Otto van Veen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christus bei Maria und Martha, ca. 1596–1598

Otto van Veen (* 1556 in Leiden; † 1629 in Brüssel), genannt Otto Vaenius oder Venius, war ein flämischer Maler und Zeichner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Van Veen entstammte einer Leidener Adelsfamilie, die den spanischen König Philipp II. unterstützte. Ab ca. 1573 lernte er in Lüttich beim Humanisten und Maler Dominicus Lampsonius (1532–1599), einem Schüler von Lambert Lombard. Seit 1576 war van Veen in Italien, wo er vermutlich in Kontakt mit Federico Zuccaro kam. Er kehrte dann über Prag und München 1583 in die Niederlande zurück, wo er Hofmaler beim Statthalter der Niederlande, Herzog Alessandro Farnese, in Brüssel wurde (1585). 1584 datiert sein bedeutendes Selbstbildnis an der Staffelei inmitten seiner Familie (Musée du Louvre, Paris). 1592 ließ er sich in Antwerpen nieder. Aus dieser Zeit stammt seine großformatige Darstellung des Letzten Abendmahls in der Liebfrauenkathedrale von Antwerpen. 1599 vollendete er seine „Kreuzigung des Heiligen Andreas“ für die St. Andries-Kerk. Ab ca. 1594 war van Veen der vielleicht bedeutendste Lehrer von Peter Paul Rubens. Bilder wie die „Versuchungen der Jugend“ in Stockholm (Schwedisches Nationalmuseum) könnten Gemeinschaftsarbeiten von Vaenius und Rubens sein, die vor dessen Aufbruch nach Italien im Jahre 1600 entstanden. Noch vor der Rückkehr seines Meisterschülers aus Italien verminderte Vaenius seine Aktivitäten als Maler und widmete sich mehr und mehr der Publikation von Emblembüchern und graphischen Serien, darunter die Emblemata Horatiana (1607) und die Amorum Emblemata (1608). 1612 erschienen in Antwerpen zwei große Radierzyklen, die Antonio Tempesta in Rom nach ihm übersandten Zeichnungen von Vaenius radiert hatte: der Krieg der Bataver gegen die Römer (Bataveraufstand) und die „Infanten von Lara“, Verbildlichung einer in Spanien populären und längst literarisch überformten Begebenheit aus dem Mittelalter. Der Künstler verstand es, beide Serien mit der Vermarktung seiner Gemälde zu verbinden. Schon 1610 hatte er eine Folge von zwölf Bildern mit Themen aus den von Tacitus geschilderten Bataverkriegen, einer Art Gründungssage der Niederlande, nach Den Haag geliefert – die meisten Sujets dieser den Sitzungssaal der Generalstaaten schmückenden Bilder (heute im Rijksmuseum in Amsterdam) finden sich in der 36 Drucke umfassenden Radierserie wieder – allerdings mit fast durchweg veränderter Komposition. Die erste Edition der 40 Drucke umfassenden Geschichte der „Infanten von Lara“ widmete er Don Rodrigo Calderón, einem vermögenden spanischen Diplomaten, der im Jahr der Publikation in Antwerpen weilte und später eine (nur noch archivalisch nachgewiesene) Folge von Gemälden gleichen Themas bei van Veen bestellte.

Van Veen war auch Hofmaler von Statthalter Albrecht VII. von Österreich und dessen Frau Isabella. 1615 verlegte er seinen Wohnsitz von Antwerpen nach Brüssel.

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Verteilung von Hering und Weißbrot nach der Befreiung von Leiden, 3. Oktober 1574, signiert und datiert: „OVV f 1574 3 10“, Öl auf Holz, 40×59,5 cm, Rijksmuseum, Amsterdam[1]
  • Vita D. Thomae Aquinatis. Antwerpiae 1610 (Digitalisat)

Blaufliesengemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wohl größte und einzigartigste Sammlung von Kopien nach Werken des Künstlers befindet sich im Franziskanerkloster in Salvador da Bahia. Dort trifft man im Klaustrum des Klosters auf Blaufliesengemälde (Azulejos) die in Portugal hergestellt wurden und ein Geschenk des Königs von Portugal, Johann III., sind. Die Fliesengemälde folgen Kupferstichen in den Emblemata Horatiana des Otto van Veen (Antwerpen 1607).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Arthur Lier: Veen, Otto von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 791 f.
  • Justus Müller-Hofstede: Zum Werke des Otto van Veen, 1590–1600, in: Bulletin. Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique/Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België 6, 1957, S. 127-174.
  • Alphons Vogl, Der Bilderzyklus Der Triumph der Kirche von Otto van Veen, München 1987.
  • Elizabeth McGrath: Taking Horace at His Word: Two Abandoned Designs for Otto van Veen's Emblemata Horatiana, Wallraf-Richartz-Jahrbuch 55, 1994, S. 115-126.
  • Anne Buschoff: Die Liebesemblematik des Otto van Veen, Bremen 2004.
  • Eckhard Leuschner: Une Histoire telle que celle-ci, qui tient un peu du Roman : Allegorie und Historie in Antonio Tempestas 'Infanten von Lara' und bei André Félibien, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 32, 2005, S. 203-243.
  • Thijs Weststeijn: "Otto Vaenius' Emblemata Horatiana and the azulejos in the monastery of São Francisco in Salvador de Bahía", De Zeventiende Eeuw 21 (2005), 128-145.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Bußmann, Heinz Schilling: 1648 – Krieg und Frieden in Europa. Katalogband und zwei Textbände, Münster 1998 [Dokumentation der Europaratsausstellung zum 350-jährigen Jubiläum des Westfälischen Friedens in Münster und Osnabrück.] Münster/ Osnabrück 1998, ISBN 3-88789-127-9, S. 27

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otto van Veen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien