Policy

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Policy
Inhalte

Policy (Plural: Policies) bezeichnet in der Politikwissenschaft neben Polity und Politics eine der drei Dimensionen von Politik. Policy bezeichnet dabei die inhaltliche Dimension[1], also z. B. konkrete politische Initiativen oder Ziele, die erreicht werden sollen.

Politikfeldanalyse oder Policy-Forschung ist das Fachgebiet der Politikwissenschaft, das sich näher mit dem Inhalt, der Entstehung und den Konsequenzen von Policies beschäftigt („what governments do, why they do it and what difference it makes.“[2]).

Policytypen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Policies lassen sich auf verschiedene Art und Weise kategorisieren. Eine erste Möglichkeit ist die Abgrenzung nach Politikfeldern, wie z. B. Wirtschafts-, Umwelt- oder Bildungspolitik. Diese Unterscheidung hat den Vorteil, dass sie intuitiv und in der politischen Realität einfach zu beobachten ist. Nachteil ist, dass Querschnittsprobleme (z. B. Geschlechterpolitik) und Gemeinsamkeiten von Policies über Politikfelder hinweg vernachlässigt werden[3].

Theodore Lowi unterteilt Policies in distributive Policies (Policies, bei denen Güter verteilt werden ohne das eine Gruppe daraus einen (sichtbaren) Nachteil erleidet), redistributive Policies (Policies, bei denen Güter zu Gunsten einer und zu Lasten einer anderen Gruppe umverteilt werden) sowie regulative Policies (Policies, die regulieren ohne direkt (um)verteilend zu wirken). Lowi erwartet, dass sich die politischen Prozesse je nach Policy-Typ unterscheiden. So lässt sich für redistributive Policies z. B. ein höheres Konfliktniveau erwarten[4]. Zu diesem Modell existieren Erweiterungen, z. B. von Klaus von Beyme.[5]

Eine dritte Variante unterteilt Policies nach der Art der verwendeten Steuerungsprinzipien.[6] Das strengst mögliche Steuerungsprinzip sind Ge- und Verbote, die bei Verstoß Sanktionen nach sich ziehen. Weitere Steuerungsprinzipien sind (nach abnehmender Direktheit): materielle Anreize für ein bestimmtes Verhalten, Schaffen von Angeboten, Überzeugung und Aufklärung, Vorbildfunktion staatlicher Repräsentanten.

Außerdem können Policies einen unterschiedlich starken Politikwandel nach sich ziehen. Peter A. Hall schlägt drei Ebenen des Wandels vor[7]: Wandel erster Ordnung beschreibt einen Wandel, der die Ausrichtung von Politikinstrumenten entspricht (z. B. Änderung von Schadstoffgrenzwerten). Das Einführen neuer Politikinstrumente entspricht einem Wandel zweiter Ordnung (z. B. Neueinführung von Schadstoffgrenzwerten). Wandel dritter Ordnung betrifft die übergeordneten Ziele der Politik (z. B. Prioritätenwechsel von Wirtschaftswachstum zu Nachhaltigkeit).

Erklärung von Policies[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung von Policies lässt sich idealtypisch mit dem Politikzyklus beschreiben, der die folgenden Phasen unterscheidet: Problemdefinition, Agenda-Setting, Politikformulierung, Implementation, Evaluierung, Terminierung oder Re-Definition des Problems[8]. Innerhalb der Politikfeldanalyse werden zahlreiche mögliche Erklärungsansätze diskutiert, die die konkrete Ausgestaltung von Policies beeinflussen können[9]. Erstens sind dies äußere Umstände: sozioökonomische Problemlagen (Funktionalismus), Europäisierung und Globalisierung. Zweitens betreffen diese Prozesse innerhalb der Regierung: Parteien und ihre ideologischen Präferenzen (Parteiendifferenzhypothese), Policy-Diffusion und -Transfer. Drittens gibt es innerhalb des politischen Systems weitere Faktoren, die Einfluss haben können: Wiederwahlüberlegungen, institutionelle Rahmenbedingungen (Vetospielertheorem), Pfadabhängigkeit bereits existierender Policies, der Kapitalismustyp (Varieties of Capitalism) und Machtressourcen organisierter Interessen (Machtressourcenansatz). Weiterhin gibt es Ansätze, die einen stärkeren Fokus auf den politischen Prozess richten durch den eine Policy zustande gekommen ist, z. B. den Multiple-Streams-Ansatz oder das Advocacy-Coalition-Framework.

