Philipp II. (Spanien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Philipp II. (Porträt von Sofonisba Anguissola, um 1570)
Wappen Philipps II. (ab 1580)

Philipp II.spanisch Felipe II – (* 21. Mai 1527 im Palacio de Pimentel, Valladolid; † 13. September 1598 im Escorial bei Madrid) aus dem Haus Habsburg erbte als ältester und einzig überlebender legitimer Sohn Karls V. (Karl I. von Spanien) und Isabellas von Portugal 1556 das Königreich Spanien, dessen amerikanische Kolonien Vizekönigreich Neuspanien und Vizekönigreich Peru, die Niederlande, die Freigrafschaft Burgund, die Königreiche Sizilien und Neapel, das Königreich Sardinien und das Herzogtum Mailand. 1580 wurde er als Philipp I. auch König von Portugal. Philipp war wie sein Vater ein gläubiger Mann und sah sich berufen, den Katholizismus in den von ihm regierten Ländern durchzusetzen und den immer stärker werdenden Protestantismus auch mit Gewalt zurückzudrängen. Zu Beginn seiner Regierung war die Macht Spaniens auf dem Höhepunkt ihrer Entfaltung, am Ende seines Lebens begann der Abstieg der Großmacht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühen Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern Philipps: Karl V. und Isabella von Portugal (Gemälde von Tizian)

Geboren wurde Infant Philipp von Spanien (span. Don Felipe de Austria) am 21. Mai 1527 in Valladolid. Er war der älteste Sohn aus der Ehe des Römisch-deutschen Kaisers und Königs von Spanien Karl V. mit Isabella von Portugal. Zum Zeitpunkt seiner Geburt trug Philipp die Titel Erzherzog von Österreich, Infant von Kastilien und Aragón, Fürst von Girona sowie Prinz von Flandern und Burgund. Bereits im April 1528 leisteten die kastilischen Cortes dem elf Monate alten Philipp, nunmehr Prinz von Asturien, ihren Treueid.

Mit seinen jüngeren Schwestern Maria und Johanna wuchs Philipp bis zum Tod der Mutter 1539 an deren Hof auf. Isabella erzog ihren Sohn unnachsichtig und bestrafte ihn streng, wenn dieser sich in ihren Augen für einen Kaisersohn nicht würdevoll genug benahm. Daneben fungierte die portugiesische Hofdame seiner Mutter, Dona Leonor de Mascarenhas, als frühe Erzieherin. Als Herrscher über heterogene, in ganz Europa verteilte Gebiete („composite monarchy“[1]) verbrachte Karl V. während seiner gesamten Regierungszeit nur etwa zehn Jahre in Spanien. Er führte Kriege gegen Frankreich und Religionskriege gegen die Protestanten im Heiligen Römischen Reich. Trotzdem nahm Karl auf Spanien, das Stammland seiner Macht, besondere Rücksicht und verwendete große Sorgfalt bei der Erziehung seines Thronfolgers und ließ Philipp gerade dort in der Landestradition erziehen. Unüblich für damalige Herrscherhäuser konnte Philipp bis zum sechsten Lebensjahr weder lesen noch schreiben, was Karl V. dazu bewegte, den Edelmann Juan de Zúñiga y Avellaneda zum Prinzenerzieher zu bestimmten. Dieser stellte ein breit gefächertes Ausbildungsprogramm nach kastilischem Herkommen zusammen und Philipp erhielt eine gründliche akademische Bildung durch die Humanisten Juan Ginés de Sepúlveda und Juan Martínez Gurjena, ab 1534 durch Juan Martínez Silíceo. Für einen zeitgenössischen Herrscher erlangte Philipp eine herausragende Bildung und entwickelte eine große Sammelleidenschaft, die sich auf Bücher und Kunstgegenstände, aber auch Reliquien und mechanische Instrumente erstreckte. Bei seinem Lebensende umfasste seine Privatbibliothek mehr als 13.500 Bände. Neben seiner Muttersprache Spanisch, erlernte Philipp Portugiesisch und Latein, hatte jedoch Schwierigkeiten beim Erlernen von Deutsch und Französisch, was sich negativ auswirken sollte. Durch Ruy Gómez de Silva und Luis de Zúñiga y Requesens erhielt der Prinz zusätzlich Unterricht im Turnierkampf.

Bei Philipp zeigten sich früh Charaktereigenschaften, die sich später noch verstärken sollten, wie Introvertiertheit, emotionale Kühle und ausgeprägte Religiosität. Das ihm von Kindheit an vermittelte monarchische Bewusstsein, welches bei ihm stark ausgeprägt war, ließ ihn einen Abstand zu seiner engsten Umgebung herstellen. Bestimmend für seinen Lebensstil war sein Sinn für die rituelle Regelmäßigkeit des Hofzeremoniells: Sein Tagesablauf musste einer starren Routine und einem strengen Zeitplan folgen, großes Augenmerk legte er auf Gesundheit und Reinlichkeit.

Erste Regentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herzog von Alba (Gemälde von Tizian, 1549)

Am 1. Mai 1539 erlag Isabella von Portugal den Folgen einer Fehlgeburt und verstarb. Der kurzzeitig zurückkehrende Karl V. übertrug dem Erzbischof von Toledo, Juan Pardo de Tavera die Regentschaft über Spanien und beauftragte diesen, seinen Sohn Philipp langsam in die Staatsgeschäfte einzuführen. Auf Wunsch des Vaters sollte der Thronfolger auch das Kriegshandwerk erlernen, weshalb Philipp die Truppen des kaiserlichen Feldherren Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba begleitete und 1542 an der Belagerung von Perpignan teilnahm.

1535 starb Francesco II. Sforza ohne Erben. Sowohl Kaiser Karl V. als auch der französische König Franz I. beanspruchten daraufhin die Nachfolge im Herzogtum Mailand für sich, was erneut zum Krieg führte. Karl siegte und verleibte das wohlhabende Herzogtum seinem Herrschaftsbereich im Jahr 1545 ein. Zur Untermauerung seines Anspruchs hatte er bereits am 11. Oktober 1540 Philipp zum Herzog von Mailand ernannt, die Verwaltung jedoch den dortigen Behörden überlassen. Nachdem Karl wieder nach Flandern hatte eilen müssen, übertrug er dem sechzehnjährigen Philipp am 4. Mai 1543 erstmals die Regentschaft in Spanien. Der Kaiser stellte Philipp erfahrene Berater zur Seite, darunter der Finanzsekretär Francisco de los Cobos y Molina und den Herzog von Alba, der zu einem der wichtigsten Berater des jungen Regenten werden sollte. In ausführlichen Briefen beriet Karl seinen Sohn und gab vielfältige Ratschläge für dessen zukünftiges Leben. Als wichtigste Tugenden eines Herrschers solle er „Frömmigkeit, Gelduld,, Bescheidenheit und Misstrauen“ an den Tag legen.

In jenen Jahren wurde die spanische Kolonisation in Süd- und Mittelamerika, aber auch in Ostasien vorangetrieben. Zu Ehren des neuen Regenten benannte der Entdecker Ruy López de Villalobos die Insel Leyte als „Las Islas Filipinas“, was bald darauf auf den gesamten Archipel der bis heute so genannten Philippinen übertragen wurde.

Erste Ehe mit Maria von Portugal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria von Portugal

Am 13. November 1543 heiratete Philipp in Salamanca seine Cousine Maria von Portugal. Diese war die Tochter des portugiesischen Königs Johann III., dem Bruder von Philipps Mutter und Katharinas von Kastilien, der Schwester von Philipps Vater. Der politische Hintergrund dieser Verbindung war das Bemühen, die Beziehungen zwischen der spanischen und portugiesischen Dynastie zu festigen. Die Heirat begründete einen spanischen Erbanspruch auf das Königreich Portugal, im Falle des Aussterbens des Hauses Avis auch das letzte unabhängige Königreich der iberischen Halbinsel unter spanische Herrschaft zu bringen. Der Erbfall wurde im Jahr 1580 aktuell.

Nach zweijähriger Ehe wurde Maria bei der Geburt des Sohnes Don Carlos von den Helferinnen so schwer verletzt, dass sie zu fiebern begann und vier Tage später am 12. Juli 1545 vermutlich an einer Infektion im Wochenbett verstarb.[2]

Aus der Verbindung mit Maria von Portugal ging ein Nachkomme hervor:

Nach dem frühen Tod Marias strebte Philipp wieder eine Heirat mit einer portugiesischen Prinzessin an, lebte jedoch bis zur nächsten Ehe mit seiner Mätresse Ana de Osorio, der Tochter des Grafen von Astorga.[3]

Aufenthalt im Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp als Thronfolger (Gemälde von Tizian, 1551)

Dem Ruf des Vaters folgend, verließ Philipp 1548 erstmals Spanien und besuchte für mehrere Jahre die unterschiedlichen Territorien unter habsburgischer Herrschaft. Am 2. Oktober 1548 verließ er Valladolid, landete mit seinem Gefolge am 25. November in Genua und reiste über Mailand, Tirol, Augsburg und Luxemburg nach Norden (Spanische Straße), bis er schließlich am 1. April 1549 feierlich in Brüssel einzog. Nach siebenjähriger Trennung traf Philipp dort wieder mit seinem kaiserlichen Vater zusammen. Anschließend bereiste er ein Jahr lang die siebzehn Provinzen der Niederlande und kam in Kontakt mit dem dortigen Kulturleben, das ihn prägen sollte. Zeit seines Lebens war Philipp ein Sammler von Werken niederländischer Maler.

Von den Niederlanden brach Philipp am 31. Mai 1550 zu einer Reise ins Heilige Römische Reich auf und nahm bis zum 14. Februar 1551 an der Seite seines Vaters am Reichstag zu Augsburg teil. Während dieser Zeit kam es zu Treffen mit Vertretern der österreichischen Linie des Hauses. Anders als die meisten Habsburger der Generationen vor ihm, die in der Regel eine äußerst polyglotte und internationale Sozialisierung durchlaufen hatten, war Philipp in Spanien mit kastilischer Muttersprache aufgewachsen, ohne andere wichtige Sprachen ausreichend erlernt zu haben. Verstärkt durch seine persönliche Distanziertheit verhinderten die fehlenden Sprachkenntnisse eine Kommunikation mit der anderssprachigen Umwelt und so galt er innerhalb der österreichischen Verwandtschaft bald als hochmütig. Auf dem Reichstag versuchte Karl V. womöglich die deutschen Reichsfürsten für die Wahl seines Sohnes zum römisch-deutschen König zu gewinnen und Philipp damit zu seinem designierten Nachfolger im Reich zu machen.[4] Karls jüngerer Bruder Ferdinand I., seit 1521 Herrscher über die habsburgischen Erblande, beharrte hingegen auf seinen eigenen Ansprüchen. Er war nicht bereit, Philipp zu akzeptieren und setzte durch, dass auch sein Sohn Erzherzog Maximilian an den Verhandlungen teilnahm. Nach langen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss, der kaum Aussicht auf Realisierung hatte. Er sah vor, dass Philipp zum römischen König und damit zum Nachfolger Ferdinands gewählt werden sollte, auf Philipp sollte Maximilian folgen. Das Vorhaben scheiterte bereits in ersten Gesprächen mit den Kurfürsten, die eine Kandidatur des „Spaniers“ Philipp ablehnten und im Hintergrund die Gefahr einer Erbmonarchie sahen. Letztlich war Karl gezwungen, auf die Nachfolge seines Sohnes im Reich verzichten.

Zweite Ehe mit Maria von England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria I. (Porträt von Anthonis Mor, 1554)

1553 hatte Maria Tudor den Thron in England bestiegen und damit begonnen, im seit zwei Jahrzehnten protestantischen Land den Katholizismus wieder durchzusetzen. Aufgrund der unter ihrer Regentschaft stattfindenden Verfolgungen von Nichtkatholiken erhielt sie in der Geschichtsschreibung den Beinamen „die blutige“ (Bloody Mary). Über seinen Gesandten Simon Renard suchte Karl V. den Kontakt mit seiner Cousine, die somit auch Philipps Tante zweiten Grades war. Karl schlug der englischen Königin am 10. Oktober 1553 ihre Vermählung mit dem spanischen Kronprinzen vor. Als Erbe Burgunds hoffte Karl, die englisch-burgundische Allianz aus dem Hundertjährigen Krieg wiederzubeleben; Maria wiederum hoffte, mit der Verbindung nach Spanien die Katholisierung Englands abzusichern und schnellstmöglich einen männlichen katholischen Thronfolger zu gebären, der ihre protestantische Schwester Elisabeth von der Thronfolge ausgeschlossen hätte. Maria war freudig und besorgt zugleich, da sie elf Jahre älter war als Philipp und der Bräutigam in England auf große Ablehnung stoßen würde.

Am 21. Juli 1554 landete Philipp in England und heiratete Maria vier Tage später in der Kathedrale von Winchester. Gemäß dem Ehevertrag erhielt Philipp zwar den Titel eines Königs von England, seine reale Macht war jedoch auf die Funktionen eines Prinzgemahls reduziert. Er durfte seine Frau bei der Verwaltung unterstützen, allerdings keine Gesetzesänderungen durchführen. Sollten aus der Ehe Nachkommen hervorgehen, so würde eine Tochter England und Niederlande regieren,[5] ein Sohn sollte England sowie Philipps Gebiete in Süddeutschland und Burgund erben.[6] Sowohl Königin als auch eventuelle Nachkommen sollten das Land nur unter Zustimmung des Adels verlassen, zudem sicherte eine Klausel England dagegen ab, in die Kriege der Habsburger involviert zu werden oder Zahlungen an das Reich leisten zu müssen. Spanier durften nicht in den Kronrat aufgenommen werden. Der Vertrag gehörte zu den vorteilhaftesten, die England je abschlossen hatte, Philipp selbst war erbost über seine Rolle.[7] Privat erklärte er, dass er sich nicht an eine Vereinbarung gebunden sah, die ohne sein Einverständnis zustande gekommen war. Er würde, so Philipp, nur unterzeichnen, damit die Heirat stattfinden konnte, „aber keinesfalls, um sich und seine Erben daran zu binden, die Paragraphen einzuhalten, besonders nicht jene, die sein Gewissen belasten würden.“[8] Trotz der Vorbehalte zeigte sich Philipp Maria gegenüber als pflichtbewusster, freundlicher Ehemann.

Kaum zwei Monate nach der Hochzeit galt Maria als schwanger und die Geburt des Kindes wurde für den April 1555 erwartet. Als jedoch der Juli verstrich, ohne dass sie ein Kind geboren hatte, wurde offensichtlich, dass sie entweder an einer Krankheit oder an einer Scheinschwangerschaft litt. Nur die Aussicht auf die Geburt eines Erben hatte Philipp in England gehalten,[9] weshalb er das Land am 19. August 1555 auf Geheiß des Vaters verließ und nach Flandern reiste. Erst im März 1557 sollten sich Maria und Philipp wiedersehen.

Herrschaftsübernahme (1555/56)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp II. als junger Herrscher (Gemälde von Tizian)

Bereits anlässlich der Hochzeit Philipps mit Maria Tudor hatte Karl seinem Sohn 1554 die Herrschaft über das Königreich Neapel überlassen. In der Aula Magna des Brüsseler Palastes Coudenberg übergab Karl V. in einem feierlichen Staatsakt am 25. Oktober 1555 die Herrschaft über die Niederlande an Philipp und legte das Amt des Großmeisters des Ordens vom Goldenen Vlies nieder. Aufgrund mangelnder Französischkenntnisse musste Philipps Minister Antoine Perrenot de Granvelle die persönliche Ansprache vor den versammelten niederländischen Ständen übernehmen. Am 16. Januar 1556 gingen dann auch die Kronen der spanischen Königreiche (Kastilien, Aragón, Sizilien und das Kolonialreich) auf Philipp über. Die Herrschaft in den habsburgischen Erblanden (Österreich, Böhmen und Ungarn) und die Römisch-deutsche Kaiserkrone übertrug Karl seinem Bruder Ferdinand I. Anschließend zog er sich nach Spanien, in das entlegene Kloster von Yuste, zurück.

Philipp II. erbte den anhalten Konflikt mit Frankreich um die Vormachtstellung in Europa (→ vgl. Hauptartikel Italienische Kriege). Der am 5. Februar 1556 mit Frankreich geschlossene Waffenstillstand von Vaucelles, in welchem dem französischen König Heinrich II. die Bistümer Metz, Verdun und Toul sowie das Piemont zugesprochen worden waren, war nur von kurzer Dauer. Vor dem drohenden Waffengang mit Frankreich musste sich Philipp die Unterstützung der Niederlande sichern und weiterhin die alten Generalstände einberufen. Widerwillig kam er der Forderung nach, dass zwei Drittel der Truppen aus Niederländern unter einem niederländischen Befehlshaber bestehen sollten. Der wiedereröffnete Krieg wurde rasch am 10. August 1557 durch die entscheidende Schlacht bei Saint-Quentin beendet. Die Spanier standen unter dem Kommando des Herzogs Emanuel Philibert von Savoyen, der Lamoral von Egmond befehligte die spanisch-niederländische Reiterei. Das französische Heer stand unter dem Befehl von Anne de Montmorency und Admiral Gaspard II. de Coligny und wurde vollständig geschlagen, Montmorency selbst geriet in Gefangenschaft. Die mit Spanien verbündete englische Armee unter William Herbert, 1. Earl of Pembroke erreichte zwar das Schlachtfeld nicht rechtzeitig, spielte aber bei der anschließenden Eroberung der Stadt eine wichtige Rolle. Nach diesem überwältigenden Sieg über die Franzosen hinterließ bei Philipp der Anblick des Schlachtfeldes eine dauerhafte Abneigung gegen den Krieg. So lehnte er es im Weiteren ab, seinen Vorteil zu nutzen und die geschlagenen feindlichen Truppen zu verfolgen und zog sich stattdessen in die Niederlande zurück. Der neuen, antihabsburgischen Allianz zwischen Papst Paul IV. und Heinrich II. von Frankreich war jedoch kein Erfolg beschieden, stattdessen besetzte der Herzog von Alba den Kirchenstaat und der Papst musste am 12. September 1557 in den Frieden von Cave-Palestrina einwilligen. Der Frieden von Cateau-Cambrésis vom 3. April 1559 beendete den Krieg. Heinrich II. verzichtete auf alle Ansprüche in Italien, behielt aber die 1552 besetzten Bistümer von Metz, Toul und Verdun. Philipp erhielt seine Territorien in Italien sowie die burgundischen Besitzungen bestätigt. Der verbündete Herzog Emanuel Philibert von Savoyen erhielt von Frankreich seine Gebiete in Savoyen und dem Piemont wieder zurück.

Am 21. September 1558 starb Karl V. auf seinem Alterssitz, als neuer Verteidiger seiner gottgewollten Aufgaben ließ sich Philipp 1558 zum Ritter vom Heiligen Grab schlagen.[10] Nachdem seine zweite Frau, Maria Tudor, am 17. November 1558 kinderlos gestorben war, machte Philipp ihrer jüngeren Schwester Elisabeth I. von England Avancen, doch sein Plan schlug fehl.

„Meine Schwester hat durch die Heirat mit Euch die Gunst ihres Volkes verspielt, glaubt ihr ich werde denselben Fehler machen?“

– Elisabeth von England über Philipps Heiratsantrag

Um sich in Spanien als König anerkennen zu lassen, verließ Philipp II. nach dem Frieden von Cateau-Cambrésis 1559 die Niederlande und sollte nicht mehr in das Land zurückkehren. Zur Statthalterin ernannte er seine Halbschwester Margarethe von Parma, eine uneheliche Tochter Karls V. mit Johanna van der Gheynst.

Dritte Ehe mit Elisabeth von Valois[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth von Valois, Porträt von Sofonisba Anguissola um 1565
Die Töchter Philipps II.: Isabella Clara und Katharina Michaela (gemalt von Sofonisba Anguissola, 1570)

Der Frieden von Cateau-Cambrésis beendete die sechzigjährige Auseinandersetzung mit Frankreich und bildete den Höhepunkt der spanischen Großmachtpolitik. Philipp II. verlegte das Zentrum der habsburgischen Interessen 1559 endgültig von den Niederlanden nach Spanien. Madrid, im Zentrum Kastiliens, dem spanischen Herzland, gelegen, wurde die neue Hauptstadt.

Eine Bedingung des Friedensvertrages war die dritte Ehe Philipps mit Elisabeth von Valois, der Tochter Heinrichs II. mit Caterina de’ Medici, die allerdings zunächst Philipps Sohn Don Carlos versprochen war. Philipp löste die Verlobung zwischen Don Carlos und Elisabeth und schickte den Herzog von Alba als eigenen Brautwerber an den französischen Hof. Caterina de’ Medici willigte schließlich in die Vermählung ihrer 15 Jahre alten Tochter mit dem wesentlich älteren spanischen König ein, in der Hoffnung, dass diese die spanische Politik zugunsten Frankreichs beeinflussen könne. Die Ehe wurde am 2. Februar 1560 in Toledo geschlossen. Die französische Prinzessin wurde in Spanien später Isabel de la Paz genannt, da ihre Vermählung mit Philipp den langersehnten Frieden zwischen den beiden Mächten besiegelte. Elisabeth von Valois wurde von Zeitgenossen als strahlende Schönheit gerühmt. Mit ihren dunklen Haaren und Augen, ihrem ebenmäßigen Gesicht, ihrer zierlichen Figur, ihrem hellen Teint, ihrem eleganten Verhalten und ihrer modernen Garderobe gewann sie die Zuneigung ihres königlichen Gatten, der spanischen Höflinge und wurde auch in der weiteren spanischen Öffentlichkeit populär.

In ihrer neuen Heimat litt Elisabeth zunächst unter Heimweh und hatte Schwierigkeiten, sich an ihre neue Rolle als Königin von Spanien zu gewöhnen. Schon im Februar 1560 erkrankte sie an den Windpocken und erholte sich nur langsam. Elisabeths geschwächter Körper wurde schließlich Ende des Jahres noch von den Pocken befallen, so dass sie die meiste Zeit das Bett hüten musste. Trotz der hohen Ansteckungsgefahr wich Philipp während dieser Zeit kaum von ihrer Seite und pflegte sie hingebungsvoll. Philipp, der von seinen Zeitgenossen als kalt und unnahbar beschrieben wurde, veränderte sich in Gegenwart seiner jungen Gattin in einen fröhlichen und liebevollen Ehemann, der seiner Frau jeden Wunsch von den Augen las. Obwohl Philipp Elisabeth offenbar aufrichtig liebte, stand das Familienleben in seinem Tagesablauf nur an zweiter Stelle. Philipp war Monarch mit Leib und Seele und konnte tagelang seine Zeit mit der Planung von Feldzügen und politischen Entscheidungen verbringen. Elisabeth unterstützte ihn bei seinen Regierungsgeschäften und wandelte sich mehr und mehr von der jungen französischen Prinzessin zu einer intelligenten, mildtätigen, frommen und mitfühlenden Königin, der das Wohl des spanischen Volkes ein Anliegen war.

Elisabeth war insgesamt fünfmal schwanger. Ihre erste Schwangerschaft war im Vergleich zu den folgenden harmlos: Im April 1560 wurde sie von einem Sohn entbunden, der jedoch bereits nach wenigen Stunden starb. Elisabeth tröstete sich jedoch mit dem Gedanken, noch weitere Kinder bekommen zu können. Im Mai 1564 begann ihre zweite Schwangerschaft und damit auch ein Martyrium, von dem sie erst ihr früher Tod befreien sollte. Im vierten Monat erlitt sie einen gefährlichen Fieberanfall, der von den spanischen Ärzten mit den damals üblichen Purgationen und Aderlässen behandelt wurde. Bei der Geburt der Infantin Isabella Clara am 12. August 1566 kam es zu Komplikationen und sie schwebte mehrere Tage zwischen Leben und Tod. Im nächsten Jahr folgte die Tochter Katharina Michaela. Die vielen Krankheiten und die Qualen der Geburten hatten ihre Spuren auf Elisabeths Körper hinterlassen. Sie wurde immer blasser und dünner und der ausgezehrte Körper immer schwächer. Trotzdem versuchte sie weiterhin, ihren Mann bezüglich der Regierungsgeschäfte zu beraten. Im Zuge einer weiteren Schwangerschaft erkrankte sie im Herbst 1568 schwer und erholte sich nicht mehr. Am späten Morgen des 3. Oktober erlitt sie eine Frühgeburt, sie verlor mehrere Male das Bewusstsein und verschied in Aranjuez noch am selben Tag in Anwesenheit Philipps, ohne einen männlichen Thronfolger geboren zu haben.

Aus der Ehe mit Elisabeth von Valois gingen zwei überlebende Nachkommen hervor:

Bau des El Escorial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild des Escorial

Nach dem überwältigenden Sieg über Frankreich in der Schlacht von Saint-Quentin (10. August 1557), dem Festtag des heiligen Laurentius (spanisch San Lorenzo), schwor Philipp II. zum Dank ein Kloster zu errichten (Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial). Dafür wählten seine Astrologen den kleinen kastilischen Ort El Escorial („die Schutthalde“), etwa 50 Kilometer von Madrid entfernt, aus. Auf seinen Befehl hin begannen am 23. April 1563 die Bauarbeiten für die großangelegte Klosterresidenz. Entworfen wurde das Bauwerk von Juan Bautista de Toledo, einem Schüler Michelangelos. Nach dessen Tod (1567) übernahm Juan de Herrera die Bauleitung bis zur Einsegnung am 13. September 1584.

