Oblation (Kloster)

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Oblation (unbekannter Bologneser Maler, 14.   Jahrhundert); in: Decretum Gratiani, Causa XX. UB Leipzig, Rep. II 9b (CCXLIII), fol. 200v

Oblation war seit dem frühen bis ins hohe Mittelalter eine Form des Klostereintritts und bezeichnete insbesondere die Darbringung eines Kindes in ein Kloster bzw. seine Bestimmung durch die Eltern zum Klosterleben.

Nach der Antike entstanden verschiedene soziale Institutionalisierungen lang dauernder Trennung der Kinder von ihren Eltern, darunter das Oblatenwesen (oblatio). Kleine Kinder wurden dabei von den Eltern in ein Kloster gegeben, wo sie aufwuchsen, um Mönch oder Nonne zu werden – unabhängig von ihrer Zustimmung.[1]:17ff.[2]:228ff. Die Benediktsregel (Kapitel 59) aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts erlaubte es Eltern aller Schichten, ihre Kinder beliebigen Alters in ein Kloster zu geben[1]:17[3]. Die lateinische Bezeichnung dieses Vorgangs beschreibt den Akt als Opferung des Kindes an Gott.[2]:298 Die Oblation wurde von den Eltern auch dafür genutzt, missgestaltete Kinder und „überzählige“ Töchter loszuwerden.[4]:303[2]:299 Die Übergabe galt kirchenrechtlich bis ins späte 12. Jahrhundert als unwiderruflich. Die übergebenden Väter gelobten nach einer Formel aus dem 9. Jahrhundert:

„Und damit diese Übergabe unerschütterlich bleibe, verspreche ich unter Eid vor Gott und seinen Engeln, daß ich ihn [das Kind] niemals weder selbst noch durch eine Mittelsperson noch auf irgendeine Weise durch mein Vermögen irgendeine Gelegenheit zum Austritt geben werde.“

[4]:303[2]:233

Sollte das Kind später dagegen verstoßen, drohte die Exkommunikation, wie im 4. Konzil von Toledo im Jahr 633 festgelegt. Eine Oblation wurde rigoros durchgesetzt, auch wenn Betroffene als Erwachsene das Kloster verlassen wollten und gegen den ihnen von ihren Eltern auferlegten Zwang Rechtsmittel einlegten.[2]:245ff. Oblationen wurden in der zweiten Hälfte des Mittelalters allerdings seltener.[2]:317

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die durch Oblation ins Kloster kamen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b John Eastburn Boswell: Expositio and Oblatio: The Abandonment of Children and the Ancient and Medieval Family. The American Historical Review 89. 1984.
  2. a b c d e f John Eastburn Boswell: The Kindness of Strangers: The Abandonment of Children in Western Europe from Late Antiquity to the Renaissance. New York. 1988.
  3. Kapitel 59: Die Aufnahme von Kindern
  4. a b Albrecht Peiper: Chronik der Kinderheilkunde. 4. Auflage. Leipzig. 1966.