Podgórze (Krakau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der historische Stadtkern von Podgórze
Marktplatz von Podgórze mit der Josefskirche im Hintergrund
Podgórze (rechts, auf der Vorderseite) im Jahr 1860, Krakau hinter der Weichsel
  • Podgórze im Jahr 1916
  • Öffentliche Gebäude
  • Friedhöfe und Gärten
  • Podgórze ist eine im Jahr 1784 als Josephstadt am südlichen Ufer der Weichsel gegründete Stadt, die 1915 nach Krakau eingemeindet wurde und namensgebend für den Stadtbezirk XIII ist.

    Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Aus dem Jahr 1000 stammt die Benediktkirche auf einem Hügel der Krakauer Landbrücke. Dieser Hügel wurde im Jahr 1286 als Mons s. Benedicti erwähnt, danach von Jan Długosz (1470–1480) als Lyassotinus Mons, heute Wzgórze Lasoty. Die kleine Ortschaft unter diesem Hügel wurde ab dem 16. Jahrhundert Podgórze genannt,[1] wörtlich übersetzt Vorgebirge, unterhalb des Bergs. Im Jahre 1772 kam das Gebiet bei der Ersten polnischen Teilung als Teil von Galizien zu Österreich. 1784 gewährte Kaiser Joseph II. Podgórze den Status einer Stadt mit der Freiheit des Handels, ursprünglich unter dem Namen Josefstadt.[2] Im Jahr 1787 gab es schon 108 Häuser, und die Lage an der Kreuzung einiger Handelswege machte die neue Stadt konkurrenzfähig zur auf der anderen Weichselseite gelegenen ehemaligen Hauptstadt Polens, Krakau. Krakau wurde im Jahr 1795 auch an Österreich angeschlossen und Josephstadt wurde dem Krakauer Kreis zugeordnet. Laut dem Friede von Schönbrunn aus dem Jahr 1809 kamen jedoch beide Städte an das Herzogtum Warschau. Im nächsten Jahr wurde Podgórze nach Krakau eingemeindet. Aber schon 1815 wurde die Weichsel wieder zur Staatsgrenze, und Podgórze löste sich wieder von Krakau und wurde an den Kreis Wieliczka angegliedert. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurde die Stadt zum Sitz des Bezirks Podgórze. Die Österreicher errichteten damals einige Befestigungen der Festung Krakau, u. a. auf dem Krak-Hügel.

    Im Jahr 1900 verfügte die Stadt Podgórze über eine Fläche von 548 Hektar mit 513 Häusern und 18.155 (darunter vom Militär 482) Einwohnern, davon war die Mehrheit polnischsprachig (17092), 330 deutschsprachig (vom Militär 213). Die Mehrheit der Bevölkerung war römisch-katholisch (12586), in der Stadt lebten außerdem 5422 Juden.[3] Es gab zwei industrielle Vorstädte: Bonarka im Südwesten und Zabłocie im Osten.

    Im Vergleich zu Krakau war Podgórze moderner und mehr industrialisiert.[4][5] Podgórze gründete ein eigenes Kraftwerk und hatte ein eigenes Wasserwerk. Die liberale Verwaltung von Podgórze betrachtete die Pläne der Eingemeindung nach Krakau ungern und lehnte das erste Angebot von Krakau aus dem Jahr 1903 ab.[6] Podgórze zögerte den Bebauungsplan der Stadt Krakau des Stadtpräsidenten Juliusz Leo, der Podgórze „die Perle der Gemeinden rings um Krakau“ nannte, bis zum Jahr 1913 hinaus. Am 1. Juli 1915 wurde Podgórze, mit 22.000 Einwohnern, feierlich nach Krakau eingemeindet.

    Hier befand sich 1941–1943 das Ghetto Krakau.

    Die ehemalige Josefstadt ist Teil eines Gebiets, das als historischer Stadtkomplex (historyczny zespół miasta) am 16. September 1994 durch präsidiale Verordnung von Lech Wałęsa zum Geschichtsdenkmal (Pomnik historii) erklärt wurde.

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: Podgórze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Kazimierz Rymut, Barbara Czopek-Kopciuch: Nazwy miejscowe Polski: historia, pochodzenie, zmiany. 9 (Po-Q). Polska Akademia Nauk. Instytut Języka Polskiego, Kraków 2013, S. 29 (polnisch, online).
    2. Ludwinów. In: Filip Sulimierski, Władysław Walewski (Hrsg.): Słownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich. Band 5: Kutowa Wola–Malczyce. Walewskiego, Warschau 1884, S. 476 (polnisch, edu.pl).
    3. Ludwig Patryn (Hrsg.): Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder, bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900, XII. Galizien. Wien 1907 (online).
    4. Przemysłowe Podgórze
    5. Kraków. Rozszerzenie granic 1909–1916. Verlag Karol Rolle, Kraków 1932, S. 206.
    6. Jak powstawał Wielki Kraków. 100 lat od przyłączenia Podgórza

    Koordinaten: 50° 3′ N, 19° 57′ O