Orgel der Pfarrkirche St. Martin (Düdelingen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Blick auf die Orgel von St. Martin (Düdelingen)

Die Stahlhuth-Orgel ist eine von Georg und Eduard Stahlhuth in der Pfarrkirche St. Martin in Düdelingen, Luxemburg gebaute Orgel. Die Orgel gilt als eine der größten und schönsten in ganz Luxemburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieltisch der Orgel

Nach dem Bau der neuen im neogotischen Stil errichteten Pfarrkirche St. Martin beschlossen die Stadt Düdelingen und die Pfarrei, eine neue, dem Ort angemessene Orgel anzuschaffen. Eine Orgelkommission zum „Vorstudium des projektierten Orgelbaues“ wurde eigens zu diesem Zweck im Jahr 1911 eingesetzt. Nach einem heftigen Streit zwischen dem Stadtarchitekten, Mitgliedern des Stadtrates und der Orgelkommission schrieb man den Auftrag schließlich aus. Hervorzuheben ist hierbei, dass die Stadt Düdelingen als alleiniger Auftraggeber und Finanzier auftrat.[1] Dem Orgelbauer wurden hinsichtlich der Disposition der Orgel keinerlei Grenzen gesetzt, doch gab es strikte Vorgaben hinsichtlich der zu verwendenden Materialien und der allgemeinen Ästhetik.[2]

Kriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auflistung der zu erfüllenden Kriterien: 1. Ausschreibung nach dem Internationalen Regulativ für Orgelbau. 2. Verwendung erstklassiger Materialien. 3. Ein hoher Anteil an 16′- und 8′-Registern. Verwendung typisch deutsch-romantischer Klangelemente, z. B. Rollschweller, Kegelladen und Pneumatik 4. Anleihen aus dem englischen Orgelbau: doppelte Prinzipalbesetzung, Tuba mirabilis, Oboe 8′ englischer Konstruktion und Wassermotoren. 5. Explizit geforderte französische Eigenschaften im Hauptwerk: Trompete 8′ und Clarinette 8′. 6. Ausstattung der Orgel mit zwei Schwellkästen.[3]

Auswahl und Fertigstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sieben Orgelbauer reichten daraufhin Kostenvoranschläge bei der Gemeinde ein: Steinmeyer, Seifert, Schlag & Söhne, Walcker, Voit, Stahlhuth und Dalstein.[4] Steinmeyer und Seifert fielen aufgrund des hohen Preises weg. Bei Voit wurde die Qualität der Arbeit bezweifelt. Schlag und Söhne ignorierte die gestellten Bedingungen und wurde deshalb nicht in Betracht gezogen. Bei Walcker und Dalstein bemängelte man teilweise minderwertige Materialien, unzureichende Motorkraft und abgelehnte Garantieforderungen. Einzig Stahlhuths Kostenvoranschlag wurde als empfehlenswert angesehen.[5] Stahlhuth, ein Orgelvirtuose, der im deutschen wie im französischen Orgelbau gleich gut bewandert war und profunde Kenntnisse der englischen Orgeltechnik besaß, bekam schließlich den Zuschlag.[6] Am 11. August 1911 wurde Stahlhut offiziell vom Stadtrat beauftragt.[7] Am 28. Juli 1912 wurde die Orgel mit einem Konzert in der Düdelinger Kirche feierlich eingeweiht.[8] Die Firma Stahlhuth sollte den Unterhalt der Orgel vertraglich übernehmen, doch ging der Betrieb nach dem Ersten Weltkrieg in fremde Hände über.[9]

Erweiterungen und Restaurierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1962 wurde die Orgel erstmals nach der damals vorherrschenden neobarocken Klangästhetik renoviert und vergrößert. Unter anderem wurde eine elektrische Traktur installiert, der historische Spieltisch ersetzt und massive Veränderungen am Pfeifenbestand vorgenommen. Nachdem die Orgel Mitte der 1990er Jahre kaum noch spielbar war, wurde die Orgel 2002 von der Firma Thomas Jann Orgelbau nochmals umfassend restauriert und erweitert. Hierbei wurden die Veränderungen von 1962 weitgehend rückgängig gemacht; das Instrument wurde auf 78 klingende Register mit deutsch-romantischen und französisch-symphonischen Klangfarben erweitert und anstelle des 1962 hinzugefügten, neobarocken Positives ein Bombardwerk mit 84 Horizontalzungen neu gebaut.

Disposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel hat aktuell 5261 Pfeifen in 82 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal. Davon sind 6 Register Extensionen und 4 Register Transmissionen aus den Manualwerken in das Pedal.[10]

I Grand Orgue C–c4
01. Prinzipal * 16’
02. Bordun * 16’
03. Majorprinzipal * 08’
04. Minorprinzipal * 08’
05. Seraphon Gedackt *0 08’
06. Fugara * 08’
07. Gemshorn * 08’
08. Rohrflöte * 08’
09. Quinte 513
10. Octav * 04’
11. Flûte harmonique * 04’
12. Terz 315
13. Quinte * 223
14. Octav * 02’
15. Terz * 315
16. Großmixtur III-IV 223
17. Mixtur IV-V 02’
18. Bombarde 16’
19. Trompete * 08’
20. Horn 08’
21. Clairon 04’
Tremulant
II Positiv expressif C–c4
22. Bordun * 16’
23. Gamba (Ext. Nr. 26) 16’
24. Prinzipal * 08’
25. Seraphon Flöte * 08’
26. Gamba * 08’
27. Vox coelestis * 08’
28. Quintatön * 08’
29. Lieblichgedackt * (Ext. Nr. 22)0 08’
30. Octav * 04’
31. Flauttraverso * 04’
32. Gamba (Ext. Nr. 26) 04’
33. Nasard 223
34. Quintgamba 223
35. Piccolo * 02’
36. Gamba (Ext. Nr. 26) 02’
37. Tierce 135
38. Terzgamba 135
39. Plein-jeu V-VI 223
40. Cor anglais 16’
41. Tuba mirabilis * 08’
42. Trompete * 08’
43. Clarinette * 08’
Tremulant
III Récit expressif C–c4
44. Quintatön 16’
45. Geigenprinzipal * 08’
46. Flûte harmonique * 08’
47. Violine * 08’
48. Unda maris * 08’
49. Zartgedackt * 08’
50. Salicional * 08’
51. Octav 04’
52. Rohrflöte * 04’
53. Fugara * 04’
54. Flageolet * 02'
55. Progr. harm. III-V 223
56. Bombarde 16’
57. Trompette harmonique0 08’
58. Basson Hautbois * 08’
59. Oboe * 08’
60. Vox humana * 08’
61. Clairon harmonique 04’
Tremulant


IV Clavier bombarde C–c4
62. Bombarde en chamade 16’
63. Trompette en chamade 08’
64. Trompette en chamade 513
65. Clairon en chamade 04’
Pédale C–g3
66. Untersatz * 32’
67. Majorbass * 16’
68. Minorbass * (= Nr. 1) 16’
69. Subbass * 16’
70. Gamba (= Nr. 23) 16’
71. Bordun * (= Nr. 22) 16’
72. Oktavbass * 08’
73. Gedacktbass 08’
74. Cello * 08’
75. Zartgedackt (= Nr. 29) 08’
76. Flûte 04’
77. Choralbass (Ext. Nr. 72) 04’
78. Contrabombarde (Ext. Nr. 79)0 32’
79. Posaune * 16’
80. Fagott 16’
81. Tuba * 08’
82. Clairon * 04’
  • Anmerkung:
die mit * gekennzeichneten Register sind von 1912, restauriert oder rekonstruiert
die 4 Register des Bombardwerks werden aus einer Pfeifenreihe (84 Pfeifen) gebildet
zusätzlich gibt es für das Hauptwerk einen Registerzug Kornett 8' welcher allerdings nur ein Gruppenzug für die vorhandenen Register (8,11,13,14,15) ist.
ebenfalls finden sich am Spieltisch Gruppenzüge für die Register 29,31,33,35,37 (Kornett 8') und für 23,26,32,34,38 (Gambenchor 8') im Schwellwerk des II. Manuals

Koppeln:

  • Normalkoppeln: P/I, II/I, III//I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
  • Suboktavkoppeln: II/I, III/I, II/II, III/II, III/III
  • Superoktavkoppeln: II/I, III/I, II/II, III/II, III/III, I/P, II/P, III/P

Spielhilfen:

  • Setzeranlage: mit 4995 Speicherplätzen, Tutti
  • ein 3. Balanciertritt dient wahlweise als Registerschweller (mit 2 verschiedenen Programmierungen: C1, C2) oder als Tritt für das separat schwellbare Horn (20)
  • der Spieltisch besitzt eine Midi-Schnittstelle mit der das Orgelspiel aufgezeichnet und wiedergegeben werden kann.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002.
  2. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 293.
  3. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 293–294.
  4. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 303.
  5. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 303–304.
  6. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 305.
  7. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 327.
  8. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 337–338.
  9. Amis de l´Orgue Saint-Martin, Conseil de la fabrique d´Eglise de la paroisse Saint-Martin. Die Düdelinger Kirche und ihre Stahlhut-Orgel, Imprimerie Saint-Paul, 2002., S. 341.
  10. Informationen zur Aktuellen Disposition