Sterben

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Sterben ist das Erlöschen der Organfunktionen eines Lebewesens, das zu seinem Tod führt. Der Beginn des Sterbens kann nicht eindeutig bestimmt werden. Das Ende eines Sterbeprozesses wird mit dem Todeseintritt eingegrenzt, wobei auch dieser aufgrund der fehlenden einheitlichen Definition keinem genauen Zeitpunkt zugeordnet werden kann.

Etymologie[Bearbeiten]

Sterben geht auf die westgermanische Wurzel *sterb-a-st zurück. Die Ausgangsbedeutung ist „starr, steif werden“, wie das altnordische stjarfi „Starrkrampf“ gut zeigt; lat. nach geschwundenem Anlaut-S torpére „steif sein“, „betäubt sein“; russ. sterbnútї „hart werden“, „erstarren“, „absterben“. Das Wort gehört in weiterer Folge zur großen Wortgruppe um starr (Storch, Störr, Sterz usw.).

Anzeichen der letzten Lebensphasen[Bearbeiten]

Der Sterbeprozess eines Menschen verläuft je nach Ursache in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Bundesärztekammer definiert Sterbende als „Kranke oder Verletzte mit irreversiblem Versagen einer oder mehrerer vitaler Funktionen, bei denen der Eintritt des Todes in kurzer Zeit zu erwarten ist“.[1]

Die im Folgenden beschriebenen Phasen sind vor allem bei Menschen zu beobachten, die nicht durch ein akutes Ereignis, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg erkrankungsbedingt sterben. In der Medizin werden dabei die Bezeichnungen Präterminal-, Terminal- und Finalphase verwendet, wobei bisher keine einheitlichen Definitionen festgelegt wurden.[2][3] Diese Phasen sind daher nur als grobe Einteilung zu betrachten, insbesondere die zeitlichen Angaben unterliegen erheblichen Schwankungen, die abhängig von der Erkrankung und den individuellen Gegebenheiten geschuldet sind. In der Medizin werden neben dieser Phaseneinteilung der Karnofsky-Index oder ECOG-Score verwendet, um den Krankheitsfortschritt einschätzen und eine Prognose stellen zu können.

Präterminalphase[Bearbeiten]

Die schwer erkrankte Valentine Godé-Darel, ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Gemälde von Ferdinand Hodler, Juni 1914

Wochen bis Monate vor dem Tod befindet sich der Sterbende in der Präterminalphase: Es zeigen sich schon deutliche Krankheitssymptome, die das aktive Leben einschränken, beispielsweise eine erhebliche Abmagerung. Die zunehmende Schwäche und Müdigkeit wird unter anderem am gesteigerten Ruhebedürfnis deutlich. Alltägliche Verrichtungen fallen schwerer und dauern länger, für manche Tätigkeiten wird Unterstützung benötigt. Der entsprechende ECOG-Score 2-3 bedeutet, dass eventuelle Chemotherapien in dieser Phase beendet werden. Der Schwerpunkt medizinischer Behandlung wird auf die Kontrolle möglicher Krankheitsbeschwerden gelegt.[4]

Terminalphase[Bearbeiten]

In der anschließenden Terminalphase, die wenige Tage bis etwa eine Woche andauert, führt der fortschreitende körperliche Verfall oft zu eingeschränkter Mobilität bis hin zur Bettlägerigkeit. Häufig geht die Kontrolle über Urin- und Stuhlausscheidung verloren, in selteneren Fällen kommt es zur Harnverhaltung. Der Schwerkranke ist zunehmend auf Betreuung und Pflege durch andere angewiesen. Während dieser Phase können neue Symptome wie beispielsweise Angst, Atemnot, Übelkeit und Verstopfung bis hin zur Koprostase oder sogar Miserere, aber auch Durchfälle auftreten. Der jetzt immer deutlicher Sterbende kann sich nicht mehr gut konzentrieren, interessiert sich kaum noch für seine Umgebung, Essen und Trinken werden nebensächlich:[5] Appetitlosigkeit gilt in dieser Phase als normal.[6] Neurologische Veränderungen können Unruhe und Verwirrtheit auslösen und Anzeichen eines Deliriums sein.[7]

Finalphase und Tod[Bearbeiten]

Valentine Godé-Darel am Tag vor ihrem Tod (Gemälde von Ferdinand Hodler, Januar 1915)

Die Finalphase in den letzten Tagen und Stunden vor dem Tod ist gekennzeichnet vom Versagen einzelner Organe wie Leber, Niere und Lunge oder dem zentralen Nervensystem. Das langsame Erlöschen der Organfunktionen äußert sich in zunehmender Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit und fehlendem Hungergefühl. Sterbende verringern nach und nach die Nahrungsaufnahme und stellen sie häufig ganz ein.[8] Das Durstgefühl bleibt länger bestehen, ist aber oft schon mit geringen Flüssigkeitsmengen zu stillen, bis auch das Verlangen nach Trinken vollständig erlischt.[9][10][11]

Die Durchblutung der Extremitäten nimmt ab, was an Verfärbungen der Körperunterseite, marmorierten Beinen sowie kalten Händen und Füßen erkennbar wird. Manche Sterbende dagegen neigen eher zu starkem Schwitzen. Der Puls wird schwächer und der Blutdruck fällt ab. Die Urinausscheidung verringert sich, da die Nierenfunktion nachlässt. Da die Nieren und die Leber ihre Entgiftungsfunktion nur noch unzureichend erfüllen, sammeln sich Schadstoffe im Blut, die damit ins Gehirn gelangen. Dort führen diese Stoffe zu Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen. Die Umgebung wird nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahrgenommen. Die zeitliche, örtliche und situative Orientierung kann verloren gehen, daneben treten möglicherweise akustische und optische Halluzinationen oder motorische Unruhe auf.[12] Die zunehmende Bewusstseinseintrübung mündet zuletzt oft in einen komatösen Zustand, vor allem wenn Nieren und Leber vollständig versagen.[13]

Oft atmen Sterbende durch den Mund. Bei der Atmung treten häufig Veränderungen auf: Die Atemfrequenz ist niedriger, die Atemzüge erscheinen erschwert, da sie sich vertiefen, um dann wieder abzuflachen und zeitweise ganz auszusetzen, wie bei der Cheyne-Stokes-Atmung. Gehen die Atemzüge mit ungewöhnlichen Geräuschen einher, handelt es sich möglicherweise um Rasselatmung. Kurz vor dem endgültigen Atemstillstand ist häufig eine Schnappatmung zu beobachten.

Bleiche, wächsern erscheinende Haut und das Facies hippocratica mit einem ausgeprägten Mund-Nasendreieck weisen auf das Herannahen des Todes hin. Steht das Herz endgültig still, endet die Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe. Nach etwa acht bis zehn Minuten setzen die Gehirnfunktionen aus, damit ist der Hirntod eingetreten.[14]

Nach Herzstillstand und Hirntod beginnt die Zersetzung des Körpers. Durch die fehlenden Teile des Stoffwechsels, das heißt den ausbleibenden Transport von Sauerstoff und Nährstoffen, sterben die Zellen ab. Den Anfang machen dabei Gehirn­zellen (Neuronen). Zehn bis zwanzig Minuten nach dem Hirntod sterben viele Zellen des Herzgewebes ab. Dann folgt der Tod der Leber- und der Lungenzellen. Erst ein bis zwei Stunden später stellen auch die Zellen der Nieren ihre Funktion ein. Biologisch ist das Sterben der Verlust von immer mehr Organfunktionen.

Sterben als biologische Kettenreaktion[Bearbeiten]

Wenn alle Lebensfunktionen eines Organismus endgültig stillstehen, ist der Tod eingetreten. Nach medizinischen Kriterien ist dies ein Vorgang, der in mehreren Stufen abläuft: Der klinische Todesfall tritt ein, wenn Herzschlag und Atmung aussetzen. In dieser Phase kann der Mensch unter Umständen durch Herzdruckmassage und Beatmung wiederbelebt werden; schlägt diese Reanimation fehl, erleidet zuerst das Gehirn durch die fehlende Durchblutung irreparable Schäden. Sein besonders aktiver Stoffwechsel und seine geringe Kapazität, Energie zu speichern, machen dieses Organ stark anfällig für jegliche Unterbrechung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr. Der Hirntod gilt heute juristisch als Todeszeitpunkt. Mit ihm versiegt auch die elektrische Aktivität des Gehirns – Wahrnehmung, Bewusstsein und die zentralnervöse Steuerung elementarer Lebensfunktionen fallen für immer aus. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Hirnstamm, der aus dem Mittelhirn, der Brücke und dem verlängerten Mark besteht. Selbst wenn andere Bereiche des Gehirns bereits zerstört sind, können die Zentren des Hirnstammes den Patienten in einem vegetativen Zustand am Leben erhalten: Er kann atmen und schlucken oder bei Schmerzen das Gesicht verziehen, aber seine Wahrnehmungen nicht mehr verarbeiten.

In der Haut entstehen etwa eine halbe Stunde später erste Totenflecken, da das Blut in die tiefer gelegenen Teile der Leiche absackt und sie verfärbt. Die Körpertemperatur sinkt ab. Nach etwa zwei Stunden setzt die Leichenstarre, auch Totenstarre genannt, ein, da Eiweiße, die sonst während der Muskelbewegung aneinander vorbeigleiten, ein starres Netz bilden. Dieser Effekt wird von der Außentemperatur sehr stark beeinflusst.

Für jedes einzelne Organ gibt es einen individuellen Zeitraum, in dem bei nachlassender Funktionsfähigkeit ein Weiterleben möglich wäre (siehe Organspende), wenn die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff wieder aufgenommen werden würde. Nach Ablauf dieser Zeitspanne ist das nicht mehr möglich und das Organ stirbt endgültig ab. Die genaue Bestimmung des jeweiligen Ablaufs dieser Zeit ist von außen unter Umständen nicht möglich bzw. aufwendig.

Psychische Anpassungsvorgänge[Bearbeiten]

Im Verlauf einer todbringenden Erkrankung setzt sich der Sterbende mit seinem baldigen Ende auseinander. Diese Auseinandersetzung ist Gegenstand psychologisch-verhaltenswissenschaftlicher Forschung anhand empirischer Daten und Feldstudien.
Als vorwissenschaftlich gilt dabei die Phasenlehre von Elisabeth Kübler-Ross, einer schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin. Kübler-Ross gilt als Begründerin der Sterbeforschung, da die Thematik durch sie größere und bis heute anhaltende öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr. Sie befasste sich mit dem Tod und dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit sowie mit Nahtoderfahrungen.[15] Durch ihre Arbeit setzte die Psychiaterin neue Impulse zum Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen. Ihre Kernbotschaft dabei war, dass die Helfenden zuerst ihre eigenen Ängste und Lebensprobleme („unerledigte Geschäfte“) so weit wie möglich klären müssen, ehe sie sich Sterbenden hilfreich zuwenden können. Die von Kübler-Ross aus Interviews mit Todkranken extrahierten fünf Phasen des Sterbens beschreiben psychische Anpassungsvorgänge im Sterbeprozess und gehören heute zum psychologischen Allgemeinwissen.

Weitere Vertreter von Phasenlehren, die sich auf das Sterben beziehen, sind Avery D. Weisman,[16] und E. M. Pattison.[17] Ein jüngeres Phasenmodell, das Illness Constellation Model, wurde 1991 veröffentlicht[18] und erschien zehn Jahre später in einer weiterentwickelten Version. Diese Modelle weisen drei bis fünf Phasen auf: Schock, Benommenheit und Unsicherheit bei den ersten Symptomen und der Diagnose; wechselnde Gefühlslagen und Gedanken, Bemühen um den Erhalt der Kontrolle über das eigene Leben; Rückzug, Trauer über verlorengegangene Fähigkeiten und Leiden am bevorstehenden Verlust der eigenen Existenz; zuletzt psycho-physischer Verfall.

Konsens besteht in der Fachwelt darüber, dass solche Phasen nicht in einer festgelegten Reihenfolge nacheinander ablaufen, sondern wechselnd oder sich wiederholend; manche Phase wird unter Umständen gar nicht durchlaufen, eine letztendliche Akzeptanz des eigenen Sterbens findet nicht in jedem Fall statt.[19] In der Sterbebegleitung wird der psychischen Auseinandersetzung Raum gegeben, das Bewältigen der Phasen selbst ist aber von außen kaum zu beeinflussen.[20]

Lebensbilanz[Bearbeiten]

Die australische Sterbebegleiterin Bronnie Ware veröffentlichte 2011 ein Buch darüber, was Sterbende am meisten bereuen. Vier von insgesamt fünf Dingen betreffen Versäumnisse in deren Leben.[21]

