Orgel der Berchumer Kirche

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Orgel der Berchumer Kirche
Orgel Berchum.tif
Allgemeines
Ort Hagen-Berchum
Orgelerbauer Unbekannt
Baujahr 1732
Letzte(r) Umbau/Restaurierung 1976 durch Klaus Becker
Epoche Barock
Orgellandschaft Westfalen
Technische Daten
Anzahl der Register 12
Anzahl der Pfeifenreihen 17
Anzahl der Manuale 2
Evangelische Kirche Berchum
Entwurfszeichnung der für die Orgel neu gebauten Empore von 1828

Die Orgel der Berchumer Kirche verfügt über einen barocken Prospekt von 1732. Dabei handelt es sich um einen der seltenen historischen Spiegelprospekte: Vier der acht kleineren Pfeifenfelder sind mit hängenden Pfeifen bestückt. Nach ihrer Restaurierung war die Orgel im Dezember 1976 bei den ersten Tagen Alter Musik in Herne der klingende Mittelpunkt beim Eröffnungskonzert und zugleich auch das erste Plakatmotiv dieser renommierten Festivalreihe.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neubau 1732[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1732 für die Dortmunder Petrikirche als zweimanualiges Instrument von einem unbekannten Orgelbauer gebaut. Der Orgelbauer G.A. Wild reparierte sie im Jahre 1806 und erweiterte sie um ein Pedal mit drei Registern. Im Jahre 1828 wurde das Instrument für 300 Taler in Teilen an die Evangelische Kirchengemeinde Berchum verkauft.

Umbau 1828 durch Mellmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Instrument wurde durch den Dortmunder Orgelbauer Mellmann nach Berchum transportiert und dort auf einer zu diesem Zweck neu errichteten Empore aufgebaut. Bei dieser Gelegenheit wurde das komplette Untergehäuse des barocken Prospekts entfernt, das Obergehäuse ca. 1 m tiefer direkt auf die Emporenbrüstung gesetzt und der Spieltisch seitlich in das Gehäuse eingelassen. Das nunmehr nur noch einmanualige Instrument hatte nach dem Einbau in der Berchumer Kirche die folgende neue Disposition:

1. Prinzipal 4′
2. gedacht 8′
3. Quintatön 8′
4. flauto 8′
5. flauto 4′
6. Oktave 2′
7. Mixtur III

Weitere Umbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1858 baute der Dortmunder Orgelbauer Carl Herbst wieder ein zweites Manual ein. Er fügte dabei aber keine neuen Register hinzu, sondern verteilte die vorhandenen Register auf zwei Manuale, mit Ausnahme des Quintatön 8′. Dieses Register baute er zu einem Bordun 16′ für ein Pedal um. Dieses hatte nur einen Tonumfang von anderthalb Oktaven (von C bis f) und sehr geringe Tastenabstände, um angesichts der schmalen Empore nicht über die Manualklaviaturen des seitlich in das Orgelgehäuse eingelassenen Spieltisches hinauszuragen. Alle weiteren kleineren Maßnahmen der folgenden 120 Jahre konnten die Probleme einer wegen ihrer Schwergängigkeit fast nicht bedienbaren Traktur und starker klanglicher Unausgewogenheit nicht beseitigen.

Restaurierung 1976 durch Klaus Becker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich der Erneuerung des Kirchengewölbes wurde die inzwischen fast untauglich gewordene Orgel von Klaus Becker Orgelbau (Kupfermühle bei Hamburg) von Grund auf erneuert. Leider waren nur noch wenige brauchbare Pfeifen erhalten, so dass man sich für einen fast vollständigen Neubau des Pfeifenwerks nach barocken Prinzipien entscheiden musste. Der barocke Prospekt wurde wieder um ein Untergehäuse ergänzt, der Spieltisch wurde vorne am Instrument angebracht, was eine Erweiterung der sehr schmalen Empore von 1828 notwendig machte, die hölzernen Prospektteile inklusive der Schleierbretter wurden von dicken Farbschichten befreit und der starke Holzwurmbefall bekämpft. Die durchweg stummen Prospektpfeifen, die zum Teil auch nur metallisch bemalte Holzattrappen gewesen waren, wurden durch klingende Pfeifen ersetzt.

Disposition seit 1976[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I Hauptwerk C–d3
1. Rohrflöte 8′
2. Principal 4′
3. Waldflöte 2′
4. Mixtur III–IV 113
II Brustwerk C–d3
5. Holzgedackt 8′
6. Blockflöte 4′
7. Principal 2′
8. Sesquialter II
9. Scharf III
Pedal C–f1
10. Subbass 16′
11. Pommer 8′
12. Choralbass 4′

Vorstellung bei den ersten „Tagen Alter Musik in Herne“ 1976[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die neue Qualität des Instrumentes auch in klanglicher Hinsicht spricht seine Präsentation beim Auftaktkonzert des Herner Musikfestivals vom 2. bis 5. Dezember 1976, in dem es vom Mitinitiator der „Tage Alter Musik“, Kirchenmusikdirektor Burghard Schloemann, zum ersten Mal wieder konzertant gespielt wurde.[1] Die Orgel konnte dann am 19. Dezember 1976 wieder in den Dienst der Berchumer Gemeinde gestellt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orgel der Petrikirche Dortmund. In: Rudolf Reuter: Orgeln in Westfalen. Inventar historischer Orgeln in Westfalen und Lippe. Bärenreiter, Kassel, Basel, Paris, London, New York 1965, S. 32.
  • Archiv der Ev. Kirchengemeinde Berchum, aufbereitet in: Peter Ulrich Schmithals: Die alte Orgel. In: 250 Jahre Berchumer Kirche. Hagen-Berchum 1981, S. 31.
  • Jost Schmithals: Die Orgel heute. In: Presbyterium der Evang. Kirchengemeinde Berchum (Hrsg.): 250 Jahre Berchumer Kirche. Hagen-Berchum 1981, S. 36.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pipe Organ of Protestant Church (Berchum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archiv der Stadt Herne zur Stadtgeschichte, gesehen 19. März 2011.