Aufgrund der Vorliebe Philipps II. für einen asketischen Lebensstil ist der Escorial in der nüchternen Art der spanischen Renaissance gestaltet und der Bau gilt als erstes Beispiel für den Herrera-Stil. Der Gebäudekomplex umfasst eine Grundfläche von 33.000 qm und beinhaltet eine Kirche, ein dem Hl. Laurentius gewidmetes Kloster des Ordens der Hieronymiten, den eigentlichen Königspalast, eine Schule und eine Bibliothek. Insgesamt gibt es 2.000 Gemächer mit 3.000 Türen und 2.673 Fenstern, außerdem 16 Innenhöfe, 12 Kreuzgänge, 88 Brunnen und 86 Treppenaufgänge. Damit ist die Klosterburg der größte Renaissancebau der Welt.

Don Carlos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Don Carlos, gemalt von Jooris van der Straaten (ca. 1562)

Als ältester Sohn Philipps aus seiner ersten Ehe mit Maria von Portugal war Don Carlos legitimer Thronfolger Spaniens und wurde 1560 vom spanischen Adel als Fürst von Asturien anerkannt. Möglicherweise infolge der nahen Verwandtschaft seiner Eltern war Carlos körperlich zurückgeblieben und galt geistig als schwach entwickelt, weshalb Philipp skeptisch hinsichtlich den Fähigkeiten seines Erstgeborenen war. Don Carlos wurde von seinem Vater unter strenge klerikale Aufsicht gestellt. Als der König 1566 anstelle seines Sohnes den Herzog von Alba zum Feldherren gegen den Aufstand der Niederlande bestimmte, stellte sich Carlos gegen den Vater. Aus Wut verfasste er eine Liste der ihm am meisten verhassten Personen, an deren erster Stelle sein Vater stand. Um seinen Sohn zu beruhigen, ernannte Philipp ihn zum Minister des Staatsrats, in welchem sich Carlos anfangs recht gut arrangierte. Er fiel jedoch bald in sein altes Verhalten zurück, woraufhin ihm sein Vater die Aufgabe wieder entzog.

Der Prinz plante seine Flucht in die Niederlande, um sich dort den Gegnern Philipps II. anzuschließen. Die Pläne wurden aufgedeckt und Philipp ließ seinen Sohn im Januar 1568 wegen Hochverrats unter dramatischen Umständen festnehmen.[11] Im Sommer wurde es in der Dachkammer, in der man Don Carlos eingesperrt hatte, unerträglich heiß, sodass er den Steinboden mit Wasser besprengen ließ.[12] Er ging barfuß, trank große Mengen Eiswasser und erkältete sich schwer. Als er sein Ende nahen fühlte, verlangte er danach, seinen Vater zu sehen, um sich mit ihm zu versöhnen. Dieser verweigerte ihm jedoch eine letzte Begegnung.[13] Als der Prinz kurze Zeit später am 24. Juli 1568 starb, behaupteten Philipps Feinde, er habe den Mord an seinem eigenen Sohn in Auftrag gegeben. Wahrscheinlicher ist, dass Don Carlos an hohem Fieber und starken Koliken starb. Da er zu diesem Zeitpunkt der einzige Thronfolger war, hätte es bei einem Tode Philipps zu einer Staatskrise kommen können.

Die Geschichte um Don Carlos verarbeitete Friedrich Schiller 1787 in seinem Drama Don Karlos. Es kritisiert nur vordergründig und im Geist der Aufklärung die Zustände am (spanischen) Hof und dessen Verbindung mit der katholischen Kirche, insbesondere der (Spanischen) Inquisition. Für Schiller diente unter anderen Philipp II. als ein Beispiel für einen „tyrannischen Absolutismus“, der letztlich der Wandlung zum „Aufgeklärten Absolutismus“ bedarf. Es war nicht Schillers Absicht, ein historisch korrektes Drama zu schreiben.

Aufstand der Niederlande[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herzog von Alba auf einem Gemälde von Tizian

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte die spanisch-englische Feindschaft wieder auf, insbesondere weil beide versuchten, die jeweils eigene Konfession auch über die Landesgrenzen hinaus durchzusetzen. Philipp II. setzte die bereits unter seinem Vater Karl V. begonnene Verfolgung von Häretikern, die schon Unruhen in den Niederlanden hervorgerufen hatten, noch konsequenter fort. Im Jahre 1559 ernannte er im Zuge einer kirchlichen Reorganisation neue Bischöfe, die auch in den Generalständen der Provinzen, den so genannten Generalstaaten, vertreten sein sollten, und verkleinerte die Bistümer. Als Statthalterin in den Niederlanden setzte er seine Halbschwester Margarethe von Parma ein und stellte ihr als ersten Minister den Bischof von Mechelen, Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle, zur Seite. Einige Mitglieder des niederländischen Staatsrates unter der Führung von Wilhelm I. von Oranien und der Grafen Egmond und Hoorn protestierten vehement gegen diese Änderungen und erzwangen 1564 Granvelles Rücktritt. Der Protest gegen die spanische Herrschaft erreichte im selben Jahr mit den Bilderstürmen der Calvinisten einen ersten Höhepunkt. Philipp hob daraufhin zwar die Inquisition auf, entsandte aber 1567 Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba, als neuen Statthalter zu einer Strafexpedition in die Niederlande. Alba gelang es auch zunächst, die regionalen Aufstände der Niederländer mit Hilfe von Sondergerichten, dem sogenannten Blutrat von Brüssel, zu unterdrücken. Der Graf von Egmond stellte sich zur Unterwerfung des Aufstandes der Regentin zur Verfügung, leistete ihr einen erneuerten Treueid und half, das königliche Regiment auf neuer Grundlage zu festigen. Dennoch zürnte ihm Philipp wegen seiner früheren Opposition. Egmond aber fühlte sich ganz sicher, ließ die Warnungen Wilhelms von Oranien auf ihrer letzten Zusammenkunft in Willebroek unbeachtet, ging Alba bis zur Grenze entgegen und ritt an seiner Seite in Brüssel ein. Er wurde am 9. September 1567 gefangengenommen und vor Albas Blutrat gestellt. Die Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition verurteilte in einem Dekret vom 16. Februar 1568 faktisch alle etwa drei Millionen Niederländer wegen Häresie zum Tode und nahm nur wenige benannte Personen davon aus. Der spanische König Philipp II. bestätigte zehn Tage später diese Verfügung der Inquisition und befahl den Beginn der Exekutionen. Egmonds Privilegium als Ritter des Vlieses wurde nicht geachtet; als Hochverräter und Rebell wurde er zum Tode verurteilt und zusammen mit dem Grafen Philipp von Hoorn am 5. Juni 1568 auf dem Großen Markt in Brüssel enthauptet.

Hinrichtung von Egmond und Horn am 5. Juni 1568 auf dem Großen Markt in Brüssel, Darstellung aus dem 19. Jahrhundert

Der daraufhin ausbrechende Achtzigjährige Krieg begann mit dem ersten militärischen Aufeinandertreffen beider Seiten in der Schlacht von Heiligerlee, in der Adolf von Nassau, der Bruder Wilhelms von Oranien, fiel. Am 21. Juli 1568 schlug Alba ein aufständisches Heer unter Ludwig von Nassau in der Schlacht bei Jemgum (Jemmingen) und verwüstete die Umgebung von Groningen. Vor allem die „Wassergeusen“ genannten niederländischen Kaperschiffer machten in der Folge den Spaniern durch ihre fortwährenden Angriffe auf Seetransporte und Stützpunkte schwer zu schaffen. Alba besiegte in den Folgejahren die niederländischen Truppen unter Führung von Wilhelm I. von Oranien zwar erneut, machte sich aber durch sein hartes Regime untragbar. Am 17. Oktober 1573 wurde der Herzog von Alba durch den bisherigen Statthalter von Mailand Luís de Zúñiga y Requesens abgelöst. Auch wenn der neue Statthalter zunächst erfolgreicher als sein Vorgänger war, gelang den Aufständischen erneut ein großer Sieg: Sie fluteten das Land, segelten nach Leiden und befreiten die Stadt von den spanischen Belagerern (Belagerung von Leiden). Am 3. Oktober 1574 befreiten die Seegeusen Leiden, die Spanier erlitten eine verlustreiche Niederlage. Philipp II. ermächtigte Requesens, Friedensverhandlungen mit den Generalstaaten zu führen, die am 3. März 1575 in Breda begannen. Spanien verlangte die Rückkehr der Niederlande zum katholischen Glauben. Katholiken wurde die Rückerstattung des während der Statthalterschaft Albas (1566–1573) konfiszierten Vermögens versprochen. Protestanten sollten in den nächsten sechs Monaten auswandern, des Weiteren sollte ihnen eine Frist von acht bis zehn Jahren zum Verkauf ihres Besitzes in den Niederlanden gewährt werden. Doch schon am 13. Juli 1575 wurden die Verhandlungen ergebnislos beendet. Trotz des zeitgleichen spanischen Staatsbankrotts begann Requesens am 28. September 1575 mit der Belagerung von Zierikzee. Während des Jahres 1575 fand eine kurzzeitige Annäherung Spaniens an England statt. Die englische Königin Elisabeth I. ließ die englischen Häfen für die niederländischen Rebellen sperren. Requesens verstarb überraschend im März 1576, wegen des fehlenden Soldes kam es im Heer bereits zu Meutereien, die am 4. November mit der Plünderung von Antwerpen eskalierten.

