Otto Pretzl

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Otto Pretzl (* 20. April 1893 in Ingolstadt; † 28. Oktober 1941) war ein deutscher Orientalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er am Ersten Weltkrieg, zuletzt als mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichneter Frontoffizier, teilgenommen hatte, studierte Pretzl Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Als Schüler Fritz Hommels erlernte er neben den biblischen Sprachen auch viele semitische Idiome und befasste sich nebenher mit Altägyptisch, Koptisch, Persisch, Türkisch und Arabisch. 1926 wurde er mit einer Arbeit über Septuagintaprobleme im Buch der Richter, entstanden aufgrund einer Preisaufgabe der theologischen Fakultät, promoviert; 1928 habilitierte er sich mit der Schrift Die griechischen Handschriftengruppen im Buche Josue, untersucht nach ihrer Eigenart und ihrem Verhältnis zueinander. Durch Gotthelf Bergsträßer wurde Pretzl ganz für die Arabistik gewonnen und legte alsbald zwei Texteditionen arabischer Quellentexte vor, die Bergsträßers Plan zur Erstellung eines Apparatus criticus zum Koran folgten. Zum Schüler und engen Mitarbeiter Bergsträßers avanciert, habilitierte er sich 1933 von der theologischen in die philosophische Fakultät um, damit er sich ganz seinen neuen Aufgaben widmen könne.

Nach dem unerwarteten Tode Bergsträßers, 1933, wurde Pretzl 1934 in seiner Nachfolge zum außerordentlichen, 1935 zum ordentlichen Professor für orientalische Sprachen ernannt und von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit der Fortsetzung des Koranprojektes betraut. Zu diesem Zwecke erstellte er zwischen 1934 und 1937 bei Bibliotheksstudien in Paris, Madrid, Istanbul, Damaskus und Nordafrika (hier besonders in Kairo) mit einer Leica-Kamera ein umfangreiches Fotoarchiv früher Koranhandschriften, das jahrzehntelang zuerst von Anton Spitaler, der behauptete es sei im Krieg verbrannt und dann von seiner Schülerin Angelika Neuwirth versteckt wurde,[1] gegenwärtig in dem Forschungsunternehmen Corpus Coranicum digitalisiert und ausgewertet wird. Pretzls besonderes wissenschaftliches Interesse galt daneben der islamischen Theologie und Mystik, worüber er auch publizierte. 1939 wurde er zum Heer einberufen, obwohl er wegen eines im Ersten Weltkrieg erlittenen Lungendurchschusses wehrdienstuntauglich war. Namentlich bei nordafrikanischen Kriegsgefangenen kam Pretzl als Vernehmungsoffizier zum Einsatz. 1941 wurde er in das Oberkommando der Wehrmacht berufen. Wenig später kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die frühislamische Attributenlehre, München, Akademie der Wissenschaften, 1940
  • Die Fortführung des Apparatus Criticus zum Koran, München, Bayerische Akademie der Wissenschaften, 1934

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrew Higgins: The Lost Archive: Missing for a half century, a cache of photos spurs sensitive research on Islam's holy text. In: The Wall Street Journal, 12. Januar 2008. [1]
  • Anton Spitaler: Nachruf in Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 96 (1942), S. 161–170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://online.wsj.com/news/articles/SB120008793352784631 The Wall Street Journal Andrew Higgins: "The Lost Archive"
  2. Anton Spitaler: Nachruf in Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 96 (1942), S. 161-170.