Pekesche

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Stefan Czarniecki in roter Pekesche (17. Jahrhundert)

Die Pekesche (polnisch Bekiesza)[1] war im 19. Jahrhundert eine Uniformjacke der polnischen Kavallerie.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bekiesza wurde in Polen bis ins 18. Jahrhundert der vor allem vom Landadel und Bürgertum traditionell über dem Kontusz getragene Pelzmantel bezeichnet. Es gab dabei sowohl Schnitt für Männer als auch für Frauen.[2] Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich allgemein zu einer Art Überkleid,[3] das vor allem als knapp anliegender, kurzer Rock, mit Schnüren dicht besetzt von Männern getragen wurde.[4]

In den Freiheitskämpfen der Polen nach 1795 wurde er zusammen mit dem Żupan zu einem politischen Symbol gegen die Teilungsmächte. 1830 brachten die vor den russischen Truppen fliehenden polnischen Freiheitskämpfer ihn nach Preußen. Durch die damalige Polenschwärmerei der Studentenverbindungen in Folge des Novemberaufstandes wurde der Pelzmantel unter dem Namen Pekesche Teil der studentischen Tracht und teilweise durch eine Studentenmütze in Form der polnischen Konfederatka ergänzt, die noch heute als Rogatywka Bestandteil vieler Uniformen in Polen ist.

Heutiger Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinheimer Corpsstudenten in Kneipjacken (2011)

Die Pekesche (auch Flausjacke oder nur Flaus genannt) wird bei offiziellen Veranstaltungen (jedoch nicht bei Damenveranstaltungen) von den aktiven Mitgliedern der meisten farbentragenden Verbindungen getragen. Dabei handelt es sich um einen vorn mit speziellen Verschnürungen besetzten Waffenrock aus Tuch oder Samt, der in der Regel schwarz oder in der Farbe der Studentenmütze gehalten ist. Weitere Kordelierungen in Couleurfarben finden sich am Halsloch, am Kragen, an den Ärmeln, am Rückenschlitz und an den Flankennähten sowie unten am Oberärmel. Gelegentlich gibt es auch für Chargierte zur Unterscheidung Kneipjacken in anderen Farben.

Neben der Pekesche gibt es die Kneipjacke, die im Gegensatz zur Pekesche mit Taschen versehen ist. Die Taschen werden mit eigener Verschnürung kordeliert. Während die Pekesche immer einen geraden Abstich haben muss, werden Kneipjacken auch mit rundem Abstich gearbeitet. Das Band (oder mehrere) wird über der Kneipjacke getragen, da die Jacke mit Stehkragen gearbeitet ist und das Band sonst nicht zu sehen wäre. Bei einigen Verbindungen ist es auch üblich, bei legereren Anlässen die Jacke offen zu tragen, dann wird das Band unter der Jacke angelegt.

Bei Verbindungen mit besonderer fachlicher Ausrichtung kann die Kneipjacke auch durch andere Traditionsbekleidung ersetzt werden. So tragen forstlich und jagdlich ausgerichtete Verbindungen oft eine Art Försterjacke in Grün. Die (grüne) Pekesche bürgerte sich in Aschaffenburg besonders bei den Aschaffenburger Corps ein und wurde bald als typische Aschaffenburger Studententracht angesehen. Die Forststudenten bekamen deshalb bei der einheimischen Bevölkerung den Spitznamen „Forschtpolacke“.[5] Der Bergbautradition verpflichtete Verbindungen tragen gern den schwarzen Bergkittel oder den noch festlicheren Biberstollen, welche auch als Abendgarderobe zugelassen sind.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ruth Klein: Lexikon der Mode. Drei Jahrtausende europäische Kostümkunde. Woldemar Klein Verlag, Baden-Baden 1950.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bekishes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lutz Mackensen: Deutsche Etymologie, Carl Schünemann Verlag Bremen, 1962, S. 124
  2. Johann Karl Gottfried Jacobson: Technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Zünfte, Manufakturen, Fabriken und Handwerker. Dritter Teil von M–Schl. Friedrich Nicolai, Berlin/Stettin 1783, S. 220.
  3. Friedrich Jakob Schmitthenner: Kurzes deutsches Wörterbuch für Etymologie, Synonymik und Orthographie. Darmstadt 1834, S. 213.
  4. Samuel Friedrich Wilhelm Hoffmann: Vollständigstes Wörterbuch der deutschen Sprache. Band 4, Leipzig 1857, S. 326.
  5. Herrmann Sand: Adjee Ihr Forschtpolacke! Spessart. Zeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart vom Juni 2010, S. 24 f.