Polyplay

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Polyplay v2.0 (8 versch. Spiele)
Polyplay.jpg
Studio VEB Polytechnik
Publisher VEB Polytechnik
Erstveröffent-
lichung
1986
Genre diverse/ Retro
Spielmodus 1 Spieler
Steuerung 8-Wege Joystick; 1 Knopf
Gehäuse Standard
Arcade-System Z80-Clone (@ 2,4576 MHz)
Sound CPU: speziell
Sound Chips: -
Monitor Raster Auflösung 512 × 256 (Fernseher) Farbpalette: 10
Information einziger Arcade-Automat der DDR

Polyplay war der einzige Arcade-Automat, der in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) entwickelt wurde.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde vom Volkseigenen Betrieb VEB Polytechnik Karl-Marx-Stadt entwickelt und von 1986 bis 1989 gefertigt. Insgesamt verließen in diesem Zeitraum ungefähr 2000 Automaten das Werk. Das Gehäuse war braun und wurde vom Möbelhersteller VEB Raumkunst Mosel (Zwickau) hergestellt.

Der Automat wurde bevorzugt an FDGB-Ferienheime und öffentliche Einrichtungen verkauft. Ein Automat kostete circa 22.000 Mark (Ost).

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Polyplay lief mit einem Zilog Z80-Nachbau (U880), der mit 2,4576 MHz getaktet war, und eigenem Sound-System (mono).

Er unterstützte eine Farbpalette mit zehn Farben und lief in einer Bildauflösung von 512×256 Pixeln mit 50 Hertz auf dem dafür hinter einer Glasscheibe eingebauten Farbfernseher (RFT Colormat 4506).

Hinter dem Marquee befanden sich acht farbige Lampen, die eine Lichtorgel bildeten und über die Hauptplatine gesteuert wurden. Ferner wurde die Anzahl der gespielten Spiele gespeichert.

Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt standen acht Spiele zur Verfügung.

  • Hirschjagd (ähnlich Robotron: 2084)
  • Hase und Wolf (ähnlich Pac-Man, basiert auf russischer TV-Trickserie „Nu, Pogodi!“)
  • Abfahrtslauf
  • Schmetterlinge
  • Schießbude
  • Autorennen (ähnl. Gran Trak 10, der ersten Rennsimulation)
  • Merkspiel (auch Opto-akust. Merkspiel)
  • Wasserrohrbruch (Tropfen fallen von oben)

Es waren noch vier weitere Spiele geplant. Im Maschinencode finden sich Hinweise auf folgende Spiele: Der Gärtner, Im Gewächshaus, Hagelnde Wolken, Der Taucher. Zumindest zwei dieser Spiele wurden auch noch auf einigen Maschinen installiert.

Der Lizenzstatus der Spiele (ROMs) ist nach Schließung des Nachfolgeunternehmens Polytechnik Frankenberg GmbH im Jahre 2006 unklar. Die Spiele waren nie offiziell freie Software, wurden jedoch von Websites wie M.A.M.E. bereits vor Schließung als solche bezeichnet. Offenbar handelt es sich um Abandonware.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alternatives Gehäuse.

Der auf 50 Pfennig ausgelegte Münzeinwurf des Automaten war unzureichend. Da der Automat jedoch nicht zum Geld verdienen, sondern zur Unterhaltung in FDGB-Ferienheimen, Jugendherbergen und Clubs dienen sollte, wurde dies häufig toleriert. In manchen Clubs lief der Automat auch mit deaktiviertem Münzeinwurf, allerdings war der Andrang dann sehr hoch.

Den Münzeinwurf konnte man mit etwas Geschick selbst deaktivieren, indem man das Schloss des Automaten mit einer Nagelfeile, oder als Berechtigter mit dem dazu passenden Schlüssel, öffnete und den Schalter (ein normaler eingebauter Lichtschalter) einfach nach unten drückte. Danach konnte man, ohne zu bezahlen, so lange spielen, wie man wollte (normaler Freispielmodus).

Seit 2000 wird Polyplay (Version 2 mit acht Spielen und dem Auswahlmenü) durch M.A.M.E. emuliert. Die Polyplay Version 3 mit zehn Spielen ist zurzeit noch nicht verfügbar. Manche Spiele laufen auch auf dem DDR-Homecomputer KC85-4.

Es gibt auch einen gleichnamigen Roman von Marcus Hammerschmitt, der ebenfalls dieses Spiel zum Thema hat.

Geräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verbleib vieler Geräte ist ungeklärt, zwei Geräte sind bei dem Verein RetroGames e.V.,[1] eins ist im Computerspielemuseum Berlin.[2] Ein rekonstruiertes Modell ist im Rechenwerk Halle.[3][4]

Außerdem war eine Maschine im Rahmen der Computerspielausstellung Game On des Londoner Science Museum vom 21. Oktober 2006 bis 25. Februar 2007 zu sehen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Poly Play VEB Polytechnik – 1986 - RetroGames e.V. (letzter Zugriff 20. Januar 2011)
  2. Poly Play Andy's Arcade (2008, englisch)
  3. Rechenwerk Halle
  4. Auferstanden aus Ruinen - Spielautomat Polyplay
  5. Exhibit Review: Half a Century of Digital Gaming, Game On - The Society for the History of Technology, Stefan Schmitt (2007, englisch)