieu
- Großbritannien
Siehe oben unter New Town.
- Italien
- Cervia – Planstadt mit rechteckigem Grundriss; 1697 von Papst Innozenz XII. gegründet
- Grammichele – nach einem Erdbeben 1693 in Form eines Sechsecks wiederaufgebaut
- Latina – die erste Retortenstadt im Italien unter Mussolini nach der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe
- Palmanova – sternförmige Planstadt aus dem 16. Jahrhundert
- Pomezia – faschistische Stadtneugründung von 1938
- Sabaudia – faschistische Retortenstadt von 1933
- San Giovanni Valdarno – mittelalterliche Planstadt vom Typus der florentinischen Terra nuova
- Kroatien
- Karlovac – sternförmige Planstadt, gegründet 1579 durch und benannt nach dem steirischen Erzherzog Karl II. von Innerösterreich
- Malta
- Valletta – die 1566 konzipierte Hauptstadt gilt als erste Planstadt nach der Antike
- Niederlande
- Almere, Emmeloord, Lelystad und Dronten – im 20. Jahrhundert in den Poldern der Provinz Flevoland gegründet. Das gesamte Land dieser Provinz wurde trockengelegt, damit sind nicht nur die Städte, sondern auch die Provinz selbst die Frucht einer Planung.
- Polen
- Frampol – 1705 von Franciszek Butler gegründet (anderen Quellen zufolge erfolgte die Gründung 1717 durch Marek Antoni Butler)
- Nowa Huta – 1949 als Standort eines Eisenhüttenkombinats erbaut, 1951 als Stadtteil nach Krakau eingemeindet
- Tychy – 1467 erstmals urkundlich erwähnt und ab 1629 Standort der Brauerei Tyskie, zwischen 1951 und 1965 nach Vorstellungen einer realsozialistischen Großstadt großflächig ausgebaut
- Zamość – 1578 im Auftrag von Jan Zamoyski, nach den Vorstellungen des venezianischen Baumeisters Bernardo Morando, im Stil der italienischen Renaissance erbaut
- Rumänien
- Hunedoara – durch die Ansiedlung eines Eisenhüttenwerks entstand eine sozialistische Stadt
- Russland
- Jekaterinburg – 1723 angelegt als Fabrik- und Festungsstadt mit rechtwinkligem Straßennetz
- Sankt Petersburg – ab 1706 angelegt unter Peter dem Großen, ab 1712 Hauptstadt des Russischen Zarentums
- Toljatti – 1955 angelegt, nachdem die Vorgängerstadt Stawropol im Kuibyschewer Stausee untergegangen war
- Schweden
- Borgholm – ab 1816 neu angelegte Stadt
- Kalmar – 1647–1657 Neuanlage der Stadt auf der Insel Kvarnholmen nach den Zerstörungen des Kalmarkrieges 1622–1613 und des Brandes von 1647
- Karlskrona – 1679 von König Karl XI. gegründete Marinebasis
- Serbien
- Novi Beograd – im nachkriegszeitlichen Jugoslawien nach den Prinzipien Le Corbusiers erbauter, nördlich der Save gelegener Stadtteil
- Spanien
- Ampuriabrava – Costa Brava, Katalonien, 1960
- Eixample – im 19. Jahrhundert entstandener Stadtteil Barcelonas, charakteristisch sind die quadratischen Häuserblocks mit den abgeschrägten Ecken (Chaflanes) und vielen modernistischen Bauten
- La Carolina – im 18. Jahrhundert für süddeutsche Siedler errichtete Stadt in der Provinz Jaén
- Tschechien
- Most – Neuerrichtung der Stadt zwischen 1967 und 1982 als sozialistische Stadt, nachdem zuvor die Altstadt aufgrund des Kohlebergbaues nahezu komplett abgerissen wurde
- Zlín (1949–1990: Gottwaldov) – ab 1923 angelegt für die Bata-Schuhwerke und ihre Arbeiter; der Stadtplan folgt einem Entwurf von Le Corbusier
- Ukraine
- Dnipro (ursprünglich Jekaterinoslaw, später Dnipropetrowsk) – 1787 gegründet von Katharina der Großen als Hauptstadt des Gouvernements Neurussland