Der neue spanische Statthalter Juan de Austria, der Halbbruder von Philipp II., akzeptierte die Forderungen formal, trotzdem gingen die Unruhen weiter. Die Genter Pazifikation sollte die letzte gemeinsame Handlung der 17 niederländischen Provinzen sein. Am 24. Juli 1581 bildeten die Provinzen der Utrechter Union die Republik der Vereinigten Niederlande und erklärten ihre Unabhängigkeit. Wilhelm I. von Oranien wurde zum Statthalter der neuen Republik ernannt. Die nicht der Union von Arras beigetretenen Teile der südlichen Provinzen wurden zwischen 1581 und 1585, teils nach schwierigen Belagerungen, von den Spaniern unter dem neuen Statthalter Alexander Farnese, dem Sohn Margarethes von Parma, unterworfen. Zwar wurde Wilhelm 1584 von einem Katholiken ermordet, die Generalstaaten konnten sich jedoch relativ schnell auf Wilhelms Sohn Moritz von Oranien als Nachfolger einigen. Als Alexander Farnese 1585 Antwerpen eroberte, waren die Provinzen der Utrechter Union auf das Höchste gefährdet. Es gelang jedoch dem Landesadvokaten der Provinz Holland, Johan van Oldenbarnevelt, 1596 einen Pakt der Generalstaaten mit England auszuhandeln. Mit dessen finanzieller und militärischer Unterstützung wurde der Krieg gegen Spanien weitergeführt. Auch große Teile der nordöstlichen Niederlande wurden in diesen Jahren von den Spaniern erobert, aber diese Eroberungen wurden nach 1589 von den Niederländern rückgängig gemacht. Erfolgreich verlief am Ende nur der Unabhängigkeitskrieg im Norden.

Vierte Ehe mit Anna von Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzherzogin Anna von Österreich, Königin von Spanien

Am 12. September 1570 heiratete Philipp II. in vierter Ehe in Segovia seine Nichte Erzherzogin Anna von Österreich (1549–1580). Anna war die älteste Tochter des römisch-deutschen Kaisers Maximilian II. (1527–1576) aus dessen Ehe mit Maria von Spanien (1528–1603). Den Dispens für die Ehe hatte Papst Pius V. erst nach längerem Widerstand erteilt. Auf ihrer Brautfahrt wurde sie von ihren jüngeren Brüdern Albrecht und Wenzel begleitet, die nie wieder nach Österreich zurückkehrten.[14] Philipp schaffte es nicht, seine Gefühle für Elisabeth auf Anna zu übertragen, und die beiden kamen sich nie wirklich näher. Die fruchtbare Anna hatte ihm außer den Söhnen Ferdinand, Carlos Laurentius und Diego auch die Tochter María und am 14. April 1578 den ersehnten Thronfolger Philipp III. geschenkt.

Anna von Österreich nahm sich auch der beiden Stieftöchter Isabella Clara Eugenia und Katharina Michaela an, zu denen sie ein enges Vertrauensverhältnis entwickelte. Während der Reise nach Portugal, die 1580 Philipps Anspruch auf den portugiesischen Thron nach dem Tod des kinderlosen Königs Enrique konsolidieren sollte, erkrankte der König schwer an Grippe. Anna steckte sich bei der Pflege Philipps damit an.[15] Die neuerlich schwangere Anna überlebte die Krankheit nicht. Die Ärzte, die sie retten wollten, ließen sie bis zur Blutleere zur Ader. Nachdem sie nach tagelangen Qualen eine lebensunfähige Frühgeburt hatte, starb sie an Herzschwäche. Sie hatte fünf Kinder geboren, doch nur der spätere König erreichte das Erwachsenenalter.

Philipp traf der Tod seiner Gemahlin schwer, zwei Jahre später schrieb er über die Todesnacht an seine Tochter: „Ich werde mich immer an diese Nacht erinnern, auch wenn ich tausend Jahre leben sollte“.[16]

Don Juan und der Krieg im Mittelmeer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp II. legitimierte auf Wunsch seines Vaters noch zu dessen Lebzeiten Johann von Österreich (1547–1578) als seinen Halbbruder, nachdem dies Karl V. bereits im Geheimen getan hatte. Philipp II. führte nach dem Tod des abgedankten Kaisers seinen Halbbruder 1559 als Don Juan de Austria offiziell bei Hofe ein, wie es der Vater testamentarisch verfügt hatte. Don Juan übernahm nach und nach wichtige militärische Kommandos. Er wurde 1568 zum Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte.

Don Juan de Austria, zeitgenössisches Porträt

Philipps Herrschaft blieb unterdessen durch finanzielle Instabilitäten gekennzeichnet. An den verstärkten Plünderungen durch nordafrikanische Korsaren gab man zunehmend den Morisken, den getauften Arabern, die Schuld. Gegen diese wurden auf Betreiben der Inquisition und mit Unterstützung der Krone Edikte erlassen, um ihre Kultur in Andalusien völlig auszulöschen. Im April 1568 kam es im Gebirge von Alpuaxarras zum ersten Aufstand der Morisken. Der Herzog von Mondejar konnte den drohenden Verlust von Granada aber verhindern und ging im folgenden Jahr zusammen mit dem Herzog von Sessa zum Angriff über. Im Januar 1570 übernahm schließlich Don Juan selbst den Oberbefehl und erstickte den Aufstand bis März dieses Jahres, worauf grausame Massaker folgten. Die Eroberung der Insel Zypern durch die Osmanen unter Piyala Pascha am 1. August 1571 bot den christlichen Mächten Anlass, die direkte Konfrontation mit der osmanischen Flotte zu suchen. Gleichzeitig wurden diese Ereignisse benutzt, um im November 1571 mit der zwangsweisen Aussiedlung der spanischen Moriskos nach Nordafrika zu beginnen. Um das Erstarken der osmanischen Flotte einzudämmen, einigten sich unter Vermittlung des Papstes Pius V. die Republik Venedig und Spanien, eine gemeinsame Flotte in das östliche Mittelmeer zu entsenden. Die entscheidende Seeschlacht von Lepanto fand am 7. Oktober 1571 bei Patras im Ionischen Meer statt. Oberbefehlshaber auf der Seite der Heiligen Liga war Don Juan de Austria, auf osmanischer Seite der Kaptan-Derya Ali Pascha, der in der Schlacht fiel. Die christlichen Mittelmeermächte errangen hier mit Spanien an der Spitze einen überraschenden und großen Sieg über das Osmanische Reich. Philipp II. wollte von einer weiteren Entscheidungsschlacht gegen die Türken nichts wissen. Don Juans Flotte brach aber 1573 von Neapel auf, um in Nordafrika den Kampf gegen die mit den Türken verbündeten Korsaren aufzunehmen. Juan de Austria gelang die Eroberung von Tunis, das jedoch bald darauf wieder von den Türken zurückerobert wurde. Ein neuerlicher Angriff auf die Türken wurde Don Juan vom König untersagt. Auch die vom Papst ins Gespräch gebrachte Hochzeit mit der schottischen Königin Maria Stuart scheiterte am Widerspruch seines königlichen Halbbruders.

