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Paralimni

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Paralimni
Παραλίμνι
Paralimni
Paralimni (Zypern)
Paralimni (Zypern)
Basisdaten
Staat: Zypern Republik Zypern
Bezirk: Famagusta
Geographische Koordinaten: 35° 2′ N, 33° 59′ OKoordinaten: 35° 2′ N, 33° 59′ O
Höhe ü. d. M.: 75 m
Fläche: 50,7958 km²
Einwohner: 19.037 (2021)
Bevölkerungs­dichte: 375 Einwohner je km²
LAU-1-Code: CY-04
Postleitzahl: 5280, 5297
Bürgermeister: Giorgos Nikolettos
Website: www.paralimni.org.cy
Ansicht vom Meer
Ansicht vom Meer
Ansicht vom Meer

Paralimni (griechisch Παραλίμνι) ist eine Stadtgemeinde (Δήμος Dímos) im Bezirk Famagusta in der Republik Zypern.[1] Bei der Volkszählung im Jahr 2021 hatte sie 19.037 Einwohner.[2] Sie stellt seit der Teilung Zyperns 1974 de facto das Verwaltungszentrum des Bezirks dar.

Lage im Bezirk Famagusta

Paralimni liegt im Südosten der Mittelmeerinsel Zypern auf einer Höhe von etwa 75 Metern,[3] etwa 8 Kilometer von Agia Napa entfernt.[4] Das 50,7958 Quadratkilometer[5] große Gemeindegebiet grenzt im Norden an Deryneia, im Süden an Agia Napa und im Westen an Sotira. Der östliche Teil seines Verwaltungsgebiets ist Küstenregion.[6][7] Die Stadt kann über die Straßen E304, E305, E324, E327 und E330 erreicht werden.[8][9]

Gemeindegebiet und Straßennetz von Paralimni

Der eigentliche Ort Paralimni liegt etwa drei Kilometer im Landesinnern und drei Kilometer südlich der Teilungslinie am Ostufer des meist trockenliegenden Paralimni-Sees, wovon sich der Name („Paralimni“ = „Seeufer“) ableitet. Das Gemeindegebiet erstreckt sich hingegen bis an die Küste und in die UN-Pufferzone hinein. Die Badeorte Protaras, Pernera und Kapparis sind administrativ Teil der Gemeinde, wobei Protaras aufgrund des Tourismus international weitaus bekannter ist als die Gemeinde selbst.

Geologie und Geomorphologie

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Aus geologischer Sicht wird das Gebiet von Paralimni hauptsächlich von Terrassenablagerungen und den Sedimenten der Formation von Nikosia geprägt, die aus kalkhaltigen Sandsteinen, Konglomeraten und mergeligen Sandsteinen bestehen. Daneben treten riffbildende Kalke der Terra-Formation, Bentonite und Sandsteine der Kannaviou-Formation sowie Kreiden, Mergel und Radiolarite der Lefkara-Formation auf.

Auf diesen Gesteinen haben sich charakteristische Kafkalles (kalkhaltige Böden) und die typischen Rotböden (Terra rossa) entwickelt. Letztere erscheinen in zwei Haupttypen: jene, die sich auf Kalkstein gebildet haben, und solche, die sich auf Kafkalla-Böden entwickelt haben.

Das Gelände ist überwiegend flach bis leicht hügelig, während der südöstliche Teil stärker ansteigt. Dort erreicht das Relief auf dem Gipfel Fanos eine Höhe von 174 Metern, der zugleich die höchste Erhebung der Region Kokkinochoria ist.[10]

Paralimni zeichnet sich durch ein mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern aus. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 21 °C, und der jährliche Niederschlag summiert sich auf ungefähr 243 Millimeter.[11]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Paralimni
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 13,3 13,7 15,5 18,1 22 26 28,8 29,2 26,9 23,4 19,1 15,1 21
Mittl. Tagesmax. (°C) 15,3 16 18,4 21,2 25,1 29,1 31,9 32,3 30,1 26,2 21,3 17,1 23,7
Mittl. Tagesmin. (°C) 11,3 11,4 12,9 15 18,6 22,5 25,3 25,9 23,9 20,9 16,9 13,3 18,2
Niederschlag (mm) 53 37 18 9 6 0 0 0 2 16 35 67 Σ 243
Sonnenstunden (h/d) 8 9 10 11 12 13 13 12 11 10 9 8 10,5
Regentage (d) 6 4 2 2 1 0 0 0 1 2 4 6 Σ 28
Luftfeuchtigkeit (%) 68 67 66 67 65 62 62 63 62 64 64 68 64,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
15,3
11,3
16
11,4
18,4
12,9
21,2
15
25,1
18,6
29,1
22,5
31,9
25,3
32,3
25,9
30,1
23,9
26,2
20,9
21,3
16,9
17,1
13,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
53
37
18
9
6
0
0
0
2
16
35
67
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Climate-Data.org (1991–2021: Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Regentage; 1999–2019: Sonnenstunden)[11]

