Ostsauerländer Gebirgsrand

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Ostsauerländer Gebirgsrand
Fläche ca. 785 km² [1]
Systematik nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Großregion 1. Ordnung Mittelgebirgsschwelle
Großregion 2. Ordnung Rheinisches Schiefergebirge
Haupteinheitengruppe 33 →
Süderbergland
Naturraum 332
Ostsauerländer Gebirgsrand
Geographische Lage
Koordinaten 51° 9′ 53″ N, 8° 44′ 20″ OKoordinaten: 51° 9′ 53″ N, 8° 44′ 20″ O
Ostsauerländer Gebirgsrand (Nordrhein-Westfalen)
Ostsauerländer Gebirgsrand
Lage Ostsauerländer Gebirgsrand
Bundesland Nordrhein-Westfalen, Hessen
Staat Deutschland

Der Ostsauerländer Gebirgsrand ist eine naturräumliche Haupteinheit im östlichen Nordrhein-Westfalen und im nordwestlichen Hessen. Die Landschaft trägt innerhalb der Haupteinheitengruppe 33 (Süderbergland) die Kennzahl 332 und dacht das (nördliche) Rothaargebirge (Haupteinheit 333) nach Osten zum Westhessischen Bergland (Haupteinheitengruppe 34) ab. Nach Norden grenzt es an die Paderborner Hochfläche (362) im Oberen Weserbergland (Haupteinheitengruppe 36), nach Süden mit dem Gladenbacher Bergland (320) an einen Teil des naturräumlichen Westerwaldes (Haupteinheitengruppe 32).[2]

Der Ostsauerländer Gebirgsrand wird in etwa nach Nordwesten von der Rhein-Weser-Wasserscheide zwischen den Städten Brilon (Westen) und Marsberg (Osten) begrenzt, nach Süden vom Oberlauf der Lahn zwischen Biedenkopf und Sterzhausen.

Angrenzende Naturräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich schließt sich die Paderborner Hochfläche (Haupteinheit 362) an, nordöstlich das Eggegebirge (363) – beides Teile des Niedersächsischen Berglandes. Dem gegenüber grenzen nach Osten drei Teile des Westhessischen Berglandes an, nämlich im Norden die Waldecker Tafel (340), in der Mitte der Kellerwald (344) und im Süden der Burgwald (345). Diese Landschaften unterscheiden sich deutlich vom westlich angrenzenden Rothaargebirge (mit Hochsauerland), zu dem auch der Westen des (historischen) Uplandes gehört, während dessen Osten Teil des Gebirgsrandes ist.[2]

Naturräumliche Charakteristika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die den Gebirgsrand umgebenden Landschaften unterscheiden sich sowohl im geologischen Aufbau und darin begründeten, deutlich voneinander abweichenden Landschaftsreliefen (Geomorphologie) als auch in den jeweiligen klimatischen Verhältnissen erheblich voneinander.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Ostsauerländer Gebirgsrand, genau wie das sich westlich anschließende Rothaargebirge, den älteren Zeitaltern des Paläozoikums entstammt, werden die sich östlich anschließenden Landschaften dem deutlich jüngeren Hessischen Bruchschollentafelland zugerechnet, dessen Entstehung in der Hauptsache im Erdmittelalter (Mesozoikum) stattfand.

Der Ostsauerländer Hauptsattel wird aus Gesteinen des Devon und des Karbons aufgebaut. Diese Abfolge teils stark gefalteter, mittelpaläozoischer Gesteine (oberdevonische und unterkarbonische Schiefer, Kieselschiefer, Kalke und Sandsteine, teils mit zwischengeschalteten Tufflagen) tauchen im Streichen nach Nordosten unter die spätpaläozoisch-frühmesozoischen Tone, Karbonate und Sandsteine des Waldecker Uplandes ab.

Demgegenüber entstammen die charakteristischen Gesteine des sich östlich anschließenden Hessischen Bruchschollentafellandes (Muschelkalk, Buntsandstein, Mergel, Gipsstein und Tonstein) den Zeitaltern Trias und Jura.

