Pfropfen (Pflanzen)

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Spaltpfropfen
A: Rindenpfropfen, B: verbessertes Rindenpfropfen
Omega-Pfropfen bei Weinreben

Das Pfropfen ist eine Art der Pflanzenveredelung, wobei ein Edelreis auf eine Unterlage gesteckt (gepfropft) wird.

Gehölze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pfropfen (von lateinisch propaginare), zuvor auch „Pelzen“[1] genannt, wird bei verschiedenen Zier- und Obstbäumen genutzt. Zur Vermehrung oder zum Erhalt einer Einzelpflanze wird dabei ein Edelreis mit einer Unterlage zusammengefügt. Häufig wird dabei ein angespitzter Zweig in den ab- und eingeschnittenen Stamm einer Jungpflanze gesteckt. Dies geschieht von Hand oder mit einer Veredelungsmaschine über den sogenannten Omegaschnitt oder die Triangulation (Dreikantschnitt).

Pfropfreis und aufnehmender Ast müssen gut passend geschnitten werden; die Wunde wird nach außen hin mit Baumwachs luftdicht abgeschlossen. Bei der professionellen Handveredelung und der Rebenveredelung wird auch geschmolzenes Wachs verwendet, in das die Pflanzen kopfüber getaucht werden, um sie luftdicht zu verschließen. Die unter der Astrinde gelegene Bastschicht (das Kambium, die Wuchsschicht unter der Rinde) wächst dann zur Bastschicht des Edelreises hinüber, so dass nach einigen Wochen der Saft wieder fließen kann und die bis dahin ruhenden Knospen des Edelreises austreiben.

Weinreben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Rebenveredelung (Wein) wird die Veredelung im Gewächshaus vorgetrieben, danach kommt die Pflanze für eine Vegetationsperiode ins Freiland. Die Wurzelbildung dieser Reben und das Anwachsen des Edelreises auf der Unterlage werden anschließend geprüft. Die guten, für das kommende Jahr pflanzfertigen Reben nennt man Pfropfreben. Hauptmotivation ist der Schutz vor der Reblaus.

Sukkulenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gepfropftes Cultivar Hibotan von Gymnocalycium mihanovichii

Das Pfropfen von Kakteen zeigt deutliche Unterschiede zum Pfropfen von Gehölzen bezüglich der Funktion und Gestaltung. Die Pfropfung dient dazu, langsam wachsende oder schwer zu kultivierende Kakteen schneller und einfacher wachsen zu lassen, chlorophyllfreie Mutanten zu halten oder Kakteen nach eingetretener Wurzelfäule zu retten. Ein schnell wachsender und pflegeleichter Kaktus wie beispielsweise Echinopsis pachanoi oder Opuntia ficus-indica wird als Unterlage genutzt. Hierauf werden langsam wachsende Arten von Gattungen wie Lophophora, Ariocarpus oder Astrophytum gepfropft, um das Wachstum zu beschleunigen und die Haltung ohne das empfindliche Wurzelwerk zu vereinfachen.

Chlorophyllfreie Mutationen von Kakteenarten wie beispielsweise von Gymnocalycium mihanovichii können ausschließlich als Pfröpflinge gezogen werden, da sie mangels Chlorophyll nicht zur Photosynthese in der Lage sind.

Um Infektionen durch Pilze oder Bakterien zu vermeiden, muss beim Pfropfen steril gearbeitet werden. Beide Pflanzenteile werden mit ihren Schnittflächen aufeinandergelegt und verwachsen innerhalb zweier Wochen.[2]

Sukkulente Euphorbien werden oft nach dem gleichen Verfahren auf Euphorbia trigona gepfropft.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Hecht: Kakteen und andere Sukkulenten. 8. durchgesehene Auflage, (Neuausgabe). BLV-Verlagsgesellschaft, München 1998, ISBN 3-405-15337-9 (BLV Garten- und Blumenpraxis).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historisches Lexikon Bayerns: Martina Giese zum Pelzbuch des Gottfried von Franken
  2. kakteenweb.de, abgerufen am 5. April 2010

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]