Die Landwirtschaft war seit jeher die wichtigste wirtschaftliche Tätigkeit in Paralimni. Obwohl nach der türkischen Invasion von 1974 der Tourismus, die Industrie und der Handel zunehmend an Bedeutung gewannen, spielt die landwirtschaftliche Produktion weiterhin eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben der Gemeinde.

Die Bewohner Paralimnis widmeten sich schon früh dem Gemüseanbau, der bis heute den Kern der landwirtschaftlichen Tätigkeit bildet. Nahezu alle Arten von Gemüse werden kultiviert, darunter Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Salat, Wassermelonen, Melonen, Zucchini, Taro (Kolokasi), Karotten, Kohl, Blumenkohl, Zwiebeln, Auberginen, Paprika, Bohnen, Sellerie, Spinat, Rettich, Weißkohl, Koriander und Petersilie. Das Hauptprodukt der Region ist jedoch die Kartoffel, deren Anbau durch die günstigen klimatischen und bodenkundlichen Bedingungen besonders begünstigt wird.

Neben Gemüse werden auch Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Feigen, Oliven, Johannisbrotbäume, Getreide (vor allem Gerste), Futtermittelpflanzen sowie in kleinerem Umfang Hülsenfrüchte angebaut.[10]

In der Antike befand sich auf dem heutigen Gemeindegebiet die Stadt Lefkolla, von der keine Überreste erhalten sind.

Während der byzantinischen Zeit bestand Paralimni aus mehreren kleinen landwirtschaftlichen Siedlungen. Aufgrund der arabischen Überfälle verließen die Bewohner die nahe der Küste gelegenen Dörfer und siedelten sich an dem Ort an, an dem sich heute das Zentrum von Paralimni befindet. Die Wahl dieser Lage erfolgte, um den Ort von der Küste aus unsichtbar zu machen.[12]

Im Jahr 1963 wurde Paralimni zum „Paralimni Improvement Council“ (griechisch Συμβούλιο Βελτιώσεως, „Verbesserungsgemeinde“). erklärt, einer Form lokaler Selbstverwaltung in den Dörfern Zyperns.[12] Nach der türkischen Invasion von 1974 und der Besetzung der Stadt Famagusta wurde Paralimni zum Verwaltungszentrum des freien Teils des Bezirks Famagusta.[13]

1986 fand ein Referendum statt, in dem die Einwohner für die Erhebung Paralimnis zur Stadtgemeinde stimmten. Zum ersten Bürgermeister wurde Nikos Vlittis gewählt. In den folgenden Jahren erlebte Paralimni eine rasche Entwicklung. Heute ist die Gemeinde in zwei Bereiche gegliedert: den städtischen und den touristischen. Der touristische Teil umfasst die Küstenregion Protaras, die zu den beliebtesten Badeorten der Insel zählt.[12][14][15]

Bevölkerungsentwicklung

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Paralimni wuchs aufgrund des Konflikts stark an, da sich viele aus der heutigen Türkischen Republik Nordzypern vertriebene Zyperngriechen hier ansiedelten, und besitzt heute etwa 11.000 Einwohner, was über einem Viertel der Bevölkerung des verbliebenen Bezirkteils entspricht.[16] Die Bewohner leben hauptsächlich vom Tourismus im benachbarten Agia Napa, daneben spielt auch die Landwirtschaft noch eine größere Rolle.

Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerung des Dorfes, wie sie in den in Zypern durchgeführten Volkszählungen erfasst wurde.

Jahr 1881 1891 1901 1911 1921 1931 1946 1960 1976 1982 1992 2001 2011 2021
Einwohner 738[17] 887[18] 1053[19] 1322[20] 1508[21] 1948[22] 2720[23] 3477[24] 5268[25] 5884[26] 7721[27] 11.068[28] 14.963[29] 19.037[2]

Paralimni hatte bisher vier Bürgermeister (Stand 2025):[30]

Gemeindepartnerschaften

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Die Gemeinde Paralimni hat Partnerschaften mit:[31][32]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

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Kirche Agios Georgios in Paralimni

An der Küste findet sich der jungsteinzeitliche archäologische Fundplatz Nissia.

Früher war Paralimni vor allem für seine Windmühlen bekannt. Im Ort befindet sich der größte Dorfplatz (Platia) Zyperns. Es gibt drei Kirchen: die größte ist die neue Agios-Georgios-Kirche, die Anfang der 1990er-Jahre erbaut wurde und sich durch umfangreiche Bemalungen im Innenraum auszeichnet. Die zweite Kirche ist ebenfalls dem heiligen Georg geweiht und stammt aus dem 19. Jahrhundert; die gotische Panagia-Kreuzkuppelkirche wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet, später jedoch durch Anbauten verändert. Außerhalb des eigentlichen Ortes finden sich weitere Kirchen, wie etwa die Kapelle Profitis Ilias in Protaras, die Agia-Varvara-Kirche nahe Kapparis und die Agia-Trias-Kirche bei Pernera.

Paralimni ist Heimat des zweitklassigen Fußballvereins Enosis Neon Paralimni, der seine Spiele im Stadion „Tasos Marcou“ austrägt. Der bekannteste Fußballspieler des Landes, Michalis Konstantinou, wurde in Paralimni geboren und begann hier seine Karriere.

Persönlichkeiten

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Wikivoyage: Paralimni – Reiseführer
Commons: Paralimni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Geo Codes 2015 – Gemeinden auf Zypern. In: mof.gov.cy. Archiviert vom Original am 4. August 2018; abgerufen am 28. Oktober 2025.
  2. a b Population Enumerated by District, Municipality/Community, Quarter, Sex and Age, 1.10.2021. Statistischer Dienst der Republik Zypern (CYSTAT), abgerufen am 23. Juli 2025 (englisch).
  3. Liste der berechtigten Gemeinden in benachteiligten Gebieten. In: capo.gov.cy. Archiviert vom Original am 4. April 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025.
  4. Paralimni. In: terrabook. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (englisch).
  5. Klassifizierung für den Urbanisierungsgrad in Zypern. In: mof.gov.cy. Archiviert vom Original am 18. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025.
  6. Karte von Zypern und dessen Bevölkerungsgruppen. In: kypros-cyprus.com. Archiviert vom Original am 24. Februar 2012; abgerufen am 30. Oktober 2025.
  7. Karte der Gemeindegrenzen der Republik Zypern. In: data.gov.cy. Ministerium für Bauen und Wohnen, 29. Dezember 2017, abgerufen am 30. Oktober 2025.
  8. Besucherkarte. (PDF) In: geoportal.gov.cy. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  9. Nebenstraßennetz – Topografische Karte. In: data.gov.cy. Abteilung für Kataster und Landvermessung, abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  10. a b Paralimni. In: Polignosi – Große zypriotische Enzyklopädie. Abgerufen am 31. Oktober 2025.
  11. a b Klima Paralimni (Zypern). Abgerufen am 19. Dezember 2024.
  12. a b c Ιστορία. In: www.paralimni.org.cy. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).
  13. Paralimni. In: Prio. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (englisch).
  14. Ιστορική εξέλιξη Παραλιμνίου. In: www.paralimni.org.cy. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).
  15. Παραλίες. In: www.paralimni.org.cy. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).
  16. Statistical Service of the Republic of Cyprus
  17. Einwohnerzahl 1881. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  18. Einwohnerzahl 1891. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  19. Einwohnerzahl 1901. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  20. Einwohnerzahl 1911. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  21. Einwohnerzahl 1921. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  22. Einwohnerzahl 1931. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  23. Einwohnerzahl 1946. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  24. Einwohnerzahl 1960. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  25. Einwohnerzahl 1976. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  26. Einwohnerzahl 1982. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  27. Einwohnerzahl 1992. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  28. Einwohnerzahl 2001. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Januar 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025 (griechisch).
  29. Statistical Service. cystat.gov.cy, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juni 2018; abgerufen am 30. Oktober 2025. (Download)
  30. Amtierende Bürgermeister im Jahr 1986 bis heute. Abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).
  31. Διδυμοποιήσεις. In: www.paralimni.org.cy. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).
  32. Οι Διδυμοποιήσεις του Δήμου. In: www.paralimni.org.cy. Archiviert vom Original am 1. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2025 (griechisch).