- Prypjat – 1970 gegründete sozialistische Stadt als Wohnort für die Arbeiter des Kernkraftwerkes Tschernobyl
- Slawutytsch – nach dem Unglück von Tschernobyl 1986–1988 erbaute sowjetische Musterstadt
- Ungarn
- Kazincbarcika – als Bergwerk- und Chemiestandort ab 1951 errichtete sozialistische Stadt
- Dunaújváros – erste sozialistische Stadt Ungarns (bis 1961 Sztálinváros), ab 1949 mit der Errichtung eines Eisenhüttenwerkes entstanden
Asien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Israel
In Israel wurden 30 Planstädte gegründet, davon 19 ohne alten Siedlungskern. Beispiele:
- Aschdod – zweite Hafenstadt Israels
- El’ad – 1998 gegründete Stadt für ultraorthodoxe Juden
- Modi’in – wurde 1996 gegründet und liegt zwischen Jerusalem und Tel Aviv
- übriges Vorderasien
- Bagdad, Irak – 762 n. Chr. als kreisrunde Stadt und Zentrum der neuen Kalifendynastie der Abbasiden entworfen
- King Abdullah Economic City, Saudi-Arabien – eine Hafenstadt am Roten Meer, die 2 Millionen Einwohner haben soll (noch im Bau)
- Masdar, Vereinigte Arabische Emirate – geplante Ökostadt im Emirat Abu Dhabi
- Neom, Saudi-Arabien – geplante Megastadt für die Ära nach der Erdölförderung an der Küste des Roten Meeres
- Persepolis – 520 v. Chr. gegründet als Hauptstadt des Achämenidenreichs, 330 v. Chr. von den Truppen Alexanders des Großen zerstört
- Rawabi im Westjordanland, Palästinensische Autonomiegebiete – seit Januar 2010 im Bau
- Südasien
- Chandigarh, Indien – neue Hauptstadt der Bundesstaaten Punjab und Haryana, entworfen von Le Corbusier
- Islamabad, Pakistan – die Hauptstadt wurde ab 1960 nach den Entwürfen des griechischen Stadtplaners Konstantinos A. Doxiadis gebaut
- Navi Mumbai, Indien – größte moderne Planstadt der Welt mit rund 1,1 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011) auf 344 km² Fläche
- Neu-Delhi – 1911–31 unter britischer Herrschaft errichtete Planhauptstadt Indiens
- Ostasien
- In China wurden in den 2000er-Jahren mehrere neue Städte für jeweils mehrere hunderttausend, zum Teil sogar eine Million Einwohner angelegt. Diese wurden komplett mit öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsinfrastruktur fertiggestellt, bevor die ersten Einwohner einzogen. Einige waren noch Jahre nach der Fertigstellung „Geisterstädte“. Beispiele sind:
- Die Planstadt Kangbashi, Teil der bezirksfreien Stadt Ordos in der Inneren Mongolei (VR China) hat Bekanntheit als „Geisterstadt“ erlangt. Sie wurde in den 2000er-Jahren für 300.000 Bewohner angelegt, mit Bibliothek, Opernhaus und fünfgeschossigem Einkaufszentrum, hatte zunächst aber nur eine Bevölkerung von 5.000. Um 2015 wurde die Kapazität nochmals auf eine Million erweitert, die offizielle Einwohnerzahl betrug im Jahr 2017 rund 153.000.
- Lingang New City, Volksrepublik China – Stadt im Bau (2003–2020), 60 km von Shanghai; konzentrisch um einen künstlichen See, soll bis zu 800.000 Einwohner haben
- Neues Gebiet Zhengdong, Zhengzhou (Provinz Henan), in den 2000er-Jahren angelegt, war zunächst ein ähnlicher Fall wie Kangbashi, hat inzwischen aber eine nennenswerte Einwohnerentwicklung
- in Hongkong wurden seit den 1970er Jahren planmäßig neun sogenannte New Towns erbaut, in denen mittlerweile knapp die Hälfte der Hongkonger Bevölkerung lebt.