Perez-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ana de Mendoza y de la Cerda, Fürstin von Éboli

Nach dem Tod von Philipps Jugendfreund und Minister Ruy Gómez de Silva, Fürst von Eboli im Jahre 1573[17] wandte sich dessen Witwe Anna de Mendoza y de la Cerda langsam Philipps Staatssekretär, Antonio Pérez (1539–1611), zu. Die beiden engagierten sich in der Friedenspartei gegen die strenge Politik des Herzogs von Alba und verkauften im Geheimen Staatsgeheimnisse an den Meistbietenden. In den Niederlanden drohte die Lage nach dem Tod des bisherigen Statthalters, Don Luís de Zúñiga y Requesens, wieder zu eskalieren. Es gelang Philipp II., Don Juan zur Annahme der Generalstatthalterwürde zu bewegen. Am 12. Februar 1577 unterzeichnete Don Juan mit den niederländischen Generalstaaten das Ewige Edikt und konnte dafür am 1. Mai 1577 in Brüssel einziehen. Philipp II. war wegen der Beliebtheit seines Halbbruders bereits misstrauisch und verweigerte ihm weitere Unterstützung, diesen Umstand versuchten sein Sekretär Antonio Pérez und die Fürstin von Eboli für persönliche Vorteile auszunutzen. Durch den Rat von Pérez hatte man bereits den Sekretär Juan de Escobedo in das nähere Umfeld Don Juans eingeschleust, um ihn auszuspionieren. Wider Erwarten hielt Escobedo jedoch seinem neuen Herrn die Treue. Pérez war als Sekretär für die Angelegenheiten der Niederlande in der Lage, sämtliche Berichte abzufangen und zu seinem eigenen Vorteil zu manipulieren.

Im Dezember 1577 wurde der inzwischen erkrankte Don Juan de Austria von den Generalstaaten zum öffentlichen Feind erklärt. Don Juan überlebte nur knapp einen Mordanschlag, der von englischer Seite aus auf ihn geplant war, da die englische Königin Elisabeth I. befürchtete, dass er Maria Stuart heiraten und sie gewaltsam mit einem Heer befreien könnte oder auch, dass er es schaffen könnte, die Niederlande erfolgreich zu unterwerfen. Nachdem Don Juan seinerseits Escobedo nach Madrid sandte, um Gelder zu besorgen, sah Philipp darin bereits Verrat gegen seine Person. Pérez erhielt im Geheimen vom König die Zustimmung gegen diese Verschwörung vorzugehen, er entfernte sich aus Madrid und ließ Escobedo in der Nacht des 31. März 1578 durch gedungene Mörder erdolchen. Ein paar Monate später, am 1. Oktober, starb Don Juan, wahrscheinlich an Typhus, in den Niederlanden. König Philipp wurde bald selbst misstrauisch gegenüber den Motiven seines Sekretärs und erkannte, dass er seine Zustimmung zu einem schrecklichen Verbrechen gegeben hatte. Am 28. Juli 1579 wurden Antonio Pérez und die Fürstin von Eboli im Auftrag des Königs verhaftet. Perez wurde vorerst inhaftiert und nach langwierigen Prozessen in Turégano gefangengesetzt. Die Fürstin von Eboli wurde des Verrates bezichtigt und zu lebenslangem Hausarrest in ihrem eigenen Schloss in Pastrana verurteilt.

Union mit Portugal und Krieg gegen England[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Importe Spaniens aus den überseeischen Kolonien in Amerika verbesserten zeitweilig seine finanzielle Situation, was es Philipp erlaubte, größeren Druck auf seine Feinde auszuüben. Im Januar 1580 starb mit dem Kardinalkönig Enrique I. das Haus Avis aus; Philipp II. sah sich als Thronerbe des Königreiches Portugal und setzte seinen Anspruch im Sommer 1580 militärisch gegen den selbsternannten Gegenkönig António von Crato durch: Am 14. August ließ er Lissabon durch die Truppen des Herzogs von Alba besetzen. Portugal galt damals durch seine Entdeckungen zur See und durch florierende Niederlassungen in Ostindien und Brasilien als wohlhabend; unter der neuen spanischen Herrschaft ging es auch mit diesem Land abwärts.

Auf den Weltmeeren herrschte wirtschaftliche Konkurrenz. Die Angriffe und der Schmuggel englischer Freibeuter wie Francis Drake und John Hawkins in der Karibik forderten die Spanier in ihren Kolonien heraus und brachten den Silberfluss aus Potosí nach Spanien zum Stocken. Am 4. April 1581 erhob Elisabeth Drake an Bord seines Schiffes in den Ritterstand, statt ihn, wie von Philipp II. in einer Protestnote gefordert, auszuliefern. In dem Konflikt spielte auch die unterschiedliche Konfession eine Rolle, die dem tief religiösen und streng katholischen Philipp am Herzen lag: Die protestantische Elisabeth unterstützte die Protestanten in Frankreich und den Niederlanden. So stand sie hinter Heinrich von Navarra, dem „König ohne Krone, der ohne Geld Krieg führt“, und stützte ihn gegen die katholische Gegenpartei des Herzogs von Guise, der wiederum von Spanien unterstützt wurde. In den Niederlanden unterstützte sie die Aufständischen (Geusen) bzw. Wilhelm von Oranien gegen die spanische Besatzung. Die Enthauptung der schottischen Königin Maria Stuart 1587 und die dauernden Überfälle englischer Kaperkapitäne auf spanische Handelsschiffe gaben Philipp die Rechtfertigung für eine Invasion Englands.

Die Route der Spanischen Armada

Die Sammlung der spanischen Armada organisierte anfangs der Seeheld Álvaro de Bazán, Marques von Santa Cruz in Lissabon. Er wurde nach seinem überraschenden Tod am 9. Februar 1588 durch Alonso Pérez de Guzmán, Herzog von Medina-Sidonia gegen dessen ausdrücklichen Wunsch ersetzt. Die Armada lief am 19. Mai mit etwa 130 Einheiten aus der Tajomündung aus, ergänzte sich drei Wochen in La Coruna und erreichte Anfang August die niederländische Küste. Bei Gravelines sollte planmäßig die Einschiffung starker Landungstruppen unter Alexander Farnese, dem Herzog von Parma, erfolgen. Doch die Gegenangriffe der moderner bewaffneten, wendigeren englischen Flotte unter Charles Howard und Francis Drake und der Einsatz von Brandschiffen am 8. August bei Gravelines brachten die spanischen Geschwader schnell in Unordnung. Ohne Parmas Truppen war an die Fortführung der Invasion nicht mehr zu denken, in der Straße von Dover erlitt die Flotte Medina Sidonias durch die Verfolger weitere Verluste. Die Schäden waren bis dahin nicht so katastrophal, wie lange angenommen wurde. Aber das Selbstvertrauen war gebrochen, etwa 30 Galeonen wurden vom Feind aufgebracht oder waren ganz verloren gegangen. Die Opferzahlen der Engländer lagen etwa bei der Hälfte der spanischen und waren weitestgehend auf Krankheiten zurückzuführen. Der spanische Rückzug wurde zudem über die schottische Nordküste und Irland herum angetreten, die einsetzenden Unwetter brachten der Armada erst jetzt die schwersten Verluste. Nur etwa 65 Einheiten retteten sich bis Ende September in den Heimathafen von Santander.

Der Englisch-Spanische Krieg war damit nicht beendet, vielmehr trugen die Engländer die Auseinandersetzung nach Spanien und in die Kolonien, während die Spanier noch mehrmals versuchten in England und Schottland zu landen. Der Krieg endete erst 1604.

Neuer Krieg gegen Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Farnese, Herzog von Parma, Statthalter der Niederlande

Am 2. August 1589 wurde König Heinrich III. von Frankreich ermordet, die männliche Linie der Valois war somit erloschen. Philipp II. erhob Thronansprüche für seine Tochter Isabella Clara Eugenia, da sie dessen Nichte war. Der Thronanspruch hatte aber keine rechtliche Grundlage, da das salische Gesetz in Frankreich die weibliche Erbfolge ausschloss und Elisabeth von Valois bei ihrer Hochzeit auf all ihre Ansprüche auf den französischen Thron verzichtet hatte. Der rechtmäßige König nach dem französischen Erbgesetz war der protestantische König Heinrich von Navarra, der als Heinrich IV. von Frankreich den Thron bestieg.

