Nxt (Kryptowährung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nxt
Nxt logo blue 300px.png
Symbol Nxt
Erscheinungsjahr 2013
Blockchain ja
Mining nein
Website www.nxt.org
Nxt
Basisdaten

Entwickler BCNext und andere
Aktuelle Version 1.11.10
(18. November 2017)
Betriebssystem Windows, Linux, macOS
Programmiersprache Java
Kategorie elektronisches Geld
Lizenz GPL (seit 1.5)[1]

MIT (bis 1.5)

deutschsprachig ja
https://nxt.org/

Nxt ist eine 2013 eingeführte Kryptowährung, die von einer dezentralen Community weiterentwickelt wird und auf dem Proof-of-Stake-Ansatz (PoS) aufbaut. Da Nxt im Gegensatz zu Bitcoin auf einem anderen Sicherheitskonzept und eigenem Programmiercode basiert, wird sie auch als Kryptowährung der zweiten Generation bezeichnet.[2]

Neben der Funktion als Zahlungssystem bietet Nxt dezentrale Marktplatzfunktionen, eine Nachrichtenfunktion und ein dezentrales Alias-System (DNS). Die Nxt-Technik kann für weitere Projekte wie etwa twitterähnliche soziale Netzwerke genutzt werden, die auf dem Nxt-Netzwerk basieren.[3][4] Im Januar 2018 lag NXT hinsichtlich globalem Marktanteil auf Platz 73.[5]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. September 2013 kündigte eine Person unter dem Pseudonym BCNext im Bitcoin-Forum Bitcointalk die Entwicklung von Nxt an und bat um unterstützende Spenden in Bitcoins. Wer spendete, durfte über die zu entwickelnden Eigenschaften der neuen Kryptowährung abstimmen und erhielt Anteile an der Währung. Am 18. November 2013 endete die Phase der Anteilsvergabe, insgesamt wurden 21 BTC gespendet. BCNext zog sich am 14. November 2013 aus der direkten Kommunikation mit der neu entstandenen Gemeinschaft zurück und kommunizierte seitdem vorwiegend mit einem Softwareentwickler der Community im Privaten, tauschte sich über diesen aber auch mit anderen Teilnehmern aus. Am 24. November 2013 wurde der Genesis-Block, der erste Block der Blockchain, veröffentlicht. Eine Milliarde Währungseinheiten wurden bei diesem Vorgang an die einzelnen Spender gemäß ihrer zuvor eingebrachten Anteile verteilt.

Am 3. Januar 2014 wurde der Quellcode von Nxt in Teilen veröffentlicht und in den folgenden Tagen von verschiedenen Entwicklern auf Fehler und versteckte Eigenschaften untersucht.[6] Am 1. März 2014 wurde der komplette Quellcode als Open-Source-Software unter der MIT-Lizenz veröffentlicht.[7] Die Gemeinschaft entwickelt seitdem weitere Features von Nxt, die nach und nach in den Code integriert werden. 2015 wurde mit der Version 1.5 die Lizenz der Software in die GNU General Public License geändert.[1][8]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proof-of-Stake[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit die Teilnehmer am Nxt-System einzelnen Transaktionen vertrauen können, müssen diese jeweils von mehreren Nutzern bestätigt und in die Blockchain geschrieben werden. Für die Aufrechterhaltung dieses Systems müssen Anreize geschaffen werden. Beim Bitcoin nennt man den Vorgang, bei dem neue Bitcoins erschaffen werden, Mining. Pro Block wird eine festgelegte Anzahl Münzen bei diesem Proof-of-Work-Prinzip (PoW; Arbeitsnachweis) demjenigen übergeben, der eine vorgegebene Rechenaufgabe am schnellsten löst und damit den Block „findet“. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit höherer Rechenleistung.

Im Gegensatz zu diesem des Bitcoins und seinen alternativen Derivaten wird bei Nxt das Proof-of-Stake-Prinzip (PoS; Anteilsnachweis) angewandt, welches erstmals 2012 bei Peercoin (PPC) eingesetzt wurde. Hier steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Block zu finden, mit der Menge der gehaltenen Münzen statt mit der Rechenleistung.[9] Dadurch entfallen die energieintensiven Rechenoperationen, Nxt benötigt daher für die Aufrechterhaltung des Transaktionssystems deutlich weniger Energie als das Bitcoin-System. Der sogenannte 51-%-Angriff mit einer großen Menge Rechenleistung ist bei PoS nicht möglich. Dennoch sind bei einer sehr hohen Menge gehaltener Münzen vergleichbare Angriffsszenarien möglich.