  • Auf Platz 1 steht der Wunsch, „den Mut gehabt zu haben, mein eigenes Leben zu leben“. Viele beklagten, zu oft Erwartungen anderer entsprochen zu haben, statt ihren eigenen Wünschen nachgegangen zu sein.
  • Vor allem Männer bedauerten in ihren letzten Tagen und Stunden, zu viel ihrer Lebenszeit in der „Tretmühle des Arbeitslebens“ verbracht zu haben und sich zu wenig um Kinder, Partner und Freunde gekümmert zu haben.
  • Ich hätte meine Gefühle besser ausdrücken sollen.
  • Ich wünschte, ich hätte mich mehr um meine Freunde gekümmert.
  • Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

Viele Menschen merken laut Ware erst am Ende ihres Lebens, dass man sich bewusst für Glück und Freude entscheiden kann. Viele hingen aber in fest gefügten Verhaltensweisen fest und hätten Dinge wie Lachen oder Albernsein vergessen oder verlernt. Die Mehrheit der Menschen hänge in Alltag, Familienpflichten, Geldverdienen und anderen äußeren Umständen fest.

Orte des Sterbens[Bearbeiten]

Immer wieder wird behauptet, dass „früher die meisten Menschen zu Hause“ starben.[22] Dabei wird nicht näher definiert, welcher Zeitraum mit „früher“ und welcher Ort mit „zu Hause“ gemeint ist; auch deshalb fehlen für diese allgemeine Aussage hinreichende Belege.

Da die Erhebung entsprechender Daten in den meisten Ländern bisher nicht oder nicht geregelt und einheitlich erfolgt, können keine konkreten Zahlen zur Frage nach Sterbeorten herangezogen werden. In Deutschland ist die Datenlage in Hinblick auf unter anderem Alter, Geschlecht und Todesursache sehr präzise, der Sterbeort dagegen wird statistisch nicht erfasst. Ein Gutachten von 2004 stellt fest, dass die angegebenen Zahlen zu Sterbeorten in verschiedenen Publikationen zumeist auf unbelegten Behauptungen beruhen.[23]

Nach diesem Gutachten wird aufgrund näherer Untersuchungen angenommen, dass in Deutschland etwa 42 bis 43 % aller Todesfälle im Krankenhaus geschehen.[24] Das Sterben verlagert sich oft aufgrund abwegiger Vorstellungen über die medizinischen Möglichkeiten in die Akutabteilungen der Krankenhäuser.[25] Obwohl sich Sterbende und ihre Angehörigen im Krankenhaus in dieser Situation insbesondere ärztlichen Beistand erhoffen, werden sie überwiegend von Pflegekräften begleitet, während sich Ärzte eher zurückziehen.[26] Manche Patienten erwarten bei Aufnahme in ein Krankenhaus weitere Therapie zur Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen und Rettung in aussichtsloser Situation. Sie und ihre Angehörigen vertrauen dabei auch auf die sogenannte Apparatemedizin, die durchaus ihre Berechtigung im Einsatz bei abwendbaren lebensbedrohlichen Zuständen hat, am unvermeidbaren Lebensende aber zu einer ungewollten Lebensverlängerung führen kann.

In Heimeinrichtungen wie Betreutes Wohnen, Alten- und Pflegeheimen geht es um eine Wohnform am Lebensende unter möglichst weitgehender Beibehaltung des bisherigen Lebensstils mit den gewohnten Aktivitäten des täglichen Lebens, die aber durch den unterschiedlich hohen Verlust von Fähigkeiten in diesen Bereichen gekennzeichnet sein kann. In diesen Institutionen, die manche ihrer Bewohner durchaus als ihr Zuhause betrachten, geschehen etwa 15 bis 25 % aller Todesfälle.[27] Sterbebegleitung am Lebensende ist eine der pflegerischen Aufgaben dieser Einrichtungen.

Stationäre Hospize sind als pflegerische Einrichtungen darauf spezialisiert, Personen ein Leben und Sterben in Würde zu ermöglichen, die an einer tödlichen Krankheit im Endstadium leiden und deren Pflege in der häuslichen Umgebung oder im Pflegeheim aufgrund schwerwiegender Begleiterscheinungen nicht gewährleistet ist und bei denen Krankenhausbehandlung nicht (mehr) erforderlich ist. Hier finden etwa 1 bis 2 % der Gesamttodesfälle statt.[28] Stationäre Hospize werden heute in erster Linie durch Kranken- und Pflegekassen finanziert. 10 % der Gesamtkosten eines Hospizes muss allerdings der Träger (z. B. durch Einwerbung von Spenden und ehrenamtliches Engagement) selbst aufbringen.