Von 1590 bis 1598 griff Philipp II., vom Papst unterstützt, auf der Seite der französischen Katholiken in den Religionskrieg gegen Heinrich IV. ein. Spaniens Statthalter in den Niederlanden, Alexander Farnese, zog 1590 mit einem starken Heer nach Frankreich und entsetzte das von Heinrich belagerte Paris. Er versorgte die Stadt mit Lebensmitteln, erstürmte Lagny und rückte bis vor Corbeil, welches Paris die Zufuhr abschnitt. Die Niederländer unter Moritz von Nassau nahmen derweil im niederländischen Hinterland mehrere Städte ein und bedrohten Brüssel. Farnese musste zurückeilen, erhielt aber vom König nicht genug Zeit, die Sache richtig zu ordnen, sondern musste 1591 erneut in Frankreich einrücken. Er eroberte Caudebec und entsetzte beim Einmarsch in die Normandie auch das von Heinrich IV. belagerte Rouen. Mehr konnte Farnese nicht bewirken, da er nicht nur beständig Heinrichs weit überlegene Macht vor sich hatte, sondern ihm auch der verbündete Herzog von Mayenne misstrauisch die Truppenhilfe verweigerte. Gesundheitlich angeschlagen, musste Farnese sich nach einem vergeblichen Versuch, St. Quentin zu erobern zurückziehen; seine schon geschwächten Truppen standen noch bei Arras, als ihn dort am 2. Dezember 1592 der Fiebertod ereilte. Im März 1594 verließ die letzte spanische Garnison Paris, das daraufhin die neue Hauptstadt Heinrichs IV. wurde. Im Januar 1595 schloss Frankreich mit England und den Generalstaaten eine starke Koalition gegen Spanien, wo es infolge der Kriegskosten zu einem neuen Staatsbankrott kam. Am 2. Mai 1598 vermittelte der neue Statthalter der spanischen Niederlande, Erzherzog Albrecht, mit Heinrich IV. den Frieden von Vervins, der den Gebietszustand von 1559 wieder herstellte.

Staatsbankrotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp II. war während seiner Regierungszeit dreimal gezwungen, seinen Gläubigern den Staatsbankrott zu erklären: In den Jahren 1557, 1575 und 1596 konnten keine Zahlungen mehr geleistet werden. 1557 war besonders das Handelshaus der Welser hiervon betroffen.[18][19] Die Hauptursache der Bankrotte lag in der starken Inflation, hervorgerufen durch die Flut von Goldbarren aus den amerikanischen Kolonien, zusammen mit den zu hohen Staatsausgaben für die Kriegsführung an mehreren Fronten. Unter Philipps Herrschaft stiegen die Preis auf das Fünffache. Die hohe Steuerlast drückte auf die Wirtschaft. Philipp wurde abhängig von Krediten bei ausländischen Geldgebern, vor allem bei den Bankhäusern in Genua und Augsburg. Ein Großteil des spanischen Reichtums wurde für Krieg und für die Einfuhr von Industriegütern für die schwelgerische Aristokratie verbraucht. Obwohl Spanien eigentlich bankrott war, wurden in den letzten Jahren mehr Gold und Silber aus Amerika nach Spanien gebracht als jemals zuvor. Dieser Umstand erlaubte Spanien seine militärischen Anstrengungen fortzusetzen, führte aber zu einer erhöhten Abhängigkeit von den Edelmetallen. Die letzte Suspendierung von Zahlungen in seiner Regentschaft verfügte er am 29. November 1596.[20] Am Ende der Regierungszeit Philipps erreichten die jährlichen Zinszahlungen für seine Kredite bereits 40 Prozent der staatlichen Einnahmen.

Persönlichkeit und Lebensende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typische Kurznachricht an einen Sekretär in der unverwechselbaren Späthandschrift des Königs, aufgrund des Entwicklungsstands der Handschrift auf ca. 1580/85 zu datieren. Die wahrscheinlich an Mateo Vázquez gerichtete Nachricht lautet A lo que benía aqui os responderé otro día tan presto como yo pueda (,) que agora no puedo

König Philipp hatte die sogenannte burgundische Unterlippe und glich äußerlich eher einem Flamen als einem Spanier.

Seine Persönlichkeit stand lange im Widerstreit ganz unterschiedlicher Einschätzungen. Auf der einen Seite stand Philipp II. gerade außerhalb Spaniens im Mittelpunkt der „leyenda negra“ (schwarzen Legende), die aus Philipps Weltmachtstellung das Bild einer blutigen und brutalen Tyrannei zeichnete und diese Elemente auf seine Persönlichkeit übertrug. So schrieb der amerikanische Historiker John Lothrop Motley im 19. Jahrhundert: „Wenn Philipp eine einzige Tugend besessen hat, ist sie der sorgfältigen Recherche des Autors entgangen. Sollte es Laster geben – was anzunehmen ist – von denen er ausgenommen war, dann deshalb, weil die menschliche Natur nicht einmal im Bösen Perfektion zulässt.“[21]

Auf der anderen Seite findet sich vor allem in Spanien die Tradition einer Darstellung des Herrschers als „rey prudente“ bzw. „rey sabio“ (weiser König), der nach seiner Selbstdarstellung als neuer Salomo aus dem neuen Tempel Escorial die Welt mit Übersicht steuerte.[22] Diese veralteten Wertungen sind bisher nicht durch eine neue Meistererzählung in der Geschichtswissenschaft abgelöst worden, weshalb Helmut G. Koenigsberger Philipp II. noch vor Napoleon und Stalin als die „vielleicht rätselhafteste und umstrittenste Persönlichkeit der Neuzeit“ ansieht.[23]

Die beiden heranwachsenden Töchter Isabella Clara Eugenia und Katharina Michaela wurden Philipps wichtigste Vertrauenspersonen, die ihn wie ihre früh verstorbene Mutter bei wichtigen politischen Fragen beraten durften. So schrieb er seinen Töchtern am 15. Januar 1582 aus Lissabon: „Ich höre, daß es Euch allen gut geht – das sind herrliche Nachrichten für mich! Wenn Eurer kleinen Schwester (Maria, 1580–1583, Tochter aus seiner vierten Ehe) die ersten Milchzähne kommen, so scheint mir das etwas verfrüht: das soll wohl ein Ersatz für die zwei Zähne sein, die ich im Begriff bin zu verlieren – wenn ich drüben ankomme (in Spanien), werde ich sie kaum mehr haben!“

Philipps papiergestützte Herrschaftstechnik machte ihn zum „Archetyp des modernen Bürokraten“,[24] seine Herrschaft wird in der historischen Forschung als das „erste lückenlos bürokratisierte System der Neuzeit“ betrachtet, was ihm schon zu Lebzeiten den Beinamen „rey papelero“ (Papierkönig) einbrachte.[25] Eine Einordnung der Herrschaftstechnik Philipps für sein weltumspannendes Reich in die Wissensvorräte und Herrschaftsvorstellungen seiner Zeit hat Arndt Brendecke geliefert.[26] Mit seinen Sekretären, vor allem mit seinem langjährigen Vertrauten Mateo Vázquez de Leca, tauschte Philipp ungeheuere Mengen kurzer Nachrichten auf Zetteln aus, von denen etwa 10.000 bis ins 19. Jahrhundert als geschlossener Fundus im Archiv der Grafen von Altamira lagen, später aber auf zahlreiche europäische Archive und Sammlungen verstreut wurden.

Den Forschungen des britischen Historikers Geoffrey Parker zufolge war Philipp der erste Monarch Europas, der eine Brille benutzte. Das trifft in dieser Absolutheit allerdings bereits deshalb nicht zu, weil in dem nach dem Tode seines Vaters Karl V. von Juan de Regla, Martín de Gaztelu und Luis Quixada erstellten Nachlassverzeichnis nicht weniger als 27 Brillen des Kaisers erscheinen,[27] die er wohl zumindest zum Lesen auch benutzt haben dürfte. Möglicherweise bezieht sich Parker auf den Umstand, dass Philipp II. der erste bekannte Monarch ist, der gelegentlich eine Brille in der Öffentlichkeit trug. Parker zitiert im gleichen Zusammenhang allerdings auch aus einer Kurznachricht des Königs an seinen Sekretär Mateo Vázquez, in der er anlässlich einer Ausfahrt aufs Land seinen Unwillen darüber zum Ausdruck bringt, bei der Ausfahrt in der Kutsche mit der Brille gesehen zu werden, weswegen er sich keine Arbeit mitnehme ( […] muy ruin vergüenza es llevar anteojos en el carro)

Rollstuhl Philipps II. (um 1595)

Am Ende seines Lebens erlebte er den Aufstieg derer, die er erbittert bekämpft hatte, vor allem des unter Elisabeth I. zur Seemacht erstarkten Englands, des nach den Religionskriegen unter Heinrich IV. geeinten Frankreichs und der jetzt unabhängigen Niederlande. Ab 1595 zwang die Gicht (unter der auch sein Vater gelitten hatte)[28] Philipp II. unter starken Schmerzen in den Rollstuhl. Seine Tochter Clara Eugenia gab ihm Trost, er beschrieb sie als das Licht seiner Augen. Sie half ihm bei den Regierungsgeschäften, ordnete seine Unterlagen, las ihm wichtige Botschaften vor und übersetzte für ihn italienische Berichte ins Spanische. Ab August 1598 verschlechterte sich sein Zustand, die letzten drei Monate seines Lebens wurde er bettlägerig, am Körper traten eiternde Geschwüre auf. Er wandte sich zur Religion, um die Qualen seiner letzten Tage auszuhalten. Philipp II. starb am 13. September 1598 um fünf Uhr morgens im Escorial bei Madrid. Unter seinem Sohn Philipp III. begann der Niedergang des spanischen Weltreiches.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Philipps II.