Weitere Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im geschäftlichen Bereich bezeichnet Policy eine interne Leit- oder Richtlinie, die formal durch das Unternehmen dokumentiert und über ihr Management verantwortet wird. In der Informationstechnik hat Policy eine Bedeutung als Rahmenvorschriften für Berechtigungen und Verbote.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Catherine Althaus, Peter Bridgman, Glyn Davis: The Australian Policy Handbook. 4. Auflage. Allen & Unwin, Sydney 2007 (englisch).
  • Raymond A. Bauer, Ithiel De Sola Pool, Lewis A. Dexter: American Business, Public Policy, Case-Studies, and Political Theory. In: World Politics. Band 16, Nr. 4. Cambridge University Press, 1964, ISSN 1086-3338, S. 677–715, doi:10.2307/2009452, JSTOR:2009452 (Review, Theodore J. Lowi).
  • Ken Blakemore: Social Policy: an Introduction. 1998 (englisch).
  • Thomas R. Dye: Policy Analysis. University of Alabama Press, 1976 (englisch).
  • Christophe Feltus: Preliminary Literature Review of Policy Engineering Methods; Toward Responsibility Concept. 2008, S. 1–6, doi:10.1109/ICTTA.2008.4529912.
  • Winand Gellner, Eva-Maria Hammer: Policyforschung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-58674-9.
  • George D. Greenberg, Jeffrey A. Miller, Lawrence B. Mohr, Bruce C. Vladeck: Developing Public Policy Theory: Perspectives from Empirical Research. In: The American Political Science Review. Band 71, Nr. 4. American Political Science Association, Dezember 1977, S. 1532–1543, doi:10.2307/1961494, JSTOR:1961494.
  • Douglas D. Heckathorn, Steven M. Maser: The Contractual Architecture of Public Policy: A Critical Reconstruction of Lowi’s Typology. In: The Journal of Politics. Band 52, Nr. 4. Cambridge University Press, 1990, ISSN 0022-3816, S. 1101–1123, doi:10.2307/2131684, JSTOR:2131684.
  • Cosmo Howard: The Policy Cycle: a Model of Post-Machiavellian Policy Making? In: The Australian Journal of Public Administration. September 2005 (englisch).
  • William Jenkins: Policy Analysis: A Political and Organizational Perspective. Martin Robertson, London 1978 (englisch).
  • Aynsley Kellow: Promoting Elegance in Policy Theory: Simplifying Lowi's Arenas of Power. In: Policy Studies Journal. Vol. 16, Nr. 4, 1988, S. 713–724, doi:10.1111/j.1541-0072.1988.tb00680.x (englisch).
  • Christoph Knill, Jale Tosun (Hrsg.): Einführung in die Policy-Analyse. Budrich, Opladen 2015.
  • Paquette Laure: Analyzing National and International Policy. Rowman Littlefield, 2002 (englisch).
  • Theodore J. Lowi: Four Systems of Policy, Politics, and Choice. In: American Society for Public Administration (Hrsg.): Public Administration Review. Band 32, Nr. 4, 1972, S. 298–310, doi:10.2307/974990, JSTOR:974990 (englisch).
  • Theodore J. Lowi: Regulatory Policy and the social Sciences. Hrsg.: Roger G. Noll. University of California Press, Berkeley 1985, The State in Politics, S. 67–110 (englisch).
  • Pierre Müller, Yves Surel: L’analyse des politiques publiques. Montchrestien, Paris 1998 (französisch).
  • Klaus-Peter Saalbach: Einführung in die politische Analyse. Dirk Koentopp, Osnabrück 2009, ISBN 978-3-938342-15-2.
  • Klaus Schubert, Nils C. Bandelow: Lehrbuch der Politikfeldanalyse. 1. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2003, ISBN 3-486-27284-5.
  • K. B. Smith: Typologies, Taxonomies, and the Benefits of Policy Classification. In: Policy Studies Journal. Vol. 30, Nr. 3, 2002, S. 379–395, doi:10.1111/j.1541-0072.2002.tb02153.x (englisch).
  • Robert J. Spitzer: Promoting Policy Theory: Revising the Arenas of Power. In: Policy Studies Journal. Vol. 15, Nr. 4, Juni 1987, S. 675–689, doi:10.1111/j.1541-0072.1987.tb00753.x (englisch).
  • Diane Stone: Global Public Policy, Transnational Policy Communities and their Networks. In: Journal of Policy Sciences. 2008 (englisch).
  • Georg Wenzelburger; Reimut Zohlnhöfer: Konzepte und Begriffe in der Vergleichenden Policy-Forschung. In: Georg Wenzelburger; Reimut Zohlnhöfer (Hrsg.): Handbuch Policy-Forschung. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01968-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: policy – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Policy | bpb. Abgerufen am 3. März 2020.
  2. Thomas R. Dye: Policy analysis: what governments do, why they do it, and what difference it makes. The University of Alabama Press, 1983, ISBN 0-8173-4834-4.
  3. Georg Wenzelburger; Reimut Zohlnhöfer: Konzepte und Begriffe in der Vergleichenden Policy-Forschung. In: Georg Wenzelburger; Reimut Zohlnhöfer (Hrsg.): Handbuch Policy-Forschung. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01968-6, S. 23.
  4. Theodore J. Lowi: Four Systems of Policy, Politics, and Choice. In: Public Administration Review. Band 32, Nr. 4, Juli 1972, S. 302, doi:10.2307/974990, JSTOR:974990.
  5. Klaus von Beyme: Der Gesetzgeber: der Bundestag als Entscheidungszentrum. Westdeutscher, 1997, ISBN 3-531-12956-2.
  6. Georg Wenzelburger, Reimut Zohlnhöfer: Konzepte und Begriffe in der Vergleichenden Policy-Forschung. In: Georg Wenzelburger, Reimut Zohlnhöfer (Hrsg.): Handbuch Policy-Forschung. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01967-9, S. 23.
  7. Peter A. Hall: Policy Paradigms, Social Learning, and the State: The Case of Economic Policymaking in Britain. In: Comparative Politics. Band 25, Nr. 3, April 1993, ISSN 0010-4159, S. 275, doi:10.2307/422246.
  8. Schubert, Klaus, 1951- editor. Bandelow, Nils C., editor.: Phasenmodelle und Politikprozesse: Der Policy-Cycle. In: Lehrbuch der Politikfeldanalyse. 2014, ISBN 978-3-11-040807-2.
  9. Georg Wenzelburger, Reimut Zohlnhöfer: Konzepte und Begriffe in der Vergleichenden Policy-Forschung. In: Georg Wenzelburger, Reimut Zohlnhöfer (Hrsg.): Handbuch Policy-Forschung. 2015, ISBN 978-3-658-01968-6, S. 28 f.