Paul Dell

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Paul F. Dell ist ein US-amerikanischer Psychotherapeut, der 1977 gemeinsam mit Harlene Anderson, Harold A. Goolishian und George Pulliam das Galveston Family Institute gründete und 1981 durch seine Rede am Zürcher Kongress der Familientherapeuten einen Skandal und radikales Umdenken auslöste. Seit der Kybernetischen Wende spricht man von Systemischer Therapie.

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dell gilt als Vertreter des Radikalen Konstruktivismus[1]. „Der Mythos instruktiver Interaktion“ könne seiner Meinung nach mit der „radikalen biologischen Ontologie“ von Humberto Maturana widerlegt werden.[2] Dell steht in der Tradition der Struktur-Deterministen, seine Denkstruktur beruht auf dem kybernetischen Viel-Ebenen-System von Gregory Bateson und den Thesen von Francisco Varela. Demnach sind alle sozialen und ökologischen System zirkulär konstruiert und wiederum mit noch umfassenderen Systemen zirkulär verknüpft. Bateson schloss daraus, dass „kein Teil eines solchen in sich interaktiven Systems eine einseitige Kontrolle über den Rest oder über irgendeinen anderen Teil haben kann.“ [1] Dieser im Grunde antiautoritärer Ansatz schloss jede Einflussnahme auf Menschen und Systeme, die berechenbar und auf ein Ziel gerichtet sein könnte, radikal aus.

Dell ist Ehrenmitglied des Instituts für Systemische Studien in Hamburg.

Stellenwert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Initialzündung zum Übergang von der Familientherapie zu einer eigentlichen systemischen Therapie gab meines Erachtens Paul Dell. Mit seinem Vortrag beim Zürcher Kongress 1981 demontierte er Satz für Satz die Grundprämissen, auf denen die Familientherapie bis dahin gebaut hatte. Dabei berief er sich auf einen Neurobiologen, von dem bisher noch keiner gehört hatte: Humberto Maturana. Paul Dell löste mit seinem Vortrag eine Diskussion aus, die der Familientherapie endgültig ihre konzeptionelle Unschuld nahm und in der Folge zur Entstehung eines neuen Ansatzes führen sollte, des nun eigentlichen “systemischen Ansatzes”.“

Kurt Ludewig[3]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In englischer Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (1981) Order through fluctuation: An evolutionary epistemology for human systems. (Gemeinsam mit Harold A. Goolishian). Australian Journal of Family Therapy 2: 175—184
  • (1986) Can the Family Therapy Field be rigorous? Journal of Marital and Family Therapy 12 (1), 37–38

In deutscher Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (1981) Ordnung durch Fluktuation. Eine evolutionäre Epistemologie für menschliche Systeme. (Gemeinsam mit Harold A. Goolishian). Familiendynamik 6: 104-122.
  • (1986) Klinische Erkenntnis. Zu den Grundlagen systemischer Therapie. Verlag Modernes Leben, Dortmund 1986, ISBN 3-8080-0092-9
  • (1990) 2., durchgesehene Auflage desselben Werkes, ISBN 3-8080-0231-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Das Autopoiesis-Konzept im Radikalen Konstruktivismus von Uli Graf
  2. Geschichte des Systemdenkens und des Systembegriffs von Roland Müller
  3. Systemische Therapie in Deutschland - Rückblick und Bestandsaufnahme von Kurt Ludewig