Ottjen Alldag

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Die Ottjen-Alldag-Plastik von Claus Homfeld im Bremer Schnoorviertel

Ottjen Alldag ist Titelfigur eines sehr populären, aus drei Teilen bestehenden Romans, der von dem Bremer plattdeutschen Schriftsteller Georg Droste (1866–1935) verfasst wurde. Die in den 1910er Jahren erschienene Roman-Trilogie, die als Drostes Hauptwerk gilt, erzählt die Geschichte einer Bremer Kindheit und trägt stark autobiografische Züge.

Figur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ottjen Alldag ist ein Bremer Junge, pfiffig („plietsch“) und gewitzt. Er wächst in einer Familie auf, die am rechten Bremer Weserufer, direkt hinterm Osterdeich, zu Hause ist. Georg Droste erzählt im Bremer Platt Ottjens Entwicklung von der Geburt bis ins Erwachsenenalter.[1]

Laut Radio Bremen, das den Roman in einer gemeinsamen Produktion mit dem NDR in den 1950er Jahren zu einer seither mehrmals gesendeten Hörspielserie verarbeitete, ist „Ottjen Alldag […] für alteingesessene Bremer das, was Klein Erna für Hamburg oder Tünnes und Schääl für Köln sind“.[1]

Das Ottjen-Alldag-Relief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Romanfigur Ottjen Alldag steht auch im Mittelpunkt einer Gedenkstätte für ihren Schöpfer Georg Droste, die im Bremer Schnoorviertel errichtet und am 6. Dezember 1963 eingeweiht wurde. Vor der Wand des Hauses Schnoor 39, Ecke Spiekerbartstraße (Lage), in unmittelbarer Nähe und inhaltlichem Bezug zum Institut für niederdeutsche Sprache, Schnoor 41, schwebt ein von dem Bremer Bildhauer Claus Homfeld gestaltetes Metallrelief. Die Idee, dass jeder Mensch – wie Ottjen Alldag – „in die Fäden seines Schicksals verstrickt sei“,[2] ist in ein filigranes Relief aus Kupferstäben mit figürlichen Elementen aus Bronze[3] umgesetzt.

Weiterer Bestandteil des Ensembles ist eine für das Bremer Umland typische[4] Brunnenbrüstung eines Ziehbrunnens (!) aus Obernkirchener Sandstein. Sie ist inschriftlich auf 1733 datiert, stammt ursprünglich von einem Bauernhof in der Lankenau[5] und wurde 1963 von einer anderen Stelle im Schnoor hierher versetzt[6] und mit einer kupfernen Schale für einen Laufbrunnen versehen.

Eine plattdeutsche Widmungsinschrift, verfasst von dem Schriftsteller Heinrich Schmidt-Barrien, erinnert an die Blindheit des Autors Georg Droste:

von’t ole Bremen
un wo’t leevt un lacht
sung uns de Dichtersmann
ut all sien Nacht

Plastik und Brunnen stehen seit 1973 unter Denkmalschutz.[7]

Straßenname

Präsenz in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Roman-Trilogie Ottjen Alldag von Georg Droste hat Heinrich Schmidt-Barrien, der in Hoch- und Plattdeutsch schrieb, in den 1950er Jahren für Radio Bremen eine 16-teilige Hörspielreihe gestaltet, die der Sender von 1954 bis 1956 ausstrahlte. Die Leitung der gemeinsam mit dem NDR produzierten Hörspielserie Ottjen Alldag hatte der Regisseur Bernd Wiegmann. 1954 verkündete Radio Bremen in einer Pressemitteilung: Insgesamt 178 sprechende Rollen wurden vergeben, nicht dazugezählt die unzähligen Stimmen, denen keine eigene Rolle zugeteilt wurde, die aber trotzdem zum Gelingen der Hörspielserie beigetragen haben. Die Musik wurde von Volker Gwinner komponiert, und durch die Geschichte führt uns als Sprecher Ferdinand Zeissner.

Respektvoll gerafft und gestrafft wurde die Hörspielserie in einer Bearbeitung von Ilka Bartels seit dem Jahr 2008 dem Radio-Publikum nach und nach wieder zu Gehör gebracht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Begleittext von Radio Bremen von 2008, zur Wiederholung der niederdeutschen Hörspielserie Ottjen Alldag von 1954 (siehe verschiedene Folgen und Sendetermine) (Memento vom 24. Februar 2009 im Internet Archive)
  2. Karl Dillschneider: Der Schnoor. Neues Leben in Bremens ältestem Stadtteil. Röver, Bremen 1972, ISBN 3-87681-027-2, S. 101 f. (unter Berufung auf eine Äußerung des Künstlers).
  3. Beate Mielsch: Kunst im Bremer Stadtbild. Schünemann, Bremen 1984, ISBN 3-7961-1758-9, S. 12.
  4. Diese im 18. Jahrhundert in Bremen aufkommenden vierteiligen Brunnenringe von Ziehbrunnen behandelt Hans Hermann Meyer: Vom Schöpfen und Pumpen, vom Trinken, Tränken und Waschen im alten Bremer Lande. In: Wasser. Zur Geschichte der Trinkwasserversorgung in Bremen. Focke-Museum, Bremen 1988, S. 91 ff., bes. S. 98 ff. Der Brunnenring im Schnoor scheint demnach der älteste erhaltene seiner Art in Bremen zu sein.
  5. (Fei): Ottjen Alldag klettert jetzt im Schnoor. In: Weser-Kurier vom 4. Dezember 1963, S. 16.
  6. Bremer Nachrichten vom 7. Mai 1962.
  7. Denkmaldatenbank des LfD Bremen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Droste: Ottjen Alldag un sien Kaperstreiche. Een plattdütsch Kinnerleben an’r Waterkante. Schünemann, Bremen 1913.
  • Georg Droste: Ottjen Alldag un sien Lehrtied. Een Vertellsel ut 'n Bremer Kopmannsleben. Schünemann, Bremen 1914.
  • Georg Droste: Ottjen Alldag un sien Moorhex. Een Vertellsel ut 'n Kinner- un Leefsleben. Schünemann, Bremen 1917.
  • Georg Droste: Ottjen Alldag. Roman. Gesamtausgabe. Drei Bände in einem Band. 9. Auflage der Gesamtausgabe. Schünemann, Bremen 1982, ISBN 3-7961-1511-X.
  • Georg Droste: Ottjen Alldag un sien Kaperstreiche. Een plattdütsch Kinnerleben an’r Waterkante. Ottjen Alldag erobert seine Welt, Kindheit am Wasser. Auf Nieder- und Hochdeutsch. Übersetzt von Rita Schloendorff. Nachdruck und Neubearbeitung. Kellner, Bremen 2012, ISBN 978-3-939928-81-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]