Der Kellerwald nimmt dabei eine Sonderrolle ein, da er zwar – wie auch Rothaargebirge und Ostrand– dem Paläozoikum entstammt und vom Gesteinsaufbau her ebenfalls dem Rheinischen Schiefergebirge zuzurechnen ist, andererseits jedoch eindeutig auf der Westhessischen Bruchscholle liegt, aus der er horstartig hervor ragt.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Ostsauerländer Gebirgsrand im Regenschatten des Rothaargebirges steht, halbiert sich von Westen nach Osten der Jahresniederschlag fast von bis zu 1200 mm bis kaum über 600 mm, während die mittlere Tagestemperatur um rund 2 °C von 6 bis 7 °C auf 8 bis 9 °C steigt.

Boden und Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenverhältnisse und Nutzung des Ostsauerländer Gebirgsrandes sind vielgestaltig und reichen von Mischwaldlandschaften (Sackpfeifen-Vorhöhen, Waldstruth) über landwirtschaftlich gut erschlossene Kulturlandschaften (Medebacher Bucht, Upland) bis hin zu Gebieten im Norden, in denen dem Abbau von Bodenschätzen eine hohe Rolle zukommt (Marsberger Kupferschiefer, Erzabbau in Bleiwäsche).

Flüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obgleich die Rhein-Weser-Wasserscheide zweimal den Ostsauerländer Gebirgsrand kreuzt, findet dieses in ausgesprochenen Randlagen des Nordens und Südens statt, sodass fast das gesamte Gebiet über Eder und Diemel nach Osten zur Weser entwässert.

Zusammen mit dem Niederschlagsreichtum des Rothaargebirges führt die geringe Wasserspeicherfähigkeit der Schiefergesteine des Gebirgsrandes zu einer hohen Hochwassergefährlichkeit, die unter anderem auch zum Bau der Diemeltalsperre im Norden und der Edertalsperre (östlich jenseitig, im nördlichen Kellerwald) Anlass gegeben haben.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Süderbergland gliedert sich wie folgt:[3][4]

Blick vom Christenberg im Burgwald auf die Wetschaft-Senke und die dahinter liegende Sackpfeife nebst Vorhöhen (332.0) mit Kohlenberg (583 m, halbrechts, zweigipfelig), Sackpfeife (673,5 m, rechts der Mitte, sehr breit, mit Sendemast), Hainpracht (631 m, links davon im Hintergrund), Hassenroth (622 m, Mitte, kuppig) und Arennest (592 m, zweiter halblinks)
Wiesen- und Feldlandschaft der Sachsenberger Leimestruth (332.31) an der Eder-Nuhne-Wasserscheide zwischen Sachsenberg und Viermünden. Im vorderen Hintergrund, jenseits des Tals der Eder, der Hessensteiner Wald (332.32), ganz im Hintergrund das Hohe Lohr im Kellerwald.
Das Eintrittstal der Orke in die Örksche Schweiz (332.33) bei Dalwigksthal; oben im Hintergrund Burg Lichtenfels
Das Tal der Wilden Aa in der Aarstruth (332.34) an der Straße Auf der Aar zwischen Goddelsheim und Medebach; Blick schräg flussaufwärts nach Nordosten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. s. Gliederung
  2. a b E. Meynen und J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
  3. Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 111 Arolsen (Martin Bürgener 1963) und Blatt 125 Marburg (Gerhard Sandner 1960) – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg → Online-Karte
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v Karte und Legende zu den Naturräumen Hessens (Online-Kopie von Die Naturräume Hessens, Otto Klausing 1988) im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie
  5. a b c d e Messung im TIM online
  6. Der vorangestellte Zusatz „Sachsenberger“ stammt von Klausing (1988). Bürgener (1963) schreibt nur von „Leimestruth“.
  7. Etwa 8 km² davon können auch als Teil des Goddelsheimer Feldes interpretiert werden (nicht linienhaft abgrenzbar; geomorphologisch fließend), davon etwa 2 km² Heimbachtal nebst Randhügeln.
  8. a b Landschaftssteckbriefe des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  9. Auf den meisten amtlichen Karten ist dieser Gipfel nicht mit einer Höhenangabe versehen und man erkennt lediglich die 535er Linie. In den Hintergrundkarten von Umweltatlas Hessen und ERRL Hessen sind die 543 m explizit verzeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]