Palliativstation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Palliativstation ist eine räumlich zusammenhängende Versorgungseinheit palliativmedizinscher Fachrichtung an einem Krankenhaus. Sie unterscheidet sich von den meisten anderen Bettenstationen durch eine wohnlichere Gestaltung und einen höheren Personalschlüssel, das Personal verfügt außerdem über besondere Qualifikationen in der Palliative Care. Auf einer Palliativstation werden akute Symptome und Komplikationen bei unheilbar kranken Menschen behandelt, nicht die zugrunde liegende Krankheit.

Organisationsform der Palliativstationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert entstanden häufiger auch Krankenhäuser für Krebskranke und Tuberkulosepatienten, die kurative und palliative Funktionen miteinander verbanden.[1] Nachdem sich im Rahmen der Hospizbewegung ambulante Begleitung und stationäre Hospize etabliert hatten, wurde mit der 1973 in Montreal am Royal Victoria Hospital begonnenen[2] Einrichtung von Palliativstationen eine weitere Lücke in der Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen geschlossen. Durch die Palliativstation wird die Hospizidee im Krankenhaus, wo immer noch die meisten Menschen sterben, integriert.
Als Krankenhausstation stehen den Patienten einer Palliativstation einerseits alle Möglichkeiten eines Krankenhauses zur Verfügung, wie zum Beispiel ärztliche Versorgung zu jeder Zeit. Andererseits ist die räumliche Gestaltung meist wohnlicher und die Gesamtatmosphäre ruhiger als auf anderen Bettenstationen. Zudem gelten in der Behandlung die Prinzipien der Palliative Care; danach werden diagnostische, therapeutische und pflegerische Maßnahmen nur dann angewendet, wenn sie einerseits dem Willen des Betroffenen entsprechen und andererseits mit hoher Wahrscheinlichkeit eine positive Auswirkung auf seine Lebensqualität haben.

Auf Palliativstationen werden Menschen mit einer fortgeschrittenen unheilbaren Krankheit (wie beispielsweise Krebs, AIDS oder ALS) aufgenommen, die unter akuten Beschwerden leiden, welche die Lebensqualität beeinträchtigen. Durch medizinische, pflegerische und andere Maßnahmen wird versucht, eine weitgehende Linderung der belastenden Symptome zu erreichen. Ziel ist, den Patienten anschließend zurück in das häusliche Umfeld zu entlassen, da die Aufenthaltsdauer – wie auch auf anderen Krankenhausstationen – zeitlich begrenzt ist.

Bei weiter bestehender Notwendigkeit einer medizinisch-pflegerischen Versorgung rund um die Uhr wird diese nach Absprache mit allen Beteiligten von einem Team der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) übernommen, oder die Verlegung in ein Hospiz vermittelt. Sollte eine Entlassung nicht mehr möglich sein, stellt die Palliativstation dem Sterbenden angemessenen Raum und Begleitung zur Verfügung.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palliativstationen sind in Deutschland (erstmals 1983 an der Chirurgischen Klinik der Universitätsklinik Köln eingerichtet) als Akut-Stationen an Krankenhäusern realisiert und unterliegen dem dortigen Finanzierungssystem, so dass gesetzlich krankenversicherte Patienten den für stationäre Versorgung üblichen Eigenanteil aufbringen müssen. Die Finanzierung der wohnlichen Ausstattung einer Palliativstation und anderer Annehmlichkeiten kann der Krankenhausträger nicht aus dem Budget bestreiten, hierfür werden Spenden gesammelt.

Palliativ-Konsiliardienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Krankenhäuser und Kliniken in Deutschland halten einen Palliativ-Konsiliardienst vor. Dieser Dienst besteht aus einem multiprofessionell zusammengesetzten Mitarbeiterteam aus Medizin, Pflege, Sozialarbeit, Seelsorge sowie Physiotherapie, und kann für schwer erkrankte Patienten angefordert werden, die sich in anderen Krankenhausabteilungen befinden. Er ermittelt den Bedarf an Palliative Care und berät anschließend vor allem das betreuende ärztliche und Pflege-Personal bezüglich der weiteren Vorgehensweise. Erst in zweiter Linie wendet sich der Dienst an den Patienten und dessen Angehörige.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St. Husebø, E. Klaschik (Hrsg.): Palliativmedizin. Springer Science & Business Media, 2009, S. 33–35
  • Michael Stolberg: Die Geschichte der Palliativmedizin. Medizinische Sterbebegleitung von 1500 bis heute. Frankfurt am Main 2011, S. 241–245 (Die ersten Palliativstationen).
  • Johann-Christoph Student, Elisabeth Bürger: Stationäres Hospiz – Alternative oder komplementäre Einrichtung zur Palliativstation. In: Eberhard Aulbert, Eberhard Klaschik, Dieter Kettler (Hrsg.): Beiträge zur Palliativmedizin, Band 5: Palliativmedizin – Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. Schattauer, Stuttgart 2002, S. 52–58.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Stolberg: Die Geschichte der Palliativmedizin. Medizinische Sterbebegleitung von 1500 bis heute. Frankfurt am Main 2011, S. 210–226 und 241–243.
  2. Balfour Mount, J. Andrew Billings: What is palliative care? In: Journal of palliative medicine, Band 1, 1998, S. 73–81, hier: S. 73.
  3. Dachverband Hospiz Österreich: Datenerhebung 2014. Definitionen der einzelnen Organisationsformen nach ÖBIG. S. 4; abgerufen am 29. April 2016