Otto Wächter

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Otto Wächter (ca. 1942)

Otto Gustav Wächter (* 8. Juli 1901 in Wien; † 14. Juli 1949 [1] in Rom, bis 1919 Freiherr von Wächter) war ein österreichischer Jurist, nationalsozialistischer Politiker und SS-Führer, zuletzt im Rang eines SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Polizei.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Wächter war Sohn des vormaligen österreichischen Heeresministers Josef von Wächter.[2] Wächter studierte nach dem bestandenen Abitur Rechtswissenschaft an der Universität Wien und promovierte dort 1924 zum Dr. jur..[3] Danach war Wächter zunächst als Assessor am Oberlandesgericht Wien tätig und ab 1929 als Strafverteidiger. Von Anfang Januar 1932 bis Juli 1934 betätigte sich Wächter als Rechtsanwalt.[4] Seit 1932 war er mit der Fabrikantentochter Charlotte Bleckmann verheiratet, das Paar bekam einen Sohn und eine Tochter.[5]

Von 1919 bis 1922 gehörte er dem Freikorps Deutsche Wehr an und trat 1923 der Wiener SA bei. Der NSDAP gehörte er erstmals ab Oktober 1923 an, ließ seine Mitgliedschaft aber aufgrund parteiinterner Konflikte ab Ende 1924/Anfang 1925 ruhen. Im Oktober 1930 trat er der NSDAP (Mitgliedsnr. 301.093) erneut bei.[3] In der Partei übte er Führungsfunktionen in Wien aus: So war er ab 1931 Gauamtsleiter in Wien und Hauptschulungsleiter der NSDAP in Österreich.[6] Er war auch Parteianwalt und nach dem NSDAP-Verbot in Österreich ab Sommer 1933 als Sonderbeauftragter der Landesleitung zu Verhandlungen mit österreichischen Regierungsstellen beauftragt. Im Januar 1934 beteiligte er sich an der Befreiung Josef Fitzthums aus dem Wiener Landesgericht.[5] Laut dem österreichischen Bischof Alois Hudal soll Wächter führend am Juliputsch 1934 beteiligt gewesen sein und den Angriffsbefehl im Zuge der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß gegeben haben.[6] Anschließend flüchtete er in das Deutsche Reich. Daraufhin wurde ihm die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt.[7] Wächter trat im März 1935 in die SS (SS-Nr. 235.338) ein.[3] Bei der SS erreichte er im Mai 1944 den Rang eines SS-Gruppenführers.[6]

Nach dem „Anschluss Österreichs“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich war Wächter vom 24. Mai 1938 bis zum 30. April 1939 als Staatskommissar für den Reichsminister Arthur Seyß-Inquart tätig.[7] In dieser Funktion ließ er Beamte aus dem österreichischen Behördenapparat entfernen, die dem NS-Regime nicht als zuverlässig galten.[2] Im Zuge der Besetzung Polens wurde Wächter Anfang November 1939 zum Gouverneur des Distrikts Krakau ernannt. Dort war er auch Distriktstandortführer der NSDAP und Leiter der Kommission für Flüchtlingsfragen.[4] Im Dezember 1939 untersagte Wächter jüdischen Kindern den Schulbesuch in allen öffentlichen, privaten und „Judenschulen“.[8] Er erörterte ferrner mit Hans Frank und Friedrich-Wilhelm Krüger Methoden, um mehr polnische Zwangsarbeiter für den Einsatz in Deutschland rekrutieren zu können.[9] Im Mai 1940 ordnete er an, dass Tausende von Juden Krakau zu verlassen hätten.[10]

Am 21. Januar 1942 wurde Wächter Gouverneur des Distrikts Galizien und folgte somit dem beurlaubten Karl Lasch nach. Den Posten des Gouverneurs von Krakau übernahm Richard Wendler.[3] Ab Februar 1942 kam es zu lang anhaltenden Konflikten zwischen dem Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) Ost Friedrich-Wilhelm Krüger und Wächter. Krüger warf Wächter unter anderem vor, im Generalgouvernement ausschließlich als Politiker, aber nicht als SS-Führer zu agieren.[2] Ab Oktober 1942 war Wächter zudem SS-Führer im Stab des SS-Oberabschnitts Ost. Als der Distrikt Galizien im Sommer 1944 von der Roten Armee eingenommen wurde, erhielt Wächter im September 1944 den Posten des Militärverwaltungschefs in Italien.[6] Nachdem Wächter im August 1944 hauptamtlicher SS-Führer geworden war, wurde er zugleich vom Reichsführer SS zum Generalleutnant der Polizei ernannt.[11] In der Endphase des Zweiten Weltkrieges leitete Wächter noch den Bereich Ostangelegenheiten im Reichssicherheitshauptamt (RSHA).[4]

Wächter tauchte 1945 in Rom unter und täuschte erfolgreich seinen Tod vor. Unter dem Pseudonym Alfredo Reinhardt fand er in Rom in einem katholischen Kollegium unter Bischof Alois Hudal Zuflucht und verstarb dort am 14. Juli 1949.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Schulz / Dieter Zinke: Die Generale der Waffen-SS und der Polizei, Bissendorf 2012, S. 77-127.
  2. a b c Thomas Sandkühler: Endlösung in Galizien. Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz 1941–1944, Bonn 1996, S. 448f
  3. a b c d Bogdan Musial: Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Wiesbaden 1999, S. 396
  4. a b c Werner Präg / Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939–1945, Stuttgart 1975, S. 954
  5. a b Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 69f.
  6. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 647f.
  7. a b Eintrag zu Otto Wächter im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  8. Dok. VEJ 4/56 in: Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945 (Quellensammlung) Band 4: Polen - September 1939-Juli 1941, München 2011, ISBN 978-3-486-58525-4, S. 176f.
  9. Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden... Band 4: Polen - September 1939-Juli 1941, München 2011, ISBN 978-3-486-58525-4, S. 304 mit Anm. 12.
  10. vergl. Dokument VEJ 4/210 in: Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden... Band 4: Polen - September 1939-Juli 1941, München 2011, ISBN 978-3-486-58525-4, S. 464ff.
  11. Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 69f.