In manchen Krankenhäusern wurden inzwischen spezielle Abteilungen für unheilbar Schwerkranke eingerichtet, die in Deutschland Palliativstationen genannt werden. Deren Grundfinanzierung erfolgt über die Krankenkassen, die etwas wohnlichere Ausstattung dieser Stationen wird, wie in Hospizen, aus Spenden bestritten.

Die meisten Menschen mit eigener Familie wünschen sich, zuhause sterben zu können, Menschen ohne familiäre Bindungen möchten dagegen eher nicht daheim sterben.[28] Durch den Fortschritt des Rettungswesens ist das Sterben in der gewohnten Umgebung seit den 1950er-Jahren seltener geworden. In etwa 25 bis 30 % aller Fälle findet das Sterben in häuslicher Umgebung statt.[29] Medizinische und pflegerische Versorgung erfolgt hier durch Angehörige, Hausärzte und ambulante Pflegedienste, ergänzt durch das an vielen Orten bestehende Angebot einer ehrenamtlichen Sterbebegleitung durch ambulante Hospizdienste oder -vereine.

Kritische Sicht auf den Umgang mit dem Sterben[Bearbeiten]

Der größte Teil der Kritik an den Bedingungen der Moderne bezüglich des Lebensendes betrifft einerseits die medizinische Überversorgung, Medikalisierung und die mögliche Verlängerung des Sterbeprozesses sowie die psychische und soziale Unterversorgung Sterbender. Die Unsicherheiten im Umgang mit Sterbenden führen dazu, dass sie häufig noch kurz vor ihrem Tod aus dem vertrauten Umfeld in stationäre Einrichtungen verlegt werden, vor allem in Krankenhäuser und Pflegeheime. Dies entspräche einer Verdrängung und Tabuisierung des Sterbevorgangs und Todes.[30]

Seitdem der medizinische Fortschritt vor allem in den Industriestaaten die Kindersterblichkeit und Infektionskrankheiten erfolgreich minimiert hat, ist das Sterben dort kein alltägliches Ereignis mehr. Während im Mittelalter noch Kataloge von Maßnahmen unter dem Titel Ars moriendi (Die Kunst des Sterbens) bereitgehalten wurden, müssten Sterbende heutzutage oft in einem relativ unpersönlichen Umfeld ihr Leben beenden. Als ethisch problematisch wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise lebensverlängernde Maßnahmen bei unheilbar Kranken diskutiert, wie beispielsweise das Verabreichen künstlicher Ernährung mittels PEG-Sonde.[31][32][33]

Mit der Hospizbewegung und dem Konzept der Palliative Care, die sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von England ausgehend etabliert haben, soll die Gesellschaft für diese Thematik sensibilisiert werden.

