Philippusevangelium

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Das Philippusevangelium ist eine im 2. Codex der Nag-Hammadi-Schriften erhaltene, vermutlich valentinianische (gnostische) Spruchsammlung. Von der literarischen Gattung her ist es kein Evangelium, eher eine Predigt. Es handelt sich um eine pseudepigraphische Schrift.

Die 127 oft unverbunden aneinandergereihten Sprüche behandeln unterschiedliche Themen: Überlegungen über Adam und das Paradies, Erörterungen über Akte des Schaffens und Zeugens, Überlegungen über Braut und Bräutigam (besonders das Brautgemachsakrament) und die Sakramente allgemein und weiteres. Zitate aus kanonischen Briefen und Evangelien werden aus gnostischer Sicht interpretiert. Viele Ansichten finden sich im Thomasevangelium wieder. Maria Magdalena nimmt hier die Stellung der Lieblingsjüngerin ein, die in den kanonischen Evangelien Johannes zukommt.

Verfasser, Datierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß der Unterschrift (Subscriptio, p. 86,19) ist der Apostel Philippus der Verfasser, womit das Werk zu den Pseudepigraphen zu zählen ist. Zitate aus den Evangelien (Matthäus und Johannes, evtl. auch Markus) und der Bezug auf das Thomasevangelium schließen den Apostel Philippus als Autor aus. Vermutlich ist das Werk im späten 3. Jahrhundert n. Chr. von einem unbekannten Autor in griechischer Sprache verfasst worden. Die nachweisliche Abhängigkeit von den genannten Texten lassen als frühestes Datum aber auch die Mitte des 2. Jahrhunderts zu. Uns ist nur die in Nag Hammadi gefundene Version in koptischer Sprache bekannt. Zwar wird ein Philippusevangelium von verschiedenen Autoren (z.B. Epiphanius, Haer. 26,13,2-3) erwähnt, ob aber dieser Text damit gemeint ist, bleibt unklar.

Maria Magdalena als Jesu Gefährtin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des unvollständig erhaltenen Spruchs 55 ("Und die Gefährtin von [Christus] ist Maria Madgalena.") und Spruch 32 ("Es waren drei, die allezeit mit dem Herrn wandelten: Maria, seine Mutter, und ihre Schwester und Magdalene, die man seine Gefährtin nennt.") wurde spekuliert, ob Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen sei. Neue Nahrung erhielt diese Spekulation im Jahr 2012 durch die Publikation des Papyrusfragments Evangelium der Frau Jesu, das unter Fachleuten jedoch als Fälschung gilt.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Martin Schenke: Das Philippus-Evangelium (Nag-Hammadi-Codex II,3), Berlin 1997 (Übersetzung und Erklärungen)
  • Das Neue Testament und Frühchristliche Schriften. Übersetzt und kommentiert von Klaus Berger und Christiane Nord. Insel, Frankfurt am Main 1999, S. 1081–1113. ISBN 3-458-16970-9
  • Hans-Martin Schenke u.a. (Hrsg.): Nag Hammadi Deutsch. Studienausgabe. de Gruyter, Berlin/New York 2007, S. 140-163. (Einleitung und Übersetzung)
  • Eric Segelberg, "The Gospel of Philippus and the New Testament." in: The New Testament and Gnosis. Essays in Honour of Robert McL. Wilson. London 1983.
  • Eric Segelberg,, "The Antiochene Backgrund of the Gospel of Philip." in: Bulletin de la Société d' Archéologie Copte 18, 1966.
  • Eric Segelberg,, "The Antiochene Origin of the 'Gospel of Philip'" Bulletin de la Société d' Archéologie Copte 19, 1967-68.
  • Eric Segelberg,, "The Coptic-Gnostic Gospel according to Philip and its sacramental System." in: Numen 7, 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrew Bernhard: The Gospel of Jesus' Wife: Textual Evidence of Modern Forgery. In: New Testament Studies, Vol. 3/61, (Juli 2015) S. 335–355. doi:10.1017/S0028688515000077