Orgel des Domes zu Halberstadt

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Domorgel

Die erste bekannte Orgel des Domes zu Halberstadt wurde in den Jahren 1357(?)–1361 von Nicolaus Faber ohne Pedal erbaut. Das Pedal wurde wahrscheinlich im Rahmen einer Überholung durch Gregor Kleng im Jahre 1495 hinzugefügt, und auch die vorhandenen Klaviaturen wurden erweitert. Michael Praetorius beschreibt die Orgel in seiner Syntagma musicum II.[1]

Die heutige Domorgel wurde 1965 von Orgelbauwerkstatt Eule erbaut. Sie verfügt über 66 Register auf vier Manualen und Pedal.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotische Orgel von 1495[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberes Diskantklavier H1–g0a0
Blockwerk XXXII–LVI 8′
Unteres Diskantklavier H1–g0a0
Prinzipal 16′
Bassklavier H1–AH
Prinzipal 32′
Pedal H1–AH
Blockwerk XVI–XXIV 16′

Praetorius gibt die Länge der größten Pfeife (Prinzipal 32′ auf der Taste H1) mit 31′ an. Bezogen auf die heutige Normalstimmung mit a1 = 440 Hz ließ diese Pfeife etwa den Ton Subkontra-Cis erklingen. Damit lag die absolute Stimmung der Orgel etwa anderthalb Halbtöne über der heutigen Normalstimmung.

Technik und Erläuterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaviere der Orgel, Abbildung bei Praetorius – die Untertasten im Diskantklavier sind ca. 6 cm breit.

Die oben angegebene Disposition ist, da das Instrument nicht mehr existiert, mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet. So ist es möglich, dass die beiden einzeln spielbaren Prinzipale mehrere Pfeifenreihen im Einklang, in der Oktave und der Superoktave enthielten. Die Orgel verfügte nicht über Register im heutigen Sinn. Jedes Werk stand auf einer eigenen, ungeteilten Windlade.

Die Untertasten der beiden Diskantklaviere können ursprünglich Zugtasten für Tonschleifen gewesen sein, wie es die Abbildung bei Praetorius nahelegt.[2] Deren Obertasten und die Tasten der anderen Klaviaturen hingegen müssen von vorneherein Drucktasten gewesen sein. Das Bassklavier wurde laut Praetorius mit den Händen oder mit den Knien gespielt. Es setzte das Untere Diskantklavier in der Tiefe fort, das vermutlich für leisere Stücke und der Gesangsbegleitung diente. Für die beiden Blockwerke nimmt Praetorius die folgenden Besetzungen mit entsprechenden progressiven Verstärkungen vor allem in den höheren Lagen an:

  • Oberes Diskantklavier: 8′ + 4′ + 223′ + 2′ + 113′ + 1′ + 12
  • Pedal: 16′ + 8′ + 513′ + 4′ + ...

Die Orgel besaß 20 Bälge, von denen jeweils zwei von einem Kalkanten getreten wurden.

17.–20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1685 ist eine Renovation der alten Orgel bezeugt, danach verliert sich ihre Spur.

Heinrich Herbst (Magdeburg) baute 1718 mit seinem Sohn Heinrich Gottfried eine neue dreimanualige Orgel, deren barocker Orgelprospekt noch erhalten ist.

Ernst Röver (Hausneindorf) führte 1901 einen Neubau durch.

Neubau 1965 durch Eule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jetzige Orgel wurde 1962–1965 von Eule erbaut und 1985 überarbeitet. Erhalten blieben der Orgelprospekt von Herbst und Orgelteile von Röver. Durch die Firma Reinhard Hüfken (Halberstadt) wurden im Jahr 2000 Koppeln ergänzt, die Manualkoppeln elektrifiziert und eine Setzeranlage eingebaut.

Disposition seit 1965[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I Hauptwerk
1. Principal 16′
2. Octave 8′
3. Rohrpommer 8′
4. Octave 4′
5. Spillflöte 4′
6. Waldflöte 2′
7. Terz 135
8. Großsesquialtera III
9. Großmixtur V-VIII
10. Scharf IV-VI
11. Fagott 16′
12. Trompete 8′
II Unterwerk
13. Quintatön 16′
14. Principal 8′
15. Holzflöte 8′
16. Spitzgambe 8′
17. Octave 4′
18. Rohrflöte 4′
19. Nasard 223
20. Octave 2′
21. Nachthorn 2′
22. Schwiegel 1′
23. Kornett II-IV
24. Kleinmixtur IV-VI
25. Krummhorn 8′
26. Clairon 4′
Tremulant
III Schwellwerk
27. Principal 8′
28. Weitgedackt 8′
29. Weitprincipal 4′
30. Quintade 4′
31. Flachflöte 2′
32. Scharfquinte 113
33. Sesquialtera II
34. Tonus fabri II
35. Rauschwerk V
36. Dulzian 16′
37. Hautbois 8′
Tremulant
IV Positiv
38. Quintade 8′
39. Spitzgedackt 8′
40. Blockflöte 4′
41. Principal 2′
42. Terzian II
43. Sept-Non II
44. Zimbel III
45. Trichterregal 8′
46. Rohrschalmey 4′
Tremulant
Glockenspiel
Pedal
47. Untersatz 32′
48. Principalbass 16′
49. Subbass 16′
50. Zartbass 16′
52. Octavbass 8′
53. Gedacktbass 8′
54. Octave 4′
55. Rohrflöte 4′
56. Dolkan 2′
57. Großzink III
58. Rauschwerk III
59. Choralmixtur IV
60. Bombarde 32′
61. Posaune 16′
62. Dulzian 16′
63. Trompete 8′
64. Trompete 4′
65. Schalmey 2′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, III/IV.
    • Suboctavkoppeln: I/I, II/I, III/I, II/II, III/II, III/III, IV/III, IV/IV.
    • Superoctavkoppeln: I/I, II/I, III/I, II/II, III/II, III/III, IV/IV.
  • Spielhilfen: Zungenabsteller, Setzeranlage.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 66 Register
  • 5.184 Pfeifen
  • Traktur:
    • Tontraktur: Mechanisch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Praetorius: Syntagma musicum. Band II De Organographia. Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3-7618-1527-1 (Faksimile: Wolfenbüttel 1619).
  • Karl Bormann: Die gotische Orgel zu Halberstadt. Eine Studie über mittelalterlichen Orgelbau. Merseburger, Berlin 1966.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Praetorius: Syntagma musicum. Bd. 2: De Organographia (1619). Nachdruck: Bärenreiter, Kassel 2001, ISBN 3761815271, S. 97–101. Abbildungen der Klaviaturen und Balganlage auf Tafeln XXIV-XXVI.
  2. Friedrich Jakob u. a.: Die Valeria-Orgel. Zürich 1991, S. 30, Bildunterschrift