Rezeption[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es seit Jahren öffentliche Diskurse zum Themenfeld Sterben und den damit zusammenhängenden rechtlichen und politischen Regelungen, wie zum Beispiel die Patientenverfügung. Diese veranlassen viele Menschen – vor allem Ältere – über das Sterben nachzudenken. Es gibt eine Fülle an Ratgeberbüchern und anderen Büchern, die Sterben und Tod aus verschiedenen Blickwinkeln und mit verschiedenen Schwerpunkten beleuchten. Der Tod der eigenen Eltern, naher Angehöriger, Bekannter oder Nachbarn ist für viele ein Anlass, über das eigene Sterben nachzudenken; ebenso sind dies die christlichen Gedenktage für Verstorbene:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: sterben – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Sterben – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung. In: Deutsches Ärzteblatt 108/7 2011, S. 346-348
  2. I. Jonen Thielemann: Terminalphase. In: Lehrbuch der Palliativmedizin. Schattauer, Stuttgart 2012, S. 990.
  3. M. Thöns, Th. Sitte: Repetitorium Palliativmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2013, S. 150
  4. M. Thöns, Th. Sitte: Repetitorium Palliativmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2013, S. 150
  5. nach R. Twycross, I. Lichter, Oxford University Press 1993; 651–61; Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin. 2003; Departement of Health. 2003
  6. R. Langenbach et al.: Gastrointestinale Symptome. In: C. Bausewein et al.: Leitfaden Palliative Care. Palliativmedizin und Hospizbetreuung. Urban & Fischer, München 2010, S. 404
  7. C. Bausewein: Symptomkontrolle als Teil der ganzheitlichen Sterbebegleitung. In: Sterben: Dimensionen eines anthropologischen Grundphänomens. Hrsg. F.-J. Bormann, G. D. Borasio; De Gruyter, Berlin 2012, S. 191
  8. Th. Sitte (Hrsg.): Die Pflegetipps Palliative Care. Deutscher PalliativVerlag (Verlag der Deutschen PalliativStiftung), Fulda 2013, S. 32
  9. Th. Sitte (Hrsg.): Die Pflegetipps Palliative Care. Deutscher PalliativVerlag (Verlag der Deutschen PalliativStiftung), Fulda 2013, S. 33
  10. E. Albrecht, Ch. Orth, H. Schmidt: Hospizpraxis: Ein Leitfaden für Menschen, die Sterbenden helfen wollen. Herder, Freiburg im Breisgau 2006, S. 29-30, S.71-74
  11. C. Bausewein (Hrsg.): Leitfaden Palliative Care. Elsevier, Urban & Fischer, München 2010, S. 61
  12. Claudia Gottstein: Delirium. palliativ.net, 2008, 0, de-1106, Version 1 auf www.palliativ.net 2e5828, abgerufen am 4. Februar 2015
  13. M. Thöns, Th. Sitte: Repetitorium Palliativmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2013, S. 165
  14. J. Bayer: Biologie des Todes. auf www.daserste.de, abgerufen am 2. Februar 2015
  15. Video: Elisabeth Kübler-Ross über Nahtoderfahrungen (1981) , abgerufen am 14. März 2014
  16. A. D. Weisman: On Dying and Denying: a Psychiatric Study of Terminality., New York 1972
  17. E. M. Pattison: The experience of dying., Englewood Cliffs 1977
  18. J. Morse, J. Johnson: Toward a theory of illness: The Illness Constellation Model. In: The illness experience: Dimensions of suffering. Newbury Park 1991.
  19. J. Wittkowski: Zur Psychologie des Sterbens – oder: Was die zeitgenössische Psychologie über das Sterben weiß. In: F.-J. Bormann, G. D. Borasio (Hrsg.): Sterben. Dimensionen eines anthropologischen Grundphänomens. de Gruyter, Berlin 2012, S. 50-64
  20. E. Albrecht, S. Roller: Terminalphase und Tod. In: Leitfaden Palliative Care. Palliativmedizin und Hospizbetreuung. Urban & Fischer, München 2010, S. 523
  21. Bronnie Ware: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn. Arkana, München 2013 ISBN 978-3-442-34129-0 Originaltitel:The Top Five Regrets of the Dying: A Life Transformed by the Dearly Departing. Balcony Press, 2011, ISBN 978-1-4525-0234-2.
  22. Beispiel: www.notfallseelsorge.de, Abschnitt Sterben damals und heute.
  23. Gutachten Jaspers und Schindler, S. 19–23 und 408 – 409, abgerufen am 18. Juli 2011.
  24. Birgit Jaspers, Thomas Schindler: Stand der Palliativmedizin und Hospizarbeit in Deutschland und im Vergleich zu ausgewählten Staaten. 2004, S. 23., abgerufen am 18. Juli 2011.
  25. G. Fasselt: Sterbebeistand/Sterbebegleitung. In: W. Korff, L. Beck, P. Mikat (Hrsg.): Lexikon der Bioethik. Band 3, Gütersloh 2000, S. 440–444.
  26. Gutachten Jaspers und Schindler, S. 24.
  27. Gutachten Jaspers und Schindler, S. 23., abgerufen am 3. Oktober 2011.
  28. a b Gutachten Jaspers und Schindler, S. 19.
  29. Gutachten Jaspers und Schindler, S. 23., abgerufen am 3. Oktober 2011.
  30. Sterben in unserer Gesellschaft - Ideale und Wirklichkeiten. In: Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte. 4/2008.
  31. Michael de Ridder: Medizin am Lebensende: Sondenernährung steigert nur selten die Lebensqualität. In: Deutsches Ärzteblatt. 105, 9/2008.
  32. J. McCue: The Naturalness Of Dying. In: JAMA. 273, 1995.
  33. M. Synofzik: PEG-Ernährung bei fortgeschrittener Demenz. In: Der Nervenarzt. 78, 2007.