Philipp II. heiratete:

  1. ∞ 15. November 1543: Prinzessin Maria Manuela von Portugal (1527–1545)
    • Karl de Austria, genannt Don Carlos (* 8. Juli 1545; † 24. Juli 1568), Fürst von Asturien
  2. ∞ 25. Juli 1554: Königin Maria I. von England (1516–1558), seine Tante 2. Grades
  3. ∞ 2. Februar 1560: Prinzessin Elisabeth von Valois (1545–1568)
  4. Prinzessin Anna von Österreich (1549–1580), Tochter des Kaisers Maximilian II. und dessen Frau (und Cousine) Maria (Philipps Schwester), seine Nichte
    • Ferdinand (* 4. Dezember 1571; † 18. Oktober 1578)
    • Karl (Carlos) Laurentius (* 12. August 1573; † 30. Juni 1575)
    • Diego (* 12. Juli 1575; † 21. November 1582)
    • Philipp III. (* 14. April 1578; † 31. März 1621), König von Spanien
    • Maria (* 14. Februar 1580; † 5. August 1583)

Ahnentafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian I. (1459–1519)
Römisch-deutscher Kaiser
 
 
 
 
 
 
 
Philipp der Schöne (1478–1506)
König von Kastilien und León
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria von Burgund (1457–1482)
Herzogin von Burgund
 
 
 
 
 
 
 
Karl V. (1500–1558)
Römisch-deutscher Kaiser, König von Kastilien, Leon und Aragón
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand II. der Katholische (1452–1516)
König von Kastilien, León und Aragón
 
 
 
 
 
 
 
Johanna die Wahnsinnige (1479–1555)
Königin von Kastilien und León
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Isabella I. die Katholische (1451–1504)
Königin von Kastilien und León
 
 
 
 
 
 
 
Philipp II. (1527–1598)
König von Spanien und beider Sizilien, Herzog von Luxemburg und Mailand, Freigraf von Burgund, etc
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand von Portugal-Viseu (1433–1470)
(Haus Avis)
 
 
 
 
 
 
 
Manuel I. (1469–1521)
König von Portugal
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Beatrix von Portugal (1430–1506)
 
 
 
 
 
 
 
Isabella von Portugal (1503–1539)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand II. der Katholische (1452–1516)
 
 
 
 
 
 
 
Maria von Spanien (1482–1517)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Isabella I. die Katholische (1451–1504)
 
 
 
 
 
 

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philipp II. (Spanien) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. H. Elliott: A Europe of Composite Monarchies. In: Past and Present. Bd. 137, 1992, S. 48–71.
  2. Friedrich Edelmayer: Philipp II. Biographie eines Weltherrschers (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 630). Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-018067-3, S. 56.
  3. Edward Grierson: Philipp II. Societäts Verlag, S. 22.
  4. Friedrich Edelmayer: Philipp II. Biographie eines Weltherrschers (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 630). Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-018067-3, Kapitel Augsburg 1551. Ein spanischer Prinz greift nach dem Reich. S. 67–73.
  5. Linda Porter: Mary Tudor. The First Queen. Piatkus 2009, S. 291
  6. Anna Whitelock: Mary Tudor. England’s First Queen. Bloomsbury 2010, S. 211
  7. Linda Porter: Mary Tudor. The First Queen. Piatkus 2009, S. 292
  8. Anna Whitelock: Mary Tudor. England’s First Queen. Bloomsbury 2010, S. 229
  9. Linda Porter: Mary Tudor. The First Queen. Piatkus 2009, S. 338
  10. Jakob Hermens: Der Orden vom heil. Grabe, Schaub 1867, S. 74 f.
  11. Giardini 1994, S. 202–205.
  12. Cesare 1994, S. 231.
  13. Giardini 1994, S. 234.
  14. Christopher F. Laferl: Die Kultur der Spanier in Österreich unter Ferdinand I. 1522–1564. Böhlau, Wien 1997, S. 121.
  15. Wolfgang Behringer, Hartmut Lehmann, Christian Pfister: Kulturelle Konsequenzen der „kleinen Eiszeit“. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 8.
  16. Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598). Die Biografie eines Weltherrschers, Kohlhammer, Stuttgart 2009 (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher, Bd. 630), ISBN 978-3-17-018067-3, S. 180.
  17. Zu Ebolis Person und zum Kampf seiner Hof-Faktion gegen die des Herzogs von Alba James M. Boyden: The Courtier and the King. Ruy Gómez De Silva, Philip II, and the Court of Spain. University of California Press, Berkeley u. a. 1995 (freies E-Buch).
  18. Finanzdynastien (3): Die Welser im FAZ.net (abgefragt 1. September 2008)
  19. Manfred Vasolt: Philipp II. rororo 2001, ISBN 978-3-499-50401-3 Leseprobe (PDF; 161 kB)
  20. Rudolf Bolzern: Spanien, Mailand und die katholische Eidgenossenschaft ISBN 3-7252-0420-9.
  21. John Lothrop Motley: History of the United Netherlands from the Death of William the Silent to the Twelve Years' Truce 1609. Bd. 2, Murray, London 1867, S. 534 f. Im Original: „If Philip possessed a single virtue it has eluded the conscientious research of the writer of these pages. If there are vices – as possibly there are – from which he was exempt, it is because it is not permitted to human nature to attain perfection even in evil.“
  22. Fernando Checa Cremades: Felipe II en El Escorial. La representación del poder real. (PDF; 7,8 MB) In: Anales de Historia del Arte 1 (1989), S. 121–136. Zu seiner Selbstdarstellung umfassend Regine Jorzick: Herrschaftssymbolik und Staat. Die Vermittlung königlicher Herrschaft im Spanien der frühen Neuzeit (1556–1598). Oldenbourg, München 1998 (Studien zur Geschichte und Kultur der iberischen und iberoamerikanischen Länder, Bd. 4), ISBN 3-486-56382-3, ISBN 3-7028-0358-0.
  23. Helmut G. Koenigsberger: The Statecraft of Philip II. In: Ders.: Politicians and Virtuosi. Essays in Early Modern History. Hambledon, London 1986, (History series, Bd. 49 / Studies presented to the International Commission for the History of Representative and Parliamentary Institutions, Bd. 69), ISBN 0-907628-65-6, S. 77–96, hier S. 77: „perhaps … no personality in modern history, not even Napoleon or Stalin, … has been both as enigmatic and controversial as Philip II of Spain.“
  24. Friedrich Edelmayer: Philipp II. – ein Ritter? In: Martin Wrede (Hrsg.): Die Inszenierung der heroischen Monarchie. Frühneuzeitliches Königtum zwischen ritterlichem Erbe und militärischer Herausforderung (= Historische Zeitschrift. Beihefte. Bd. 62). Oldenbourg, München 2014, ISBN 978-3-486-78106-9, S. 170–182, hier S. 182.
  25. Marc-André Grebe: Rezension zu: Brendecke: Imperium und Empirie. In: H-Soz-u-Kult, 11. Januar 2011.
  26. Imperium und Empirie. Funktionen des Wissens in der spanischen Kolonialherrschaft. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20399-3.
  27. Alfred Kohler (Hrsg.), Quellen zur Geschichte Karls V., Darmstadt 1990, Nr.120, S. 482.
  28. Dieter Paul Mertz: Die Habsburger und die Gicht. In: Zeitschrift für Allgemeinmedizin 68, 1992, Nr. 29, S. 959–962.
Vorgänger Amt Nachfolger
Karl I. König von Spanien
1556–1598
Philipp III.
Karl I. König von Neapel
König von Sizilien
König von Sardinien

1554–1598
Philipp III.
Karl V. Herzog von Mailand
1554–1598
Philipp III.
Karl V. Herzog von Luxemburg
1556–1598
Philipp III.
Karl V. Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies
1555–1598
Philipp III.
Heinrich I. König von Portugal
1580–1598
Philipp III.
Karl von Österreich und Trastámara Fürst von Asturien
1528–1556
Karl von Österreich und Avis
Guildford Dudley Royal Consort von England und Irland
1554–1558
Anna von Dänemark