Forging[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Nxt sind – anders als bei Bitcoin und Peercoin – alle Münzen schon von Anfang an vorhanden, es können keine neuen Münzen durch Mining entstehen. Der Anreiz, durch das Aufsetzen eines eigenen Knotenpunktes am System teilzunehmen und das Netzwerk zu stärken, ergibt sich aus der Aussicht, Transaktionsgebühren zu verdienen. Dies geschieht durch das sogenannte Forging: Beim Überweisen von Nxt werden geringe Transaktionsgebühren erhoben. Beim Forging („Schmieden“) werden die Transaktionsgebühren der letzten Überweisungen demjenigen zugesprochen, welcher den letzten Block mittels des Proof-of-Stake-Prinzips „gefunden“ hat.[10]

Kritiker wenden ein, dass dadurch nur der zu Geld komme, der entsprechend in Vorleistung trete und große Mengen an Nxt horte. Befürworter entgegnen, wer mit Bitcoin-Mining Geld verdienen möchte, müsse ebenfalls in Vorleistung treten und teure Mining-Hardware kaufen, die zudem große Mengen an Energie verbrauche.

Durch das in der Entwicklung befindliche transparent forging wird sichergestellt, dass nur diejenigen Besitzer auch an den Transaktionsgebühren verdienen, die durch die aktive Verifikation der einzelnen Transaktionen an der Stabilität des Systems mitwirken. Gleichzeitig wird dabei auch dafür gesorgt, dass die Forging-Möglichkeit eines Forgers auf Null gesetzt wird, wenn er einen Block erstellen sollte, dies aber nicht tut. Durch diese Neuentwicklung kann sogar bei einer Attacke von 90 % aller NXTCoins das Netzwerk aufrechterhalten werden.

Der PoS-Algorithmus von Nxt kann auf einem Smartphone oder einem Einplatinencomputer wie dem Raspberry Pi zum Laufen gebracht werden und im Hintergrund auf vielen Plattformen laufen, ohne den normalen Betrieb des Rechners zu behindern.

Brain-Wallet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standard-Client nutzt ein sogenanntes Brain-Wallet. Dies bedeutet, dass die Eingabe eines Passworts zum Zugriff auf die Geldbörse genügt. Da keine weitere Hürde (etwa die Kenntnis eines Benutzernamens) besteht, muss dabei ein sehr sicheres Passwort verwendet werden. Wenn in den Nxt-Clients ein Passwort eingegeben wird, das weniger als 35 Zeichen hat, erscheint eine Warnung.

Empfohlen wird eine zufällige Zeichenkombination von 50 bis 60 Zeichen; damit sinkt das Risiko, Opfer einer Brute-Force-Attacke zu werden. Open-Source-Software wie KeePass erzeugt starke Passwörter und erlaubt gleichzeitig die verschlüsselte Speicherung auf dem lokalen Rechner.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteile gegenüber Bitcoin und anderen Kryptowährungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geringerer Speicherbedarf der Blockchain
  • Geringerer Energieverbrauch des Netzwerkes
  • Nxt benötigt nur zehn Prozent der Bandbreite von BTC
  • Es ist nicht möglich, die Blockchain durch einen 51-%-Angriff (die Bereitstellung der Mehrheit der Rechenleistung) zu manipulieren

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Proof-of-Stake-System bietet möglicherweise neue Angriffsmöglichkeiten wie den Nothing-at-Stake-Angriff,[11] der jedoch bisher nie ausgeführt wurde.

Erweiterte Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nxt ist nicht nur ein Zahlungssystem, sondern ein komplettes Ökosystem für neuartige Geschäftsfelder. Diese können auf die bestehende Struktur zurückgreifen und eigene Dienste auf das bestehende System bauen. Nxt bietet zum Beispiel auch ein Alias-System an, mit dem man ein dezentrales DNS-System aufbauen kann. Ebenfalls werden dezentrale Marktplätze für sogenannte Assets, handelbare Anteile von Projekten oder Unternehmen, und digitale Güter bereitgestellt.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Nxt-System wurde von Kritikern vorgeworfen, die bereits bei der Veröffentlichung erfolgte Vergabe aller Währungseinheiten (Premining) an Investoren sei ungerecht und führe zu einer Konzentration der Nxt-Coins auf wenige Personen. Nach der Ankündigung des Nxt-Projekts durch seinen Erfinder BCnext stand es allen Interessierten offen, sich Anteile an diesem neuen System durch Bitcoins zu kaufen. Insgesamt nutzten 73 Menschen dieses Angebot.

Weiterentwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kryptowährung NEM war als Verbesserung von Nxt gedacht.[12][13]

Weitere Unternehmen können als "Blockchain Dienstleister" auf der NXT Technologie ihre eigene Blockchain (Child Chains) aufsetzen.[14]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Snapshot – Nxt-unsurpassable blockchain solutions", Valeur d´histoire 2017, 228 Seiten, ISBN 978-2-970094-784
  • Joaquin Garcia-Alfaro, Guillermo Navarro-Arribas, Hannes Hartenstein, Jordi Herrera-Joancomartí: "Data Privacy Management, Cryptocurrencies and Blockchain Technology: ESORICS 2017 International Workshops, DPM 2017 and CBT 2017, Oslo, Norway, September 14-15, 2017, Proceedings", Springer 2017, 446 Seiten, ISBN 978-3-31967-816-0
  • Jonathan Katz, Hovav Shacham: "Advances in Cryptology – CRYPTO 2017: 37th Annual International Cryptology Conference, Santa Barbara, CA, USA, August 20–24, 2017, Proceedings, Teil 1, Band 10401 von Lecture Notes in Computer Science", Springer 2017, 793 Seiten, ISSN 0302-9743, ISBN 978-3-31963-688-7
  • Tobias Zepf: "Blockchain. Technologien, Innovationen und Anwendungen: Was verbirgt sich hinter der Blockchain-Technologie und was sind ihre Implikationen für die Effizienz und den Aufbau der Gesellschaft?", GRIN Verlag Bachelorarbeit Frankfurt, Februar 2016, 55 Seiten, ISBN 978-3-66820-134-7
  • Devin Williams: "Cryptocurrency Compendium: A Reference for Digital Currencies", Lulu.com 2017, 282 Seiten, ISBN 978-1-38705-597-5
  • "Crypto Coins – Investieren in digitale Währungen", FinanzBuch Verlag 2017, 192 Seiten, ISBN 978-3-95972-064-9
  • Daniel Kerscher: "Handbuch der digitalen Währungen", Kemacon, 232 Seiten, ISBN 978-3-98160-173-2
  • YouTube-Video "Nxt Dezentralisierung der Zukunft" (Originaltitel: "Nxt generation of kryptocurrency"), veröffentlicht von Thomas Schromm am 10. Oktober 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nxt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lizenz von Nxt, Sourcecode auf BitBucket
  2. Stefan Mey: Ripple, Litecoin und Co.: Die wichtigsten und wertvollsten Bitcoin-Alternativen. In: Spiegel.de. 27. Februar 2014, abgerufen am 7. März 2014.
  3. Thomas Seneca: Whats NXT in the World of Cryptocurrencies? In: Cryptocoins News. 17. Januar 2014, abgerufen am 10. März 2014.
  4. Ron Finberg: Digital Currencies 2.0: Meet NXT, the ‘Next’ Ripple. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dcmagnates.com. 9. Januar 2014, ehemals im Original; abgerufen am 10. März 2014.@1@2Vorlage:Toter Link/www.dcmagnates.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Lawrence White: The Market for Cryptocurrencies. In: Cato Journal. Band 35, Nr. 2, 2015, ISSN 0273-3072, S. 386 (Online).
  6. NXT Official Launch – NXT Generation of Cryptocurrency Begins Now. (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive)
  7. Open source cryptocurrency Nxt is now finishing testing Asset Exchange and was added on Cryptsy. In: CryptoSource. 4. März 2014, abgerufen am 10. März 2014.
  8. Notice to NXT clone creators, Ankündigung des Hauptentwicklers auf nxtforum.org
  9. What Proof of Stake is and why it matters, Bitcoin Magazine, abgerufen am 31. Dezember 2015
  10. Proof of Stake@1@2Vorlage:Toter Link/nxt.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Beschreibung des Proof-of-Stake-Systems bei nxt.org, abgerufen am 31. Dezember 2015
  11. Nicolas Houy: It Will Cost You Nothing to 'Kill' a Proof-of-Stake Crypto-Currency, Lyon 2014
  12. Bitcoin, Ether und mehr: Die 10 größten Kryptowährungen der Welt (t3n vom 6. März 2017, abgerufen am 15. Oktober 2017)
  13. Dollar und Euro waren gestern: Bitcoin & Co. im Vormarsch! (finanzfernsehen.de vom Mai 2017, abgerufen am 15. Oktober 2017)
  14. Übersicht Kryptowährungen (blockchain-nachrichten.com, abgerufen am 15. Oktober 2017)