- Sejong, Südkorea – neues Verwaltungszentrum
- Songdo City, Südkorea – Teil der Stadt Incheon, Bauzeit 2003–2020, Freihandelszone auf Polderflächen
- Südostasien
Afrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Abuja – Hauptstadt von Nigeria (seit 1991), erbaut in den 1980er-Jahren
- Alexandria – gegründet am 7. April 331 v. Chr. durch Alexander den Großen
- Amarna (Achet-Aton) – geplante Hauptstadt des altägyptischen Königs Echnaton aus dem 14. Jahrhundert v. Chr.
- Ciudad de la Paz – geplante neue Hauptstadt von Äquatorialguinea
- Madinat as-Sadis min Uktubar (Stadt des 6. Oktober; 6th of October City) – 1979 unter Präsident Anwar as-Sadat gegründete Satellitenstadt für das überbevölkerte Kairo
- Pretoria – 1855 vom späteren südafrikanischen Präsidenten Marthinus Wessel Pretorius gegründet, 1860 zur Hauptstadt ernannt
- Yamoussoukro – ab 1965 wurde der Geburtsort des ivorischen Präsidenten Félix Houphouët-Boigny planmäßig zur Stadt erweitert, 1983 zur Hauptstadt des Landes ernannt
Amerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Nordamerika
- New York – der zentrale Stadtteil Manhattan erhielt am Beginn der Wachstumsphase im frühen 19. Jahrhundert eine streng geometrische Ausrichtung mit Nummerierung der Baublöcke und Straßen bis weit in den unbesiedelten Norden der Insel
- Washington, D.C. – Hauptstadt der Vereinigten Staaten seit 1800
- Reston, Virginia – 1964 gegründet vom Immobilienunternehmer Robert E. Simon
- California City, Kalifornien – von einem Immobilienentwickler ab 1958 geplant
- Westlake Village, Kalifornien – seit 1770 ursprünglich von Europäern besiedeltes Gebiet, 1963 von einer Reederei gekauft und umgebaut, aber erst 1981 als eigenständige Stadt Westlake Village eingetragen
- Irvine, Kalifornien – 1960 auf einer 37.636 ha großen Ranch gebaut
- Celebration, Florida – 1994 von der Walt Disney Company gebaut
- Mililani, Hawaii – 1967–2008 auf Ananasplantagen errichtet
- Zentralamerika und Karibik
- Cancún, Mexiko – ab 1969 systematisch angelegter Urlaubsort
- Frederiksted – im 18. Jahrhundert errichtetes Städtchen im damaligen Dänisch-Westindien.
- Südamerika
- Belo Horizonte, Brasilien – Hauptstadt des Bundesstaats Minas Gerais, gegründet 1897
- Brasília – Hauptstadt Brasiliens seit 1960, für die Planung verantwortlich war Oscar Niemeyer
- Ciudad Caribia, Venezuela – Planstadt bei Caracas, Bauzeit seit 2006
- La Plata, Argentinien – Hauptstadt der Provinz Buenos Aires seit 1884
- Lima – koloniale Stadtgründung des Eroberers Francisco Pizarro, 1535 unter dem Namen Ciudad de los Reyes, fünf Jahre später wurde sie Hauptstadt des Vizekönigreichs Peru
- Santiago de Chile – koloniale Planstadt (1541 gegründet) mit rechtwinkliger Gitternetz-Struktur
- Sucre (ehemals La Plata) – koloniale Planstadt (1538 gegründet) mit Gitternetz-Grundriss
Australien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Canberra – Hauptstadt Australiens seit 1913
- Anmerkung: Die Aufzählung ist möglicherweise unvollständig.
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Retortenstadt in duden.de, abgerufen am 6. November 2013
- ↑ a b Winston W. Crouch, Richard Bigger: Metropolitan Decentralization: Britain's New Towns Program. In: The Western Political Quarterly, Vol. 3, Nr. 2, Juni 1950, S. 244–261.
- ↑ Lloyd Rodwin: The British New Towns Policy: Problems and Implications. Harvard University Press, Cambridge 1956.
- ↑ Gazetteer for Scotland: Dalgety Bay, abgerufen 28. Januar 2014
- ↑ Kann man in Halle-Neustadt küssen?, in Die Welt vom 15. Juli 2014