Synagoge Fraenkelufer

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Synagoge Fraenkelufer
Baukomplex der Jüdischen Gemeinde am Kottbusser Ufer, Ansichtskarte um 1917

Baukomplex der Jüdischen Gemeinde am Kottbusser Ufer,
Ansichtskarte um 1917

Baubeginn: 1912
Einweihung: 17. September 1916
Architekt: Alexander Beer
Stilelemente: Neoklassizismus mit Elementen früherer Baustile
Bauherr: Jüdische Gemeinde zu Berlin
Platz: 2000 Personen
Lage: 52° 29′ 45″ N, 13° 25′ 1″ OKoordinaten: 52° 29′ 45″ N, 13° 25′ 1″ O
Anschrift: Fraenkelufer 10–16
Berlin-Kreuzberg
Berlin, Deutschland
Zweck: konservatives Judentum Synagoge
Webseite: www.jg-berlin.org

Die Synagoge am Fraenkelufer im Berliner Ortsteil Kreuzberg wurde zwischen 1913 und 1916 nach Plänen und unter Leitung des Baumeisters der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Beer, am Kottbusser Ufer 48–50, dem heutigen Fraenkelufer 10–16, als orthodoxe Synagoge errichtet. In den Novemberpogromen vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Hauptgebäude der Synagoge schwer beschädigt und musste nach weiteren Schäden am Ende des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1958/1959 abgerissen werden. Heute dient das erhaltene Nebengebäude, früher für den Jugendgottesdienst genutzt, nach Umbau als konservative Synagoge.[1] Ein kompletter Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge in Berlin-Kreuzberg ist in Planung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1913–1938: Bau und Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jüdische Baumeister Alexander Beer entwarf die Synagoge im Jahr 1912, nachdem die orthodoxe Gemeinde das Gelände im Jahr 1911 erworben hatte. Ein Jahr später begannen die Bauarbeiten, die Einweihung fand am 17. September 1916 statt.

Wie viele andere Gebäude der jüdischen Gemeinde wurde auch die Synagoge während der Novemberpogrome 1938 stark beschädigt und konnte nicht mehr als Synagoge genutzt werden.

Jugend-Synagoge am Fraenkelufer

Seit 1939: Ersatz-Synagoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Fraenkelufer 10, in Berlin-Kreuzberg

Die Gemeinde hielt ihre Gottesdienste stattdessen bereits zur Zeit des Nationalsozialismus in der als Anbau zugleich mit dem Haupthaus errichteten Jugendsynagoge. Ab 1942 besetzte die Gestapo das Grundstück und nutzte es zum Abstellen von Militärfahrzeugen und lagerte geraubte jüdische Besitztümer in das Gebäude ein. Bis 1944 kam es im Rahmen des Zweiten Weltkriegs zu weiteren Zerstörungen, 1958/1959 wurde das Hauptgebäude schließlich abgerissen. Eine Gedenktafel an der Grundstücksgrenez zeigt den früheren Bau und erzählt die Geschichte der Zerstörung.

Einweihung der Synagoge, 1959

Die Jugendsynagoge wurde sofort nach dem Krieg wieder von Juden, die in der Gegend lebten, für Gottesdienste genutzt und am 22. April 1959 nach Umbau erneut geweiht und dient seitdem als Synagoge der Jüdischen Gemeinde. Das Gebäude befindet sich im Denkmalschutz, ein Gedenkstein von Cornelia Lengfeld, aufgestellt 1989, erinnert an die Zerstörungen in der Vergangenheit.

Geplanter Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Berlin-Kreuzberg soll die Synagoge in Gänze wiederaufgebaut werden. Ein kompletter Wiederaufbau einer von Nazis zerstörten Synagoge in Berlin wäre einmalig.[2] Auf Initiative des SPD-Polikers Raed Saleh hat sich im Jahr 2018 ein Kuratorium gegründet, das sich intensiv um den Wiederaufbau kümmern wird. Das 20-köpfige Gremium legt Wert darauf, dass sich die neue Synagoge am Architekturstil des Vorgängerbaus orientiert. Dem Kuratorium gehören neben Saleh u. a. Monika Herrmann, Michael Müller sowie Vertreter der Jüdischen Gemeinde und der Muslimischen Gemeinde und Personen aus der Wirtschaft und den Medien an. Um tatsächlich Fortschritte zu erzielen, müssen zunächst Spenden eingeworben werden und das Verständnis der Bevölkerung für diesen Wiederaufbau vertieft werden, insbesondere in Zeiten mit zunehmendem Antisemitismus. Angepeilt ist eine Grundsteinlegung im Jahr 2023, 85 Jahre nach der Zerstörung in der Pogromnacht.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synagoge umfasste einen Komplex aus einem Hauptgebäude mit mehreren Nebengebäuden auf einem dreieckigen Bauplatz, in denen eine Wochentagssynagoge, Dienstwohnungen sowie ein Gebäude für den Jugendgottesdienst untergebracht wurden. Sie sollte entsprechend nicht nur für Gottesdienste, sondern auch als Gemeindezentrum dienen und wurde in den frühen Jahren auch auf diese Weise genutzt.

Das Synagogengebäude bestand aus einem dreischiffigen Bau, der Platz für 2000 Menschen bot. Sie war als Pfeilerbasilika gebaut, die Fassade zum Landwehrkanal weisende Fassade war mit Fenstern im Obergaden gegliedert. Als Baustil wählte Beer einen neoklassizistischen Stil mit Elementen aus mittelalterlichen und barocken Bauten; ein großer Portikus mit vier griechischen Säulen stellte den dominanten dreigeteilten Eingangsbereich dar.[4]

Die kleinere Jugendsynagoge ist durch dorische Halbsäulen gegliedert. Bis Ende der 1970er Jahre trug ihre Fassade einen grün-weißen Anstrich. Sie ist nur etwa halb so hoch wie das eigentliche Gotteshaus und zierte ihre linke Seite.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg. Haude & Spencer, Berlin 2003, ISBN 3-77590-474-3.
  • Rolf Bothe (Hrsg.): Synagogen in Berlin, Teil 1. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1983, ISBN 3-922912-04-4.
  • Die Neubauten der Synagoge am Kottbuser-Ufer in Berlin in Deutsche Bauzeitung, 50(1916), S. 329–332, 337–339.
  • Daniela Gauding, Christine Zahn, Die Synagoge Fraenkelufer, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-941450-00-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jugend-Synagoge am Fraenkelufer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Synagoge Fraenkelufer.
  2. Berlin-Kreuzberg: Von den Nazis zerstörte Synagoge soll wieder aufgebaut werden. In: Spiegel Online. Abgerufen am 8. August 2018.
  3. Kuratorium begleitet Synagogen-Bau. In: Berliner Zeitung, 19. Februar 2019, S. 11.
  4. Grundriss- und Schnittdarstellungen der Synagoge, abgerufen am 19. Februar 2019.