Pekesche

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Georg Mühlberg "Im ersten Semester", Student mit Pekesche (um 1900)

Die Pekesche (eigentlich: Pelzmantel, aus polnisch: bekiesza)[1] war im 19. Jahrhundert eine Uniformjacke der polnischen Kavallerie, die um 1830 von den vor russischer Verfolgung fliehenden polnischen Freiheitskämpfern nach Preußen eingeführt wurde. Durch die damalige Polenbegeisterung der akademischen Studentenverbindungen im Gefolge des Novemberaufstands wurde sie als Teil der studentischen Tracht übernommen und teilweise noch durch eine Studentenmütze in Form der Konfederatka ergänzt.

Am Ende des 18. Jahrhunderts noch als Kleidungsstück für Mann und Frau bezeichnet[2], wird die Pekesche in der Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein als eine Art Überkleid[3] bzw. als ein männlicher, knapp anliegender, kurzer Rock, mit Schnüren dicht besetzt[4] beschrieben.

Stefan Czarniecki, polnischer Heerführer und Nationalheld, in roter bekiesza, 17. Jahrhundert

Die Pekesche (auch Flausjacke oder nur Flaus genannt) wird bei offiziellen Veranstaltungen (jedoch nicht bei Damenveranstaltungen) von den aktiven Mitgliedern der meisten farbentragenden Verbindungen getragen. Dabei handelt es sich um einen vorne mit speziellen Verschnürungen besetzten Waffenrock aus Tuch oder Samt, der in der Regel schwarz oder in der Farbe der Studentenmütze gehalten ist. Weitere Kordelierungen in Couleurfarben finden sich am Halsloch, am Kragen, an den Ärmeln, am Rückenschlitz und an den Flankennähten sowie unten am Oberärmel. Gelegentlich gibt es auch für Chargierte zur Unterscheidung Kneipjacken in anderen Farben.

Neben der Pekesche gibt es die Kneipjacke, die im Gegensatz zur Pekesche mit Taschen versehen ist. Die Taschen werden mit eigener Verschnürung kordeliert. Während die Pekesche immer einen geraden Abstich haben muss, werden Kneipjacken auch mit rundem Abstich gearbeitet. Das Band (oder mehrere) wird über der Kneipjacke getragen, da die Jacke mit Stehkragen gearbeitet ist und das Band sonst nicht zu sehen wäre. Bei einigen Verbindungen ist es auch üblich, bei legereren Anlässen die Jacke offen zu tragen, dann wird das Band unter der Jacke angelegt.

Bei Verbindungen mit besonderer fachlicher Ausrichtung kann die Kneipjacke auch durch andere Traditionsbekleidung ersetzt werden. So tragen forstlich und jagdlich ausgerichtete Verbindungen oft eine Art Försterjacke in Grün. Die (grüne) Pekesche bürgerte sich in Aschaffenburg besonders bei den Aschaffenburger Corps ein und wurde bald als typische Aschaffenburger Studententracht angesehen. Die Forststudenten bekamen deshalb bei der einheimischen Bevölkerung den Spitznamen „Forschtpolacke“.[5] Der Bergbautradition verpflichtete Verbindungen tragen gern den schwarzen Bergkittel, der auch als Abendgarderobe zugelassen ist.

Quellen[Bearbeiten]

  • Ruth Klein: Lexikon der Mode. Drei Jahrtausende europäische Kostümkunde. Woldemar Klein Verlag, Baden-Baden 1950.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bekishes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutz Mackensen: Deutsche Etymologie, Carl Schünemann Verlag Bremen, 1962, S. 124
  2. Johann Karl Gottfried Jacobson: Technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Zünfte, Manufakturen, Fabriken und Handwerker. Dritter Teil von M−Schl. Friedrich Nicolai, Berlin/Stettin 1783, S. 220.
  3. Friedrich Jakob Schmitthenner: Kurzes deutsches Wörterbuch für Etymologie, Synonymik und Orthographie. Darmstadt 1834, S. 213.
  4. Samuel Friedrich Wilhelm Hoffmann: Vollständigstes Wörterbuch der deutschen Sprache. Band 4, Leipzig 1857, S. 326.
  5. Herrmann Sand: Adjee Ihr Forschtpolacke! Spessart. Zeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart vom Juni 2010, S. 24 f.